Diese Hausarbeit untersucht, warum Sulla sich gezwungen sah den Einfluss der Volksversammlung zu beschränken, wie Sulla versuchte dies zu erreichen und ob seine Maßnahmen erfolgreich waren. Hierzu wird zunächst die Geschichte und Struktur der drei Typen der römischen Volksversammlung, der comitia curiata, comitia centuriata und comitia tributa sowie der informellen Versammlungen, den contiones dargestellt. Daran anschließend folgt eine kurze Darstellung des Volkstribunats, da die beiden Institutionen Volksversammlung und Volkstribunat, nur wenn sie gemeinsam agierten, die Republik (und die kollektive Herrschaft der Nobilität) destabilisieren konnten und auch gemeinsam von Sulla bekämpft wurden. Es schließt sich an ein historischer Abriss der Krisenzeit der Republik bis zu Sulla, beginnend mit den Gracchen; Sulla und seine Politik sind nur zu verstehen aus der Erfahrung der ihm vorangegangenen fünfzig Jahre. Anschließend wird die von Sulla geschaffene Verfassung dargestellt und daraufhin analysiert, welche Maßnahmen er zur Eindämmung der Volksversammlung traf.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Struktur und Geschichte der Volksversammlung
a) allgemeine Charakteristika
b) comitia curiata
c) comitia centuriata
d) comitia tributa
e) contiones
III. Das Volkstribunat
IV. Die Krise der Republik von den Gracchen bis Sulla
V. Die Neuordnung durch Sulla
a) Die Neuordnung
b) Die Nachwirkungen
VI. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der römischen Volksversammlung in der späten Republik und analysiert die Hintergründe sowie die Wirksamkeit der verfassungsrechtlichen Reformen Sullas zur Einschränkung ihres Einflusses. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Sulla versuchte, die durch das Volkstribunat und populare Politik gestörte Ordnung der Nobilität wiederherzustellen.
- Struktur und Funktionsweise der verschiedenen römischen Volksversammlungen
- Die Entwicklung und Rolle des Volkstribunats als Machtinstrument
- Die politische Krise der römischen Republik von den Gracchen bis Sulla
- Sullas Reformen des Senats, des Volkstribunats und der Volksversammlung
- Die Auswirkungen der sullanischen Neuordnung auf das Ende der Republik
Auszug aus dem Buch
II. Struktur und Geschichte der Volksversammlung
Der Begriff „römische Volksversammlung“ ist genau betrachte eine grobe Vereinfachung, denn „die“ römische Volksversammlung gab es nicht. Anders als im klassischen Griechenland, wo sich alle Bürger einer Polis in einer Versammlung zusammenfanden und über alle anstehenden Angelegenheiten diskutierten und abstimmten, versammelte sich der populus romanus in seinen jeweiligen Stimmeinheiten, je nachdem was für ein Thema zur Beschlussfassung anstand und welches comitium dafür zuständig war. Die drei comitia unterschieden sich teilweise erheblich in Zusammensetzung, Struktur und Abstimmungsprozedur, daher ist eine genaue Beschreibung notwendig.
Trotz der großen Unterschiede waren allen römischen Stimmversammlungen einige Charakteristika gemeinsam, die hier kurz vorgestellt werden. Erstens musste jede Versammlung mindestens drei Markttage vorher öffentlich angekündigt werden ebenso mussten ihr mehrere contiones vorangehen (s. unten). Zweitens waren alle Versammlungen in eine gewisse Anzahl an Stimmkörpern aufgeteilt; die jeweilige absolute Mehrheit in einem Stimmkörper bestimmte die Entscheidung des Stimmkörpers. Für die Gesamtentscheidung war die absolute Mehrheit der Stimmkörper notwendig, nicht die der anwesenden Stimmberechtigten insgesamt (besonders deutlich wird dies bei den Zenturiatkomitien). Drittens wurden vor allen Versammlungen (außer dem concilium plebis) Auspizien durchgeführt, die bei einem negativen Omen auch zur Vertagung einer Versammlung führten; ebenso begannen alle Versammlungen mit einem Gebet. Außerdem mussten die Bürger in den Versammlungen stehen, ganz im Unterschied zu Griechenland. Viertens wurden die Abstimmungen ursprünglich namentlich und öffentlich durchgeführt, so dass die einfachen Bürger während der Abstimmung stark beeinflusst (oder bedroht) werden konnten, bspw. von ihren Patronen. Um dies zu unterbinden, wurden zwischen 137 und 106 Gesetze beschlossen, die für alle Abstimmungen den Stimmzettel, also geheime Wahlen einführten; außerdem wurde ein neuer Straftatbestand der Wählerbestechung, ambitus, geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Volksversammlung als vermeintlich unwichtigste politische Institution und formuliert die Fragestellung nach Sullas Motiven zur Einschränkung ihrer Macht.
II. Struktur und Geschichte der Volksversammlung: Das Kapitel differenziert die verschiedenen Versammlungstypen (curiata, centuriata, tributa, contiones) und beschreibt ihre spezifischen Abstimmungsstrukturen sowie organisatorische Gemeinsamkeiten.
III. Das Volkstribunat: Hier wird die Entstehung des Volkstribunats als plebejisches Gegengewicht und dessen spätere Integration in die Machtinstrumente der Nobilität erläutert.
IV. Die Krise der Republik von den Gracchen bis Sulla: Dieser Abschnitt analysiert die innenpolitischen Spannungen, insbesondere durch populare Politik und die Rolle der Landbevölkerung, die zu einer Destabilisierung der republikanischen Ordnung führten.
V. Die Neuordnung durch Sulla: Das Kapitel beschreibt Sullas Reformen zur Stärkung des Senats und zur direkten Einschränkung der Befugnisse von Volkstribunen und Volksversammlung.
VI. Schluss: Der Schluss resümiert, dass Sullas Maßnahmen kurzfristig für Stabilität sorgten, aber langfristig am Scheitern der Senatsherrschaft und dem Untergang der Republik mitwirkten.
Schlüsselwörter
Römische Republik, Volksversammlung, Sulla, Volkstribunat, Senat, Nobilität, Populare Politik, Gracchen, Comitia, Verfassungsreform, Ständekämpfe, Gesetzgebung, Machtinstrument, Senatsprimat, Staatskrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle der römischen Volksversammlung in der späten Republik und untersucht die drastischen Umgestaltungen durch Sulla.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Struktur der römischen Stimmversammlungen, das Volkstribunat, die Krise der Republik ab den Gracchen sowie Sullas politische Neuordnung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum Sulla sich gezwungen sah, den Einfluss der Volksversammlung und des Volkstribunats einzuschränken und ob diese Maßnahmen den erhofften Erfolg hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf antiken Quellen (u.a. Cicero, Sallust, Appian) sowie moderner verfassungsgeschichtlicher Forschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturgeschichtliche Analyse der Versammlungen, eine historische Einordnung der Krise der Republik und eine detaillierte Darstellung der sullanischen Reformpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere römische Republik, Volksversammlung, Sulla, Volkstribunat, Senat und populare Politik.
Warum war das Volkstribunat für Sulla eine besondere Bedrohung?
Sulla sah im Volkstribunat ein Instrument, das durch die Zusammenarbeit mit popularen Politikern die Macht der Nobilität untergrub und die Stabilität des Senatsregimes gefährdete.
Waren Sullas Reformen zur Schwächung der Volksversammlung erfolgreich?
Kurzfristig brachten seine Maßnahmen Stabilität, doch langfristig scheiterte sein Bestreben, das Senatsprimat dauerhaft zu sichern, was zur weiteren Instabilität der Republik beitrug.
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- Ivo Sieder (Autor), 2006, Die römische Volksversammlung und ihre Reform unter Sulla, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180812