Die Begriffsgeschichte des Wortes Globalisierung reicht weniger als 30 Jahre zurück, das „Modewort der Marketing-Literatur“ (Zschaller & Kiesewetter 2000: 161) wurde zuerst dazu verwandt, den Erfolg von internationalen Herstellern wie BMW oder Coca Cola herauszustellen. Deshalb wird die Globalisierung auch oft als ein Phänomen der Gegenwart betrachtet. Howard Perlmutter führt nach dem Fall des Eisernen Vorhanges das Argument ins Feld, dass die Menschheit nicht am „Ende der Geschichte“, sondern am Beginn des Zeitalters der „globalen Zivilisation“ stünde (Perlmutter 1991: 902). Das zeigen die Konnotationen des Wortes Globalisierung mit der jüngsten Vergangenheit. Es gibt jedoch auch andere Sichtweisen. Eine radikalere Auffassung von Globalisierung geht davon aus, dass es diese schon immer gab, wenn man die ersten Wanderungsbewegungen der Menschen vor über 100.000 Jahren berücksichtigt (Schwentker 2005: 40).
Ist die Globalisierung also ein modernes Thema, oder gibt es eine historische Globalisierung? Rechtfertigt die Zunahme der internationalen Verflechtungen wirklich die Verwendung des neuen Begriffes, oder haben auch in der Vergangenheit Verflechtungen eine sehr wichtige Rolle gespielt?
Um diese Frage beantworten zu können, muss der Begriff Globalisierung zunächst definiert und charakterisiert werden, um nachfolgend feststellen zu können, ob (und in welcher Form) es in früheren Epochen bereits derartige Ansätze gab. In Kapitel 2 werden zunächst relevante Begriffe erklärt und speziell das Begriffs-verständnis des Wortes Globalisierung für die Verwendung in dieser Arbeit festgelegt. Kapitel 3 untersucht dann Globalisierungstendenzen in der Vergangenheit ausgehend vom Imperium Romanum, und versucht, diese „Globalisierungen im Spiegel der Geschichte“ (Schreiber 2000) in zuvor festgelegte Globalisierungsdimensionen einzuordnen. Kapitel 4 trägt den Titel „Globalisierungsvorlauf“, weil viele Autoren die Internationalisierungsaktivitäten dieser Zeit als wegbereitend für die heutige Globalisierung ansehen. Dieses Kapitel untersucht die Vernetzung von der Neuzeit bis zur Weltwirtschaftskrise. In Kapitel 5 geht es um die Entwicklung der Globalisierung seit dem zweiten Weltkrieg und stellt neue Entwicklungen im Vergleich zu früheren Globalisierungsanläufen heraus, bevor in Kapitel 6 schlussendlich die Frage geklärt wird, ob man von historischen Globalisierungen sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
- Globalisierung - ein modernes Thema?
- Was ist Globalisierung?
- Globalisierungsanläufe
- Altertum
- Mittelalter
- Globalisierungsvorlauf
- Neuzeit
- Das 19. Jh.: Industrielle Revolution
- Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise
- Heutige Globalisierung
- Globalisierung ab 1945
- Das Neue an der aktuellen Globalisierung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Frage, ob es eine historische Globalisierung gibt. Sie untersucht die Entwicklung der Verflechtung von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft über die Geschichte hinweg, um zu beurteilen, ob die heutigen Globalisierungstendenzen tatsächlich ein Novum darstellen oder ob es bereits in früheren Epochen vergleichbare Entwicklungen gab.
- Definition und Charakterisierung des Begriffs Globalisierung
- Analyse von Globalisierungsanläufen in verschiedenen historischen Epochen, vom Altertum bis zum 19. Jahrhundert
- Untersuchung der Rolle der Industrialisierung und der Weltwirtschaftskrise in der Entstehung der modernen Globalisierung
- Bewertung der spezifischen Merkmale der Globalisierung ab 1945
- Abschließende Bewertung der Frage, ob man von historischen Globalisierungen sprechen kann
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 definiert den Begriff Globalisierung und legt die in dieser Arbeit verwendeten Begriffsdefinitionen fest. Kapitel 3 untersucht Globalisierungstendenzen in der Vergangenheit, ausgehend vom Imperium Romanum und versucht diese in zuvor festgelegte Globalisierungsdimensionen einzuordnen. Kapitel 4 widmet sich der Entwicklung von der Neuzeit bis zur Weltwirtschaftskrise und untersucht die Vernetzung dieser Zeit. Kapitel 5 behandelt die Entwicklung der Globalisierung seit dem Zweiten Weltkrieg und stellt neue Entwicklungen im Vergleich zu früheren Globalisierungsanläufen heraus.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Historische Globalisierung, Internationalisierung, Verflechtung, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Altertum, Mittelalter, Neuzeit, Industrialisierung, Weltwirtschaftskrise, Globalisierung ab 1945, Kulturindustrie, Direktinvestitionen
Häufig gestellte Fragen
Ist Globalisierung ein rein modernes Phänomen?
Obwohl der Begriff erst vor etwa 30 Jahren populär wurde, zeigt die Arbeit, dass weitreichende Verflechtungen bereits im Altertum (z.B. Imperium Romanum) und Mittelalter existierten.
Welche historischen Epochen werden als Globalisierungsanläufe untersucht?
Die Untersuchung reicht vom Altertum über das Mittelalter und die Neuzeit bis hin zur Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert.
Was unterscheidet die heutige Globalisierung von früheren Entwicklungen?
Die Arbeit analysiert spezifische neue Merkmale der Globalisierung seit 1945, wie die extreme Verdichtung der Kommunikation und die Rolle internationaler Direktinvestitionen.
Welche Rolle spielte die Industrielle Revolution für die Globalisierung?
Das 19. Jahrhundert gilt als wichtiger "Globalisierungsvorlauf", in dem die internationale Vernetzung durch technologische Fortschritte massiv beschleunigt wurde.
Können Wanderungsbewegungen als frühe Globalisierung gewertet werden?
Radikale Auffassungen sehen bereits in den ersten menschlichen Wanderungsbewegungen vor über 100.000 Jahren Ansätze einer globalen Vernetzung.
Wer prägte den Begriff der "globalen Zivilisation"?
Howard Perlmutter argumentierte nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, dass die Menschheit am Beginn eines Zeitalters einer globalen Zivilisation stehe.
- Citation du texte
- Michael Sypien (Auteur), 2010, Gibt es eine historische Globalisierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180823