Höflichkeit spielt in der Grammatik zahlreicher Sprachen auch außerhalb der Anrede eine wichtige Rolle.
Die breite Skala von Möglichkeiten, über die das Russische und das Deutsche verfügen, werden zwar in der Literatur beschrieben (Zemskaja, Rathmayr, Haase, Berger, Held), oft bleibt aber unklar, wie die Abstufung der Höflichkeit genau aussieht und wann welche Form verwendet wird. Am deutlichsten wird dieses Problem bei den indirekten Sprechakten, die sich auf die Fähigkeit des Adressaten zur Ausführung der Handlung beziehen.
Die zentrale Aufgabenstellung der vorliegenden Arbeit soll zunächst sein, anhand von der Analyse der Höflichkeitstheorie von Zemskaja und der Umfrage der deutschen Muttersprachlern bestimmte Reaktionen auf gewisse Äußerungen darzustellen.
Zuerst werden die grundliegende Theorien von Brown und Levinson, Rathmayr und Haase vorgestellt, sowie von Zemskaja. Als Nächstes werden die Parallelen und die Unterschiede, die Kritikpunkte dargelegt.
Zum Schluss werden die unterschiedliche Situationen vorgestellt und die Reaktionen anhand von Beispielen interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Wertstrukturen der Höflichkeit
I.II. Die Normen der Höflichkeit
I. III. Brown/Levinsons zweckrationale Höflichkeitsstrategien
II. Zemskaja – Die Kategorie der Höflichkeit: die allgemeinen Fragen – das national-kulturelle Spezifikum der russischen Sprache
II.a. Die Beispiele im Russischen und im Deutschen
II.b. Bezug/Kritikpunkt zu R. Rathmayr
Abschließendes
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Ausdrucksmittel für Höflichkeit im modernen Russischen und vergleicht diese mit dem Deutschen, um die Abstufungen der Höflichkeit in Abhängigkeit von sozialen Faktoren zu analysieren.
- Analyse der Höflichkeitstheorie nach E. Zemskaja
- Vergleich von Höflichkeitsstrategien im Russischen und Deutschen
- Untersuchung indirekter Sprechakte und deren Wahrnehmung
- Einfluss soziokultureller Faktoren (Alter, Status, Distanz) auf die Sprachwahl
Auszug aus dem Buch
II.a. Die Beispiele im Russischen und im Deutschen
Am Telefon:
• Будте любезны/добры, попросите, пожалуйста, Ивана Петровича!
• Seien Sie so lieb, könnte ich bitte/ich möchte gern mit Frau Schmidt sprechen?9
Diese Bitte am Telefon wird in beiden Sprachen als sehr höflich empfunden.
• Попросите, пожалуйста, Ивана Петровича!
Можно попросить Ивана Петровича?
• Könnte ich bitte mit Frau Schmidt sprechen?
Hier wird eine sehr stark verbreitete Form gebraucht, die auch höflich ist, die aber auf einer niedrigeren Stufe im Vergleich zur obenstehenden steht.
• Ивана Петровича!
• Frau Schmidt, bitte!
Dies wird als sehr unhöflich empfunden, weil es einen auffordernden Charakter aufweist und nichts mehr mit der Bitte und Freundlichkeit zu tun hat, trotz des Wortes „bitte“ im Deutschen.
Zemskaja vermerkt, dass die Benutzung einer oder der anderen Äußerung von unterschiedlichen Faktoren abhängig ist: die Erziehung des Sprechers, das Alter, die Ausbildung, der Öffentlichkeitscharakter der Kommunikationssituation, der Status- und Distanzverhältnis zwischen dem Sprecher und dem Adressaten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der sprachlichen Höflichkeit und die Zielsetzung der Untersuchung im russisch-deutschen Vergleich.
I. Die Wertstrukturen der Höflichkeit: Erörterung der sozialpsychologischen Grundlagen von Höflichkeit basierend auf dem Konzept des Selbstwerts.
I.II. Die Normen der Höflichkeit: Analyse der sozialen Regulierungsmechanismen und Maximen zur Aufrechterhaltung der Höflichkeit.
I. III. Brown/Levinsons zweckrationale Höflichkeitsstrategien: Darstellung des Face-Konzepts als Basis für linguistische Strategien der Interaktion.
II. Zemskaja – Die Kategorie der Höflichkeit: die allgemeinen Fragen – das national-kulturelle Spezifikum der russischen Sprache: Theoretische Auseinandersetzung mit Zemskajas Ansatz zur Definition und Abstufung von Höflichkeit.
II.a. Die Beispiele im Russischen und im Deutschen: Praktische Analyse konkreter Sprachbeispiele für Höflichkeitsformen in beiden Sprachen.
II.b. Bezug/Kritikpunkt zu R. Rathmayr: Kritische Gegenüberstellung der Positionen von Zemskaja und Rathmayr zur sprachlichen Höflichkeit.
Abschließendes: Synthese der Ergebnisse und Fazit über die individuelle Natur und kulturelle Variabilität von Höflichkeit.
Schlüsselwörter
Höflichkeit, Russisch, Deutsch, Linguistik, Sprachvergleich, Zemskaja, Face-Konzept, indirekte Sprechakte, Soziolinguistik, Kommunikationsverhalten, Distanzhöflichkeit, Solidaritätshöflichkeit, Anredeformen, Pragmatik, Sprachkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Höflichkeit im Russischen und Deutschen sprachlich ausgedrückt wird und inwiefern diese Ausdrücke vergleichbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Höflichkeitstheorie, dem interkulturellen Sprachvergleich, der Analyse von Sprechakten sowie soziokulturellen Einflüssen auf das kommunikative Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Abstufungen der Höflichkeit bei indirekten Sprechakten zu identifizieren und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen russischen und deutschen Muttersprachlern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse bestehender Höflichkeitstheorien (Zemskaja, Brown/Levinson, Rathmayr) sowie der Interpretation von Textkorpora und Umfrageergebnissen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen erläutert und an konkreten Beispielen aus Alltagssituationen wie Telefonaten oder Anreden analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Höflichkeit, Sprachvergleich, Face-Konzept, Pragmatik und interkulturelle Kommunikation bestimmt.
Wie unterscheidet sich die russische Auffassung von Zemskaja von anderen Theorien?
Zemskaja lehnt die starre Einteilung in positive und negative Höflichkeit ab und plädiert stattdessen für eine Graduierung von Höflichkeit nach Maß und Charakter des sozialen Kontexts.
Warum wird die Anrede "junger Mann" oder "junge Frau" im Dienstleistungssektor kritisch gesehen?
Obwohl diese Anrede im privaten Kontext unter Gleichaltrigen gebräuchlich sein kann, wirkt sie gegenüber Angestellten im Dienstleistungssektor als unhöflich, da sie den professionellen Status ignoriert.
- Arbeit zitieren
- Julia Lukjanova (Autor:in), 2000, Zemskaja - Die Kategorie der Höflichkeit: die allgemeinen Fragen - das national-kulturelle Spezifikum der russischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1806