Die erste Phase der Unabhängigkeitsbewegungen in Neu-Granada

Das Scheitern der "patria boba" im Virreinato de Nueva Granada


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Junta-Bewegungen als Akt des Widerstands gegen die französische Besetzung
2.1 Die Junta-Bewegung in Spanien
2.1.1 Napoleonische Besetzung Spaniens
2.1.2 Der organisierte Widerstand
2.2 Die Junta-Bewegung in Hispanoamerika

3 Die „patria boba“ in Neu-Granada
3.1 Unabhängigkeitsaktionen in Neu-Granada
3.2 Rivalitäten um die Führungsrolle im Virreinato de Nueva Granada

4 Schlussbemerkung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bei der Betrachtung des Prozesses der Staatenbildung in Hispanoamerika wird deutlich, dass seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine wachsende Entfremdung der Kreolen vom Mutterland Spanien zu beobachten ist.[1] Daraus resultierten Forderungen nach größerer politischer Autonomie.[2] Vor allem durch die bourbonischen Reformen zeigte sich Hispanoamerika mit seinen Regionen als abhängige Kolonien, die dementsprechend behandelt wurden.

Die starke wirtschaftliche Ausbeutung Hispanoamerikas zum Nutzen Spaniens machten eine Identifikation mit dem Mutterland immer schwieriger. Das wachsende Bewusstsein politisch benachteiligt und wirtschaftlich abhängig zu sein führte unzweifelhaft zur Frage nach der Legitimität der spanischen Herrschaft.[3]

Vor allem wirkten Separationsbewegungen der englischen Kolonien in Nordamerika und auch die französische Revolution stimulierend auf politische Entscheidungen, aber die gesellschaftlichen Auswirkungen der französischen Revolution und besonders die blutigen Rassenkämpfe auf Haiti wirkten furchteinflößend und ließen keine Änderungen der starren sozialen Struktur zu.[4] Diese Zurückhaltung ist vor allem damit zu begründen, dass die amerikanischen Kreolen an der Spitze des Loslösungsprozesses standen und nicht die benachteiligte Bevölkerung bzw. die Schicht der Indios und Sklaven. Die Interessen der Kreolen konnten sich gegen Rebellionen der unteren Schichten durchsetzen.

Für den Charakter der Unabhängigkeitsbewegung ist bezeichnend, dass der Zeitpunkt der Unabhängigkeit weniger auf eine innere Dynamik zurückging, sondern vielmehr europäische Ereignisse ihren Ausgang bestimmten: „ The abduction of King Ferdinand VII by Napoleon in 1808 and the subsequent formation of regional juntas in Spain created a new context for widening the options of Spanish American colonies“.[5] Demnach war der entscheidende Auslöser für die Unabhängigkeit Lateinamerikas die äußere Bedrohung und Besetzung des Mutterlandes Spanien durch napoleonische Truppen.[6]

Nachfolgend soll in dieser Hausarbeit die erste Phase der Unabhängigkeitsbewegungen in den historischen Gesamtzusammenhang eingeordnet werden, indem eine Darstellung der Ereignisse in Spanien erfolgt, da die Unabhängigkeitsprozesse in Hispanoamerika im Mutterland ausgelöst wurden und nicht in den Kolonien selbst. Mit der Beschreibung der Ereignissen auf der iberischen Halbinsel soll der Mechanismus verdeutlicht werden, der zum Loslösungsprozess der Kolonien führte. Den Hauptteil dieser Arbeit stellt die Darstellung der Unabhängigkeitsaktionen speziell im Virreinato de Nueva Granada zwischen 1810 und 1816 dar. Dieses Kapitel thematisiert vor allem Ereignisse, die zum Scheitern einer einheitlichen Unabhängigkeitsbewegung führten. Der letzte Teil dieser Arbeit umfasst eine Schlussbemerkung, die den Anspruch erhebt, das Scheitern der patria boba zu erläutern bzw. Gründe aufzuzeigen, die dieses Scheitern herbeiführten.

2 Die Junta-Bewegungen als Akt des Widerstands gegen die französische Besetzung

Die Junta-Bewegungen in Spanien und Hispanoamerika signalisierten ihre Loyalität gegenüber dem abgesetzten Monarchen in Spanien und sind als Akt des Widerstands zu sehen. Die Junta-Bewegungen in Hispanoamerika verfolgten auch das Ziel weitreichende Autonomie gegenüber den spanischen Zentralbehörden zu erlangen und verdeutlichten umso mehr die wachsende Unzufriedenheit, vor allem der Kreolen in Hispanoamerika, die sich politisch und wirtschaftlich benachteiligt sahen.

2.1 Die Junta-Bewegung in Spanien

Der Widerstand des spanischen Volkes gegen die napoleonische Besetzung der iberischen Halbinsel spiegelte sich in der Junta-Bewegung wider. Nachfolgend soll unter 2.1.1 die Situation dargestellt werden, in der es Napoleon gelang die Halbinsel zu erobern und unter 2.1.2 wird der organisierte Widerstand, der durch die französische Besetzung ausgelöst wurde, thematisiert.

2.1.1 Napoleonische Besetzung Spaniens

Seit 1788 herrschte Karl IV, der sich zunehmend als unfähig erwies und seit 1792 die Geschicke des Landes den Offizier Manuel de Godoy bis 1808 bestimmen ließ. Godoy wurde als korrupt und unfähig betrachtet und die Unzufriedenheit mit der Krone wuchs beständig. In Spanien hatte sich die Opposition um den Thronfolger Ferdinand gescharrt.[7] Diese Unzufriedenheit wurde verstärkt als Karl IV am 27.0ktober. 1807 im „Vertrag von Fontainebleau“ dem Korsen Napoleon zugestand, dass französische Truppen Spanien durchqueren dürften, um nach Portugal zu gelangen.[8]

Im März 1808 organisierte Ferdinand eine Palastintrige in Aranjuez („Motín de Aranjuez“), die die Entlassung Godoys und die Abdankung Karls IV zur Folge hatte. Die Palastintrigen, die Ferdinand als Königssohn gegen den einflussreichen Godoy richtete, hatten Napoleons Interesse an Spanien geweckt. Als Kaiser der Franzosen saß er selbst auf einem Bourbonenthron und sein Interesse war daher jeglichen Rivalen dieses Hauses zur Sicherung seiner eigenen Herrschaft auszuschalten.[9]

Napoleon nutzte diese konfuse Situation, um die im Kampf gegen England strategisch wichtige iberische Halbinsel zu besetzen und gleichzeitig die Nebenlinie der Bourbonen, auf deren Thron er seit 1804 saß, auszuschalten. In der Zusammenkunft von Bayonne am 20.April-5.Mai.1808 zwang Napoleon Ferdinand die Krone an seinen Vater zurückzugeben und diesen brachte er dazu abzudanken.[10] Im Juni 1808 machte Napoleon seinen Bruder Joseph Bonaparte zum „ Rey de España e Indias“ während die spanischen Bourbonen in Frankreich gefangen gehalten wurden. Napoleon hoffte seinen Herrschaftsanspruch auf das Kolonialreich ausdehnen zu können.[11] Allerdings hatte er die Rechnung ohne das Spanische Volk gemacht, das die neue Dynastie nicht akzeptierte und bereit war Widerstand zu leisten, der sich in der Junta-Bewegung widerspiegelte.

2.1.2 Der organisierte Widerstand

Schon am 2 Mai 1808 war in Madrid eine Volkserhebung gegen die französischen Truppen ausgebrochen, die in einen nationalen und über Jahre dauernden politischen und militärischen Widerstand gegen die französische Besetzung überging und als Geburtsstunde des „Guerrilleros“ bezeichnet wird.[12]

Den Widerstand organisierten zuerst regionale, autonome Juntas (juntas provinciales), die für die Rückkehr Ferdinands kämpften und die politische Entscheidungsgewalt übernahmen und auch den bewaffneten Widerstand organisierten.[13] Besonders in den nicht beherrschten Gebieten bildeten sich diese Juntas, die die Anordnungen des „Rey Intruso“ (unerwünschten Königs) ignorierten und eine örtliche Verwaltung darstellten. Jede Junta provincial beanspruchte für sich, die oberste Instanz gegen die Franzosen und für die Rückkehr Ferdinands zu sein .Um diese verschiedenen Führungsansprüche zu überwinden und auch um überregionale Angelegenheiten wie zum Beispiel die Aufstellung und Ausrüstung einer Befreiungsarmee regeln zu können, war es nötig, eine Dachorganisation dieser Juntas zu gründen. Vertreter der Juntas bildeten im September 1808 eine „Junta suprema central y gubernativa del reino“.[14] Die Junta setzte sich 1808 aus ca. 35 Mitgliedern zusammen, die meisten Provinzjuntas delegierten je 2 Vertreter. Die Provinzen Hispanoamerikas waren nicht vertreten und die Präsidenschaft übernahm der frühere Minister Graf Floridablanca.[15]

Die Junta erfüllte legislative und executive Aufgaben und die wohl bedeutendste Maßnahme der Junta war die Einberufung der Cortes de Cádiz, ein Parlament, das als verfassungsgebende Versammlung von 1810-1813 tätig war. Die Cortes können als traditionelle spanische Ständeversammlung gesehen werden. Auf Grund von militärischen Niederlagen gegenüber den Franzosen und der zunehmenden Schwächung der Zentraljunta, musste sie sich 1809 auf die Insel León zurückziehen, die Dank der englischen Kriegsmarine unbesetzt geblieben war.[16]

Die Zentraljunta wurde 1810 vom Consejo de Regencias abgelöst, dessen Abgeordnete von den Wahlausschüssen der einzelnen Provinzen gewählt wurden. Das Wahlverfahren für die Abgeordneten löste heftige Kritik in den Kolonien aus. Die Unzufriedenheit der Kreolen über den Wahlmodus für die Cortes drückte sich in gleichzeitig auftretenden Autonomiebewegungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Übersee aus. Die ca. 30 Abgeordneten, die für die Cortes vorgesehen waren und die Kolonien repräsentieren sollten, entsprachen nicht im entferntesten der Zahl der Einwohner Hispanoamerikas.[17] Des Weiteren gestaltete sich das Wahlverfahren angesichts des Kriegszustandes in Hispanoamerika schwierig und man entschied, dass die in Cádiz versammelten Flüchtlinge aus Amerika Vertreter für die jeweiligen Regionen in Übersee wählen sollten. Die Beschlüsse der Abgeordneten wurden in die Verfassung von Cádiz, die die Cortes im März 1812 verabschiedeten, eingebracht. Sie schufen mit dieser Verfassung eine liberale Verfassung die als Vorbild für weitere Verfassungen in Spanien und im Ausland diente.[18]

Für die Kreolen in Hispanoamerika konnte allerdings die Zentraljunta, der Regentschaftsrat und auch die Cortes de Cádiz keinen Ersatz an Legitimität bieten, der durch den Ausfall des Königs geboten schien. Die Folge waren Autonomiebestrebungen, die in der Bildung zahlreicher Juntas mündeten.[19]

[...]


[1] König, Hans-Joachim (2006), Kleine Geschichte Lateinamerikas, Stuttgart, S. 205

[2] Ebd., S 205.

[3] Safford, Frank/Palacios, Marco (2002), Colombia-Fragmented Land, Divided Society, New York, S. 80-88.

[4] Rinke, Stefan (2010), Geschichte Lateinamerikas-Von den frühesten Kulturen bis zur Gegenwart, München, S. 54.

[5] Helg, Aline (2004), Liberty and equality in Caribbean Colombia, Chapel Hill, S. 121.

[6] Pieper, Renate (2005), „ Die Unabhängigkeit Hispanoamerikas als langfristige Entwicklung“, in: Edelmayer, Friedrich; Hausberger, Bernd; Potthast, Barbara (Hrsg.), Lateinamerika 1492-1850/70, Wien, S 221.

[7] Safford & Palacios, Colombia, S. 80-82.

[8] Buisson, Inge/ Schottelius, Herbert (1980), Die Unabhängigkeitsbewegungen in Lateinamerika, 1788-1826, Stuttgart, S. 48.

[9] König, Kleine Geschichte Lateinamerikas, S. 214.

[10] Buisson & Schottelius, Die Unabhängigkeitsbewegungen in Lateinamerika, S. 48.

[11] König, Kleine Geschichte Lateinamerikas, S. 214.

[12] Schmidt, Peer (2003), „Der Guerrillero: Die Entstehung des Partisanen in der Sattelzeit der Moderne – eine atlantische Perspektive, 1776-1848“, in: Langewiesche, Dieter; Osterhammel, Jürgen (Hrsg.), Geschichte und Gesellschaft, Bd. 29, S. 161-190.

[13] Rinke, Stefan (2010), Revolutionen in Lateinamerika–Wege in die Unabhängigkeit-1760-1830, München, S. 126.

[14] Ebd., S. 126.

[15] König, Kleine Geschichte Lateinamerikas, S. 215.

[16] Buisson & Schottelius, Die Unabhängigkeitsbewegungen in Lateinamerika, S. 48.

[17] Ebd., S. 52f.

[18] Rinke, Revolutionen in Lateinamerika, S. 128f.

[19] Ebd., S. 141.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die erste Phase der Unabhängigkeitsbewegungen in Neu-Granada
Untertitel
Das Scheitern der "patria boba" im Virreinato de Nueva Granada
Hochschule
Universität zu Köln  (Iberische und Lateinamerikanische Abteilung des historischen Seminars der Universität zu Köln)
Veranstaltung
Seminar: Rebellionen in den Anden
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V181214
ISBN (eBook)
9783656042594
ISBN (Buch)
9783656042723
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unabhängigkeit Lateinamerikas, Neu-Granada, Unabhängigkeit Kolumbien, Junta-Phase Spanien, Geschichte Lateinamerikas, Kolonialgeschichte Lateinamerikas
Arbeit zitieren
Fida Diego (Autor), 2011, Die erste Phase der Unabhängigkeitsbewegungen in Neu-Granada, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181214

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