Wie Uwe Thielen bereits treffend formulierte, bedeutet das Planen von Unterricht „sich über die Richtung, das Ziel und den Weg dorthin Gedanken zu machen, so umfassend und gründlich wie möglich.“ (Thielen, U. 2004, S. 181). Doch gerade an der Schule für Geistigbehinderte ist ein Unterricht nach Plan oftmals nicht durchführbar. Um angemessen auf unterschiedliche Lernbedürfnisse, Interessen und plötzlich auftretende Probleme der einzelnen Schüler eingehen zu können, ist der Lehrer häufig gezwungen, von seiner Planung abzuweichen. Trotzdem sollte die Unterrichtsplanung nicht vernachlässigt werden, denn nur eine gründliche Vorbereitung bietet der Lehrkraft die Möglichkeit bei Bedarf flexibel handeln zu können. Ausgehend von der Leitidee „Selbstverwirklichung in sozialer Integration“ der Empfehlungen der Kultusministerkonferenz, sollten sich die Lehrpersonen bei ihrer Planung an den darin formulierten Unterrichts- und Erziehungszielen orientieren. Um den Unterricht sowohl für den Schüler als auch für den Lehrer erfolgreich gestalten zu können, sollten einige Faktoren Berücksichtigung finden. Diese sollen nun im zweiten Kapitel ausführlich dargestellt und erläutert werden. Auf welchen Ebenen die Unterrichtsplanung stattfindet wird anschließend thematisiert. Ausführlich werden wichtige Aspekte der langfristigen, mittelfristigen und kurzfristigen Planung aufgezeigt, bevor im Anschluss die Vorstellung einer Unterrichtsstunde für die Beispielklasse H3 erfolgt.
Aus Vereinfachungsgründen wird in der vorliegenden Hausarbeit nur die männliche Form verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundsätze der Unterrichtsplanung
2.1 Die Aspekte des Schülers
2.2 Die Aspekte des Lehrers
2.3 Die Rahmenbedingungen
3 Ebenen der Unterrichtsplanung
3.1 Langfristige Planung
3.1.1 Merkmale einer langfristigen Planung
3.1.2 Die schuleigene Unterrichtskonzeption
3.1.3 Jahres- und Halbjahrespläne
3.2 Mittelfristige Planung
3.2.1 Merkmale einer mittelfristigen Planung
3.2.2 Vorgehensweise bei der Erstellung einer mittelfristigen Planung
3.3 Kurzfristige Planung
3.3.1 Merkmale einer kurzfristigen Planung
3.3.2 Welche Hilfsmittel stehen dem Lehrer für seine Unterrichtsvorbereitung zur Verfügung?
3.3.3 Planung einer Unterrichtsstunde für die Beispielklasse H3
4 Schlussbemerkung
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die didaktischen Anforderungen und methodischen Notwendigkeiten bei der Unterrichtsplanung in der Schule für Geistigbehinderte. Dabei wird untersucht, wie Lehrer trotz hoher Heterogenität der Schülerschaft eine strukturierte und zugleich flexible Unterrichtsplanung realisieren können, die langfristige Konzepte mit kurzfristigen Zielsetzungen verbindet.
- Grundlagen der Unterrichtsplanung unter Berücksichtigung von Schüler- und Lehrerfaktoren
- Differenzierung der Planungsebenen (lang-, mittel- und kurzfristig)
- Bedeutung der schuleigenen Unterrichtskonzeption und Jahresplanung
- Konkrete Umsetzung einer Unterrichtseinheit in der Praxis (Beispielklasse H3)
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Aspekte des Schülers
Gemachte Erfahrungen und erlebte Ereignisse im Leben eines Schülers wirken immer bewusst oder unbewusst im Unterricht und können so seinen Lernprozess positiv oder negativ beeinflussen. Nur wenn die Lebensgeschichte dem Lehrer bekannt ist, kann er ein mögliches Auftauchen vergangener Erlebnisse im Unterrichtsgeschehen bedenken und bei Bedarf entsprechend reagieren. (Thielen, U. 2004, S. 183)
Darüberhinaus hat der Lehrer die Aufgabe seinen Schüler während des gesamten Unterrichtsprozesses möglichst genau zu beobachten, um seine individuellen Schwächen und Stärken herauszufinden. Nur so gelingt es der Lehrkraft durch die Wahl der richtigen inhaltlichen, sozialen wie auch methodischen Maßnahmen, Motivationsphasen zu initiieren und Freude zu schaffen. (Thielen, U. 2004, S. 184)
Neben dem Wissen über die Stärken und Schwächen, muss der Lehrer ebenfalls über Arten sowie Ausprägungsformen der Behinderungen seines Schülers Kenntnis besitzen, um auf dieser Grundlage sowohl inhaltliche als auch methodische Schritte bei der Unterrichtsplanung entsprechend berücksichtigen zu können. Aufgrund der Tatsache, dass gerade mehrfachbehinderte Schüler stark auf emotionale Zuwendung und Fürsorge angewiesen sind, kann nur die Kombination aus dem Vorhandensein der richtigen Bezugspersonen und die zuvor dargestellten Kenntnisse über den Schüler zu dessen positivem Lernerfolg führen. (Thielen, U. 2004, S. 185-187)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Unterrichtsplanung trotz der Unvorhersehbarkeit im Unterricht mit geistig behinderten Schülern und definiert das Ziel einer flexiblen, zielorientierten Vorbereitung.
2 Grundsätze der Unterrichtsplanung: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen Faktoren, wie Schülerbedürfnisse, Lehrereinstellungen und äußere Rahmenbedingungen, die den Planungsprozess maßgeblich beeinflussen.
3 Ebenen der Unterrichtsplanung: Hier wird das Drei-Stufen-Modell der Planung (lang-, mittel- und kurzfristig) detailliert beschrieben, inklusive der praktischen Anwendung an einer Beispielklasse.
4 Schlussbemerkung: Das Fazit betont, dass eine durchdachte Planung zwar essenziell ist, die Lehrperson jedoch stets die Flexibilität bewahren muss, um auf die individuelle Entwicklung der Schüler reagieren zu können.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur zur Didaktik und Methodik im Bereich der Geistigbehindertenpädagogik.
Schlüsselwörter
Unterrichtsplanung, Geistigbehindertenpädagogik, Didaktik, Methodik, Langfristige Planung, Mittelfristige Planung, Kurzfristige Planung, Sonderpädagogik, Schülerbeobachtung, Lernbedürfnisse, Lehrerkompetenz, Handlungsfähigkeit, Inklusion, Schulkultur, Unterrichtsvorbereitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung und der praktischen Anwendung der Unterrichtsplanung an Schulen für geistig behinderte Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Einflussfaktoren auf den Planungsprozess (Schüler, Lehrer, Rahmenbedingungen), die verschiedenen zeitlichen Ebenen der Planung sowie die praktische Konzeption von Unterrichtseinheiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrer durch eine strukturierte und fundierte Planung trotz der Heterogenität der Schülerschaft erfolgreichen und bedarfsgerechten Unterricht gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende didaktische Modelle und fachwissenschaftliche Erkenntnisse systematisch zusammenführt und an einem Praxisbeispiel veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundsätze der Planung erörtert, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der drei Planungsebenen und einer konkreten Stundenplanung für eine Beispielklasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Unterrichtsplanung, Geistigbehindertenpädagogik, Didaktik, Methodik, Schülerbeobachtung und Lernbedürfnisse.
Warum ist die "Tagesform" der Schüler für die Planung relevant?
Da die Befindlichkeit der Schüler stark variieren kann, muss die Planung genügend Offenheit bieten, um auf tagesaktuelle Bedürfnisse reagieren zu können.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion des Lehrers?
Selbstreflexion ist entscheidend, um eigene Sichtweisen kritisch zu hinterfragen und sicherzustellen, dass die ausgewählten Inhalte und Methoden den Schülern tatsächlich gerecht werden.
Was zeigt das Beispiel der Klasse H3?
Es veranschaulicht, wie man unter Berücksichtigung individueller Schülerbeschreibungen und spezifischer Lernziele eine praxisnahe Unterrichtseinheit (hier: "Schuhe putzen") strukturiert.
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- Kristin Kunert (Author), 2009, Unterrichtsplanung in der Schule für Geistigbehinderte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181186