Der Künstler von heute ist nicht mehr nur Schöngeist, Freidenker und
Genie, still im Atelier vor sich hinwerkelnd. Dieses Bild wirkt bei der Beobachtung
des Kunstmarktes und der derzeitigen Situation der Künstler
fast schon mittelalterlich. Gefragt und vor allem auch gefordert sind
heute knallharte Unternehmer und Marketingstrategen, die so ihre
Kunst an den Mann (oder an die Frau) bringen. Auf dem Markt reicht
es nicht aus, überzeugende Arbeiten zu produzieren, um Aufmerksamkeit
zu erregen. Es gibt eine unglaubliche Masse an jungen Künstlern,
die naiv und behütet vom Luftschloss Akademie auf den harten Boden
der Tatsachen geschmissen werden.
Plötzlich müssen sie sich mit ihrer eigenen Existenz beschäftigen und
damit, wie sie diese am besten gründen können. Auf einmal müssen
Businesspläne erstellt, Marketingstrategien entwickelt, Verträge aufgesetzt
und nicht zu vergessen die eigene Künstlerfigur inszeniert werden.
Der moderne Künstler ist schon lange nicht mehr nur der Produzent
von Kunst. Welche Aufgaben zu seinem Berufsbild gehören und welche
Möglichkeiten es derzeit gibt, um sich die notwendigen Fähigkeiten
anzueignen, wird in dieser Arbeit untersucht. Darüber hinaus wird
versucht, die Frage zu klären, ob dabei eine Beeinflussung der Qualität
der künstlerischen Arbeiten stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Kunstbetrieb und Kunstmarkt
2.1.1 Kunstbetrieb
2.1.2 Kunstmarkt
2.1.2.1 Die Marktteilnehmer
2.1.2.2 Trends und Stars
2.2 Der Künstler
2.2.1 Der Mythos
2.2.2 Die Berufung
2.2.3 Der Beruf
2.2.4 Die Marke
2.3 Professionalisierung
2.3.1 Begriff
2.3.2 Bedeutung
2.3.3 Wege der Professionalisierung
2.3.3.1 Selbstmanagement
2.3.3.2 Seminar- und Coachingangebote
2.3.3.3 Das Career & Transfer Service Center der UdK
2.3.3.4 Das Kunstbüro - Eine Initiative der Kunststiftung Baden-Württemberg
2.4 Die Qualität der Kunst
2.4.1 Begriff
2.4.2 Qualitätskriterien
3 Schluss
3.1 Reflektion
3.2 Fazit
4 Quellenangaben
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das moderne Berufsbild des Künstlers im Kontext zunehmender Professionalisierung und analysiert, inwieweit diese ökonomisch orientierten Anforderungen die künstlerische Qualität beeinflussen.
- Der Einfluss des Kunstbetriebs auf die Karrierewege von Künstlern.
- Die Transformation des Künstlers vom "Schöngeist" zum "Unternehmer".
- Professionalisierungsinstrumente wie Businesspläne, Coaching und Marketing.
- Die Rolle von "Opinion Leadern" und "Tastemakern" im Kunstmarkt.
- Kapitalformen nach Bourdieu und ihre Bedeutung für den Erfolg im Kunstbetrieb.
Auszug aus dem Buch
Kunstbetrieb
„The art world is a little like a second-hand computer: its exterior a desirably minimalist, Jonathan Ive-designed casing with titanium curves and winking lights that suggests highspeed processors able to deliver any number of creative experiences at the touch of a button, its interior a mess of circuitry that has been rewired and crammed back into the casing so many times that no one can begin to understand it. And there‘s no manual that tells you how it behaves - or how it ought to behave.“ Dan Fox
Der Fokus dieser Arbeit soll auf der Situation von Künstlern im Kontext der Professionalisierung liegen. Hierzu ist es notwendig, eine detaillierte Untersuchung des Umfeldes zu machen, in dem sich die Künstler befinden, da sie von diesem abhängig sind, sie von diesem geprägt werden, innerhalb dieses und im Kontext zu diesem gemessen werden und sie sich dieses zunutze machen können, um ihren Erfolg zu steigern.
Das Gebilde, das rund um die Kunst existiert, wird als Kunstbetrieb bezeichnet. Es ist ein relativ hermetisch in sich abgeschlossenes System, in dem es verschiedene Teilnehmergruppen gibt, denen jeweils feste Positionen zugeordnet werden und die zudem den größten Einfluss auf die Geschehnisse und Entwicklungen haben. Gemeint sind die Sammler, die Galeristen, die Kuratoren, die Kritiker - auch Insider genannt. Weiter ist der Kunstbetrieb geprägt von einer ganz eigenen Dynamik, mit der die Akteure des Kunstmarktes selektiert, kontrolliert, konglomeriert, befördert und verletzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den aktuellen Hype im Kunstbetrieb und skizziert die Notwendigkeit für Künstler, sich zunehmend als Unternehmer und Marketingstrategen zu positionieren.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die komplexen Strukturen von Kunstmarkt und Kunstbetrieb, das moderne Künstlerbild, diverse Professionalisierungsstrategien sowie die Problematik der Qualitätsbewertung.
3 Schluss: Im Schluss werden die zentralen Erkenntnisse reflektiert und das Fazit gezogen, dass die Professionalisierung für Künstler einerseits notwendig, andererseits jedoch ein Segen und Fluch zugleich ist.
4 Quellenangaben: Dieser Abschnitt enthält das vollständige Literaturverzeichnis sowie eine Auflistung der verwendeten Internetquellen.
Schlüsselwörter
Kunstbetrieb, Kunstmarkt, Professionalisierung, Künstler, Kunstmarktteilnehmer, Selbstmanagement, Künstleridentität, Vermarktung, Qualität der Kunst, Bourdieu, Kapitaltheorie, Karriere, Kunstmesse, Galerien, Künstlerberuf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das moderne Berufsfeld des Künstlers und wie sich die gestiegenen Anforderungen an Professionalität auf deren Arbeit und Existenz auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Funktionsweise des Kunstmarktes, die Rolle des Künstlers als Marke, Möglichkeiten der Professionalisierung sowie die Frage nach der Qualität in der zeitgenössischen Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das heutige Berufsbild des Künstlers zu beleuchten und zu klären, ob die notwendige Anpassung an wirtschaftliche Marktstrukturen die künstlerische Qualität beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, ergänzt durch eigene Beobachtungen in einem Berliner Künstleratelier sowie die Auswertung von Fallbeispielen und Expertenmeinungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Kunstbetriebs, des Künstlerberufs (inklusive Mythos und Marke), der Professionalisierungswege sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der Kunstqualität.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Professionalisierung, Kunstmarkt, Künstlerische Identität, Selbstvermarktung, Ökonomisches Kapital und Aufmerksamkeitsökonomie.
Warum ist das "Selbstmanagement" heute so entscheidend für Künstler?
Da Künstler heute zunehmend als Einmannunternehmen agieren, müssen sie neben der künstlerischen Produktion auch Verwaltungs-, Marketing- und Finanzaufgaben übernehmen, um in einem engen Markt zu bestehen.
Welche Rolle spielen Galerien bei der Professionalisierung?
Galerien fungieren als wichtige Schnittstellen und Partner, die Künstler in ihrer Karriereentwicklung unterstützen, jedoch oft eine 50-50-Provision verlangen und bestimmte Exklusivitätsansprüche stellen.
- Citation du texte
- Stefanie Löser (Auteur), 2010, Professionalisierung im Kunstbetrieb und die Auswirkungen auf die Qualität der Kunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181368