Müssen sich Marcumar-Patienten Vitamin-K-arm ernähren?


Ausarbeitung, 2011
3 Seiten

Leseprobe

Ernährungstherapie unter Marcumar-Therapie

Therapie mit oralen Antikoagulantien aus ernährungsmedizinischer Sicht Es gibt keine Indikation für eine Vitamin-K-arme „Marcumardiät“

Von Sven-David Müller, M.Sc.

Antikoagulantien verzögern die Blutgerinnung (anti = gegen, coagulare = verklumpen). In Deutschland erhalten rund 500.000 Menschen Antikoagulantien. Die meisten Patienten erhalten Vitamin-K-Antagonisten aus der Gruppe der Cumarine, beispielsweise Phenpro- coumon (Marcumar). Diese Stoffe dienen der Prophylaxe und Therapie von Gerinnselbil- dung, Embolien und Thrombosen. Menschen mit einem erhöhten Risiko der Gerinnselbil- dung, beispielsweise Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten, erhalten in vielen Fällen eine Marcumartherapie.

Vitamin K und die Blutgerinnung

Das fettlösliche Vitamin K ist für die Bildung von Gerinnungsfaktoren notwendig. Antiko- agulantienten bewirken das Gegenteil und hemmen die Blutgerinnung. Der menschliche Organismus bezieht seinen Vitamin-K-Bestand (Phyllochinon, Menachinon und Menadi- on) aus der Nahrung und der Eigensynthese im Colon, wo die Bakterienflora in größeren Mengen Vitamin K synthetisiert. Die Gerinnungsfaktoren VII, IX und X, die die Gerin- nungsproteine Prothrombin sowie die Proteine C, S und Z können nur in Gegenwart von Vitamin K in der Leber synthetisiert werden. Eine mangelhafte Versorgung des Körpers mit Vitamin K führt zu einer Blutungsneigung infolge verminderte Synthese der Gerin- nungsfaktoren und Gerinnungsproteine. Eine für die ärztliche Praxis und die Diätberatung relevante Frage ist daher, ob Vitamin K reiche Nahrungsmittel einen Einfluss auf die Blut- gerinnung bei Patienten unter Antikoagulantientherapie (beispielsweise Marcumar) haben.

Die Wirkung von Cumarinen und von Vitamin K

Cumarine antagonisieren die Vitamin-K-Wirkung und damit die Bildung von Gerinnungs- substanzen in der Leber. Vitamin K kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Insbesondere Innereien, Fleischwaren, Sauerkraut, Spinat und Blumenkohl sind reich an Vitamin K. In verschiedenen Untersuchungen konnte an unter Antikoagulantionstherapie stehenden Probanden gezeigt werden, dass selbst große Mengen, wie beispielsweise 500 Gramm Spinat, den Quickwert nicht oder nur unwesent- lich beeinflussen [Literatur: Frick, P.E., G. Riedler, H. Brogli: Dose response and minimal daily requirement of vitamin K in man, J Appl Physiol 23 (1967) 387; F. Koller: Spinat bei Antikoagulantienbehandlung, Dtsch Med Wschr 100 (1975) 570; Fletcher D. C.: Do clot- ting in vitamin K-rich vegetables hinder anticoagulant therapy? J Am med Ass 237 (1977) 17]. Bei konstanter Vitamin K Aufnahme ist nicht mit einem Einfluss auf den Bedarf an Antikoagulantien zu rechnen. Die tägliche Variation in der Vitamin-K-Zufuhr sollte 200 bis 500 Mikrogramm nicht übersteigen [Literatur: Harris J.E.: Interaction of dietary factors with oral anticoagulants: Review and applications, J Am Diet Ass 95 (1995) 580-584].

„Marcumardiät“ aus wissenschaftlicher Sicht

Der unter Antikoagulationstherapie stehende Patient bedarf also keiner diätetischen Thera- pie oder gar einer Marcumardiät [Literatur: H. Kasper, Ernährungsmedizin und Diätetik, S. 36, 2000, Harris J.E.: Interaction of dietary factors with oral anticoagulants: Review and applications, J AM Diet Ass 95 (1995) 580-584]. Nach Kasper gibt es keine Begründung für eine Marcumardiät. Nur deutliche Änderungen der Ernährungsweise, wie etwa der Ü- bergang von einer normalen Ernährung auf eine sehr fettarme Kost (Vitamin K ist ein fett- lösliches Vitamin) oder die plötzliche Umstellung auf eine Kost, die besonders reich an Blattgemüse, Innereien oder Sauerkraut ist, sollte eine besondere Überwachung des Quickwertes veranlassen.

Wechselwirkung Cumarinpräparat und Vitamin K

Die Blutgerinnung und die Wirksamkeit der Antikoagulantientherapie werden mit dem Quicktest bestimmt. Der Test bestimmt die Prothrombin-Thromboplastin-Zeit. Der Nor- malbereich des Quickwertes liegt bei Gesunden zwischen 70 und 125 Prozent. Bei der op- timalen Dosierung des Cumarinpräparates liegt der Quickwert zwischen 15 und 25 Pro- zent. Auch Veganer, die sich rein vegetarisch mit einem hohen Vitamin K Anteil ernähren, sind problemlos einstellbar. Der betroffene Patient profitiert von dem Hinweis, dass es keine Marcumardiät gibt und er sich vielseitig und gesund ernähren sollte. Einseitige Er- nährung, Sonderdiäten, Alkoholexzesse [Literatur: Harris J.E.: s.o.] schaden Patienten un- ter Antikoagulantientherapie. Cumarinreiche Vegetabilien (Waldmeister, Steinklee und Tonkabohnen) und phyllochinonhaltige Vitaminpräparate sind zu meiden [Literatur: F. Heepe, Diätetische Indikationen, S. 155-156].

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Müssen sich Marcumar-Patienten Vitamin-K-arm ernähren?
Autor
Jahr
2011
Seiten
3
Katalognummer
V181052
ISBN (eBook)
9783656045625
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marcumar, Vitamin K, Sven-David Müller, Diätassistent, Ernährung, Diät, Markumar, vitamin K arme Kost, Diätetik, Sauerkraut, Diabetesberater, Ernährungstherapie
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor), 2011, Müssen sich Marcumar-Patienten Vitamin-K-arm ernähren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181052

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Müssen sich Marcumar-Patienten Vitamin-K-arm ernähren?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden