Der Literaturunterricht in der Grundschule hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark in seiner Funktion verändert. Besonders Interpretationen, die Deutung von Stilmitteln und die literarische Ästhetik standen im traditionellen Literaturunterricht stark im Vordergrund. Der moderne Literaturunterricht ergänzt noch weitere Aspekte, z.B. die Vermittlung von
Weltwissen und Erfahrungshorizonte[n], die in Geschichten künstlerisch verarbeitet sind. [...] Literatur [provoziert] Fragen, die dazu einladen, über sich selbst, seine eigene Lebenssituation, sein Selbstverständnis und […] über Perspektiven von anderen nachzudenken (Waldt 2003: 103 f.).
Um dies dem Schüler zu ermöglichen, bedarf es einer reflektierten Auswahl der Literatur seitens des Lehrers.
Diese Seminararbeit stellt einen ersten Versuch der Autorin dar, ein Bilderbuch auf seine pädagogisch-didaktische Qualität zu beurteilen. Hierfür wählt sie das Buch Ente, Tod und Tulpe von Wolf Erlbruch. Es wurde im Seminar Textrezeption – Weiterführendes Lesen, Kinderliteratur, Kindermedien von Frau Prof. Riegler vorgestellt. Die Autorin selbst fand zu Beginn keinen Zugang zu diesem Bilderbuch und verstand nicht, weshalb es laut Überzeugung der Professorin für den Unterricht geeignet sei. Demzufolge wählte die Autorin dieses Buch, um es professionell in Augenschein zu nehmen.
Der Leser erhält im folgenden Kapitel eine Einführung in das literarische Lehren in der Primarstufe. Darin verdeutlicht die Autorin die Bedeutung der korrekten Auswahl von Literaturmaterialien und gibt anschließend eine kurze Einleitung in die Bilderbuchart problemorientiertes Bilderbuch. Danach wird ein Leitfaden zur pädagogisch-didaktischen Beurteilung der Qualität von Bilderbüchern vorgestellt, an dem sich die Autorin orientiert. Das dritte Kapitel enthält die Ausführungen ihrer Beurteilung, woran sich das vierte Kapitel mit einem Fazit anschließt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Literarisches Lehren in der Primarstufe
2.1 Die Bedeutung der korrekten Literaturauswahl
2.2 Problemorientierte Bilderbücher im Unterricht
2.3 Qualitative Beurteilung von Bilderbüchern
3 Das Bilderbuch Ente, Tod und Tulpe von Erlbruch
3.1 Inhalt
3.2 Gestaltung
3.2.1 Illustrationsbezogene Qualität
3.2.2 Sprachliche Qualität
3.2.3 Verhältnis von Bild und Text
3.2.4 Typographische Gestaltung
3.3 Erzählweise
3.4 Hinweise zur Interpretation und Funktion
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, das Bilderbuch "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch einer detaillierten pädagogisch-didaktischen Qualitätsprüfung zu unterziehen, um dessen Eignung für den Einsatz im Grundschulunterricht zu evaluieren.
- Qualitative Beurteilung von Kinderliteratur im Primarschulbereich.
- Besonderheiten problemorientierter Bilderbücher im Kontext von Sterben und Tod.
- Analyse der narrativen und illustratorischen Gestaltungsmittel des Werkes.
- Philosophische Dimensionen und Interpretationsmöglichkeiten für den Unterricht.
- Eignung des Werkes für Leseanfänger und zur Förderung von Empathie.
Auszug aus dem Buch
3.1 Inhalt
Zu Beginn der Bilderbuchgeschichte wird eine Ente visualisiert. Sie begegnet dem Tod und sofort beschleicht sie ein ungutes Gefühl. Dennoch spricht sie ihn direkt an: „Wer bist du – und was schleichst du hinter mir her?“ (Erlbruch 2007: 1) Der Tod stellt sich höflich vor und beantwortet ihre zahlreichen Fragen. Mitunter, ob er sie nun holen komme. Seine Antwort: „Ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst – nur für den Fall.“ (ebd.: 4) Gemeinsam verbringen sie viel Zeit miteinander, unternehmen etwas zusammen (sie gründeln in einem Teich, sie klettern auf einen Baum) und scheinen sich sogar anzufreunden. Doch am Ende ereignet sich jenes, was der Rezipient wohl schon zu Beginn der Geschichte befürchtet: Die Ente stirbt. Der Tod schenkt ihr eine schwarze Tulpe und übergibt sie dem Fluss, der sie an einen unbekannten Ort hinausträgt.
Die Autorin sieht in der Ente eine Form der kindlichen Naivität. Sie tritt dem Tod, dessen Kopf ein Totenschädel darstellt, gegenüber und fragt, wer er sei. Kurz darauf begreift sie, dass er den leibhaftigen Tod verkörpert und lädt ihn gleichwohl zu gemeinsamen Aktivitäten ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die veränderte Funktion des modernen Literaturunterrichts und stellt das Bilderbuch sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit vor.
2 Literarisches Lehren in der Primarstufe: Dieses Kapitel behandelt die Bedeutung der Literaturauswahl, definiert problemorientierte Bilderbücher und stellt einen Leitfaden zur qualitativen Beurteilung vor.
3 Das Bilderbuch Ente, Tod und Tulpe von Erlbruch: Der Hauptteil analysiert Inhalt, Gestaltung, Erzählweise sowie didaktische Interpretationsansätze des Werkes.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Eignung des Buches für die Grundschule zusammen und betont die Bedeutung einer sensiblen Thematisierung von Tod und Trauer im Unterricht.
Schlüsselwörter
Ente Tod und Tulpe, Wolf Erlbruch, Grundschule, Literaturunterricht, problemorientierte Bilderbücher, Sterben, Tod, Trauer, Bilderbuchanalyse, Lesekompetenz, ästhetische Bildung, Didaktik, philosophisches Philosophieren, Illustration, Kinderliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der pädagogisch-didaktischen Beurteilung des Bilderbuches "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch im Hinblick auf seinen Einsatz im Grundschulunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Literaturdidaktik, die Qualität von Bilderbüchern, das Genre der problemorientierten Kinderliteratur sowie die Vermittlung der Thematik Sterben, Tod und Trauer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die didaktische Qualität des Buches zu prüfen und aufzuzeigen, wie das Werk zur Förderung von Empathie und philosophischem Nachdenken bei Grundschulkindern beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen strukturierten Leitfaden nach Grünewald, um das Bilderbuch qualitativ in Bezug auf Inhalt, Gestaltung, Erzählweise und Interpretationspotenzial zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Inhaltsangabe, die Analyse der illustratorischen und sprachlichen Qualität, die Untersuchung der Erzählstruktur sowie die Darlegung von Hinweisen zur Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlagworten zählen Bilderbuchanalyse, Tod und Trauer, Literaturunterricht, philosophische Diskussion, ästhetische Erfahrung und problemorientierte Kinderliteratur.
Welche Bedeutung kommt der Figur der Ente zu?
Die Ente repräsentiert laut der Autorin eine kindliche Naivität und dient als Identifikationsfigur, die den Rezipienten durch den Prozess der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens führt.
Warum spielt die schwarze Tulpe eine wichtige Rolle?
Die Tulpe wird als symbolische Requisite interpretiert, die verschiedene Deutungsebenen zulässt, von der Trauerfloristik bis hin zur Akzeptanz des Lebensendes.
- Quote paper
- BA Jennifer Lorz (Author), 2011, Eine pädagogisch-didaktische Beurteilung des Bilderbuches "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181455