Ein Vergleich der Online-Wahlkampfaktivitäten der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zielgruppen des Onlinewahlkampfes

3. Anfänge

4. Bundestagswahlkampf 2005
4.1 Parteieigene Homepages
4.2 Soziale Netzwerke
4.3 Blogs
4.4 Videoportale
4.5 Verknüpfungsstellen von Online- und Offline-Wahlkampf

5. Bundestagswahlkampf 2009
5.1 Parteieigene Homepages
5.2 Soziale Netzwerke
5.3 Blogs
5.4 Videoportale
5.5 Verknüpfungsstellen von Online- und Offline-Wahlkampf

6. Vergleich

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Mann hat die Deutschen so verzaubert, wie schon lange kein Politiker mehr. Er war kein Deutscher, sondern ein amerikanischer Politiker aus dem US-Bundesstaat Illinois. Barack Obama war das bestimmende Thema in den Medien 2008, als die US- Präsidentschaftswahlen stattfanden. Doch nicht nur die Person Obama schaffte es in die deutschen Medien, sondern auch seine Art Wahlkampf zu führen. Vorbild war die Kampagne von Howard Dean, der zwar nicht die Vorwahlen der Demokraten 2004 gewann, aber einen beachtlichen Erfolg mit seinem Internet-Wahlkampf verbuchen konnte. Nun fragten sich die deutschen Medien wie und ob der Wahlkampf in den USA den deutschen Wahlkampf verändern wird.

Aus diesem Anlass habe ich mich entschieden, in meiner Hausarbeit über den Online- Wahlkampf der Partei Bündnis 90/Die Grünen zu schreiben. Denn die Grünen haben vor allem bei den jungen Menschen, die eher internetaffin sind, eine große Anhängerschaft. Die Hausarbeit untersucht deshalb, ob sich der Online-Wahlkampf der Bündnis 90/Grünen bei den Bundestagswahlen von 2005 und 2009 verändert hat, und wenn ja wie.

Zu Beginn schreibe ich ein paar allgemeine Worte über Online-Wahlkampf und dessen Zielgruppe. Im Blickpunkt steht dabei auch die Zielgruppe der Grünen. Im Hauptteil geht es um die Anfänge des grünen E-Campagnings, sowie die Beschreibung der Online-Wahlkampfmittel und deren Erfolge in den Jahren 2005 und 2009. Im Mittelpunkt des Hauptteils steht jedoch der Vergleich der beiden letzten Bundestagswahlkämpfe. Dabei wird dann auf die schon erwähnte Frage genau eingegangen. Abschließend werde ich ein Fazit ziehen in dem ich die Online- Wahlkämpfe und die benutzen Mittel bewerte, die Forschungsfrage präzise beantworte und eine Zusammenfassung gebe. Das in der vorliegenden Hausarbeit verwendete generische Maskulin dient der besseren Lesbarkeit und gilt für beide Geschlechter.

2. Zielgruppen des Onlinewahlkampfes

Nicht nur die Wähler gehören zur Zielgruppe der Wahlkämpfer, sondern auch Journalisten, Meinungsführer, Spender und Freiwillige. Ein Wähler kann zwar ebenso Freiwilliger sein, jedoch braucht es verschiedene Ansprachen an die unterschiedlichen Gruppen. Ein Journalist will zum Beispiel andere Informationen und anders angesprochen werden als ein Unterstützer. Journalisten machen zwar nur einen kleinen Anteil an der Nutzerzahl der Homepage aus, sind jedoch mit die wichtigsten. Denn sie verbreiten Informationen und ihre Meinung über die Partei weiter, wie es keine andere Gruppe tut.

Meinungsführer hingegen bilden mit 48% einen Großteil der Besucher von Politikerwebseiten. Sie wollen Argumente und Informationen um sich selbst eine Meinung zu bilden und diese gegenüber anderen zu vertreten. Sie üben „besonderen Einfluss auf die Meinungsbildung ihrer Bezugspersonen“ aus.1 Um sie an die Kampagne zu binden und zu nutzen, sind Argumentationshilfen und Online- Communities am besten geeignet. Auch eignen sie sich als Helfer und Anwerber für neue Freiwillige. Wichtig sind diese vor allem für kleinere Parteien wie die Grünen. Freiwillige machen rund 35% aller Besucher von Politikerwebsites aus und haben einen hohen Bildungsgrad.2

Wer sich als Spender engagiert, versucht den Ausgang der Wahl positiv für sich zu beeinflussen. Spender sind ebenso wie die Freiwilligen überdurchschnittlich gut gebildet und verdienen wie alle Onliner gegenüber Offlinern auch überdurchschnittlich gut. Das Internet macht es möglich, auch kleine Geldmengen zu spenden, so genannte Micropayments, ebenso wie zwei verschiedene Spendergruppen gleichzeitig anzusprechen: die Kleinspender und die Großspender. Letztere wollen aber in der Regel persönlich betreut werden, deshalb ist es sinnvoll sich auf die Micropayments zu konzentrieren. Dabei sollte man den Spendern zeigen, dass ihre Spende eine Auswirkung auf die Kampagne hat. „Je wichtiger ein Projekt aus der individuellen Sicht potenzieller Spender, desto größer ist ihre Bereitschaft, auch tatsächlich eine Spende abzugeben“.3

Rund 71% der Grünen-Wähler hatten im 3. Quartal 2002 einen Internet-Zugang, im Vergleich zu den anderen Parteien (FDP: 52, PDS: 52, SPD: 48% und CDU/CSU: 45%) sind die Grünen damit praktisch die einzige Internet-Partei, zumindest bezogen auf die Wählerschaft. Im Jahr 2005, ebenfalls 3. Quartal, haben die anderen Parteien aufgeholt (Grüne: 84%, FDP: 68%, CDU/CSU: 64%, SPD: 63% und Linke.PDS: 61%). Bei der letzten Wahl führen die Grünen immer noch, aber nur noch knapp (Grüne: 68%, FDP: 81%, Linke: 74%, SPD: 69% und CDU/CSU: 67%).4

3. Anfänge

Im Jahr 1997 nutzen gerade mal 7,6% aller Deutschen das Internet. Ein Jahr später bei der Bundestagswahl 1998 waren es schon 10,4%, was immer noch sehr wenige Nutzer sind, nämlich nur 6,6 Mio., meist mit langsamen Modemverbindungen.5 Was zur Folge hatte, dass die Internetseiten nicht mit vielen Grafiken, Fotos oder Videos gebaut werden konnten, denn die User hätten zu lange warten müssen bis die Seite geladen worden wäre. Eine eigene Internetseite der Grünen gab es erstmals im November 1996. Vor der Bundestagswahl 1998 war das Internet noch kein relevantes Massenmedium. Weil keine großen Wahlen anstanden wurde es nicht gebraucht, denn auch die Zahl der Nutzer war noch zu gering um aufwendige Seiten zu bauen. Dies änderte sich dann jedoch mit der Bundestagswahl 1998, bei der die Bundesgeschäftsführerin Heide Rühle den Wahlkampf leitete. Der damalige Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Norbert Franck, beschrieb den Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl 1998 so: „Adressen abfragen, man kann problemlos Materialien bestellen, es gibt ein Gästebuch, ein Diskussionsforum. All das gibt es nicht in gedruckter Form“.6

Im Internet warb die Partei, Landesverbände und einzelne Politiker wie Joschka Fischer und Cem Özdemir mit eigenen Webseiten. Auf der Seite www.gruene.de des Bundesvorstandes gab es damals aktuelle Informationen aus dem Bundesvorstand, Veranstaltungstermin und Termine von Wahlspots im Fernsehen. Außerdem war es möglich, das Mitgliedermagazin herunterzuladen.

Der Berliner und der Hamburger Landesverband waren ebenso schon im Internet zu finden.7

Die Homepage des damaligen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Joschka Fischer, warb um Unterstützer, Sponsoren und Mitglieder. Außerdem veröffentlichte die Seite die Termine seiner Wahlkampftour und die Pressetexte, die darüber berichteten.

Die einzige Seite der Grünen, die auch Interaktion zuließ, war die von Cem Özdemir. Auf seiner Internetseite konnten die Besucher das Wahlergebnis der Grünen tippen.8 Ein klares Konzept für das Internet gab es jedoch noch nicht. Vielmehr war diese Zeit eine Zeit des Ausprobierens. Dies liegt auch daran, dass der Wahlkampf der Grünen erst bei der Bundestagswahl 2002 professionelle Strukturen bekam. Die Partei verpflichtete Rudi Hoogvliet als ersten hauptamtlichen Wahlkampfmanager. Der Niederländer war zuvor Vorstandsreferent der Grünen Fraktion im Stuttgarter Landtag.9 2002 stand das Internet allerdings immer noch nicht im Mittelpunkt der Wahlkampfaktivitäten der Ökopartei, obwohl 75% aller Grünen-Anhänger über einen Internetzugang verfügten, mehr als bei jeder anderen Partei.10 Wegen der zugenommenen Zentralisierung des Wahlkampfes wurde erstmals eine direkte Kommunikationsstruktur zwischen Landesverbänden und dem Bundesverband aufgebaut. Diese bestand aus einem Intranet, in dem es Informationen, Argumentationshilfen, Sprachregelungen und Druckvorlagen zum Download gab. Darauf hatten nur Kandidaten und Wahlkämpfer Zugriff. Außerdem wurde ein CMS eingerichtet, mit dem Kandidaten von Landes- und Kreisverbänden die inhaltliche Verwaltung und ein Homepage Design ganz im einheitlichen Grünen- Layout bekamen.11

Einen Grundstein für die spätere 3-Tage-wach Kampagne legte eine E-Mail Adresse (hotline@gruene.de) und eine zwölf Stunden am Tag besetzte Telefonnummer, bei der Wähler Fragen stellen konnten und Vorschläge machen durften.

2002 wurde erstmals eine Kampagnenseite mit dem Titel www.gruen-wirkt.de eingesetzt. Ebenfalls wurde die Personalisierung von Joschka Fischer im Internet fortgesetzt und seine Seite www.joschka.de, die es schon 1998 gab, aktualisiert. Rund 10% des Wahlkampfbudgets sind in den Wahlkampf, aber vor allem in die Einführung eines CMS geflossen. Beide Internetseiten stellten wahlkampfrelevante Informationen zur Verfügung, boten spielerische Funktionen an und warben um Spenden. Vier Gruppen standen dabei im Mittelpunkt: Mitglieder, Journalisten, junge Menschen und Internetuser, die sich aus Interesse die Seite anschauen.12

Der Online-Wahlkampf der Internetredaktion wurde zusammen mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom Pressesprecher Hans Langguth geleitet. Alle Wahlkampfaktionen wurden innerhalb der Parteizentrale geplant, denn eine externe Wahlkampfzentrale konnte sich die Partei nach eigener Aussage nicht leisten.13

[...]


1 Merz, Manuel/ Rhein, Stefan/Vetter, Julia, Wahlkampf im Internet. Handbuch für politische Online- Kampagne, Berlin 2008.

2 Vgl. ebd., S. 40.

3 Ebd. S.41-42.

4 Vgl. Forschungsgruppe Wahlen: Internet-Strukturdaten, <http://www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Internet-Strukturdaten/> am 12.10.2011.

5 Vgl. ARD.de: Internetvrebreitung in Deutschland: Potenzial vorerst ausgeschöpft?, <http://www.daserste.de/service/ardonl04.pdf > am 10.10.2011.

6 Neuner-Duttenhofer, Christian, Bündnis 90/Die Grünen im Bundestagswahlkampf 2002, Münster 2004, S. 62.

7 Vgl. Kuhlen, Rainer, Die Mondlandung des Internet. Die Bundestagswahl 1998 in den elektronischen Kommunikationsforen, Konstanz 1998, S. 139-140.

8 Vgl. ebd., S. 147.

9 Vgl. Neuner-Duttenhofer, Christian, Bündnis 90/Die Grünen im Bundestagswahlkampf 2002, Münster 2004, S.179.

10 Vgl. Forschungsgruppe Wahlen: Internet-Strukturdaten, <http://www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Internet-Strukturdaten/> am 12.10.2011.

11 Vgl. Neuner-Duttenhofer, Bundestagswahlkampf, S. 179.

12 Vgl. Politik-Digital, Grüne Wirkung, <http://www.politik- digital.de/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/scharfs.shtml> am 10.10.2011.

13 Vgl. Neuner-Duttenhofer, Bundestagswahlkampf, S. 77.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Online-Wahlkampfaktivitäten der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Wahlen, Kampagnen und die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V180863
ISBN (eBook)
9783656038771
ISBN (Buch)
9783656038634
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bündnis 90/Die Grünen, Grüne, Bündnis 90, Die Grünen, Wahlen, Wahlkampf, Bundestagswahl 2005, Bundestagswahl 2009, Internet, Internetwahlkampf, E-Campaigning, Online-Wahlkampf, Zielgruppe, Vergleich, Blog, Soziale Netzwerke, Social Networks, Verknüpfungsstellen, Politik
Arbeit zitieren
Jan-Henrik Wiebe (Autor), 2011, Ein Vergleich der Online-Wahlkampfaktivitäten der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180863

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