Was ist systemisches Risiko?


Seminararbeit, 2010

38 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Systemisches Risiko in der Finanzindustrie

3 Systemische Events und systemische Krise

4 Systemrisiken durch Finanzinstitute und durch Produkte und Märkte
4.1 Größen, die die Systemrelevanz eines Institutes darstellen
4.2 Die Größe des Instituts „Too big to fail Problem“
4.2.1 Grad der Vernetzung „Too interconnected to fail Problem“
4.2.2 Grad der Komplexität „Too complex to fail Problem“
4.2.3 Grad der Korrelation des Portfolios “Too many to fail Problem”
4.2.4 Marktdominanz eines Institutes in einem Marktsegment
4.3 Systemrisiken durch Märkte und Produkte

5 Messung des systemischen Risikos
5.1 Das Co Risikomodell
5.2 Das Netzwerkmodell
5.3 Das Scoring Modell

6 Wie muss die die Finanzindustrie reguliert und restrukturiert werden, um systemische Risiken zu vermeiden
6.1 Regulierung der systemrelevanten Finanzinstitute und Finanzmärkte
6.2 Restrukturierung des Finanzsystems

7 Schlussfolgerung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Unbedingter vs. VaR in verschiedenen Finanzinstituten

Abbildung 2. Die Grundstruktur der systemischen Risikoanalyse

Abbildung 3. Indikatoren zur Bestimmung der Systemrelevanz des Institutes

Tabellenverzeichnis

Tabelle I. Die Ausfallhöhe der Ländersimulation durch Kredit und Liquiditätsschock

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das systemische Bankenrisiko ergibt sich aus dem gemeinsamen Ausfall mehrerer unabhängiger Finanzinstitute. Das so verstandene systemische Risiko eines Finanzmarktes gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund negativer Entwicklungen mehrere Bankinstitute gleichzeitig in Schwierigkeiten geraten. Das Merkmal der Gleichzeitigkeit ist konstitutiv für eine Bankenkrise, und das so definierte systemische Risiko erfasst genau diese Gefahr für die Finanzmarkstabilität.

Da in komplexen Systemen die entsprechenden Ansteckungs und Dominoeffekte jedoch empirisch nicht eindeutig identifizierbar bzw. quantifizierbar sind, lässt sich im Voraus auch kaum präzise definieren, für welche Finanzinstitution das Kriterium der systemischen Relevanz gilt.

Im Rahmen dieser Seminararbeit versuchen wir dennoch die Kriterien aufzuzeigen, die die systemische Relevanz eines Finanzinstitutes oder einer Gruppe von Banken ausmachen können, und zeigen dann die verschiedenen Modelle auf, die zum Messen des Systemischen Risikos geeignet sind. Wir untersuchen in unserer Arbeit auch wie die Ausfallrisiken entstehen könne, wie zum Beispiel durch Ansteckung von einer Bank zur nächsten oder durch eine unerwartete Entwicklung, einen makroökonomischen Schock.

Sofern ein Finanzinstitut oder eine Gruppe von Banken durch einen möglichen Ausfall die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährden, sind staatliche Stützungsmaßnahmen gerechtfertigt.

Mit Beispielen aus der aktuellen Finanzmarktkrise zeigen wir die Rahmenbedingungen für ein staatliches Eingreifen auf und gehen schließlich auch auf staatliche Regulie rungs und Interventionsmaßnahmen ein, die helfen sollen, die Sicherheit und Stabilität des Bankensystems in der Zukunft zu gewährleisten.

Wesentlich dabei ist, dass systemrelevante Banken oder Finanzintermediäre nicht untergehen dürfen. Systemrelevant sind Banken, deren Gefährdung insbesondere aufgrund ihrer Größe und ihrer Vernetztheit erhebliche negative Folgeeffekte bei anderen Kreditinstituten auslösen und zu einer Instabilität des Finanzsystems insgesamt führen könnte.

2 Systemisches Risiko in der Finanzindustrie

„Ein systemisches Risiko liegt vor, wennsich ein auf ein Element eines Systems einwirkendes Ereignis aufgrund der dynamischen Wechselwirkungen zwischen den Elementen des Systems auf das System als Ganzes negativ auswirken kann oder wennsich aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den Elementen die Auswirkungen mehrerer auf einzelne Elemente einwirkender Ereignisse so überlagern, dass sie sich auf das System als Ganzes negativ auswirken können.“1

Systemische Risiken entstehen in der Finanzindustrie, wennaufgrund des Fehlverhaltens eines einzelnen Finanzinstitutes andere Institute betroffen werden. Gerade die neuen Finanzinstrumente haben national und international systemische Risiken ausgelöst, die von den Bankenaufsichten nicht rechtzeitig erkannt wurden.

Der Rahmen für systemische Risiken sind insbesondere die Verflechtungen am Interbankenmarkt, der den Banken zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung dient. Ohne diesen Interbankenmarkt wäre ein modernes Finanzsystem nicht denkbar. Der Ausfall eines Akteurs hat unmittelbare Folgen für alle Banken, denen gegenüber der zahlungsunfähige Akteur offene Positionen besitzt. Die Folgen können sich schnell innerhalb des Systems fortpflanzen und an Dynamik gewinnen.2 Es entsteht dann der sogenannte Informationseffekt: Bank A befürchtet aufgrund der Zahlungsschwierigkeit der Bank B, dass auch Bank C bald nicht mehr in der Lage sein könnte, ihren Verpflichtungen nachzukommen, potenziert die negative Entwicklung zusätzlich.3 Wie die Insolvenz von Lehman Bro thers im September 2008 gezeigt hat, ist der folgende Dominoeffekt national und international kaum zu kontrollieren.

Die unvollständige Informiertheit der Einleger kann ebenfalls systemische Risiken auslösen. Sind die Einleger nicht in der Lage, die wirtschaftliche Situation der Institute hinreichend zu differenzieren, werden sie die Schwierigkeiten einer Bank als Ausdruck eines strukturellen Problems des gesamten Bankensektors ansehen.4

Die systemische Komponente einer möglichen Finanzmarktkrise kann zu einem Zusammenbruch des gesamten Finanzmarktes führen. Ein Finanzsystem gilt dann als instabil, wennes zu einer systemisch bedingten Selbstverstärkung von unerwünschten Zuständen kommt. Im Umkehrschluss zeichnet sich ein stabiles Finanzsystem dadurch aus, dass es Schocks von innerhalb oder außerhalb des Systems absorbieren kann und von selbst wieder zu einem stabilen Zustand zurückfindet.5

Bislang konzentrieren sich die Eigenkapitalgrundsätze nur auf das Ausfallrisiko eines einzelnen Instituts, das heißt, das Mindesteigenkapital orientiert sich an den Verlustwahrscheinlichkeiten der einzelnen Bank. Das Risiko eines kollektiven Ausfalls von Instituten bleibt dabei unberücksichtigt. Insbesondere durch die neuen Finanzprodukte, allen voran die CDS, ist die Vernetzung und die Abhängigkeit zwischen Finanzinstituten deutlich angestiegen und damit haben sich die korrelierten Risiken erhöht. Eine zukünftige Bankenregulierung wird deshalb die Korrelation der Bankenrisiken transparent machen, sie systematisch beobachten und möglicherweise mit Kapital unterlegen zu lassen.6

Der Sachverständigenrat spricht in seinem Jahresgutachten von Systemische Risiken als „negative Externalität“, die als negative Beeinträchtigung anderer verstanden werden, wennzum Beispiel ein Finanzinstitut die Auswirkungen seiner Geschäftspolitik auf die Stabilität des Finanzsystems außer Acht lässt. Es hat den Anschein, dass Finanzmarktakteure sogar einen Anreiz haben, besonders groß und damit systemisch zu werden, da so die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass im Schadensfall ein Teil des Schadens sozialisiert, das heißt von der Allgemeinheit getragen wird.7

3 Systemische Events und systemische Krise

Das systemische Event besteht aus zwei wesentlichen Elementen: Schock und Verbreitung der Informationen.8

Im engeren Sinne liegt ein systemischer Event dann vor, wenndie Veröffentlichung von negativen Nachrichten über ein Finanzinstitut oder über die Insolvenz eines Instituts oder der Zusammenbruch eines Marktsegments wesentliche nachteilige Auswirkungen auf ein oder mehrere Institute oder auf ganze Marktsegmente hat. Dem Dominoeffekt von einem Institut zum anderen bzw. von einem Markt zum anderen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, der ausgeht von einem begrenzten, spezifischen Idiosyn cratic Schock.9

Ein Idiosyncratic Schock betrifft zunächst nur ein Institut oder nur ein Finanzprodukt. Ein Beispiel für einen Idiosyncratic Schock ist der Ausfall einer einzelnen Regionalbank aufgrund eines internen Betrugsfalles. Auch die plötzliche Abwertung einer unbedeutenden Währung aufgrund eines unhaltbaren Haushaltdefizites kann als Idiosyncratic Schock für das internationale Finanzsystem gesehen werden.10

Ein systemisches Event im engeren Sinne kann so stark sein, dass ein Finanzinstitut, das ex ante fundamental gesund gewesen ist, ausgelöst durch das ursprüngliche Event in der zweiten Runde oder später ebenfalls kollabiert. Dieses Phänomen wird auch als Contagion (Ansteckung) bezeichnet.11

Zwei klassische Beispiele aus dem Jahre 1984 sind die Herstatt Bank sowie Continental Illinois oder relativ aktuell: Die Acquisition von Bear Stearns durch J P Morgan Chase, die von der Federal Reserve of New York unter dem Contagion Aspekt gerechtfertigt worden ist.12

Die Veröffentlichung neuer Informationen „Signals“ führt dann ebenso zu weitreichenden Konsequenzen.13

Systemische Events im weiteren Sinne beinhalten gleichzeitig nachteilige Konsequenzen bei einer großen Zahl von Finanzinstituten oder Märkten ausgehend von schwerwiegenden und weit verbreiteten Systematic Schocks.14

[...]


1 H. P. Neitzke 2007

2 Vgl. Arenz 2008, S. 8

3 Vgl. Bernholz, Faber, Petersen 2009, S. 12

4 Vgl. Arenz 2008, S. 8

5 Vgl. Arenz 2008, S. 9, 11

6 J. P. Krahnen 2006, S. 3, 4

7 Vgl. Sachverständigenrat Jahresgutachten 2009/10, S. 137

8 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 10

9 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 10

10 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 11

11 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 10, 11

12 Vgl. Thomson 2009, S. 3

13 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 10

14 Vgl. Brand, Hartmann 2000, S. 10

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Was ist systemisches Risiko?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V180552
ISBN (eBook)
9783656033172
ISBN (Buch)
9783656033561
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemisches Risiko, Ansteckungseffekt, CoVaR, Risikomessmethode, Spillover
Arbeit zitieren
Oki Bukhuu (Autor), 2010, Was ist systemisches Risiko?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180552

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