Schadstoffbelastung von Lebensmitteln


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen der Schadstoffe in Lebensmitteln

3. Rechtsvorschriften und Verbraucherschutz
3.1 EU-Vorschriften
3.2 Nationale Regelungen
3.3 Grenzwerte in der Risikobewertung
3.3.1Acceptable Daily Intake (ADI)
3.3.2 Akute Referenzdosis (ARfD)

4.Aktuelle Ergebnisse von Lebensmittel-Monitorings
4.1 Pflanzliche Lebensmittel
4.1.1 Schadstoffe aus der Atmosphäre
4.1.2 Schadstoffe aus dem Boden
4.1.2.1 Natürliche Schadstoffe
4.1.2.2 Unnatürliche Schadstoffe
4.1.3 Mehrfachrückstände
4.2 Tierische Lebensmittel
4.3 Unerwünschte Stoffe aus der Be- und Verarbeitung

5. Konventioneller vs. Ökologischer Landbau

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Befragt nach der Lebensmittelsicherheit in der heutigen Zeit gehen die (subjektiven) Einschätzungen von Lebensmittelexperten und Verbrauchern ziemlich weit auseinander.„Die Lebensmittel in Deutschland sind so sicher wie nie zuvor!“, lassen erstere häufig verlauten. Verbraucher schätzen dies jedoch komplett anders ein. Laut aktuellen Umfragen ist jeder vierte Deutsche der Ansicht, dass sich die Lebensmittelsicherheit in den letzten 20 Jahren verschlechtert hat (vgl. THE EUROPEAN FOOD INFORMATION COUNCIL 2004). Nach OLTERSDORF befürchtet sogar jeder Dritte durch Nahrungsmittel eine Gefährdung seiner Gesundheit (vgl. 2003: 15). In Bezug auf die Gefahren, die von Lebensmitteln ausgehen, nennen deutsche Verbraucher an erster Stelle Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Deutlich geringe Bedeutung messen sie dagegen einem falschen Ernährungsverhalten oder natürlichen Giftstoffen bei (vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION 2006). Ob wir als Mensch ein Risiko wahrnehmen und wie wir es bewerten, hängt unter anderem von unserem Vorwissen und unseren persönlichen Erfahrungen ab.

Diese Arbeit setzt sich in ihrem Hauptteil mit aktuellen Daten zur Schadstoffbelastung sowohl von pflanzlichen als auch von tierischen Lebensmitteln auseinander. Die Ergebnisse der Lebensmittel- und Warenkorb-Monitorings werden hierbei nach den verschiedenen Quellen (Atmosphäre, Boden) sowie nach natürlichen/unnatürlichen Schadstoffen gegliedert.

Auf die Einleitung folgt ein Kapitel, das sich zunächst ganz allgemein mit den Quellen der in den Lebensmitteln enthaltenen Schadstoffe beschäftigt. Kapitel 3 widmet sich den rechtlichen Bestimmungen und Grenzwerten auf unterschiedlichen administrativen Ebenen und bildet somit die Grundlage für eine Bewertung der in Kapitel 4 präsentierten Ergebnisse. Im 5. Kapitel dieser Arbeit werden Produkte konventionellen und ökologischen Landbaus miteinander verglichen, bevor die Arbeit in Kapitel 6 mit einem Fazit und Ausblick schließt.

2. Quellen der Schadstoffe in Lebensmitteln

Unerwünschte Stoffe können aus den verschiedensten Quellen und auf den unterschiedlichsten Wegen in Lebensmittel gelangen. Nach ihrer Herkunft kann man dabei folgende Gruppen unterscheiden (vgl. DIRSCHAUER/KESSNER/JURETZKO 2009: 5):

- Rückstände aus der landwirtschaftlichen Produktion (z. B. Nitrat)

Rückstände sind Reste von Stoffen, die absichtlich oder zielgerichtet während der Produktion pflanzlicher oder tierischer Lebensmittel (z.B. Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel) oder während ihrer Lagerung (z. B. Vorratsschutzmittel) eingesetzt werden. Wenn diese Stoffe oder deren Umwandlungsprodukte während der Lebenszeit der Pflanzen oder Tiere bzw. bis zum Verzehr des Lebensmittels nicht vollständig abgebaut oder ausgeschieden werden, treten sie als Rückstände in Lebensmitteln auf.

- Verunreinigungen aus der Umwelt (z. B.Quecksilber, Dioxine)

Als Verunreinigungen oder Kontaminanten bezeichnet man solche Stoffe in Lebensmitteln, die unbeabsichtigt vor, während oder nach der Verarbeitung der Lebensmittelrohstoffe in das verzehrfähige Lebensmittel gelangen.

Verunreinigungen können aus der Umwelt (also aus dem Boden, dem Wasser, der Luft) aber auch aus technischen Geräten oder Verpackungen stammen. Es handelt sich bei Verunreinigungen nicht nur um Verschmutzungen im üblichen Sinne wie Sand, Insektenteile, Federn, Mäusekot, etc., sondern auch um kleinste Mengen an Fremdstoffen in oder auf dem Lebensmittel. Verunreinigungen sind grundsätzlich unerwünscht, in vielen Fällen aber nicht völlig zu vermeiden.

- Stoffe, die bei der Be- und Verarbeitung sowie Zubereitung von Lebensmitteln entstehen (z. B.Acrylamid)

Durch Entwicklung moderner Analysemethoden ist es heute möglich, auch kleinste Spuren eines Stoffes im Lebensmittel nachzuweisen und mengenmäßig zu bestimmen. Das bloße Auffinden eines Stoffes sagt aber noch nichts darüber aus, ob der Verzehr des Lebensmittels gesundheitlich bedenklich ist. Entscheidend ist, inwieweit der vorgefundene Gehalt sich dem Wert nähert, von dem eine schädigende Wirkung ausgehen könnte.

- Stoffe aus Lebensmittelverpackungen, -gefäßen, -papieren oder –folien (z. B. Weich-macher, Antihaftbeschichtungen oder Druckfarben von Lebensmittelverpackungen)

- Natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende Stoffe

3. Rechtsvorschriften und Verbraucherschutz

Zum Schutz der Verbraucher vor gesundheitlichen Gefährdungen durch unerwünschte Stoffe sind sowohl EU-weit als auch auf nationaler Ebene eine Vielzahl von zum Teil sehr detaillierten Vorschriften erlassen worden. Diese Vorschriften dienen dem Zweck, möglichst niedrige Gehalte an Schadstoffen in Lebensmitteln zu gewährleisten. Sie greifen von der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Lebensmittelverarbeitung bis hin zum verzehrfertigen Lebensmittel. Die Rechtsvorschriften können sowohl Verbote für bestimmte (Schad-) Stoffe als auch Nutzungsbeschränkungen und Höchstmengen enthalten. Auf nationaler Ebene kontrollieren die amtlichen Lebensmittelüberwachungen der Bundesländer die Einhaltung der Bestimmungen. Wie es auf der Homepage des BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) heißt, „kontrollieren die Überwachungsämter stichprobenhaft Betriebe, die Lebensmittel verkaufen oder verarbeiten. Hinzu kommen Kontrollen bei berechtigten Verbraucherbeschwerden oder Lebensmittelskandalen. Bei den Betriebskontrollen werden auch Lebensmittelproben gezogen, die im Labor analysiert werden“.

3.1 EU-Vorschriften

Innerhalb der Europäischen Union gibt es für eine Reihe von Lebensmitteln verbindliche gesetzlich festgelegte Höchstgehalte für bestimmte Stoffe. Siehe Tabelle 1 für eine Übersicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1 EU-weit geltende Höchstgehalte für Kontaminanten in Lebensmitteln, Quelle: eigene Darstellung nach DIRSCHAUER/KESSNER/JURETZKO 2009: 6ff.

Um einen Eindruck von der Ausgestaltung von EU-Verordnungen zu bekommen, finden sich die ersten zwei Seiten der EU-Verordnung „Zur Festlegung der Probenahmeverfahren und Analysemethoden für die amtliche Kontrolle des Mykotoxingehalts von Lebensmitteln“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION 2006: 1) im Anhang dieser Arbeit.

Darüber hinaus gibt es auf EU-Ebene weitere Verordnungen über Tierarzneimittelrückstände, über Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel (seit dem 1. September 2008) und schließlich eine Verordnung über im Lebensmittelkontakt eingesetzte Materialien.

Die erst genannte Verordnung legt Rückstandshöchstmengen für Tierarzneimittel in Fleisch, Fisch, Milch, Eiern und Honig fest. Darüber hinaus bestimmt sie, welche Arzneimittel nicht bei lebensmittelliefernden Tieren angewendet werden dürfen.

Die Verordnung über im Lebensmittelkontakt eingesetzte Materialien regelt, dass z. B. Stoffe, die in Verpackungen enthalten sind, nicht auf Lebensmittel übergehen dürfen. Kommt dies dennoch vor, ist das nur unter drei Voraussetzungen zulässig. Erstens dürfen die Gehalte die menschliche Gesundheit nicht gefährden, zweitens dürfen sie zu keiner unvertretbaren Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel führen und nicht zuletzt dürfen sie zu keiner geruchlichen sowie geschmacklichen Beeinträchtigung des Lebensmittels führen (vgl. MEYER/STREINZ2002: 38).

3.2 Nationale Regelungen

Auf nationaler Ebene ist das wichtigste Gesetz zum Schutz des Verbrauchers das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB). Es kann als Rahmengesetz bezeichnet werden und enthält allgemeine Ge- und Verbote, die den Verbraucher vor Gesundheitsschäden und Täuschung schützen sollen. Wie es in der Informationsbroschüre des AID heißt, müssen „alle Beteiligten von der Herstellung bis zum Verkauf dafür sorgen, dass Beschaffenheit und Bezeichnung eines Lebensmittels den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen“ (DIRSCHAUER/KESSNER/JURETZKO 2009: 8).Das LFGB ergänzt die EU-weit geltende Kontaminantenverordnung durch fünf detaillierte nationale Regelungen. Dazu zählen neben der Schadstoff-, der Mykotoxin- und der Rückstands-Höchstmengenverordnung auch die Diätverordnung sowie die Trinkwasser-Verordnung.

Die Diätverordnung besteht aus besonders strengen Vorschriften für die Nahrung von Kleinkindern und Säuglingen. Die Höchstmengen liegen hier weit unter den für Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs gültigen Werten. Ein Beispiel stellt die Rückstandshöchstmenge von Pflanzenschutzmitteln dar. Sie beträgt allgemein 0,01 mg/kg, für das im Tierversuch krebserregende Herbizid Nitrofen sind es sogar nur 0,003 mg/kg. Diese Werte kommen praktisch einer Rückstandsfreiheit gleich (vgl. MEYER/STREINZ 2002: 43).

In der Trinkwasser-Verordnung schließlich sind die Höchstmengen für Kontaminanten im Trinkwasser, wie z. B. Nitrate, Blei, organische Chlorverbindungen sowie Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, verankert.

3.3 Grenzwerte in der Risikobewertung

Ein Risiko von Rückständen beurteilen die Kontrolleure der amtlichen Lebensmittelüberwachung auf der Grundlage von zwei Werten: dem ADI und der ARfD.

3.3.1 Acceptable Daily Intake (ADI)

Der ADI (deutsch: ETD – E rlaubte T ages d osis) bezeichnet die Dosis eines Lebensmittelzusatzstoffs aber auch anderer Substanzen, wie etwa Pestizide oder Medikamente, die ein Verbraucher ein Leben lang täglich ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufnehmen kann. Unter Berücksichtigung der geschätzten mittleren Aufnahmemenge des Lebensmittels und dem durchschnittlichen Körpergewicht eines Erwachsenen wird die höchstzulässige Menge eines unerwünschten Stoffes berechnet. Dabei werden die Höchstmengen so gering wie möglich festgesetzt, um zu verhindern, dass der Verbraucher durch eine gelegentliche Überschreitung gefährdet wird. Der ADI dient der Bewertung eines chronischen Risikos. Der Wert wird in Milligramm bzw. Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben.

Zur Bestimmung des ADI-Wertes wird durch Fütterungsversuche an Ratten und Mäusen, beobachtet, bis zu welcher Menge an den Versuchstieren keine erkennbaren Schädigungen auftreten. Der ermittelte Wert wird durch den Sicherheitsfaktor "100" geteilt. Der Sicherheitsfaktor errechnet sich aus zwei Gegebenheiten: Zum einen reagieren die Versuchstiere nicht gleichmäßig auf die ihnen verabreichten Substanzen. Darum wird der ermittelte ADI-Wert durch 10 dividiert. Zum anderen soll ein weiterer Faktor 10 für den nötigen "Sicherheitsabstand" sorgen. Der ermittelte Wert wird also nochmals durch 10 dividiert. Der ADI-Wert wird von internationalen Expertengremien festgelegt (vgl. TERNES et. al. 2005: 19).

3.3.2 Akute Referenzdosis (ARfD)

Die akute Referenzdosis ist ein zweiter „toxikologischer Referenzwert im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Beurteilung von unerwünschten Stoffen in Lebensmitteln“ (DIRSCHAUER/KESSNER/JURETZKO 2009: 9). Sie wird zur Bewertung eines akuten Risikos herangezogen. Sie ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares Risiko für den Verbraucher aufgenommen werden kann. Die Menge wird nur für solche Stoffe festgelegt, die aufgrund ihrer akuten Toxizität schon bei einmaliger oder kurzzeitiger Exposition gesundheitliche Schädigungen hervorrufen können. Die Überschreitung des Wertes löst eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem aus, das Lebensmittel ist daher nicht mehr verkehrsfähig.

4. Aktuelle Ergebnisse von Lebensmittel-Monitorings

Dieses Kapitel präsentiert ausgewählte Ergebnisse von Lebensmittel- und Warenkorb-Monitorings der zurückliegenden Jahre. Die Gliederung der Unterkapitel verdeutlicht Tabelle 2. Der Fokus liegt zunächst auf pflanzlichen Lebensmitteln. Innerhalb der Betrachtung werden nacheinander Schadstoffe unterschiedlicher Quellen bzw. Schadstoffe aus den zwei Umweltmedien Atmosphäre und Boden näher beleuchtet. Ein weiteres Unterkapitel wird den Mehrfachrückständen gewidmet. Im Kapitel ‚Tierische Lebensmittel‘ wird neben dem Prinzip des Carry Over auch auf Tierarzneimittelrückstände in Lebensmitteln eingegangen. Kapitel 4.3 widmet sich schließlich den unerwünschten Stoffen aus der Be- und Verarbeitung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2 Aufbau des vierten Kapitels

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Schadstoffbelastung von Lebensmitteln
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Physische Geographie und Landschaftsökologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V180766
ISBN (eBook)
9783656036562
ISBN (Buch)
9783656036760
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schadstoffbelastung, lebensmitteln
Arbeit zitieren
B. A, Inga Herrmann (Autor:in), 2011, Schadstoffbelastung von Lebensmitteln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180766

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