Status quo als Staatsräson - Saudische Außenpolitik der Jahre 1962-1989

Konzepte, Instrumente, Resultate


Diplomarbeit, 2008

134 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Quellenlage

3. Zur theoretischen Einordnung der saudischen Politik

4. Saudische politische Interessen: Determinanten und Instrumente
4.1 Geographische Handlungsräume
4.1.1 Lokal
4.1.2 Regional
4.1.3 Global
4.2 Instrumente der Politikimplementation
4.2.1 Militär
4.2.2 Der Ölreichtum
4.2.3 Die ethnische Komponente
4.2.4 Der Islam als Instrument

5. Die Praxis: Saudische Politik im Spiegel der Ereignisse
5.1 Derjemenitische Bürgerkrieg
5.1.1 Die erste Republik
5.1.2 Politik der harten Hand
5.1.3 Ergebnis
5.2 Einsatz der 'Ölwaffe'
5.2.1 Die globale Dimension
5.2.2 Das Spiel mit dem Öl
5.2.3 Ergebnis
5.3 Der Iran-Irak-Krieg
5.3.1 Machtwechsel im Iran als Bedrohung des Status quo
5.3.2 'Araber versus Perser'
5.3.3 Ergebnis
5.4 Saudi-Arabiens Engagement in Afghanistan
5.4.1 Ein neuer kommunistischer Staat?
5.4.2 'Islam versus Atheismus'
5.4.3 Ergebnis

6. Fazit und Schlussfolgerungen

7. Literaturverzeichnis

„The important thing about a regime is not what it is called, but how it acts. There are corrupt republican regimes and sound monarchies, and vice versa. ... The quality ofa regime should be judged by its deeds and the integrity of its rulers, not by his name-”1

König Faysal ibn Abdul Aziz

1. Einleitung

Eine Analyse der Außenpolitik Saudi-Arabiens im Nahen Osten in der Zeit von 1962­1989- Eine Themenstellung, die, so mag man meinen, ihren Fokus auf eine längst vergangene Epoche richtet. Welchen Wert sollte denn einen politikwissenschaftliche Analyse des Verhaltens dieses Staates haben? Die außenpolitischen Determinanten und Verhaltensweisen der Vergangenheit sind doch wohl kaum mit denen in der Gegenwart zu vergleichen.

In der Vergangenheit liegt die Zukunft begraben; dieser Weisheit fühlt sich auch die vorliegende Arbeit in gewisser Weise verpflichtet. Sie ist als Versuch zu verstehen, die Entwicklung der Außenpolitik Saudi-Arabiens seit 1962 durch eine zunächst abstrakte Bestimmung politischer Instrumentarien und geographischer Handlungsebenen sowie eine dann folgende praktische Studie die Außenpolitik Saudi-Arabiens im bezeichneten Zeitraum nachzuvollziehen. Ein Blick in die Geschichte vermag, so die These, auch einen Beitrag zur Erkenntnis der gegenwärtigen und zukünftigen Perspektive zu erfassen.

Welche politischen Ziele sind es, die dieser Staat verfolgt, der mit einem schier unermesslichen Ölreichtum und daraus resultierend auch finanzieller Schlagkraft ausgestattet war und ist und infolge dessen auch politisch ein Schwergewicht in der Region darstellen müsste? Und wie, ist zweitens zu fragen, setzte diese absolute Monarchie ihre Ziele konkret um, mit welchen Mitteln wurde (und wird) Außenpolitik von Riyadh gestaltet?

Alleine beim Blick auf die Landkarte des Nahen Ostens fallt die absolute geographische Dominanz der 1932 offiziell gegründeten2 Monarchie auf: Mit ihren 840 000 Quadratmeilen nimmt sie nahezu ein Drittel der Größe der Vereinigten Staaten ein. Sie besitzt Grenzen mit allen anderen Golfanrainern, seine Nachbarschaft zu Israel und dem afrikanischen Kontinent im Westen verdeutlichen, dass das Königreich seine politischen Interessen nicht eindimensional auf den lokalen Raum bezogen definieren kann.3 Der Osten des Landes indes hat lediglich Kleinstaaten zu gewärtigen, abgesehen freilich vom geographisch etwas entfernten Iran, der flächenmäßig deutlich an das Königreich heranreicht und aufgrund wirtschaftlicher und politischer Gegebenheiten sich zu seinem Konkurrenten wandelte. Auch im Süden ist die saudische Dominanz gegenüber Oman und Jemen manifest. Im Westen indes: Jordanien, höchstens Mittelmacht ohne Finanzkraft und ohne militärische Macht, vielmehr aufgrund eines hohen palästinensischen Bevölkerungsanteils potenzieller Unruheherd mit innerlicher Schwäche; anders sieht es mit Israel aus, zu dem das Königreich zwar keine Landgrenze hat, mit dem es aber den strategisch wichtigen Golf von Aqaba teilt. Ein Blick nach Norden zeigt einen zum Untersuchungszeitpunkt innerlich bis 1979 stets von inneren Wirren zerrütteten Staat, den Irak, aufgrund der ethnischen und religiösen Sollbruchlinien anfällig für äußere Einflüsse, etwa des Iran war und noch immer ist.

Allein, der Blick auf die Landkarte verrät wenig und ermöglicht keinen Blick auf das Ganze: Noch mächtiger muss die saudische Dominanz erscheinen, wenn man sich die gewaltigen Rohstoffvorkommen betrachtet: Alleine die bekannten Ölreserven betrugen Anfang der 1980er-Jahre schätzungsweise 170 Milliarden Barrel, womit Saudi-Arabien den ersten Platz in der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Staaten) einnahm.4

Als ein 'swing-producer' besaß und besitzt das Land die Fähigkeit, selbstständig einen stabilen Ölpreis zu garantieren, indem es seine Produktion wesentlich steigert.

„Die excess capacities Saudi-Arabiens, also das Potential, in kurzer Zeit die Produktion zu erhöhen, werden allein auf 3,5 mbd [Millionen Faß pro Tag, C.H.] geschätzt.“5

Auch die militärische Potenz scheint Saudi-Arabien zum Hegemon in der Region zu prädestinieren: Zwar ist die Mannschaftsstärke an sich relativ betrachtet nicht sonderlich beeindruckend. Dahinter steckt jedoch geballte technische Potenz: Insbesondere seit Ende der 1960er-Jahre6 verfolgte das Regime eine qualitative Aufrüstung, die sich sehen lassen kann: Eine 60.000 Mann starke Berufsarmee ist - zumindest in ihrer Ausrüstung - vergleichbar nur mit westlichen Armeen: Es findet sich das gerade Modernste in saudischen Beständen: Ausschließlich westliche Kampfpanzer, hauptsächlich amerikanischen Typs, seit Anfang der 1980er-Jahre F-15-Jagdbomber, Tornado-Kampfflugzeuge sowie AWACS-Aufklärer ('Airborne Warning and Control Systems') zur Führung von weiträumigen Luftoperationen. Darüber hinaus besitzt die Armee des Königshauses aufgrund von Tankflugzeugen 'Power-projection- capabilities', die sie als regionalen Machtfaktor ins Spiel bringt. Die aus loyalen Stammesmitgliedern zusammengesetzte Nationalgarde sorgt mit ebenfalls (über­moderner Ausrüstung für Ruhe im Innern, insbesondere der hauptsächlich von Schiiten, also Häretikern für die Vertreter der wahhabitischen Staatsreligion, bewohnten Ostgebiete des Königreiches.

Welche Art der Politik hat das Königreich nun angesichts einer solchen Stellung verfolgt: Zu erwarten wäre doch eine machtvolle, der eigenen Stärke voll bewusste Interessendurchsetzung, nicht selten auch mit militärischen Interventionen, nicht nur lokal, sondern auch und vor allem regional. Hinzu kommt, die enge Allianz mit den USA, die sich während des Kalten Krieges doch sicher stärkend auf das saudische Auftreten ausgewirkt haben müsste.

Ausbau der Hegemonialstellung unter Einsatz aller gegeben Instrumente müsste folglich die Devise Riyadhs nach realistischer Perspektive gelautet haben. Nicht Mäßigung, sondern Konflikt, nicht Vermeidung von Zusammenstößen, sondern aktives und kraftvolles zur Not robustes Auftreten als die führende arabische Macht. Dass musste angesichts der gegebenen Mittel doch nicht allzu schwer fallen.

Die vorliegende Arbeit soll auch aufzeigen, dass ein solches Verständnis die saudische außenpolitische Rolle nicht trifft, sondern sie in der Realität weit differenzierter und komplexer in Erscheinung trat, als es die eben genannten Determinanten vermuten lassen.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier wesentliche Punkte auf:

Nach einer erfolgten Hinleitung zum Thema wird zunächst die Quellenlage in den Blick genommen. Dabei werde ich ausgewählte Werke behandeln, die eine Tendenz bezüglich des jeweiligen Sachverhalts besonders anschaulich werden lassen.

Hiernach werden politikwissenschaftliche Theorieansätze zunächst idealtypisch in ihrem Entstehungszusammenhang dargestellt. Hierbei soll keine breite Darlegung des gesamten politikwissenschaftlichen Theoriengebäudes erfolgen; vielmehr werden gezielt insbesondere verschiedene Ansätze aus der neorealistischen Theorie vorgestellt und erst im folgenden Blick auf die politischen Fallbeispiele angewandt, womit sich die Auswahl aus sich selbst heraus begründen sollte.

Sodann erfolgt eine Thesenbildung: Determinanten der saudischen Politik werden dargestellt, die Instrumente zu ihrer Durchsetzung betrachtet. Hier erfolgt eine abstrahierte, am Ideal orientierte Darstellung der saudischen Politik, freilich gab und gibt es Abweichungen hiervon in der politischen Praxis, wie auch gezeigt werden wird. Es sollen an dieser Stelle, vor dem Blick in die Praxis, Definitionen vorgenommen werde, die eine Analyse der saudischen Außenpolitik strukturieren und somit erleichtern sollen..

Der nun folgende Hauptteil der Arbeit versucht darzulegen, wie sich das außenpolitische Instrumentarien in der politischen Praxis entwickelte und ihr Einsatz erfolgte. Folgende Fallbeispiele werden untersucht: Derjemenitische Bürgerkrieg 1962­1968, der Einsatz der Ölwaffe durch Saudi-Arabien im Zusammenhang mit dem Ramadan-Krieg im Oktober 1973, die saudische Rolle im Iran-Irak-Krieg 1980-1988 sowie das saudische Engagement in Afghanistan seit Anfang der 1980er-Jahren. Die Ordnung der Fallbeispiele wird chronologisch vorgenommen, um zum einen die entsprechende außenpolitische Handlungsebene (lokal, regional, global), zum anderen den Einsatz der Instrumente (Militär, Rohstoff, Ethnie, Religion) durch Saudi-Arabien deutlich herauszuarbeiten. An ausgewählten Stellen werde ich auch nochmals auf die oben behandelten politiktheoretischen Ansätze eingehen, um die Angemessenheit ihrer Auswahl darzustellen. Auch erfolgt somit ein Abgleich des idealen Politik-Modells wie es oben vorgestellt wurde, und der Praxis im multidimensionalen Gefüge des Nahen Ostens.

Abschließend werden in einem Fazit die wesentlichen Untersuchungsergebnisse noch einmal gebündelt zusammengefasst. Weiterhin wird versucht, einen Bogen in die Gegenwart zu schlagen und überkommene Handlungsmuster zu benennen. Es soll nicht der Anspruch erhoben werden, zu einem alles umfassendem Gesamturteil zu gelangen. Ein Zwischenergebnis, und mehr kann eine Arbeit dieser Art und dieses Umfanges nicht darstellen, ist jedoch dennoch herauszuarbeiten. Zudem dient dieser Teil auch der raschen Information über die vorliegende Arbeit.

Ein Hinweis betreffend der verwendeten Quellen soll an dieser Stelle grundsätzlich festgestellt werden: Trotz nunmehr bald zweijährigen Arabisch-Unterrichts ist mir, wie ich im Verlauf der Vorbereitungen zu dieser Arbeit feststellen musste, die Fähigkeit zum kritisch-wissenschaftlichen Arbeiten mit dieser Sprache bisher versagt geblieben. Ich bin mir bewusst, dass die Heranziehung arabischer Quellen einen weiteren außerordentlich tiefen Einblick in die Materie vermittelt hätte. Diese Feststellung scheint mir im Interesse einer wissenschaftlichen Arbeitsweise aber redlicher, als möglicherweise Quellen unvollständig oder gar falsch zu zitieren. Infolgedessen stütze ich mich in dieser Arbeit vornehmlich auf englisch- und deutsch-, daneben französischsprachige Quellen.

Arabische Ausdrücke werden zum verbesserten Verständnis in lateinischer Transliteration dargestellt.

2. Quellenlage

An dieser Stelle möchte ich die wesentlichen von mir verwendeten Quellen erwähnen, um wichtige Tendenzen anzusprechen. Besondere Bedeutung schenke ich der Notwendigkeit, die Literatur und ihre Autoren stets im zeitlichen Zusammenhang zu betrachten. Wissenschaftliche Schriften mögen zwar vom Anspruch her objektiv erscheinen, sie können es aber ebenso wenig wie die Wissenschaft sein, sondern sich diesem Zustand doch immer nur annähern. Die Literatur dient nicht selten der szientifistischen Legitimierung getroffener politischer Entscheidungen oder aber der Vorbereitung dieser. Da erscheint es wie ein Hohn, wenn sich politische Denkfabriken wie die renommierte 'Brookings Institution' (Washington) sogar offiziell als 'independent' bezeichnen.

Zur Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen wurde, abgesehen von den einschlägigen Werken, mehrheitlich von Sekundärliteratur Gebrauch gemacht. Speziell für die neorealistische Schule hat sich das von Thomas Vogt verfasste Der Neorealismus in der internationalen Politik: Eine 'wissenschaftstheoretische Analyse als hilfreich erwiesen. Grundsätzlich als Kritik an der bezeichneten Schule angelegt, verschafft das Werk einen Einblick in die verschiedenen Zweige des Strukturellen Neorealismus, der im Allgemeinen nicht selten nur mit dem Namen Kenneth Waltz verbunden wird. Zur Darstellung der Rentierstaatstheorie wurde der Aufsatz Der Irak als Rentierstaat von Peter Pawelka herangezogen. Veröffentlicht wurde er anlässlich des irakischen Überfalls auf Kuwait. Überzeugend legt der Autor die dem Rentierstaat inhärenten Handlungszwänge dar, wobei die Verankerung in der marxistischen Theorie den Autor an manchen Stellen zu etwas holzschnitzartigen Kategorisierungen greifen lässt, etwa wenn er die Staaten der Region lediglich als Opfer wahrnimmt, während 'der Westen' stets in der negativ besetzten Opferrolle in Erscheinung tritt.

An Übersichtsliteratur zu der saudischen Außenpolitik wurde von mir zunächst das von Robert Lacey verfasste The Kingdom herangezogen. Es bietet einen tief greifenden historischen Überblick von den Anfängen des saudischen Staates bis in die Mitte der 1980er-Jahre. An einigen Stellen etwas dramatisierend (etwa bei der Schilderung des Ölboykotts), verhilft es doch zu einer notwendigen Gesamtschau. Weiterhin fand das vom renommierten International Institute for Strategic Studies (London) herausgegebene und auf Deutsch vorliegende Saudi-Arabien und seine Sicherheitspolitik (Adeed Dawisha) Verwendung. Es bietet eine reichhaltige, wenngleich etwas gedrängte Übersicht über die groben Entwicklungslinien der saudischen Sicherheitspolitik. Diese wird als mehrdimensional begriffen und entsprechend analysiert. Von nicht unwesentlicher Bedeutung ist sicher die irakische Herkunft des Autors, die sich auch in der Analyse niederschlägt, während die Bedeutung des Iran etwas zu kurz gerät, was gerade für den damaligen Zeitpunkt überrascht.

Für eine interdisziplinäre Gesamtschau der Politik des Staates zu Beginn der 1980er- Jahre war das von Thomas Koszinowski (Deutsches Orient Institut) herausgegebene Saudi-Arabien: Ölmacht und Entwicklungsland eine große Hilfe. Ausgewählte Policy- Felder werden von unterschiedlichen Experten dargestellt. Besonderes Interesse verdienen die Ausführungen von Hans Maull zur saudischen Erdölpolitik. Sie stellt bekanntermaßen das einzigartige Standbein der saudischen Wirtschaft dar und ist deshalb von besonderer Relevanz. Das Werk zeigt, dass die Bundesrepublik der Region aufgrund des irakisch-iranischen Krieges eine verstärkte Aufmerksamkeit widmet und, wie zahlreiche westliche Staaten, nach einem Stabilitätsanker Ausschau hält.

Des Weiteren fand das von Alexei Vassiliev 2000 publizierte The History of Saudi Arabia Verwendung. Der Autor, russischer Herkunft, stellt überblicksartig die saudische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart dar. Sein Stil hält sich sachlich, es wird aber mehr berichtet als analysiert, was das Werk dennoch zu einem unverzichtbaren Teil der Arbeit macht. Darüber hinaus findet das Werk häufig Erwähnung in anderen Schriften, womit der Rang eines Standardwerkes unterstrichen wird.

Zu der wichtigen saudisch-amerikanischen Partnerschaft hat John P. Miglietta 2002 das Werk American Alliance Policy in the Middle East, 1945-1992 vorgelegt. Es beschreibt in groben Zügen die Partnerschaft, konzentriert sich dabei insbesondere auf militärtechnische Fragen und geht hierbei auch stark ins Detail, etwa wenn es um den Verkauf von F-15-Kampfflugzeugen Anfang der 1980er-Jahre geht. Saudi-Arabien wird durchweg in einem positiven Licht gesehen, auch hier tritt die Anker-Funktion deutlich hervor, auch und gerade gegen den Iran seit 1979.

Bilanzierend lässt sich bezüglich der vorliegenden angelsächsischen und deutschsprachigen Übersichtsliteratur sagen, dass das Bild Saudi-Arabiens, freilich abhängig von gewissen Schwankungen, doch mehrheitlich positiv unterlegt ist: Das Land wird als Stabilisator und konstruktiver Akteur wahrgenommen, sowohl im Kalten Krieg gegen die sowjetischen Bestrebungen, als auch seit 1979 parallel dazu gegen etwaige imperiale Versuche regionaler Hegemonialmächte, wie dem Irak und Iran. Auffällig ist eine Häufung von (englischsprachigen) Übersichtsdarstellungen seit 2001. Dies soll offenbar zum einen den gewachsenen Informationsbedarf der Öffentlichkeit befriedigen, zum anderen versprechen sich nicht wenige dieser Autoren von einer Demokratisierung eine Abnahme des religiösen Einflusses auch auf die Außenpolitik des Königshauses. Die Parallelen zu lange Zeit vorherrschenden Vorstellungen innerhalb westlicher Administrationen sind dabei frappierend. Beispielhaft für andere sei das von Tim Niblock 2007 editierte Saudi Arabia: Power, Legitimacy and Survival erwähnt.

Es wird im Folgenden auf die Literatur zu den Fallbeispielen eingegangen. Auch hierbei sollen nicht alle Werke angesprochen werden, sondern nur solche, die eine grundsätzliche Richtung anzeigen, um Tendenzen in der Quellenlage zu verdeutlichen. Bezüglich derjemenitischen Thematik stechen britische Autoren hervor. Angesichts der damaligen weltpolitischen Lage dieses Gebietes verwundert das nicht. Ägypten wird in diesen Darstellungen häufig als Aggressor dargestellt, eine Frontstellung, die man seit dem Machtantritt Nassirs gewohnt war. Oft ausführlich wird der Einsatz chemischer Waffen behandelt7, nicht zuletzt schafft man es durch eine solche Weise, Ägypten gleichsam als 'unzivilisierť, gleichsam barbarisch zu brandmarken. Das 1968 publizierte Werk von Dana Adams Schmidt Yemen: The Unknown War sticht dabei besonders hervor. Bereits durch den Titel, so scheint es, sollen die Handlungen der Ägypter in ein noch mysteriöseres Licht gesetzt werden.

Die Rolle Saudi-Arabiens wird grundsätzlich positiv dargestellt, als ruhender, verlässlicher Pol, gar als scheinbar völlig unbeteiligte Macht, die ohne Interessen, alleine dem Frieden verpflichtet, agiert. Für eine solche Sicht steht der 1971 erschienene Titel The War in Yemen des Edgar O'Ballance. Bedenkt man, dass die OECD-Staaten Anfang der 1970er-Jahre erheblich von saudischem Wohlwollen abhängig waren und sich ihnen Saudi-Arabien tatsächlich nach Außen hin als scheinbar interessenfreier Öllieferant darstellte, ist diese Sicht verständlich. Eine zu starke Fokussierung auf die saudische Entschlossenheit, ein ihm nicht genehmes Regime in ihrer Nachbarschaft zu verhindern, hätte den britischen Anspruch, als fortschrittlich aufzutreten auch unterminiert. Das Vertrauen, welches die Autoren in die royalistischen jemenitischen Kräfte setzen überrascht den unbefangenen Betrachter zunächst, genossen sie doch in der breiten jemenitischen Bevölkerung keineswegs die uneingeschränkte Zustimmung, die in der gesichteten Literatur suggeriert wird. Dies mag aus den Bemühungen resultieren, die eigene Klientel unbedingt im positiven Licht darzustellen. Denn es musste auch die eigene Entscheidung, die Royalisten zu unterstützen, legitimiert werden. Dieses Bild deckt sich überdies mit saudischen Verlautbarungen, die ebenfalls auf die gewachsenen Stammesstrukturen und Kulturtraditionen verwiesen, die nun durch die Republikaner zerstört würden.

Darüber hinaus umweht die ganze Literatur zu der Jemen-Materie ein gewisser Hauch einer Abenteuerromantik, die besser ins 19. Jahrhundert zu passen scheint. Stets ist ein gewisser imperialer Impetus zu spüren. Die Republikaner erscheinen als wilder arabischer Stamm, den es zu bändigen galt, ebenso wie bereits 100 Jahre zuvor. Dies deutet auf die Unfähigkeit der britischen Autoren hin, neue Entwicklungen, wie sie sich im Nahen Osten seit Nassirs Machtantritt 1952 zweifellos vollzogen hatten, zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dies überrascht umso mehr, war doch wenige Jahre zuvor der neokoloniale Versuch dramatisch gescheitert, seine wirtschaftlichen und auch politischen Besitzstände am Suez-Kanal zu sichern. Deutlich wird, dass die britischen Eliten auch zu diesem Zeitpunkt noch eine Auffassung von außenpolitischem Handeln hatte, die im neuen Nahen Osten zwangsläufig Schiffbruch erleiden musste.

Auf die innerbritische Entscheidungsfindung geht sehr ausführlich Clive Jones in seinem neueren, 2004 publizierten Buch Britain and the Yemen Civil War, 1962-1965 ein. Sehr gut herausgearbeitet wird die britisch-saudische Interessenallianz, die sich nicht in Worten erschöpfte, sondern ihre ganze Effizienz bei der Ausstattung und Aufrüstung der monarchischen Kräfte im Jemen verdeutlicht. Darüber hinaus galt es, die Saudis hochzurüsten, um sie gegen die ägyptische Aggression wehrhaft zu machen. Das Werk scheint vielleicht insoweit eine Wende einzuläuten als dass nach Ende des Kalten Krieges zunehmend eine kritischere Sicht auf die britische Politik der damaligen Zeit möglich wird.

Von amerikanischen Autoren wird die Situation im Jemen in ihrer ganzen Dimension noch nicht in vollem Umfang erkannt, auch wenn sich die Kennedy-Administration recht bald dazu entschloss, die saudische Administration zu stützen. Dennoch ist gerade in der Anfangszeit (1962/63) eine starke Tendenz feststellbar, die auf eine Anerkennung der neuen republikanischen Kräfte drängt; ebenso wie zunächst bei Nassirs Machtantritt in den 1950er-Jahren versuchte man hier wohl den Versuch der pragmatischen Einbindung zu wiederholen. Damit wurde auch eine antikoloniale Linie fortgeführt, wie sie sich zuletzt in der Suez-Krise 1956 zeigte. Dies führte relativ rasch zu britisch­amerikanischen Verstimmungen, die eine kohärente Politik gegenüber der jemenitischen Republik erschwerte. Aufgrund der ägyptischen Intervention wurde diese Linie schließlich von einem weitgehend pro-saudischen Kurs abgelöst.

Bei der verwendeten Literatur des Fallbeispiels 'Einsatz der Erdölwaffe' muss grundsätzlich ein starker Mangel von zeitgenössischer Literatur, die konkret auf die Rohstoffsituation im Nahen Osten fokussiert, konstatiert werden. Als Ursache hierfür ist gut vorstellbar, dass die westlichen Ölkonzerne selber nur ein geringes Interesse daran hatten, dass ihre Tätigkeit in arabischen Staaten und insbesondere ihr dortiges, an koloniale Praktiken erinnerndes Geschäftsgebaren, bekannt wurde; ein Verhalten, das sich bei der Auswahl von Verbündeten selten um die offiziellen politischen Vorgaben aus dem Weißen Haus scherte und sie sogar in ihr Gegenteil verkehrte. Entsprechende Publikationen konnten aber auch nicht im Interesse arabischer Herrscher liegen, die um den Rückhalt bei konservativen Schichten der Bevölkerung sowie des religiösen Establishment bangen mussten. Wissenschaftliche Untersuchungen einer derartigen Zusammenarbeit drohten zu schnell die Herrschaft zu gefährden und wurden deshalb unterdrückt oder aber Autoren kooptiert. Beide Seiten, also sowohl die Ölkonzerne als auch die lokalen Eliten, bildeten in diesem Fall eine Allianz, die jegliche Arbeiten in dieser Richtung zu verhindern gedachte. Dies änderte sich nach der Beteiligung des saudischen Staates an den im Lande tätigen Ölkonzernen schlagartig. Nun war es auf einmal möglich, offen zu sprechen. Entsprechend ist die Literatur um 1973/4 geprägt von dem deutlich werdenden Schock und der Hilflosigkeit, mit der die westlichen Staaten und hier insbesondere der Wirtschaftsektor dieser arabischen Handlung gegenüberstanden. Plötzlich wurde die enorme Abhängigkeit vom stetigen Ölfluss deutlich und die Schwächen der westlichen Ökonomien vor aller Welt, insbesondere freilich in der so genannten 'Dritten', deutlich. Wenige Autoren mahnten zum damaligen Zeitpunkt eine (horizontale und vertikale) Diversifizierung der Wirtschaftstrukturen an, um die gefährlichen Abhängigkeiten zu reduzieren. Bemerkenswerterweise blendet man die auf arabischer Seite deutlich ausgesprochenen politischen Implikationen des Embargos aus. Fokussiert wird allein auf die ökonomische Komponente. Dabei musste doch klar sein:

,,[...,C.H.] as the most salient expression of the exercise of power in international relations - war - is not autonomous but an arm of political activity, so, too, with Saudi oil policy.“8

Als Beispiel für eine solche monokausale Problemsicht sei ein Artikel in der Zeitschrift Current History (1974) genannt, verfasst von Benjamin Shwadran, Professor an der Universität Tel Aviv. Es verwundert wenig, dass gerade hier die Bedeutung der Ökonomie ganz wesentlich herausgestellt wird, musste eine umfassende Nahost-Lösung wie von der arabischen Seite gefordert doch insbesondere Israel zu Opfern zwingen. Für die damalige US-amerikanische Sicht ist ein Artikel von Christopher T. Rand, ehemals leitender Mitarbeiter in der Ölindustrie, charakteristisch, erschienen 1974 in dem Periodikum Harper's. Schon der Titel spricht Bände: 'The Arabian Fantasy'. In dem Artikel wird nicht nur der arabischen Seite rücksichtslose Erpressung vorgeworfen, sondern nebenbei auch die erheblichen Vorteile verschwiegen, die die Ölkonzerne selber aus dem enormen Preisanstieg zogen. Im Gegenteil wird die Verärgerung über die Möglichkeiten deutlich, die die saudische Beteiligung an den Konzernen der arabischen Seite bietet.9

Der Titel des Aufsatzes von Miyoshi Shuichi im Japan Quarterly, 'Oil Shock', gibt in seiner Schlichtheit und Eindringlichkeit die Verfasstheit wieder, in der sich die westlichen Eliten, nicht nur in den USA und Europa befanden. Dabei taten die Araber nur, was ihnen westliche und östliche Industriestaaten tausendmal vorexerziert hatten: Sie nutzten ein wirtschaftliches Monopol zur Erreichung politischer Ziele [.. .,C.H.]“10.

Es zeigt sich an den dargelegten Beispielen aber auch, wie gering das Verständnis war, dass die vorangegangenen US-Administrationen der Region des Nahen Ostens gewidmet hatten. Der alles beherrschende Fokus auf die Bedrohung durch die Sowjetunion überdeckte die regionalen Besonderheiten und Konfliktlagen, an erster Stelle freilich die Frage nach einem eigenen Palästinenserstaat, wie sie seit 1948 und dringender seit 1967 auf der Tagesordnung stand.

Stattdessen überwog nun angesichts des Boykotts nicht selten auch ein defensives, ja anbiederndes Verhalten gegenüber der Arabischen Welt, welches Krisenszenarien Vorschub leistete.11

Nur wenige Autoren forderten beispielsweise die US-Administration dazu auf, standhaft zu bleiben, sich nicht erpressen zu lassen und Israels Existenz auch weiterhin durch Waffenlieferungen und finanzielle Hilfen zu sichern. Sie stammen hauptsächlich aus dem realistischen Lager und stießen wie die Geschichte enthüllt, sowohl bei dem damaligen Präsidenten Nixon als auch beim Nationalen Sicherheitsberater Kissinger nicht auf taube Ohren.12 Dies verwundert wenig, sind beide Politiker doch ebenfalls in der realistischen Denkschule zu verorten.13

Zu der saudischen Rolle während des irakisch-iranischen Krieges steht ausreichend Literatur zur Verfügung. Sie stammt nicht selten auch von deutschen Autoren, die in bestimmten (Regional)forschungsinstituten (Orient-Institut, Stiftung Wissenschaft und Politik) die Interessen und Möglichkeiten der umliegenden Staaten angesichts der gegebenen Konfliktkonstellation analysieren. Beispielhaft sei hier das von Henner Fürtig, damaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Leipzig, 1992 verfasste Der irakisch-iranische Krieg genannt. Es besticht durch die unabdingbare Einordnung der Thematik in die historischen Verlaufsformen des Konflikts, insbesondere die dichotomische Frontstellung Araber versus Perser. Dies gilt auch für sein neuerliches, 2002 verfasstes Iran's Rivalry with Saudi Arabia Between the Gulf Wars, welches als unverzichtbar bei der Untersuchung dieser Materie angesehen werden muss.

Die Bundesrepublik hatte durch aus ein Interesse an diesem Konflikt, da er potentiell die Erdölversorgung zu gefährden drohte. Darüber hinaus war man wirtschaftlich und politisch daran interessiert, dass der als prowestlich wahrgenommene Irak wenn nicht als Sieger, dann doch als Vorposten gegenüber einem politischen Islam aus dem Konflikt herausging. Ein Islamismus, der sich vehement gegen westliche Einflussnahme jeglicher Art in der Region wandte und potenzieller Unterstützer terroristischer Gruppierungen war, gefährdete letztlich auch die eigenen Wirtschaftsinteressen in der Region und speziell in Saudi-Arabien. In diesem Land besaß man aufgrund des Exports von Spitzenerzeugnissen starke Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen EG-Staaten:

„Die Bundesrepublik Deutschland war von den EG-Staaten der mit Abstand erfolgreichste Exporteur (von Zivilgütern) in Saudi-Arabien.“14

Bei einem Sieg des fundamentalistischen Iran, so nicht selten die Befürchtung, gerate die gesamte Region weiter in Aufruhr, die Anzahl pro-westlicher Staaten gehe noch weiter zurück und jegliche wirtschaftliche Tätigkeit werde zum Erliegen kommen. Mit letzterer waren freilich auch, dies wird in der gesichteten Literatur häufig verschwiegen, die bestehende Rüstungskooperation gemeint, von denen der Irak umfangreichen Gebrauch machte und die der deutschen Rüstungswirtschaft hohe Umsätze verschafften. Die Rolle Saudi-Arabiens jedenfalls wird durchweg positiv gesehen, seine Unterstützung des Irak und die Bemühungen zur Verstärkung regionaler Zusammenarbeit (Stichwort Golfkooperationsrat) zeichnen die Monarchie als einen offenbar konstruktiven Akteur aus, dem eine politische Schlüsselfunktion zukommt.15 Der wesentlich von Saudi-Arabien aus der Taufe gehobene Golfkooperationsrat (GCC) wird als schlagkräftig dargestellt, wie es Ursula Braun (SWP Ebenhausen) mit ihrem Werk Der Kooperationsrat arabischer Staaten am Golf: Eine neue Kraft?: Regionale

Integration als Stabilitätsfaktor vorexerziert. Dabei fallt die absolute saudische Hegemonie unter den Tisch, auch die Bedeutung des Rates als Instrument für das Königreich wird folgerichtig nicht ausreichend analysiert.

Über die zweifelhafte innenpolitische Situation wird ebenso souverän hinweggegangen wie über die labile Situation im östlichen Teil des Landes, in dem eine starke schiitische Minderheit gewaltsam gegen die Unterdrückung durch saudische Behörden protestiert. Auch wird verkannt, dass der saudische Staat nur eine lokale, begrenzt regionale militärische Schlagkraft besaß und bei einem entschlossenen iranischen Vorstoß wohl mehr Last denn Hilfe für westliche Staaten gewesen wäre, die um der von ihnen benötigten Ölvorkommen wegen eine militärische Unterstützung hätten leisten müssen.16 Als Paradebeispiel einer solchen Sicht mag das 1984 von Anthony H. Cordesman verfasste The Gulf and the Search for Strategic Stability. Es analysiert sowohl detailliert als auch mit stark regionalem Blickwinkel die sicherheitspolitischen Entwicklungen der Golfregion. Dabei wird die Bedeutung Saudi-Arabiens für die Vereinigten Staaten an mehreren Stellen deutlich, man mag stellenweise über die (scheinbare) Überschätzung saudischer Macht durch diesen ausgewiesenen Experten auf seinem Gebiet staunen, der immerhin auf eine langjährige Erfahrung im US- Verteidigungsministerium und innerhalb der Region (Iran) zurückblicken kann. Doch zeigt auch bereits der Titel des Werkes, wie sehr die USA Anfang der 1980er-Jahre nach dem Sturz des Shahs und dem Ausbruch des irakisch-iranischen Krieges auf einen stabilen Anker in der Region angewiesen waren.

Saudi-Arabien wird nicht selten als Führungsmacht in der Golfregion gesehen, die als Schaltzentrale im Hinterland des Krieges agieren könnte. Diese Sichtweise ist sicher nicht ganz falsch, doch werden die saudischen Implikationen unterschätzt, die den Irak, wie ja auch westliche Staaten, lediglich als das 'kleinere ÜbeL im Gegensatz zum Iran ansahen. Ein irakischer Sieg lag keinesfalls im saudischen Interesse, das erkannten nur wenige Autoren, vornehmlich solche die einen Blick in die Vergangenheit der bilateralen Beziehungen geworfen hatten, wo die Differenzen zwischen den Nachbarn bereits deutlich zu erkennen waren. Im saudischen Bestreben lag vielmehr eine Schwächung beider Kriegsparteien.

Bezüglich des letzten Fallbeispiels, dem saudischen Engagement in Afghanistan, muss eine nicht vollständig befriedigende Quellenlage konstatiert werden. Dies war auch nicht anders zu erwarten, handelte es sich doch um eine saudische Vorgehensweise, die sich vornehmlich im geheimdienstlichen Sektor vollzog. Viele Quellen sind noch heute unter Verschluss und werden es mittelfristig wohl auch bleiben. Indes würde eine detaillierte Analyse der saudischen Politik den Rahmen dieser Arbeit auch sprengen. Es soll ja wie bereits verdeutlicht, charakteristisches außenpolitisches Verhalten Saudi­Arabiens exemplarisch dargestellt werden, und da erweist sich das Fallbeispiel Afghanistan als sinnvolle Wahl.

Die Literatur, die zu diesem Themenfeld gesichtet wurde, stammt mehrheitlich von angelsächsischen Autoren. Die Darstellung verharrt im Denken des Kalten Krieges, das saudische Engagement und seine spezifischen Interessen werden selten explizit angesprochen. Es gerät hier gerade die arabische Wahrnehmung eines Konflikts Islam versus Kommunismus in den Hintergrund, dominierend bleibt, wenig überraschend, die westliche Sichtweise.

„Es [...,C.H.] [gab, C.H.] gewiß keinen antikommunistischeren Staat als Saudi-Arabien, doch das ist nicht gleichbedeutend mit prowestlich.“17

Immerhin wird gerade in US-Publikationen der sowjetische Einmarsch auch als Bedrohung islamischer Gebiete, und hier vornehmlich Iran und Saudi-Arabiens gesehen; doch speist sich dieses Interesse deutlich aus der Furcht vor einer sowjetischen Besetzung der erdölreichen Ostprovinzen des Königreichs und damit einer günstigeren geopolitischen (Zugang zum Golf, Beherrschung des Mittleren und Bedrohung Nahen Ostens) sowie ökonomischen (erheblicher Zugewinn von Rohstoffquellen) Stellung der UdSSR im Kalten Krieg. Beispielhaft sei das von William B. Quandt, Mitarbeiter des US-Think Tanks 'Brookings Institution' sowie des nationalen Sicherheitsrates unter Präsident Carter, verfasste Saudi Arabia in the 1980s genannt. Eine solche Einschätzung bedeutet aber auch, dass die religiöse Perzeption des Konfliktschemas nicht erkannt beziehungsweise nicht geteilt wird. Dies mag an einer zu geringen Wahrnehmung der islamischen Staaten als homogenem Block gelegen haben. Insoweit dominiert auf westlicher Seite das Nationalstaatsprinzip, welches eben nur die Staaten als alleinige Akteure anzusehen bereit ist. Eine religiös begründete Gemeinschaftsidee, wie sie sich im Begriff der 'umma' niederschlägt, ist diesem Denken fremd geworden. Eine Darstellung, die von diesem Schema zumindest partiell abweicht, findet sich in Form des 2000 erschienenen Werkes von Antonio Giustozzi War, Politics and Society in Afghanistan: 1978-1992. Dies gelingt dem Autor nicht zuletzt auch aufgrund der Verwendung russischsprachiger Quellen. Die UdSSR hat die panislamische Komponente dieses Konflikts weit deutlicher gesehen als die Vereinigten Staaten,ja, sie war nach neuen Erkenntnissen (siehe unten) Auslöser der Intervention.

Französische Autoren beziehen sehr wohl den arabischen Blickwinkel ein, ihre Analyse gewinnt deshalb an Tiefe. Ein Beispiel ist das 1981 von Georges de Bouteiller verfasste L'Arabie Saoudite. Der Autor war in den 1970er-Jahren als Botschafter Frankreichs im Königreich tätig. Auch wenn er sich nur selten konkret zu Afghanistan äußert, so stellt er doch nachdrücklich die panislamischen Bestrebungen des Königreichs heraus. Dabei verrät er größere Kenntnis der Materie als seine angelsächsischen Pendants. Eine Erklärung hierfür mag neben seiner praktischen Erfahrung nicht zuletzt in den guten ökonomischen Beziehungen und im Gefolge auch politischen Beziehungen liegen, die Frankreich seit dem Boykott gegenüber Israel im Jahre 1967, verstärkt unter Premierminister Chirac in den 1970er-Jahren aufzubauen vermochte.18 Darüber hinaus gab und gibt es gerade in Frankreich ein reichhaltiges und dicht geknüpftes Netz von Forschungsinstitutionen, die sich explizit mit der arabischen Welt befassen. Dies hat freilich nicht nur altruistische Gründe, vielmehr sollen französische Interessen und politische Aktionen mehrheitlich in den nordafrikanischen Staaten, wissenschaftlich vorbereitet und abgestützt werden.

Deutsche Autoren, insbesondere Angehörige von Forschungsinstituten, behandeln den Konflikt wenn überhaupt stets im Rahmen der regionalen Entwicklungen. Im Verlaufe der Berichterstattung über die Terroranschläge des 11. September 2001 rückte auch die saudische Politik während des Afghanistan-Krieges stellenweise in den Blickpunkt der Öffentlichkeit; offenbar aufgrund der unbefriedigenden Quellenlage sind Recherchen in dieser Richtungjedoch nicht sehr tief schürfend.

Mir ist bewusst, dass in diesem Sachgebiet die Verwendung arabischer Quellen deutlich ergiebiger wäre, zumal sie einen gerade hier notwenigen Perspektivwechsel erlauben würden. Doch kann eine wirklich fundierte und kritische Analyse des saudischen Engagements aus meiner Sicht auch bei Heranziehung arabischer Quellen nicht unbedingt erwartet werden. So ist es doch kaum vorstellbar, dass eine solche Publikation veröffentlicht würde, im Gegenteil würden die saudischen

Sicherheitsbehörden wohl alles zu ihrer Verhinderung tun. Zudem ist unwahrscheinlich, dass die starker Zensur unterliegenden saudischen Zeitungen brauchbares Material abgegeben hätten. Die detaillierte Aufarbeitung des saudischen Engagements wird wohl erst nach Öffnung aller Archive beginnen können.

3. Zur theoretischen Einordnung der saudischen Politik

Die vorliegende Arbeit greift bei der konkreten Analyse der Fallbeispiele im Wesentlichen auf den neorealistischen Ansatz in der Lehre von den Internationalen Beziehungen zurück.

Es wird in dieser Arbeit herauszuarbeiten sein, dass das wichtigste außenpolitische Ziel der saudischen Herrschaftseliten die Stabilisierung und Erhaltung eines politischen Status quo war, woraus die Monarchie selber den größten Nutzen zog. Im neorealistischen Modell entspricht dies dem Modell des 'Lion-state' (Schweller). Damit sind Staaten bezeichnet, ,,[...,C.H.] die bereit sind, einen hohen Preis für den Erhalt dessen zu bezahlen, was sie schon besitzen.“19

Gleichzeitig

,,[...,C.H.] findet sich hier eine der zentralen Annahmen des Neorealismus: der Staat als defensiver Sicherheits-Maximierer.“20

Weshalb sie bereit sind,

,,[.. .,C.H.] hohe Kosten für den Erhalt des Systems aufzubringen und es gegen revisionistische Aggression zu verteidigen.“21

Die oben dargestellten Verhaltensweisen lassen sich bei der Betrachtung der Fallbeispiele sehr schön in der Wirklichkeit beobachten und mitverfolgen. Dabei ist es bemerkenswert zu sehen, wie durch jede historische Erfahrung das instrumentelle Set der Außenpolitikgestaltung erweitert und ausgebaut wird.

Als Gründungswerk des neorealistischen Ansatzes in den Internationalen Beziehungen gilt insbesondere Kenneth Waltz 'Theory of International Politics' von 1979.22

Das Werk entstand zur Zeit des Kalten Krieges, speziell zu einem Zeitpunkt, an dem die Macht der Vereinigten Staaten außenpolitisch nach dem verlorenen Vietnam-Krieg und dem Verlust des Iran, stark angeschlagen schien. Unter den Administrationen Ford und Carter vermochten es die USA nicht, dem globalen Ausgreifen der UdSSR Paroli zu bieten. Dies galt nicht nur in der nahezu ungebremsten sowjetischen Aufrüstung zur See, sondern in weit stärkerem Maße für die globale Einrichtung von Stützpunkten, sei es in Angola, sei es in Äthiopien oder gar in Mittelamerika, sei es in Vietnam. In den Vereinigten Staaten starrte man gebannt auf diese Machtentfaltung, das Selbstbewusstsein und der Wille, dem globalen Rivalen entgegenzutreten schien erlahmt. Insoweit markierte Waltz mit seinem vorgelegten Werk eine Trendwende, die sich wenig später in Gestalt des US-Präsidenten Ronald Reagan auch personifizieren und in praktischer Politik niederschlagen sollte: Es wurde eine unilaterale, sehr stark militarisierte Außenpolitik vollzogen, die sich auch nicht scheute, Angriffskriege zu führen, wo es das 'nationale Interesse' zu fordern schien.

Eine wesentliche Neuerung des Neorealismus im Vergleich zum Klassischen Realismus liegt in dem

„Streben nach einem systemischen Erklärungsansatz.“23

Damit orientiert sich diese Theorie am Vorbild der Naturwissenschaften.24 Nicht der Einzelstaat steht im Fokus des Untersuchungsinteresses, sondern die Struktur des internationalen Systems. Sie determiniert die außenpolitischen Handlungsformen des Staates. Internationale Politik wiederum vollzieht sich in einem Raum der Anarchie:

„International politics is the realm of power, of struggle, and of accommodation.25

Oder um es anders auszudrücken:

„None is entitled to command; none is required to obey.” 26

Die

„Struktur des internationalen Systems wird charakterisiert durch das Verhältnis der Machtverteilung zwischen den Staaten {distribution of capabilities).27

Staaten sind folglich zur Selbsthilfe gezwungen, wollen sie nicht untergehen.

„'Take care of yourself' ist das Motto der internationalen Politik.“28

Das

„Streben nach Sicherheit nimmt die Stelle des puren Machttriebs als oberste Triebfeder des Handelns ein.“29

Internationale Politik ist letztlich (militärische) Sicherheitspolitik, Sicherheitsinteressen sind dominierendes Charakteristikum für das internationale System.

Daher ist die Politik der Ökonomie übergeordnet, Sicherheit geht vor Wohlfahrt30, mit entsprechend geringen Aussichten für einen 'spill over' wirtschaftlicher Verflechtung. Vielmehr sind stets nur relative Gewinne möglich und diese gehen auch zu Lasten des anderen Akteurs (Nullsummenspiel). Die Staaten konkurrieren also primär um Sicherheit, nicht um Macht, auch dies ein wichtiger Unterschied zum Klassischen Realismus eines Hans J. Morgenthau.31

Mit seiner Betonung der militärischen Komponente, die insbesondere dem 'offensiven Neorealismus' eines John Mearsheimer innewohnt, beschreibt der neorealistische Ansatz sehr gut ein wesentliches Instrument saudischer Interessenimplementation, zumindest in der Frühphase des hier behandelten Zeitrahmens: Die extreme Fokussierung auf ein Sicherheitsdenken, welches sich im Einsatz der militärischen Option manifestierte. Dass auch die Maßnahme des Erdölboykotts 1973 letztlich dem ewigen Streben nach Sicherheit geschuldet war, ist eine in der gesichteten Literatur ebenfalls häufig anzutreffende Meinung.32 Auch das das saudische Engagement in Afghanistan barg durch die Bereitstellung der personellen Ressourcen (Freiwillige) auch eine wesentliche militärische Komponente in sich. Die neorealistische Fixierung auf die sicherheitspolitische Komponente internationaler Politik gilt für den Nahen Osten wie für keine zweite Region auf der Welt: Nicht nur, dass es die Region mit den mit Abstand größten Rüstungsempfängern ist, vielmehr ist Krieg ein legitimes Mittel der Politik geblieben, auch und gerade der zwischenstaatliche Krieg.

Von nicht unerheblicher Bedeutung ist auch die vom Neorealismus postulierte These, dass wirtschaftliche Verflechtung und Zusammenarbeit die Konflikthaftigkeit internationaler Beziehungen nicht oder höchstens unwesentlich zu beeinflussen vermag.33 Vielmehr achteten alle Staaten darauf, nicht zu sehr von einander abhängig zu werden. Dies zeigt sich in der Tat bei dem hier behandelten Gegenstand. Ein Beispiel aus der Praxis: Die seit I960 bestehende OPEC, in der sowohl Saudi-Arabien, als auch Iran und Irak Mitglieder waren trug in der Tat wenig zu einer Pazifisierung der gegenseitigen Beziehungen bei, obwohl doch, nach der liberal-ökonomischen Schule durch die erhöhte Interdependenz und Notwendigkeit zur Abstimmung, das Gegenteil zu erwarten gewesen wäre.34 Mehr noch, von einigen Staaten (wie dem Irak) wurde die sich nun gegebene Situation, durchaus vergleichbar mit dem aus der institutionalistischen Schule der Regimetheorie stammenden 'Gefangenendilemma', zu einem Ausscheren, einem Dasein als 'defector', um in der Sprache der Regimetheorie zu verbleiben, benutzt. Der Irak erhoffte sich von seinem Vorgehen höhere Einnahmen aus dem Erdölexport, welche sich wenig später auch ergaben.

Die Weiterentwicklung der neorealistischen Theorie durch Randall Schwellers 'theory of balance-of-interest' gelangt zu dem Verhalten des 'bandwagoning', dem politischen 'Trittbrettfahren'. Dieses setzt, grob gesprochen, spezifische Machtkonstellationen voraus, die einen Staat veranlassen, keine Gegenmacht aufzubauen, sondern sich auf das politische Konzept eines anderen Staates einzulassen. Genauer ist ein solches Vorgehen als 'piling-on bandwagoning' zu bezeichnen.35 Ein solcher Fall lag insbesondere zu Beginn des irakisch-iranischen Krieges vor, als die saudische Administration, freilich wider besseres Wissen, auf die Auffassung der irakischen Baath-Partei einschwenkte, es handele sich um einen Krieg Araber gegen Perser. Die Vorteile, die sich aus einem solchen Verhalten ergaben, machte eine eigenständige Politikformulierung zunächst einmal überflüssig, band den saudischen Staat aber in der Anfangszeit sehr an den Irak. Der neorealistische Ansatz Robert Gilpins bietet in dieser Hinsicht eine Fortführung des strukturellen Neorealismus: Hier findet sich zum ersten Mal der 'link' zwischen innerem und äußerem politischen System: Die Außenpolitik eines Staates leitet sich laut Gilpin aus der inneren Beschaffenheit und den Prozessen des jeweiligen Staates ab.36 Bei der Betrachtung des hier vorliegenden Themas scheint mir dieser Aspekt von Wichtigkeit zu sein, denn ,,[d, C.H.jas innere Sicherheitsdenken der saudischen Entscheidungsträger hat maßgeblich die Gestaltung der äußeren Sicherheit beeinflusst.“37

Dieser Aspekt wird in Folgenden, wo angemessen, entsprechend hervorgehoben. Darüber hinaus, und damit komme ich zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem Ansatz, zeigt diese Ergänzung eine wesentliche Schwäche des strukturellen Neorealismus auf: Dieser blickt aufgrund seiner zentrierten Wahrnehmung auf den eigenständigen Systemcharakter der Staatenwelt als nicht mehr in die Staaten und die sich dort vollziehenden Entwicklungen.38 Darüber hinaus misst der Neorealismus gesellschaftlichen, nicht-staatlichen Akteuren nahezu kein Eigenleben zu. Da die internationalen Beziehung jedoch durch eine Vielzahl gesellschaftlicher Akteure geprägt sei, läge es nahe, sich vom Modell der Staatenwelt nunmehr vollständig zu verabschieden zugunsten einer 'Gesellschaftswelť (Czempiel). Auf eine solche Kritik kann entgegnet werden39: Empirische Untersuchungen zeigten, dass sich der Staat an neue Entwicklungen anzupassen weiß, nicht nur um seine Machtstellung zu erhalten, sondern vielmehr noch auszubauen.

Zum zweiten muss gefragt werden, wie der Einfluss solcher gesellschaftlicher Akteure gemessen werden kann, ob es nicht der Staat ist, der den Einfluss dieser Akteure bündelt, und weiter:

,,[...,C.H.] läßt sich Politik überhaupt ohne staatliche Kategorien denken?“40

Darüber hinaus ist es keineswegs so, dass Waltz anderen Akteuren keinen Spielraum zumisst. Aussagen wie „States are not and never have been the only international actors.“41, lassen eher dem umgekehrten Schluss zu. Wesentlich bleibt,

,,[...,C.H.] dass die Annahme des Staates als eines einheitlich handelnden Akteurs bei Waltz eine theoretische ist, deren Zweck die Entwicklung einer Theorie der Internationalen Politik ist.“42

Es soll noch ein Blick auf den Intergouvernementalismus des Stanley Hoffmann geworfen werden, wie er ihn 1995 in einem Artikel der Zeitschrift 'Daedalus' erstmals dargelegt hat43. Der Ansatz gehört ursprünglich zu den europäischen (realistischen) Integrationstheorien, eignet sich jedoch auch zur Analyse von Vergemeinschaftungsprozessen in anderen Weltregionen. So scheint mir dieser Ansatz insbesondere bei der von Saudi-Arabien forcierten Schaffung des GCC 1981 geeignet: So marginal die Integration im GCC auch sein mag, sie bleibt ein Paradebeispiel intergouvermentalistischen Handelns: Seine Schaffung war keinesfalls einem bereits zuvor stattgefundenen 'spill-over'-Prozess geschuldet, der nun in der Schaffung dieses Rates gleichsam seinen Abschluss gefunden hätte. Vielmehr diente der GCC Saudi­Arabien dem Erhalt einer scheinbar durch die Umwälzungen im Iran bedrohten politischen Konstellation insbesondere an seiner Ostflanke.44 Um eigene Interessen durchzusetzen, so die Theorie, beziehungsweise in diesem Fall auch Kosten für die eigene Sicherheit zu senken, schließen sich kleinere Staaten einem mächtigeren an, auch wenn sie dafür partiell und zeitlich begrenzt Nachteile in Kauf nehmen müssen.45 Zum Abschluss soll noch eine Theorie behandelt werden, die wesentlich zum Verständnis saudischer Außenpolitik insbesondere seit 1973 ist: Das umfassend erst von Luciani46 entwickelte Modell eines 'Rentierstaates'. Diese sind definiert als

,,[...,C.H.] jene Staaten der Dritten Welt, die regelmäßig in sehr hohem Umfang externe Renten oder Renten-Àquivalente beziehen und deren verhalten als Funktion der Struktur dieser besonderen Staatsrevenuen und des mit diesem Einkommen betriebenen Politik-Managements nach innen begriffen werden kann.“47

Dabei gehört Saudi-Arabien zu den Rentiers ersten Grades, die sowohl von der Differentialrente (vorteilhafte Produktionsbedingungen) als auch durch die Effektenrenten (Einnahmen durch Zinsen und Dividenden) profitieren48 In der Außenpolitik weist die Herrschaftselite eines solchen Staates einige besondere Merkmale auf: Sie versucht sich international zu organisieren (Beispiel 0(A)PEC), sie setzt ihre überragenden finanziellen Mittel als wesentliches Gestaltungselement ihrer Außenpolitik ein, sie versucht, eine Konvergenz zwischen den Herrschaftsinteressen der Großmächte sowie ihren ökonomischen Interessen herzustellen (1973/4) und schließlich dient ihnen Außenpolitik als Instrument zur Sicherung ihrer innenpolitischen Stellung.49 Im Inneren gelingt durch umfassende Allokation von Sozialleistungen die Verhinderung der Bildung oppositioneller Gruppen. Staat und Gesellschaft bilden keine Einheit, sondern sie stehen sich gegenüber. Die Fähigkeit des Staates

,,[...,C.H.] unabhängig zu bleiben, hängt davon ab, ob er sich auf einen ungeschmälerten Rentenzufluß verlassen kann.“50

Die Administration befindet sich insoweit in einem Widerspruch, als dass sie auf der einen Seite eine Diversifizierung der Wirtschaftsstrukturen anstrebt (in Saudi-Arabien bereits seit den 1960er-Jahren), zum anderen jedoch zu einem entscheidenden Teil auf einen ungebremsten Ölfluss angewiesen ist, um die eigene Machtstellung zu erhalten Dies führt dazu,

,,[...,C.H.] dass Staatsbürokratien der Erdölstaaten nur rhetorisch auf eine Wirtschaftsstruktur ohne Erdöl hinarbeiten, in der Realität aber eher die Einseitigkeit der Rentenökonomie zementieren.“51

Die wesentliche Problematik einer solchen politischen Ökonomie tritt jedoch dann zutage, wenn die Renteneinnahmen sinken. Die Administration steht dann sozialen Ansprüchen der Bevölkerung gegenüber, die sie nicht mehr erfüllen kann. Auf diese verschärften Verteilungskämpfe wird nicht selten mit Repression reagiert, um den Sturz des Regimes zu verhindern.52 Alle diese Elemente werden hier gebündelt genannt, doch der Leser dürfte bei der folgenden Darstellung der Praxis wenig Mühe haben, die Grundlinien des Modells wiederzuerkennen.

4. Saudische politische Interessen: Determinanten und Instrumente

Um eine Analyse- und Ordnungskategorie für die in dieser Arbeit untersuchten Fallbeispiele zu erhalten, wird an dieser Stelle die bereits angekündigte Definition der geographischen Handlungsebenen und der eingesetzten Instrument durchgeführt. Es ist freilich so, dass diese Kategorisierung, wie sie spezifisch für die hier behandelten Fallbeispiele entwickelt wurde, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Indes stellen sie sich für die Untersuchung der hiesigen Praxis als sinnvoll heraus, und ich behaupte, dass diese Wirkmuster auch in die Gegenwart überdauern. Dies mag für die strenge geographische Trennung in Zeiten 'transnationaler Politik' (Karl Kaiser) nicht in dem Maße gelten, sie ist bereits in dem hier behandelten Zeitraum nicht in einer starren Stringenz gültig. Das Instrumentarium ist indes gleich geblieben, mehr noch, dürfte in seiner Wirksamkeit zumindest partiell gestärkt worden sein, nicht zuletzt seit dem 11. September 2001.

Es soll an dieser Stelle auf ein bereits oben erwähntes Charakteristikum hingewiesen werden, welches symptomatisch für einejede Außenpolitikanalyse ist und insbesondere in dieser Arbeit in Erscheinung tritt: Die Tatsache nämlich, dass Innen- und Außenpolitik in der Praxis nicht so scharf von einander geschieden werden können, wie es sich der Theoretiker wünschen würde. Ein Akteur, in diesem Fall ein Staat, erhält (innen- oder außenpolitische) Impulse, die er innerhalb mehrdimensionaler Handlungsebenen verarbeitet. Damit sind in diesem Fall die Handlungen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene angesprochen. Der hier behandelte Akteur ist im bestimmten Maße gezwungen so zu handeln, um seine innere Stabilität zu erhalten und damit letztlich seine Handlungsfähigkeit im außenpolitischen System.

Es besteht also ein spezifischer 'link' zwischen Außen- und Innenpolitik, beides ist insbesondere in der hier behandelten Region immer im Verbund zu sehen.53 Es würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen, würde man eine detaillierte Auffächerung dieses Ansatzes unternehmen. Zum Beispiel wäre doch bezüglich des angesprochenen 'link' das genaue Ausmaß dieser Wirkung zu bestimmen: Wer agiert, wenn überhaupt, als Transmissionsriemen, wer erzeugt den entsprechenden hohen Druck von Innen auf die Administration, nach Außen hin so zu handeln? Ist es wirklich so, dass die Administration auf diesen 'link' Rücksichtnehmen muss, gibt es vielleicht auch andere Umstände, die zu einem solchen gegebenen Verhalten führen? In einem solchen Fall wäre es beispielsweise dringend anzuraten, die Rolle der Stammesstrukturen zu untersuchen, insbesondere die Konkurrenzsituation zwischen Nejadis und Hijazis, sich zu der Stellung der religiösen Gelehrten, der Ulama ebenso zu äußern wie zu der Rolle des Bildungssystems, welches körperliche Arbeit als unangemessen, gar unwürdig zu betrachten lehrt.54

Aufgrund dessen in dieser Arbeit der außenpolitische Aspekt im Vordergrund stehen soll und gleichsam auch nur eine Einführung in dieses Thema darstellt, werden diese Fragen nur sekundär, wo es für die Erklärung einer außenpolitischen Handlungsweise unabdingbar nötig erscheint, behandelt werden können. Angesichts des Umfanges der Arbeit wäre mit einer allzu knappen Abhandlung dieser angesprochenen Wechselwirkung zwischen Innen- und Außenpolitik nur um ihrer selbst willen auch nichts gewonnen. Des Risikos bewusst, habe ich mich dazu entschieden, besser Elemente der Innenpolitik vergröbert darzustellen und dafür den Schwerpunkt auf eine Analyse des außenpolitischen Handelns zu legen. Es soll an dieser Stelle abrissartig das institutionelle Gefüge der saudischen Außenpolitik angesprochen werden, bevor zu der Definition der geographischen Handlungsebenen geschritten wird.

Wesentlichster Entscheidungsträger der saudischen Außenpolitik ist das Königshaus. Hierbei ist indes nur ein enger Kreis der nach Tausenden zählenden Prinzen gemeint, der sich in dem seit 1953 existierenden so genannten Ministerrat zusammenfindet.55 Er tagt stets montags unter Vorsitz des Königs. Dieser vereint in seiner Person Legislative und Exekutive56 und ist auf die Verfassung, also den Koran, verpflichtet. Für die Implementation der Außenpolitik sind insbesondere der Außenminister, der Verteidigungsminister sowie der Erdölminister von großem Gewicht. Alle diese Schlüsselressorts sind mit Prinzen besetzt. Unterhalb dieser Ebene besitzt der Chef des Auslandgeheimdienstes eine hohe Machtfülle. Er betreibt nicht selten eine Nebenaußenpolitik, die auch im Widerspruch zur offiziell deklarierten Linie der Politik stehen kann.

Es gilt festzuhalten, dass letzte Entscheidungen durch den König getroffen werden, fast immer nach Beratung mit dem Kronprinzen, sowie dem Vizekronprinzen. Dieser ist zugleich stellvertretender Ministerratspräsident.

Daneben existiert seit 1993 ein so genannter Konsultativrat oder 'Maglis al Shura'57 mit 150 Mitglieder, die vom König ernannt werden. Dieser hat indes nur beratende, keineswegs aber legislative Funktion. Er tagt einmal im Jahr über mehrere Wochen und verfasst etwa Empfehlungen zur Außenpolitik, die direkt an den König gelangen.

[...]


1 Zit. n. Lacey, Robert: The Kingdom. London, Hutchinson, 1981. S. 374. Im Original nicht kursiv.

2 Diese Gründung markiert die Entstehung des 'dritten' saudischen Staates. Zwei weitere staatsähnliche Gebilde bestanden von 1744-1818 und von 1824-1891. Beide erlagen der Eindämmungspolitik des Osmanischen Reiches; eine Tatsache, die im Gedächtnis der saudischen Königsfamilie stets präsent sein und gewissen Einfluss auf die Gestaltung der Außenpolitik gehabt und haben dürfte. Ebenso die Tatsache, dass Arabien niemals kolonialer Herrschaft unterlag. Dennoch ist nicht zu verleugnen, dass der dritte Staatsgründungsversuch letztlich mit britischer Billigung (und umfangreichen Rententransfers) erfolgte. Ziel war es, das Machtvakuum auf der arabischen Halbinsel zu füllen. Leatherdale, Clive: Britain and Saudi Arabia 1925-1939: The Imperial Oasis. London, Cass, 1983. S. 111.

3 Oxenstierna, Rosario F.: Saudi Arabia in the Post Gulf War: The Search for Stability and Security in the Gulf. London, Gulf Center for Strategic Studies, 1992. S. 4f.

4 Department of International Economic and Social Affairs (Hrsg.): National Experience in the Formulation and Implementation of Population Policy, 1958-1979. New York, United Nations Press,

1981. S. 17.

5 Zit. in Müller, Friedemann: Das Öl des Irak. In: SWP-Aktuell 36, 2002: 1.

6 Dawisha, Adeed: Saudi-Arabien und seine Sicherheitspolitik. München, Bernard&Graefe, 1981. S. 43.

7 Schmidt, Dana Adams: Yemen: The Unknown War. London, The Bodley Head, 1968. S. 257-274.

8 Arom, Eli: Saudi Arabia’s Oil Policy. In: The Jerusalem Quarterly 28, 1983: 126

9 Beachtenswert scheint auch der Hinweis auf ein Buch vom gleichen Autor mit dem Artikel: Oil and the Moslem East. Bereits hier wird deutlich, dass Trennungslinien bezeichnet werden sollen. Begriffe wie Osten sind in der westlichen Perzeption nicht selten mit Wildheit und Verschlagenheit besetzt; zudem herrschte seit dem Beginn des Kalten Krieges und der Dichotome 'West gegen Ost' ohnehin eine spontan-negative Konnotation dieses geographischen Begriffs vor.

10 Zit. in O.A.: Islam als einigendes Band. In: Der Spiegel 46 (27), 1973: 110.

11 Vgl. etwa Wirtgen, Klaus: Nahost-Öl: Die Krise dauert 15 Jahre. In: Der Spiegel 43 (27), 1973: 25-27.

12 Letzterer bezeichnete den Boykott in seinen Memoiren gar als größte Bedrohung der Industrieländer seit dem Zweiten Weltkrieg. Vgl. Simmons, Matthew R.: Wenn der Wüste das Öl ausgeht: Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien: Chancen und Risiken. München, FinanzBuch Verlag. S. 93.

13 Zudem ist Henry Kissinger jüdischen Glaubens, was sicher ebenfalls zu der Sympathie gegenüber Israel beitrug. Sein Glauben stellte ihn insbesondere in der saudischen Administration unter Generalverdacht der Zusammenarbeit mit Israel und verkomplizierte gelegentlich die Verhandlungen

14 Zit. in Hofmann, Michael: Saudi-Arabien: Gekaufte Industrialisierung. Berlin, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik. 1988. S. 38.

15 Stellvertretend für andere: O.A.: Irak: 'Chomeini ist vom Wahnsinn befallen'. In: Der Spiegel 40 (34), 1980: 141-155.

16 Wie dies einige Jahre später in den Operationen 'Desert Shield' beziehungsweise 'Desert Storm' tatsächlich geschehen sollte, als diesmal irakische Truppen auf saudisches Territorium vordrangen (Schlacht um Khafji)

17 Zit. in Leinberger, Ingrid: Saudi-Arabien: Ein neues internationales Machtzentrum?, Erlangen, Magisterarbeit, 1985. S. 77.

18 Dies zahlte sich bereits 1972 aus, als während der Verstaatlichung der im Irak tätigen Ölkonzerne französische Unternehmen ausgenommen wurden. Vgl. Mosley, Leonard: Power Play: Oil in the Middle East. London, Weidenfeld&Nicolson, 1973. S. 406

19 Zit. in Vogt, Thomas: Der Neorealismus in der Internationalen Politik: Eine wissenschaftstheoretische Analyse. Wiesbaden, Deutscher Universitätsverlag, 1999. S. 67. Dort auch eine umfassende Darstellung der Schwellerschen Differenzierungen von Staatsinteressen.

20 Zit. in Ebd., S. 67.

21 Zit. in Ebd., S. 67.

22 Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass zu einem umfassenden Theorieverständnis dieses Werk alleine nicht ausreichend sein kann. Hierzu wären viel mehr noch die Waltzsche Dissertation 'Man, the state and war' sowie der 1975 von Waltz verfasster Aufsatz ('Theory of International Relations') in einem

von Fred Greenstein editierten Handbuch zu den Internationalen Beziehungen heranzuziehen. Vgl. Masala, Carlo: Kenneth N. Waltz: Einführung in seine Theorie und Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. Baden-Baden, Nomos, 2005. S. 31 ff.

23 Zit. in Fröhlich, Stefan: Reader zum Vorlesungszyklus II: Wissenschaftstheoretische Ansätze.

Erlangen, o.V., 2005. S. 7.

24 Die Ursprünge der Waltzschen Theorie finden sich denn auch bei einem Naturwissenschaftler wie Parsons oder Ludwig von Bertalanffi, die stets die Gesamtsicht der Dinge, ihre Verbindung untereinander sowie den Eigencharakter eines Systems in den Fokus ihrer Forschungen stellten. Vgl. Bellers, Jürgen: Der Neo-Realismus in der Theorie der Internationalen Beziehungen. In: Beiträge zur Politikwissenschaft und Verwaltungswissenschaft 22, 1989: 4.

25 Zit. in Waltz, Kenneth: Theory of International Politics. Reading, Addison Wesley, 1919. S. 113.

26 Zit. in Waltz, Kenneth: Theory of International Politics. Reading, Addison Wesley, 1919. S. 88.

21 Zit. in Fröhlich, Stefan: Readerzum Vorlesungszyklus...a.a.O., S. 1.

28 Zit. in Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung: Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen. Baden-Baden, Nomos, 2004. S. 163.

29 Zit. in Fröhlich, Stefan: Readerzum Vorlesungszyklus...a.a.O., S. 1.

30 Vgl. Ebd., S. 1f.

31 Krell, Gert: Weltbilderund Weltordnung: Einführung.a.a.O., S. 164f.

32 Maull, Hans: Erdöl und Erdölpolitik in Saudi-Arabien. In: Koszinowski, Thomas (Hrsg.): Saudi­Arabien: Ölmacht und Entwicklungsland. Hamburg, Deutsches Orient-Institut, 1983. S. 318.

33 Womit Prozesse der Vergemeinschaftung wie die Europäische Gemeinschaft beziehungsweise EU mit dieser Theorie kaum adäquat erklärt werden können, war hier doch die Ökonomie gerade der entscheidende Impuls.

34 Wobei die Rivalität und nicht die Kooperation ein konstituierendes Merkmal dieser Organisation blieb; jedes Mitglied hatte als sein Hauptinteresse, einen möglichst hohen Absatz an Öl zu erreichen.
Tatsächlich war die Funktion der OPEC viel stärker die eines 'Kontrolleurs durch Förderplanung', um etwaige Abweichungen durch Unterbieten zu verhindern. In der Praxis dagegen war die Verhandlungsmacht des jeweiligen Mitgliedsstaates das entscheidende Kriterium. Hier hatte Saudi­Arabien aufgrund seiner enormen Vorkommen stets die günstigste Position inne. Vgl. Arom, Eli: Saudi Arabia’s...a.a.O.: 126.

35 Dies Art des 'bandwagoning' wird verfolgt, wenn der Sieger in einem Konflikt -scheinbar oder real- bereits feststeht. Zur Differenzierung des bandwagoning-Modells bei Randall Schweller siehe: Vogt, Thomas: DerNeorealismus...,a.a.O., S. 64.

36 Vgl. Fröhlich, Stefan: Readerzum Vorlesungszyklus II...a.a.O., S. 11.

37 Zit. in Neetix, Hans W.: Staatliche Politik zur Anlage von Petrodollars: Das Beispiel Saudi-Arabien. Bonn, Inaugural-Dissertation, 1982. S. 65.

38 Vgl. Krell, Gert: Weltbilderund Weltordnung: Einführung...a.a.O.., S. 169.

39 Vgl. zum Folgenden: Masala, Carlo: Kenneth N. Waltz: Einführung in seine Theorie...a.a.O., S. 89ff.

40 Zit. in Ebd., S. 90.

41 Zit. in Waltz, Kenneth: Theory of International...a.a.O., S. 93.

42 Zit. in Masala, Carlo: Kenneth N. Waltz: Einführung in seine Theorie...a.a.O., S. 90.

43 Hoffman, Stanley: Obstinate or Obsolete?: The Fate of the nation State and the Case of Western Europe. In: Daedalus 4, 1995: 862-915.

44 Chubin, Shahram / Tripp, Charles: Iran-Saudi Arabia Relations and Regional Order. Oxford, Oxford University Press, 1996. S. 11.

45 Inzwischen kann der GCC auf eine über 20 Jahre währende Existenz zurückblicken, wenn auch seine politische Gestaltungsfähigkeit noch immer beschränkt bleibt.

46 Luciani, Giacomo / Beblawi, Hazem: The Rentier State. London, Routledge, 1987.

47 Zit. in Pawelka, Peter: Der Irak als 'Rentierstaat': Zur politischen Ökonomie des Vorderen Orients. In: Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Golfregion in der Weltpolitik. Stuttgart, Kohlhammer, 1991. S. 110f. Kursiv im Original.

48 Ebd., S. 113.

49 Pawelka, Peter: Der Irak als 'Rentierstaat': Zur politischen Ökonomie.. .a.a.0., S. 116f.

50 Zit. in Ebd., S. 116. Kursiv im Original.

51 Zit. in Ebd., S. 117.

52 Ebd., S. 117.

53 Nakleh, Emile A.: The United States and Saudi Arabia: A Policy Analysis. Washington, America Enterprise Institute, 1975. S. 30.

54 Dies ist mit ein Grund, dass ein Großteil dieser Arbeiten von ausländischen Kontraktoren durchgeführt wurden und werden. Vgl. Hofmann, Michael: Saudi-Arabien: Gekaufte...a.a.O., S. 26f.

55 Vgl. zum Folgenden: Wurm, Iris: Im Zweifel für die Monarchie: Autokratische Modernisierung in Saudi-Arabien. In: HSFK-Report 13, 2007: 5.

56 Die judikative Funktion wird durch den 1971 geschaffenen 'Ältestenrat der Gelehrten' (hai'at kibar al­ulama) sowie den Obermufti wahrgenommen. Er wacht über die Einhaltung der wahhabitischen Rechtsauffassung, sein Einfluss auf die Außenpolitik istjedoch höchstens ein indirekter, weshalb der Rat hier nicht behandelt wird. Erwähnenswert ist noch die Religionspolizei in Stärke von 3500 Mann, die die Einhaltung der wahhabitischen Gebote zur Not mit Gewalt erzwingt. Sie untersteht einem Gelehrten mit Kabinettsrang, und somit dem Ministerrat. Steinberg, Guido: Saudi-arabische Religionspolitik nach 2001: Instrument zur Fortsetzung eines Zweckbündnisses. In: Faath, Sigrid: Staatliche Religionspolitik in Nordafrika/Nahost: Ein Instrument für modernisierende Reformen? GIGA-Projektstudie, 2007: 183f.

57 Das Prinzip der 'Shura', der Beratung, findet sich bereits im Koran (Sure 2, Vers 159 sowie Sure 42, Vers 38) schließt aber eine legislative Funktion aus.

Ende der Leseprobe aus 134 Seiten

Details

Titel
Status quo als Staatsräson - Saudische Außenpolitik der Jahre 1962-1989
Untertitel
Konzepte, Instrumente, Resultate
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
134
Katalognummer
V181218
ISBN (eBook)
9783656043423
ISBN (Buch)
9783656043195
Dateigröße
1076 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saudi-Arabien, Außenpolitik, Öl, Jemen, Afghanistan, Iran, Krieg
Arbeit zitieren
Christian Herrmann (Autor), 2008, Status quo als Staatsräson - Saudische Außenpolitik der Jahre 1962-1989, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181218

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