Kategorien und Kriterien des Konzeptes der geistesgeschichtlichen Literaturwissenschaft bei Wilhelm Dilthey


Hausarbeit, 2011

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundannahmen der Geistesgeschichte
2.1 Definition des Begriffes „Geistesgeschichte“
2.2 Positivismus als konkurrierende Methode und ihre Grenzen
2.3 Die geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit als Erkenntnisobjekt
2.4 Verstehen statt Erklären: Ganzheitliches statt kausales Denken

3 Methodik der Geistesgeschichte
3.1 Geistesgeschichtliche Verfahrensweisen
3.1.1 Verstehen statt Erkennen
3.1.2 Isolieren der Werksphäre
3.1.3 Intuitive Synthese
3.1.4 Deduktion und Bedeutung des Subjektes
3.1.5 Struktur
3.2 Hermeneutik als Erkenntnismethode
3.2.1 Diltheys Universalisierung der Hermeneutik
3.2.2 Kunstmäßiges Verstehen und Nachfühlen
3.2.3 Einheit von Erlebnis und Werk

4 Kategorien des dichterischen Schaffens
4.1 Auswirkungen der Kategorien des Lebens auf das dichterische Schaffen
4.1.1 Definition des Lebensbegriffs
4.1.2 Definition der Kategorie Erlebnis
4.1.3 Definition der Begriffe Lebensbezug und Lebenswerte
4.1.4 Definition des Begriffes Bedeutung
4.1.5 Definition des Begriffes „Seelischer Strukturzusammenhang“
4.2 Die Auswirkung der dichterischen Phantasie auf das dichterische Schaffen
4.3 Der Zusammenhang von Erlebnis und Ausdruck in der Poesie
4.4 Die Form als Gestaltungsmittel des Ausdrucks dichterischen Erlebens

5 Beispiel einer geistesgeschichtlichen Interpretation anhand der Erzählung „Die Verwandlung“
5.1 Erzählung und Untersuchungsobjekt
5.2 Persönlichkeitsorientierte Analyse
5.2.1 Dichterische Erlebnisse in der Erzählung
5.2.2 Dichterische Weltanschauung in der Erzählung
5.3 Motivanalyse in der Erzählung
5.3.1 Vater-Sohn-Konflikt
5.3.2 Verwandlungs- und Käfermotiv
5.4 Stil- und Formanalyse in der Erzählung
5.4.1 Elemente des Komischen und Grotesken
5.4.2 Sprachlicher Ausdruck
5.5 Bewertung

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1-1: Unterschiede Positivismus und Geistesgeschichte

Tab. 3-1: Verfahrensweisen Positivismus-Geistesgeschichte

1 Einleitung

Die methodische Herangehensweise an ein Werk, um es zu interpretieren oder zu verstehen, hat sich in den letzten Jahrzehnten gänzlich gewandelt. Stand in den fünfziger bis in den siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch die werkimmanente Interpretation im Vordergrund, so haben sich in den letzten Jahrzehnten die literaturtheoretischen Modelle und die Herangehensweise an literarische Texte erweitert. Dekonstruktivismus, Strukturalismus, Systemtheorie u. a. haben den Methodenkanon beträchtlich ergänzt.

Mit dieser Arbeit möchte ich einen Blick in die Vergangenheit werfen und die Anfänge der Literaturtheorie kritisch beleuchten. Im 19. Jahrhundert hat sich die Literaturwissenschaft aus der Philologie und der Geschichtswissenschaft als Fach etabliert. Im Zuge der Verwissenschaftlichung entstanden erste theoretische Entwürfe. Dabei haben sich am Ende des 19. Jahrhunderts zwei Richtungen herausgebildet: zum einen der Positivismus und zum anderen die Geistesgeschichte. Der Unterschied der beiden Richtungen liegt in ihrer paradigmatischen Begründung, im Unterschiede zwischen der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen Fundierung.

Der geistige Vater der Geisteswissenschaften und der Geistesgeschichte war Wilhelm Dilthey (1833-1911). In seiner Schrift „Einleitung in die Geisteswissenschaften“ (1883) hat er die Grundpositionen einer Geisteswissenschaft in Abgrenzung zur Naturwissenschaft formuliert. Dem literarischen Publikum ist er mit seiner Aufsatzsammlung „Das Erlebnis und die Dichtung“ (1905) bekanntgeworden.

Das Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, einerseits die geistesgeschichtliche Auseinandersetzung mit den literarischen Werken in ihrer Methode und ihren Grundpositionen darzustellen und andererseits zu zeigen, in welchen Punkten sich diese Vorgehensweise vom positivistischen Denken unterscheidet.

Aus diesem Grunde sollen im zweiten Kapitel die grundlegenden Prämissen der geistesgeschichtlichen Methode dargelegt werden. Im dritten Teil werden die Denkkategorien aufgezeigt, welche auf diesen Prämissen aufbauen, durch die sich die geistesgeschichtliche Interpretation von ihrem Konkurrenzmodell unterscheidet.

Diese beiden Kapitel stellen das Rüstwerkzeug für dieses Modell dar. Das vierte Kapitel dringt nun in die speziellere Problematik der Dichtungstheorie ein. In diesem Abschnitt sollen die Kategorien dichterischen Schaffens betrachtet werden. Die Auseinandersetzung mit dem dichterischen Seelenleben verschafft dem Interpreten das Verständnis für die künstlerischen Werke und der Weltsicht des Dichters.

Im fünften Kapitel soll anhand der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka die geistesgeschichtliche Herangehensweise skizziert werden. Eine Leistung der Geistesgeschichte war die Schaffung von überzeitlichen Ordnungsprinzipien. Die Epocheneinteilung findet heute noch Anwendung. Es soll in diesem Beispiel diskutiert werden, in wie weit diese Erzählung dem Expressionismus zugeordnet werden kann.

2 Grundannahmen der Geistesgeschichte

Im ersten Kapitel soll die geistesgeschichtliche Methode begrifflich abgegrenzt werden. Da die Begründung der Geisteswissenschaften als Gegenantwort auf die naturwissenschaftliche Dominanz zu interpretieren ist, wird die Geistesgeschichte der positivistischen Methode Scherers gegenübergestellt.

2.1 Definition des Begriffes „Geistesgeschichte“

Die Entstehung der Geistesgeschichte basiert auf den Bemühungen im späten 19. Jahrhundert eine Grundlegung der Geistes- und Kulturwissenschaften zu erarbeiten. Dies konnte nur durch eine bewusste Differenzierung von den Methoden der Naturwissenschaften erreicht werden[1].

Dilthey postulierte für die Geisteswissenschaften ein eigenes Methodenkonzept, das sich durch die Trias Ausdruck, Erlebnis und Verstehen erklären lässt[2]. Die literarische Geistesgeschichte fasst literarische Texte als Ausdruck und Zeugnis einer übergeordneten Instanz auf, die als „Geist“ oder „Zeitgeist“ bezeichnet wird. Die Überzeugung ist, dass sich der Geist „... im Ablauf der Geschichte innerhalb verschiedener Medien manifestiert: Philosophie, Religion, Recht, bildende Kunst, Musik und schließlich Literatur[3] “. Dabei handelt es sich nicht um die Hegelsche Definition des Geistbegriffes als „... selbsttätige Entfaltung des Weltgeistes ...[4] “, sondern nur auf eine spezifische und gleichzeitig typische Teilströmung des Gesamtprozesses „Geschichte“[5].

Der Geistbegriff bleibt derart komplex, dass die Literaturwissenschaft ihn nach vielerlei Seiten hin auslegen und verwenden konnte: „... Geist ist alles, was dem Anspruch des Inneren genügt im Unterschied zum Außen des sinnlich Wahrnehmbaren; jeder Vorgang im Menschen ist „Geist“, unabhängig davon, in welchen Schichten oder Instanzen er sich vollzieht[6] “.

Geistesgeschichte bedeutet demnach, dass man den Geist als ideellen Überbau ansieht, der durch die realen Fakten der Geschichte untermauert wird. Man geht nicht rein ideell und abstrakt vor, sondern nimmt Bezug zum historischen Material[7]. Dabei kommt es nicht auf eine zeitenthobene Betrachtung der Ideen in der Literatur an, dafür sind Dichter und Werke an ihre Zeit gebunden und haben lediglich am Überzeitlichen teil[8]. Dilthey hat „... den Widerspruch bestehen lassen zwischen Übergeschichtlichkeit der Ideen, der immer gleichbleibenden Bedingungen im menschlichen Subjekt und der geschichtlichen Abhängigkeit und Relativität[9] “.

2.2 Positivismus als konkurrierende Methode und ihre Grenzen

Die Methodik Geistesgeschichte der Geistesgeschichte hat ihren Ursprung in der Begründung der Geisteswissenschaft. Der literarische Positivismus fußt auf dem Denken in naturwissenschaftlichen Prinzipien.

In der Auseinandersetzung beider literarischen Denkmuster gibt es sowohl Gemeinsamkeiten und auch Trennendes. Die geistesgeschichtliche Kritik lehnt die Anhäufung äußerer Merkmale aus der Literaturgeschichte ab, die einzig dem Zweck dient, statistische Gesetze und kausale Beziehungen zu untersuchen[10]. Das nomothetische Verfahren der Naturwissenschaft wird abgelehnt, „... die Geistesgeschichte richtet ihr ideographisches Interesse auf die geistigen Zusammenhänge, die sie hinter äußeren Ereignissen vermutet[11] “.

Die Erschließung der Werke durch die Biographie des Dichters wird zurückgewiesen, die Bedeutung der Textedition wird in Frage gestellt: Die neue Forschungsaufgabe ist die Interpretation der Werke in ihrer Abfolge und die Interpretation dieser Abfolge. Die Darstellung der geistigen oder inneren Zusammenhänge selbst sei eine Kunst[12].

Die Geistesgeschichte erbringt die Antworten zu den Fragen, die der Positivismus aufgrund seiner Denkmuster nicht geben kann. Der Positivismus ist nicht in der Lage, die Einzigartigkeit literarischer Werke zu erkennen, zu begründen und zu erklären. Auf diese Fragestellungen kann die Geistesgeschichte Aussagen treffen. Neben dem Geistbegriff scheint das Erlebte aus der Schererschen Formel von den „drei E`s“ geeignet, um „singuläre Leistungen einzelner unabhängig von den Naturgesetzmäßigkeiten der Vererbung und des milieubedingten Bildungshorizonts plausibel zu machen[13] “.

Maren-Grisebach (1992) hat folgende Unterschiede zwischen dem Positivismus und der Geistesgeschichte festgemacht[14]:

Tab. 2-1: Unterschiede Positivismus und Geistesgeschichte. Quelle: In Anlehnung an Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 28.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Die geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit als Erkenntnisobjekt

Dilthey versucht die Geisteswissenschaften anhand sicherer Merkmale von den Naturwissenschaften abzugrenzen. Er fasst unter dem Begriff Geisteswissenschaften die wissenschaftlichen Disziplinen zusammen, die sich, wie Geschichte, Nationalökonomie, Rechts- und Staatswissenschaften, Religions- und Literaturwissenschaften, der Bildenden Kunst, Musik, Philosophie und Psychologie, mit der „... Menschheit oder menschlich-gesellschaftlich-geschichtlicher Wirklichkeit[15] “ beschäftigen. Notwendig für die Trennung dieser beiden wissenschaftlichen Richtungen ist die Aussage, dass es

... in der geschichtlichen Welt keine naturwissenschaftliche Kausalität [gibt]; denn Ursache im Sinne dieser Kausalität schließt in sich, dass sie nach Gesetzen mit Notwendigkeit Wirkungen herbeiführt; die Geschichte weiß nur von den Verhältnissen des Wirkens und Leidens, der Aktion und Reaktion[16].

2.4 Verstehen statt Erklären: Ganzheitliches statt kausales Denken

Das geschichtliche Leben und die einzelnen Ausprägungen des Lebens sind, aufbauend auf den Individuen zu komplex, um sie in gesetzmäßigen Abläufen zu erfassen. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften unterscheiden sich dadurch, dass Naturwissenschaften Tatsachen zum Gegenstand haben, die im Bewusstsein als von außen, d. h. als Phänomene und einzeln gegeben auftreten[17]. In den Geisteswissenschaften treten diese Tatsachen als „... von innen, als Realität und als ein lebendiger Zusammenhang originaliter auf[18] “.

Für die Geisteswissenschaften lässt sich folgern, dass

... in ihnen der Zusammenhang des Seelenlebens als ein ursprünglich gegebener überall zugrunde liegt. Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir. Denn in der inneren Erfahrung sind auch die Vorgänge des Erwirkens, die Verbindungen der Funktionen als einzelner Glieder des Seelenlebens zu einem Ganzen gegeben. Der erlebte Zusammenhang ist hier das erste, das Distinguieren der einzelnen Glieder desselben ist das Nachkommende[19].

Es besteht damit ein Unterschied zwischen den Methoden, durch deren wir einerseits Seelenleben, Geschichte und Gesellschaft verstehen lernen, andererseits durch welche wir die Abläufe der Natur erklären.

Das Ziel geistesgeschichtlich Methode ist demnach Synthese und damit Ganzheit, Zusammenhang, Totalität. Dabei beschränkt man sich auf den Ausschnitt der geistigen Bereiche eines dichterischen Werkes. Der Positivismus hat das Ganze, also den Lebens- oder Werkzusammenhang zerlegt, die Geistesgeschichte sieht in der Totalität das Ziel ihrer Untersuchung[20].

Die unterschiedlichen erkenntnistheoretischen Kategorien in den Natur- und Geisteswissenschaften werden mit der unterschiedlichen Beziehung des Menschen zur Natur und zur Geschichte begründet. Bei dem Verstehen der Geschichte und deren Entwicklung handelt es um ein Selbst-Verstehen, „ ... da der Mensch als geschichtliches Wesen an dieser Geschichte beteiligt ist und sie mitgestaltet[21] “.

3 Methodik der Geistesgeschichte

Zur Grundlegung der geistesgeschichtlichen Methode haben die Schriften „Das Erlebnis und die Dichtung“ (1905) und „Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften“ (1910) beigetragen. Im folgenden sollen nun die wichtigsten Unterschiede in der Verfahrensweise der adäquaten Herangehensweise bei einer Werkinterpretation dargestellt werden.

3.1 Geistesgeschichtliche Verfahrensweisen

Aus den unter 2.2 aufgeführten Anschauungen der Geistesgeschichte resultieren, wiederum im Vergleich zum Positivismus, folgende Verfahrensweisen:

Tab. 3-1: Verfahrensweisen Positivismus-Geistesgeschichte. Quelle: In Anlehnung an Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 28.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es soll nun im folgenden kurz auf die einzelnen Verfahrensweisen eingegangen werden.

3.1.1 Verstehen statt Erkennen

Das Erkennen als rationaler Denkablauf wurde von den Geisteswissenschaften als unzureichend erachtet. Verstehen auf der Grundlage von Erlebnis und Einfühlung ist notwendig, da das literarische Werk im Ganzen ein transrationales Gebilde ist. Für Dilthey hat das Verstehen als Akt des ganzen Menschen Vorrang vor der Analyse und dem rationalen Erkennen[22].

3.1.2 Isolieren der Werksphäre

Gegenüber dem Positivismus ist nun die freiheitlich schaffende und ändernde Phantasie bei den Untersuchungen mit zu durchleuchten. Die Geistesgeschichte löste damit die feste kausaliter fortschreitende Kette vom Biographischen zum Werk. Durch die Einbeziehung des dichterisch manifestierten Erlebnisses wurden Leben und Werk zwei getrennte Ebenen. Es sollen die ideellen geistigen Bewegungen ohne Bezug zu den konkreten Bewegungen in der historischen Realität betrachtet werden[23].

3.1.3 Intuitive Synthese

Mit der Synthese meint man die Einheit aller geistigen Objektivationen. Dieser Einheit entsprechend sollen auch die verschiedenen Disziplinen der Geisteswissenschaften miteinander verbunden werden. Das Ziel ist die Ganzheit bzw. der Zusammenhang, beschränkt auf die geistigen Oberbereiche schöpferischer Werke[24]. Der Lebens- und Werkzusammenhang ist das Ziel jeder Untersuchung. Die Analyse findet auf der Basis eines im Zusammenhang Erlebten statt. Jede Dichtung wird als eine Ganzheit verstanden. Sie spiegelt nicht die Wirklichkeit wieder, sondern sie ist eine freie Schöpfung[25].

3.1.4 Deduktion und Bedeutung des Subjektes

Die Geistesgeschichte zieht das Deduzieren des Einzelnen aus diesem erlebten Ganzen vor einem Induzieren aus Einzelteilen hin zu einem Ganzen[26].

Dem Auffassenden Subjekt werden in dieser Methode, ganz im Gegenteil zum Positivismus, entscheidende Maßnahmen zuerkannt. Freiheit und Würde der Persönlichkeit zeichnen es aus und diese Eigenschaften stellen auch allgemeingültige Prinzipien dar[27].

3.1.5 Struktur

Struktur, d. h. das Auffinden von Beziehungen, ist das neue Universalmittel der Geistesgeschichte. Die Struktur ist die Erscheinungsform des Ganzen. Man versteht darunter immer einen gegliederten Zusammenhang, dessen Verbindungslinien es zu untersuchen gilt[28].

Strukturlinien werden innerhalb von fünf Sektoren gezogen[29]:

a) Stammeskundliche Strukturforschung: Erbe, Heimat, Stamm und Landschaft werden mit der Literatur verbunden. Das neue Ordnungsprinzip ist die Zugehörigkeit eines Dichters zu einer Landschaft und einem Stamm.
b) Ästhetisch-formale Strukturforschung: Verknüpfung der Wissenschaft von der Dichtkunst mit anderen Künsten. Das Verknüpfungselement ist das ästhetisch Wahrnehmbare, die Form oder die Gestalt.
c) Ideengeschichtliche Strukturforschung: Es sollen Ideenzusammenhänge zwischen der Literatur und vor allem der Philosophie untersucht werden. Bei der Untersuchung kommt es darauf an, mögliche Einflüsse aus philosophischen Werken und deren Umwandlung zu konstatieren. Der umfassende, gleichförmige seelische Zusammenhang ist zu untersuchen, gleiche geistige Grunderfahrungen, gleiche Ideen in Literatur und Philosophie.
d) Strukturpsychologie: Hierunter fällt die Untersuchung des Zusammenhangs psychischer Geschehnisse. Der Grund für das Verstehen des Dichters und seiner Werke liegt im lebendigen Zusammenhang der Menschenseele.
e) Problemgeschichte: Es sollen anhand der Elementarproblemfragen des Lebens literarische Werke untersucht werden. Verknüpfungselemente sind Schicksal, Religiosität, Verhältnis Mensch-Natur, Liebe, Tod, die Idee vom Menschen.

Neben den Strukturen wurden in der Geistesgeschichte auch Typologien entworfen, um größere überindividuelle und überzeitliche Zusammenhänge zu gliedern[30]:

a) Typologien: Weltanschauungstypen (Dilthey), Sehtypen (Wölfflin), gothisch-deutscher und goethisch-deutscher Typ (Walzel).
b) Epochenstil: Die Epochenstile können formal-ästhetisch oder ideengeschichtlich fundiert sein. Die Epoche „... wird als Synthese aller ihrer kulturellen Erscheinungengesehen[31] “.

3.2 Hermeneutik als Erkenntnismethode

3.2.1 Diltheys Universalisierung der Hermeneutik

Dilthey hat den hermeneutischen Ansatz von Schleiermacher sowohl erweitert als auch verfremdet. Schleiermacher versteht die Hermeneutik als einen Akt der Divination, d. h. als kongeniales Erfassen des Sinns eines Kunstwerks[32]. Dilthey greift bei seinem Ansatz auf den Schleiermacherschen Begriff der Divination zurück und deutet ihn neu aus[33]:

[...]


[1] Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 216.

[2] Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 216.

[3] Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 23.

[4] Gutzen, D.; Oellers, N. et al., Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, 1989, S. 174.

[5] Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 215ff.

[6] Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 23.

[7] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 26.

[8] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 27.

[9] Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 27.

[10] Vgl. Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft,2001, S. 61.

[11] Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 61.

[12] Vgl. Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 61f.

[13] Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 62.

[14] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 28.

[15] Dilthey, W., Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, 1965, S. 81.

[16] Dilthey, W., Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, 1965, S. 179.

[17] Vgl. Dilthey, W., Die geistige Welt. Erste Hälfte, 1964, S. 143.

[18] Dilthey, W., Die geistige Welt. Erste Hälfte, 1964, S. 143.

[19] Dilthey, W., Die geistige Welt. Erste Hälfte, 1964, S. 143f..

[20] Maren-Grisebach, M.; Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 24f.

[21] Gutzen, D.; Oellers, N. et al., Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, 1989, S. 165f.

[22] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 29.

[23] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 29.

[24] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 23f.

[25] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 25.

[26] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 32.

[27] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 32.

[28] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 32.

[29] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 33f.

[30] Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 36f.

[31] Gutzen, D.; Oellers, N. et al., Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, 1989, S. 174.

[32] Vgl. Ahrens, R., Hermeneutik, 2001, S. 45.

[33] Vgl. Geisenhanslüke, A., Einführung in die Literaturtheorie, 2003, S. 47.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Kategorien und Kriterien des Konzeptes der geistesgeschichtlichen Literaturwissenschaft bei Wilhelm Dilthey
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Veranstaltung
Positivistische und geistesgeschichtliche Literaturwissenschaft
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V181069
ISBN (eBook)
9783656043447
ISBN (Buch)
9783656043225
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kategorien, kriterien, konzeptes, literaturwissenschaft, wilhelm, dilthey
Arbeit zitieren
Matthias Dickel (Autor), 2011, Kategorien und Kriterien des Konzeptes der geistesgeschichtlichen Literaturwissenschaft bei Wilhelm Dilthey, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181069

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