Über den Kalten Krieg, dessen Verlauf und Folgen, gibt es reichlich Literatur. Vieles wurde geschrieben, diskutiert und verstanden. Doch wie kam es zu einer Formierung der Blöcke? Welche Umstände trugen dazu bei? Wann begann der Kalte Krieg wirklich?
Auf politischer und militärischer Sicht muss die Situation nach Kriegsende in Deutschland und Berlin, welche die Gegensätze zwischen den Alliierten offen hervor trugen, angeführt werden. Jedoch stellte ein wichtiger Einschnitt in eine künftige Zusammenarbeit – oder zu mindestens Akzeptanz des Ostblocks – durch die westlichen Alliierten die Gründung der NATO 1949 da. Denn der transatlantische Pakt der Westmächte formte eine Einheit, die sich aufgrund der Gefahr die aus dem Osten, in Form der UdSSR, drohte, zum Schutz und zur Sicherheit gegen den ideologischen Gegner. Die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten war nicht nur auf das Militärische beschränkt. Auch die Wirtschaft und der Handel spielte eine entscheide Rolle in der Kooperation der Westmächte.
Doch wie kam es dazu, dass drei Länder des Nordens – Norwegen, Dänemark und Island – die vor dem zweiten Weltkrieg in außenpolitischen Angelegenheiten irrelevant waren und zudem über kaum militärische Ressourcen verfügten, da sie einer strikten Neutralitätspolitik folgten, in einem so mächtigen Bündnis mitwirkten und dort eine so bedeutende Rolle einnahmen?
Um dieser Frage zu beantworten, muss geklärt werden, welche Ursachen und Beweggründe es für die drei skandinavischen Länder gab und welche Folgen sich aus dem NATO-Beitritt für die Länder Nordeuropas sowie für die anderen Mitglieder der NATO ergaben.
Diese Arbeit wird sich zunächst mit der Vorgeschichte der NATO (2.), sowie mit der Gründung der NATO (3.) beschäftigen, um herauszuarbeiten, wie es zu dem transatlantischen Bündnis gekommen ist, welche Faktoren es beeinflussten und welche Konflikte und Problem, sowie Chancen und Alternativen besprochen wurden.
Die Staaten Nordeuropas waren jedoch, obwohl Dänemark, Norwegen und Island als Gründungsmitglieder angegeben werden, zu den Vorverhandlungen nicht eingeladen. Deshalb soll im Verlauf der Arbeit geklärt werden, welche Faktoren, Beweggründe und Ursachen den Beitritt beeinflussten (4.) und welche Bedeutung die Länder Nordeuropas für die beratenden Parteien und insbesondere der USA hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte der NATO
3. Gründung der NATO
4. Ursachen, Beweggründe und Folgen des NATO-Beitritts
4.1 Norwegen
4.2 Dänemark
4.3 Island
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Ursachen, Beweggründe und Konsequenzen des NATO-Beitritts von Norwegen, Dänemark und Island im Kontext des beginnenden Kalten Krieges und analysiert dabei, wie diese Staaten trotz einer vorangegangenen Neutralitätspolitik in das transatlantische Bündnis integriert wurden.
- Geopolitische Bedeutung der nordischen Länder für die NATO und die USA.
- Die Rolle der sowjetischen Einflussnahme und die Sorge vor dem Kommunismus.
- Unterschiedliche nationale Reaktionen auf das Ende des Zweiten Weltkriegs.
- Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Vorteile der Bündnismitgliedschaft.
- Die Balance zwischen Blockbildung und nationaler Souveränität.
Auszug aus dem Buch
4.1 Norwegen
Durch die Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg – die 5 Jahre deutsche Besetzung und bei ihrem Rückzug die Zerstörung der Finnmark und Nord-Troms beinhalteten – waren die norwegischen Politiker nach Beendigung des Krieges der Meinung, dass die Zusammenarbeit in einem künftigen Krieg in der Friedenszeiten vorbereitet werden muss. Die vorher über jahrzehnte geführte Neutralitätspolitik wurden damit aufgegeben. In den ersten Nachkriegsjahren entwickelte die norwegische Regierung daher die Brückenbaupolitik, in der man auf eine zurückhaltende Außenpolitik setzte, um die Spannungen zwischen den westlichen Alliierten und der UdSSR nicht weiter zu verschärfen, um so dem norwegischen Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden. Norwegen wollte versuchen, die guten Beziehungen zum Westen aufrecht zu erhalten, aber nichts tun, was die Sowjetunion hätte verärgern können.
Die Norweger wusste dabei sehr wohl über ihre geopolitisch bedeutsame Lage Bescheid. Schon der zweite Weltkrieg hat gezeigt, dass Norwegen durch seine Fjorde und der weit ausgedehnten Atlantikküste, die der Küste der britischen Inseln gegenüberliegt, eine bedeutende Position besitzt, die Hitler damals als Zugang zum Atlantik benutzen wollte. Norwegen musste damit rechnen, dass auch die UdSSR sich diesen Vorteil in einem künftigen Krieg zwischen den Blöcken zu Nutzen machen wollen würde. Jedoch kam - anders als für Finnland - ein FZB Vertrag mit der Sowjetunion nicht in Frage. Die Erwägung die Küste mit eigenen Kräften zu verteidigen scheitert aufgrund der geringen Bevölkerungszahl von vier Millionen Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Blockbildung im Kalten Krieg ein und stellt die Forschungsfrage, warum die drei traditionell neutralen Staaten Norwegen, Dänemark und Island Teil des transatlantischen Bündnisses wurden.
2. Vorgeschichte der NATO: Das Kapitel beleuchtet die politischen Spannungen nach dem Zweiten Weltkrieg, den Prager Coup und die Bemühungen der Westmächte, ein Sicherheitsbündnis gegen die sowjetische Expansion aufzubauen.
3. Gründung der NATO: Hier werden die Verhandlungen zur Gründung der NATO, die Rolle der USA und Kanadas sowie die strategischen Überlegungen hinsichtlich einer Erweiterung des Brüsseler Paktes analysiert.
4. Ursachen, Beweggründe und Folgen des NATO-Beitritts: Dieses zentrale Kapitel untersucht detailliert die spezifischen nationalen Beweggründe für den Beitritt unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kriegserfahrungen von Norwegen, Dänemark und Island.
5. Fazit: Das Fazit fasst die strategischen Vorteile der Mitgliedschaft zusammen und bewertet die Auswirkungen auf die Souveränität sowie die sicherheitspolitische Balance der nordischen Staaten gegenüber der Sowjetunion.
Schlüsselwörter
NATO, Kalter Krieg, Norwegen, Dänemark, Island, Neutralitätspolitik, UdSSR, Nordatlantikpakt, Sicherheitspolitik, Westmächte, Strategische Position, Bündnispolitik, Sowjetische Expansion, Militärstützpunkte, Geopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sicherheitspolitischen und strategischen Gründe, die Norwegen, Dänemark und Island dazu bewogen haben, ihre langjährige Neutralität aufzugeben und 1949 Gründungsmitglieder der NATO zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geopolitik des Nordens im Kalten Krieg, die Bedrohungswahrnehmung durch die UdSSR, das Spannungsfeld zwischen Blockbindung und nationaler Interessenwahrung sowie die Bedeutung militärischer Stützpunkte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Ursachen für den NATO-Beitritt in diesen drei Ländern herauszuarbeiten und zu beleuchten, welche politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen sich daraus für die Region Nordeuropa ergaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur, Quellen und zeitgenössischen Dokumenten basiert, um die außenpolitischen Entscheidungsprozesse der Nachkriegszeit zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Vorgeschichte und Gründung der NATO sowie einer detaillierten länderspezifischen Untersuchung der Beitrittsgründe für Norwegen, Dänemark und Island.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem NATO, Kalter Krieg, Neutralität, Geopolitik, Bündnispolitik und sowjetische Einflusssphäre.
Warum spielt die Insel Bornholm eine besondere Rolle bei der Untersuchung Dänemarks?
Bornholm diente als Fallbeispiel für den sowjetischen Druck auf Dänemark unmittelbar nach dem Krieg, da die Insel von der UdSSR besetzt wurde, was die dänische Regierung in ihrer Entscheidung zum Beitritt beeinflusste.
Welche Rolle spielt Island im Kontext der nordischen Sicherheit?
Island nahm aufgrund seiner strategischen Lage im Atlantik eine Schlüsselrolle ein; die USA benötigten die Insel als Basis für die Verteidigung gegen die UdSSR und für die Sicherung der Nachschubwege.
Wie unterscheidet sich die norwegische Politik von der schwedischen im Hinblick auf die NATO?
Während Norwegen nach dem Krieg die Neutralität zugunsten des NATO-Beitritts aufgab, um Sicherheitsgarantien durch die USA zu erhalten, behielt Schweden seine Neutralitätspolitik bei.
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- Anne Biernath (Author), 2011, Der NATO-Beitritt von Norwegen, Dänemark und Island, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180779