In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Kinder, die von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind, drastisch gestiegen: War Anfang der 1960er Jahre noch jedes zehnte Kind von einer Scheidung der Eltern betroffen, so war es in den 1970er Jahren schon jedes Vierte. Heute erlebt annähernd jedes zweite Kind die Scheidung seiner Eltern. Im Jahr 2008 waren 21.020 Kinder, davon 70,5% Minderjährige, von den Scheidungen der Eltern betroffen (Statistik Austria, 2008).
Die Mehrheit der geschiedenen/getrennten Eltern gehen nach einer gewissen Zeit wieder eine neue Partnerschaft ein. Im Erleben der Kinder stellen die neuen Beziehungen eines Elternteils ein ebenso einschneidendes Erlebnis dar wie die Trennung/Scheidung der Eltern. Erklärung hierfür ist, dass nicht selten aus jenen neuen Partnerschaften der Eltern neue Familienformen entstehen. Diese so genannten Stieffamilien machen vielfältige Wandlungs-, Veränderungs- und Anpassungsleistungen der Kinder erforderlich, damit ein Zusammenleben mit Stiefelternteilen als geglückt und befriedigend erlebt wird.
Im Rahmen vorliegender Arbeit werden jene notwendigen Entwicklungsaufgaben (Orter/Montada) auszugsweise aufgezeigt. Im Anschluss an die theoretische Auseinandersetzung folgt ein praxisbezogener Teil, der meine Erfahrungen in der Rainbows-Gruppe beschreibt (Kap. 3). Kapitel 3.1.stellt meine Rainbows-Gruppe näher vor. Danach folgt im Kap. 3.2. eine Reflexion der Zusammenarbeit mit den Eltern. Im Kapitel 3.3. schließt sich ein Überblick über die methodische Ausgestaltung der Gruppenstunde „Meine Familie“ an. 3.4. gibt wieder, welche Erfahrungen mit Stiefeltern bei den Kindern in meiner Rainbows-Gruppe vorhanden waren. Das Kapitel 4 schließt die Arbeit mit einem Resümee meiner Arbeit als Rainbows-Gruppenleiterin ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leben mit Stiefeltern
2.1. Definition Soziale Elternschaft/Stiefelternschaft
2.2. Formen des Lebens mit Stiefeltern
2.3. Ausgewählte Problemfelder von Kindern mit Stiefeltern
3 Leben mit Stiefeltern – Erfahrungen in der Rainbows-Gruppe
3.1. Vorstellung meiner Rainbows-Gruppe
3.2. Zusammenarbeit mit Eltern
3.3. Zusammenfassung der Gruppenstunde „Meine Familie“
3.4. Leben mit Stiefeltern und meine Rainbows-Gruppe
4 Resümee meiner Arbeit als Rainbows-Gruppenleiterin
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Anforderungen, die das Leben in einer Stieffamilie an Kinder stellt. Ziel ist es, die theoretischen Entwicklungsaufgaben und Problemfelder von Kindern in Stieffamilien aufzuzeigen und diese durch praktische Erfahrungen aus der Arbeit als Rainbows-Gruppenleiterin zu ergänzen und zu reflektieren.
- Definition und Formen der sozialen Elternschaft und Stieffamilien
- Psychosoziale Problemfelder von Kindern in Stieffamilien
- Praktische Erfahrungen und methodische Arbeit in einer Rainbows-Kindergruppe
- Reflexion der Zusammenarbeit mit Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen
- Identitätsentwicklung und Loyalitätskonflikte bei Kindern
Auszug aus dem Buch
2.3. Ausgewählte Problemfelder von Kindern mit Stiefeltern
Als typische Problemkreise von Kindern, in deren Leben Stiefeltern präsent sind und dauerhaft bzw. zeitweise ein Zusammenleben als Stieffamilie gelebt wird, können identifiziert werden:
Kinder sind oft Mitglieder von zwei Haushalten: Als Konsequenz aus dem gemeinsamen Sorgerecht gehören Kinder nach der Trennung/Scheidung ihrer leiblichen Eltern häufig sowohl zum Haushalt des Elternteils in der neuen Lebensgemeinschaft als auch zum getrennt lebenden Elternteil. Jede dieser Familiengemeinschaften hat eigene Regeln. Die meisten Kinder, die zu zwei Haushalten gehören, haben sozusagen einen Hauptwohnsitz und besuchen den anderen Haushalt in regelmäßigen Abständen. Für die Kinder kann dies eine Bereicherung sein, es kann aber auch, vor allem bei schwelenden Konflikten zwischen den getrennt lebenden Eltern, zu erheblichen Irritationen führen. Folge dessen ist dann häufig, dass die Kinder hin und hergerissen sind zwischen den verschiedenen Lebensstilen der zwei Haushalte.
Kinder haben sowohl biologische als auch soziale Elternteile, die jedoch keinerlei Entscheidungsbefugnis und elterliche Rechte und Pflichten haben: Jedes Kind hat leibliche Eltern, die biologisch und rechtlich für dieses verantwortlich sind. Auch nach einer Trennung/Scheidung der Eltern werden jene Elternpflichten mehr oder weniger intensiv weiterhin von beiden Elternteilen übernommen. Übernimmt der neue Partner der getrennten/geschiedenen Eltern faktisch die Elternrolle von Müttern/Vätern, tritt zur biologischen Elternschaft die Soziale hinzu bzw. wird ein verstorbener leiblicher Elternteil durch einen sozialen Elternteil ersetzt. Somit herrscht also zwischen dem leiblichen Elternteil und dem Stiefelternteil eine asymmetrische Verteilung der Erziehungsverantwortung für die Kinder. Dadurch ist ein relativ hohes Konfliktpotential im Binnenraum der Stieffamilie gegeben. Es stellt also eine besondere Herausforderung dar, die Funktion des Stiefelternteils im Familiensystem zu klären, seine Rollen gegenüber den Kindern seines Partners zu definieren und mit denen der anderen Familienmitglieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg von Scheidungen und die daraus resultierende Zunahme von Stieffamilien sowie die Notwendigkeit, Kinder bei den damit verbundenen Anpassungsleistungen zu unterstützen.
2 Leben mit Stiefeltern: Dieses Kapitel definiert soziale Elternschaft, typisiert verschiedene Stieffamilienformen und analysiert spezifische Belastungen wie Loyalitätskonflikte und Rollenunklarheiten.
3 Leben mit Stiefeltern – Erfahrungen in der Rainbows-Gruppe: Die Autorin beschreibt die konkrete Arbeit mit einer Kindergruppe, reflektiert die methodische Gestaltung und die Dynamik in der Zusammenarbeit mit Eltern.
4 Resümee meiner Arbeit als Rainbows-Gruppenleiterin: Das Fazit fasst die persönlichen Lernerfahrungen der Autorin zusammen und bewertet die Herausforderungen bei der methodischen Anpassung an eine altersgemischte Gruppe.
Schlüsselwörter
Stieffamilie, soziale Elternschaft, Scheidung, Kinder, Rainbows-Pädagogik, Loyalitätskonflikt, Identitätsfindung, Rollenbilder, Familienformen, Trennung, Patchworkfamilie, Erziehung, Familiensystem, Entwicklungsprozess, Gruppenleitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den psychosozialen Herausforderungen, denen Kinder gegenüberstehen, wenn ihre Eltern neue Partnerschaften eingehen und sie in einer Stieffamilie aufwachsen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition von Stiefelternschaft, die Identifikation von Problembereichen bei Kindern sowie die praktische Umsetzung von pädagogischer Unterstützung in einer Rainbows-Gruppe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe der Stieffamilienproblematik mit den praktischen Erfahrungen einer Gruppenleiterin zu verknüpfen, um die Lebenswelt der betroffenen Kinder besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu soziologischen und psychologischen Grundlagen sowie die praxisorientierte Reflexion ihrer eigenen Tätigkeit als Rainbows-Gruppenleiterin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Stieffamilien-Strukturen und einen praxisbezogenen Teil, der die Arbeit in der Rainbows-Gruppe und die Reflexion von Gruppenstunden darstellt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Stieffamilie, Loyalitätskonflikt, soziale Elternschaft, Identitätsentwicklung und pädagogische Gruppenarbeit.
Wie gehen die Kinder in der beschriebenen Rainbows-Gruppe mit dem Thema Trennung um?
Die Kinder zeigten anfangs eine starke Hoffnung auf Versöhnung der Eltern und erlebten gleichzeitig Herausforderungen bei der Integration neuer Bezugspersonen, wobei sie durch die Gruppenarbeit beim Akzeptieren der neuen Realität unterstützt wurden.
Welche Schwierigkeiten ergaben sich bei der methodischen Arbeit mit der Gruppe?
Die größte Herausforderung war die Altersheterogenität, die ein ständiges Anpassen der Methoden erforderte, sowie das unregelmäßige Erscheinen einzelner Kinder, was die Umsetzung vorbereiteter Gruppenkonzepte erschwerte.
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- Dipl.-Päd. Katharina Theissig (Author), 2011, Leben mit Stiefeltern - Vielfältige Anforderungen an die Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180753