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Fritz Mauthner und Karl Kraus - Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts

Title: Fritz Mauthner und Karl Kraus - Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Falk Hesse (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Ab der Zeit um 1900 näherten sich der Bereich der Sprachkritik als Stil- oder Textkritik und der Bereich der Sprachkritik als einzelsprachliche Sprachentwicklung immer mehr aneinander an und es begann eine neue Phase der Sprachkritik im deutschsprachigen Raum. Der Sprachpurismus der vorhergehenden Phase wurde abgelöst und durch sprachkritisches und sprachskeptisches Denken ersetzt. Dieses Denken ging mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch über in Wissenschaftskritik, politische Kritik und politischen Avantgardismus, die bis in die heutige Zeit wirksam sind. Mit der Radikalisierung der Sprachkritik geriet auch die Verbindung von Erkenntniskritik und Stil- bzw. Textkritik immer mehr in den Vordergrund. In den Augen der Sprachkritiker des beginnenden 20. Jahrhunderts hatten vor allem Wissenschaftler, Politiker und Journalisten Schuld an der konstatierten „allgemeinen Sprachkrise“ dieser Zeit. Die Sprachkritiker kämpften gegen eine „im Positivismus erstarrte Gesellschaft“ und kritisierten die Popularisierung der konventionellen Literatursprache, die in Zeitungen, Trivialliteratur und öffentlichen Reden massenhaft ritualisiert wurde. Als herausragende Personen ihrer Zeit sollen in dieser Arbeit die Sprachkritiker Fritz Mauthner und Karl Kraus betrachtet werden. An ihrem Beispiel soll im Folgenden detailliert analysiert werden, welche Ansichten die Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts vertrat.
Hierzu wird zu Beginn der Arbeit Fritz Mauthner und seine Vorstellung von Sprache und Wirklichkeit betrachtet. Daran anschließend werden Mauthners Ansichten zum Thema ‚Zufallssinne„, ‚Schweigen„ und ‚leere Begriffe„ analysiert. Nach dieser Analyse wird das sprachkritische Verständnis Karl Kraus beleuchtet, welches sich vor allem in der Krausschen Auseinandersetzung mit der Presse widerspiegelte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fritz Mauthner

2.1 Sprache und Wirklichkeit

2.2 Zufallssinne und Metaphern

2.3 Verstummen als Konsequenz

2.4 Leere Begriffe

3. Karl Kraus

3.1 Die Presse

3.2 Die Phrase

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts anhand der Positionen von Fritz Mauthner und Karl Kraus. Ziel ist es, die spezifischen Ansätze beider Theoretiker zur Infragestellung des Verhältnisses von Sprache und Wirklichkeit zu analysieren und deren Einfluss auf die zeitgenössische Wissenschafts- und Medienkritik aufzuzeigen.

  • Erkenntnistheoretische Grundlagen der Sprachkritik bei Mauthner.
  • Die Problematik der "Zufallssinne" und "leeren Begriffe".
  • Karl Kraus' Kritik an Journalismus und öffentlicher Sprache.
  • Die Funktion der "Phrase" als Instrument der Wirklichkeitsverschleierung.
  • Der Zusammenhang zwischen Sprachzerfall und politischen Katastrophen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Presse

Schon mit den ersten Ausgaben der Fackel machte sich Kraus einen Namen als Kritiker von Korruption, Justizwillkür, Doppelmoral, Vetternwirtschaft und Presseunwesen und es gelang ihm skandalöse Zustände bei der Eisenbahn, bei Banken und in Universitäten aufzudecken.

In der ‚Neuen Freien Presse‘, eine der erfolgreichsten Zeitungen des Habsburgerreiches, sah Kraus die schlimmsten Seiten des Hochliberalismus verkörpert. Hier paarten sich „Bordellannoncen auf der letzten und Moralaposteltum auf den ersten Seiten“. Mit seiner Pressekritik enthüllte Karl Kraus die verstellende Tendenz der Presse hinter ihrer angeblichen Aufklärungs- und Informationstendenz. Ebenso zeigte er, dass der journalistische Sprachgebrauch die Sprache als realitätssetzendes und realitätsveränderndes Moment einsetzte und damit als ein latent bedrohliches. In der Arbeit Kraus wurde zum ersten Mal Sprach- und Pressereflexion als eine Einheit betrachtet, wodurch die Pressekritik ein verlässliches Fundament bekam und das Sprachdenken eine zeitgenössische Korrektheit.

Kraus’ Sprachdenken entspringt eben diesem Kontrast zweier Sprachgebräuche: einem, den er als durch und durch instrumentellen sieht, einem anderen, der ästhetisch nicht ist im Sinne rhetorischer Gewandtheit, sondern als Denken aus der Sprache heraus, das philosophisches Denken darum nicht leisten kann, weil es von der ‚Sinnlichkeit’ des Gedankens nicht weiß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert die drei Bereiche der Sprachkritik und führt in die Thematik der Sprachkrise sowie die Akteure Fritz Mauthner und Karl Kraus ein.

2. Fritz Mauthner: Analysiert Mauthners erkenntnistheoretische Skepsis, seine Theorie der Zufallssinne und die Notwendigkeit des Schweigens als Konsequenz einer Sprache, die Wirklichkeit nur verfälscht.

2.1 Sprache und Wirklichkeit: Erläutert die Mauthnersche Grundannahme der Unmöglichkeit, durch Sprache eine objektive Wirklichkeit abzubilden.

2.2 Zufallssinne und Metaphern: Untersucht, wie menschliche Sinneswahrnehmungen und die metaphorische Natur der Sprache ein verzerrtes Weltbild erzeugen.

2.3 Verstummen als Konsequenz: Beschreibt das Schweigen als programmatische Haltung und notwendige Konsequenz der radikalen Sprachskepsis.

2.4 Leere Begriffe: Kritisiert den inflationären Gebrauch von Begriffen in Politik und Wissenschaft und fordert eine Revision des Sprachgebrauchs.

3. Karl Kraus: Führt in die Biografie und das Wirken von Karl Kraus als bedeutenden Medienkritiker ein.

3.1 Die Presse: Untersucht Kraus' vernichtende Analyse des Journalismus und dessen Rolle bei der Zerstörung von Wahrhaftigkeit.

3.2 Die Phrase: Definiert die "Phrase" als totalitäres Element der Sprache, das politische Wirklichkeit verschleiert.

4. Schlussbetrachtungen: Fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Tragweite der Sprachkritik für das 20. Jahrhundert.

5. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf.

Schlüsselwörter

Sprachkritik, Fritz Mauthner, Karl Kraus, Sprachkrise, Erkenntnistheorie, Journalismus, Phrase, Wirklichkeitswahrnehmung, Zufallssinne, Medienkritik, Sprachskepsis, Politische Sprache, Metaphern, Sprachphilosophie, Aufklärung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Entwicklung und die theoretischen Ansätze der Sprachkritik am Beginn des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Infragestellung der Korrespondenz zwischen Wort und Wirklichkeit, die Kritik an der Wissenschaftssprache sowie die Entlarvung des journalistischen Sprachmissbrauchs.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine detaillierte Analyse der sprachkritischen Ansichten von Fritz Mauthner und Karl Kraus sowie deren Bedeutung für das Verständnis moderner Medienkommunikation.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologisch-historische Analyse, um die theoretischen Konzepte der Autoren anhand ihrer Hauptwerke und zeitgenössischer Dokumente zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Mauthners erkenntnistheoretische Skepsis, seine Theorie der "leeren Begriffe" und "Zufallssinne" sowie Karl Kraus' fundierte Kritik an der "Phrasensprache" des Journalismus erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachkritik, Erkenntnistheorie, Phrase, Zufallssinne und Medienschelte.

Warum spielt das Schweigen bei Mauthner eine solch zentrale Rolle?

Schweigen ist für Mauthner die logische Folge seiner Erkenntnis, dass Sprache die Wirklichkeit nur verzerrt; es ist der einzige Weg, der vermeintlichen "Unterdrückung durch die Sprache" zu entkommen.

Inwiefern sah Kraus im Journalismus eine Gefahr für die Gesellschaft?

Kraus betrachtete den Journalismus als eine Form der bewussten Realitätsverzerrung, die durch die Nutzung von Phrasen die Urteilsfähigkeit der Masse untergräbt und somit zu gesellschaftlichen und politischen Krisen beiträgt.

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Details

Title
Fritz Mauthner und Karl Kraus - Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft)
Course
Geschichte des Deutschen V. Das 19. und 20. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Falk Hesse (Author)
Publication Year
2011
Pages
22
Catalog Number
V181499
ISBN (eBook)
9783656045144
ISBN (Book)
9783656044666
Language
German
Tags
Fritz Mauthner Karl Kraus Sprachkritik Presse Kritik Sinn 20. Jahrhundert Metapher Wirklichkeit Realität Sinne Sprache Verstummen Sprachlosigkeit sprachlos leere Begriffe Phrase Zufallssinne Symbol Deutschland Deutsches Reich Kaiserreich Kaiser Österreich Deutsches Kaiserreich Reden Subjekt Objekt Ich Sprechakt Sprachgebrauch Sinneseindruck Sinneseindrücke Positivismus Erkenntniskritik Erkenntnis Mystik Begriffe Sprachschatz Begriff Schweigen Sprachkultur Kultur Schule Universität Reform Bildungsreform Erziehungsreform Bildung Erziehung Religion Ersatzreligion Christentum Verwissenschaftlichung Die letzten Tage der Menschheit Die Fakel Sprachdenken Erster Weltkrieg Propaganda Krieg Kriegsberichtserstattung Journalist
Product Safety
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Quote paper
Falk Hesse (Author), 2011, Fritz Mauthner und Karl Kraus - Sprachkritik am Anfang des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181499
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