Aspekte des Massentourismus an der türkischen Südküste zwischen Antalya und Alanya


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tourismus
2.1. Definition „Tourismus“
2.2. Massentourismus
2.3. Massentourismus im Mittelmeerraum

3. Massentourismus in der Türkei

4. Die Tourismusregion „Türkische Riviera“

5. Feriendestination Alanya
5.1. Entwicklung des Tourismus in Alanya
5.2. Probleme und Folgen des Massentourismus in Alanya
5.2.1. Bevölkerungsstruktur und Arbeitslosigkeit
5.2.2. Auswirkungen auf das Küstengebiet
5.3. Bedeutung Alanyas für den türkischen Tourismus

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Der Rest der Stadt ist - mit Ausnahme ein paar verstreut liegender alter Villen - ein gesichtsloses Häusermeer in Großstadtformat. Die weißen 08/15-Fassaden der Apartmenthäuser und Hotels - entworfen von Architekten, die wohl allesamt Praktikanten an der Costa Brava waren - ziehen sich kilometerweit die Buchten entlang undd klettern dahinter die Berghänge hinauf.“ (BUSSMANN & TRÖGER 2003: S. 523)

Dieses Zitat ist zutreffend für viele touristische Städte und beliebig austauschbar. Ge- meinsam haben die meisten, dass sie direkt am Mittelmeer liegen, ein sehr mildes Klima haben, eine hohe Sonnenscheindauer - und vom Massentourismus geprägt sind. Dies galt lange Zeit nur für die spanische Südküste, breitete sich allerdings rasant über Italien und Frankreich entlang der Mittelmeerküste aus - und erreichte in den 1980er Jahren auch die türkischen Küstenstädte. Das obige Zitat beschreibt die Stadt Alanya an der türkischen Südküste. Eine Stadt, die innerhalb kürzester Zeit eine rasante Entwicklung vollzogen hat.

In dieser Arbeit soll versucht werden, einige Aspekte des Massentourismus in und um lanya zu beleuchten. Dafür werden anfangs die Begriffe „Tourismus“ und „Massentou- rismus“ definiert, bevor der Tourismus und seine Entwicklung in der gesamten Türkei vorgestellt wird. Anschließend werden kurz die geographischen und klimatischen Beson- derheiten der türkischen Südküste um lanya, der „Türkischen Riviera“, beschrieben. Darauf folgt mit der „Feriendestination lanya“ der Schwerpunkt dieser rbeit, in dem erst die Entwicklung des Tourismus in der Region beschrieben und anschließend auf ei- nige ausgewählte Folgen und Probleme des Massentourismus eingegangen wird. Ab- schließend wird kurz die Bedeutung Alanyas für die Türkei erläutert und ein Fazit gege- ben.

2. Tourismus

Die Begriffe „Tourismus“ und „Massentourismus“ können auf vielerlei Weisen beschrie- ben werden. Da sie die Grundlage für diese Arbeit bilden, sollen diese kurz beschrieben werden.

2.1. Definition „Tourismus“

Für den Begriff „Tourismus“ gibt es zahlreiche Definitionen. Für diese rbeit soll allerdings die folgende Definition von FREYER (2006) als Grundlage dienen.

„Tourismus umfasst die ktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäftsoder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.“ (FREYER 2006: 2)

In der vorliegenden Arbeit wird vor allem der Reisetourismus beachtet, während auf die Geschäftsreisenden fast gar nicht eingegangen wird. Dies liegt darin begründet, dass Geschäftsreisende zumeist lediglich die Übernachtungsmöglichkeiten wahrnehmen, aber nur sehr selten typisch touristische Freizeitbeschäftigungen, wie z.B. Tauchen, Jet-Ski fahren etc., in Anspruch nehmen und somit nicht in die Kategorie des Massentourismus fallen.

Als klassischer Tourismus kann also im Grunde genommen ein Ortswechsel verstanden werden, der durch eine Reise vorgenommen wird. Die Dauer der Reise ist dabei irrele- vant, sofern mindestens eine Nacht in diesem neuen Ort verbracht wird. Als Tourist gilt demnach jeder, der für eine zeitlich unbegrenzte Dauer (max. 1 Jahr) an einem fremden Ort, z.B. in einem Hotel oder auf einem Campingplatz, verweilt. Zu beachten ist hierbei, dass sowohl die Dauer der Reise als auch die die Distanz vom Urlaubsort zum Heimatort eine Rolle spielen (FREYER 2006: 2).

Nach HOPFINGER (2007: 724) stellen Freizeit und Tourismus einen der beschäftigungsin- tensivsten Wirtschaftsbereiche dar. Die nachfolgenden Beschäftigungszahlen unterstrei- chen dies: Im Jahr 2005 waren mehr als 74,2 Millionen Menschen direkt in der Freizeit- und Tourismusindustrie beschäftigt. Weitere 147,3 Millionen Personen waren indirekt mit der Tourismusbranche durch andere Gewerbe, wie z.B. im Handel oder Baugewerbe, verbunden. 2007 lag die Arbeitsquote in der Tourismusbranche weltweit bei etwa 8,3% (WTTC 2009: o.S.). Hierbei wird deutlich, welche gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Tourismus weltweit besitzt.

Der Tourismus ist eine stetig wachsende Branche. Schon im Jahr 1950 wurden weltweit in dieser Industrie 2,1 Mrd. US$ erwirtschaftet, 30 Jahre später waren es 106,5 Mrd. US$. 2004 lagen die weltweiten Einnahmen durch den Tourismus bei 622,7 Mrd. US$. Im selben Jahr wurden allein in Europa 326,7 Mrd. US$ eingenommen, die Spitzenreiter dabei waren Spanien (45,2 Mrd. US$), Frankreich (40,8 Mrd. US$) und Italien (35,7 Mrd. US$). Deutschland erwirtschaftete 2004 durch den Tourismus 27,7 Mrd. US$ (KOLF 2005: o.S.). Dieses stetige Wachstum der Tourismusbranche ist gut in der zunehmenden An- zahl von Reisenden in der Abbildung 1 zu erkennen. Die Grafik stellt das internationale Touristenaufkommen für Europa, Amerika und Asien (inklusiv des pazifischen Raumes) sowie Afrika und den Mittleren Osten zwischen 1950 und 2005 dar. Seit 1950 gab es eine stetige Zunahme der Reiseaktivitäten, wobei auch immer mehr neue Regionen als Reise- ziele wahrgenommen werden. So waren zu Beginn der Aufzeichnungen in den 1950er Jahren vor allem Europa und Amerika die Hauptreiseziele, aber seit den 1970er auch der asiatisch-pazifische Raum, sowie in den letzten 15 Jahren auch immer mehr Afrika und der Mittlere Osten. In der Grafik ist außerdem zu erkennen, dass der Tourismus zu Be- ginn der 1980er Jahre etwas stagnierte, aber seit Mitte der 1980er und vor allem zu Be- ginn der 1990er Jahre wieder stark zugenommen hat. Die Stagnation der 80er Jahre könnte mit der 2. Ölkrise und dem anschließenden 1. Golfkrieg zusammenhängen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Internationale Touristenankünfte 1950-2005

Quelle: http://www.unwto.org/facts/eng/pdf/historical/ITR_1950_2005.pdf

2.2. Massentourismus

Die Hauptphase des Tourismus begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als die meisten Industrieländer einen deutlichen wirtschaftlichen Aufstieg vorzeigen konnten. Der zu dieser Zeit aufkommende Tourismus gilt als Grundlage für den gemeinhin bezeichneten Massentourismus, da die Menschen global mobiler wurden und mehr Geld und Zeit für Freizeitaktivitäten, beziehungsweise Urlaubsreisen zur Verfügung hatten. Die Ver- dienstmöglichkeiten für die arbeitende Bevölkerung haben sich dementsprechend stetig verbessert und somit war mehr Geld für Freizeitaktivitäten und Urlaub vorhanden. Ein weiterer Faktor, der einen wesentlichen Einfluss auf das Urlaubsverhalten hatte, war die Einführung der 30-Stunden-Woche sowie einer höheren Anzahl von Urlaubstagen. So- mit hatten die Menschen nicht nur einen höheren Verdienst sondern auch mehr Erho- lungszeit. Weitere Faktoren, die den Massentourismus entstehen haben lassen, bezie- hungsweise gefördert haben, waren die neu aufkommenden und vor allem leichter zu- gänglichen Massenmedien sowie die sich stetig verbessernden Transportmöglichkeiten. Durch Werbung konnten Angebote leichter verbreitet werden und ihren Weg somit in fast jeden Haushalt finden. Außerdem gaben Fernsehen, Fotos und Zeitschriften Einbli- cke in fremde und neuartige Länder, sonnenreiche Regionen und Traumstrände. Die Transportmöglichkeiten wurden besser und somit war der Weg, zum Beispiel bis zum Mittelmeer, nicht mehr mit einer stunden- oder tagelangen Autofahrt verbunden son- dern konnte innerhalb kürzester Zeit per Flugzeug erreicht werden (FREYER 2006: 15). Im Jahr 2000 sind 698,3 Mio. Menschen international verreist. In Prognosen für das Jahr 2020 wird von einem Anstieg des internationalen Tourismusaufkommens auf 1,65 Mrd. Menschen gerechnet (JOB ET. AL. 2007: 850, zitiert nach WTO 2001: 7).

GIAOUTZI & NIJKAMP (2007: 1) sagen: „Our world is becoming a global tourist village“. Heutzutage ist es aufgrund moderner Kommunikationstechniken und besonders des Internets möglich, schnell und einfach Angebote verschiedener Reiseveranstalter zu vergleichen und Informationen über mögliche Urlaubsziele zu erhalten (ebd. 2007: 2 ff.). Dank sehr günstiger Anbieter ist Fliegen zum Teil günstiger als eine Entfernung von 600 Km mit dem Zug zurückzulegen.

2.3. Massentourismus im Mittelmeerraum

Nach ROTHER (1993: 15) ist „der Mittelmeerraum *…+ die wichtigste und älteste Frem- denverkehrsregion der Erde.“ Seit jeher reisen Menschen aus aller Welt an das Mittel- meer, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Die Ursache für die starke Anziehungskraft für Reisende ist vor allem in den vorherrschenden klimatischen Bedingungen der Region zu finden. Der Mittelmeerraum gehört zu den winterfeuchten Subtropen und unterliegt damit in den Sommermonaten den subtropisch-randtropischen Hochdruckgebieten, während der es zu einer langen Trockenperiode kommt (SCHULTZ 2008: 227). Für die Touristen ist dies von großem Vorteil, da sie in den Sommermonaten so mit einer lang- andauernden Schönwetterperiode mit wenig Regen und dementsprechend warmen Temperaturen rechnen können. Auch die Wassertemperaturen sind in diesem Zeitraum angenehm und erreichen deutlich mehr als 20° Celsius. Ein weiterer wesentlicher Plus- punkt für die Attraktivität des Mittelmeerraumes ist die Fülle von wunderschönen Stränden mit vielfältigen Bade- und Tauchmöglichkeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Urlaubsdestination Benidorm in Spanien Quelle: http://www.jetztspanienimmobilien.de/wp- content/uploads/Benidorm-Costa-Blanca-3.jpg

1984 reisten über 100 Mio. Menschen als Touristen in die Mittelmeerregion. Aus Prognosen geht hervor, dass die Zahl der Touristen stetig zunimmt und im Jahr 2025 sogar bis zu 340 Mio. Menschen in dieser Region ihren Urlaub verbringen werden (VILES & SPENCER 1995: 301). Für die Mittelmeerregion bedeutet das eine zunehmende Belastung und besonders die direkten Küstengebiete sind von der Zunahme betroffen. Dieser zumeist schmale Streifen zwi- schen Meer und Hinterland ist das am meisten von Touristen besuchte Gebiet und somit auch am stärksten belastet. Häufig gibt es auf diesem en- gen Küstenstreifen keine Aus- weichmöglichkeiten, da Berge oder unwegsames Gelände dicht an den Strand anschlie- ßen. Dazu kommt, dass viele Touristen an ihrem Urlaubsort Unterkünfte mit Meerblick einfordern. Dies führt dazu, dass die Bebauung durch Straßen, Häuser, Hotels, Restau- rants, Ferienanlagen, Bars und weiterer Infrastruktur unmittelbar hinter dem Strand landeinwärts anschließt. Durch die dichte Bebauung und kaum vorhandene Grünflächen und Freiflächen kommt es zu einer extremen Bodenversiegelung, was wiederum eine sehr hohe Belastung für den Küstenbereich mit sich bringt (ROTHER 1993: 15). Ein extre- mes Beispiel für die dichte und hohe Küstenbebauung ist der spanische Ferienort Benidorm an der Costa Blanca. Hier setzt die starke Bebauung durch hohe Hotel- und Ferienanlagen unmittelbar am Strand ein (vgl. Abb. 2). Wie bereits erwähnt, ist beson- ders der küstennahe Tourismus sehr beliebt und hat weltweit zu unkontrollierten Bau- maßnahmen geführt. Besonders in der Mittelmeerregion spielt dieser die zentrale Rolle im Tourismus und der wirtschaftlichen Entwicklung der an das Mittelmeer grenzenden Länder. So locken Touristen nicht nur die klimatischen Bedingungen mit viel Sonne und warmen Temperaturen, sowie der Strand und das Meer, sondern auch immer mehr mit der Küste und dem Meer zu verbindende Aktivitäten. Dazu gehören zum Beispiel der nichtmotorisierte Wassersport wie Surfen und Segeln, Tauchsport (besonders in Koral- lenriffen und Schiffwracks), Angeln, Muschelsammeln und Naturbeobachtungen (BUN- DESAMT FÜR NATURSCHUTZ 1997: 44). Diese ziehen allerdings zahlreiche Folgen für das Öko- system „Küstenstreifen“ mit sich, auf die an späterer Stelle konkret für die türkische Südküste eingegangen wird (vgl. Kapitel 5.2.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Aspekte des Massentourismus an der türkischen Südküste zwischen Antalya und Alanya
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V181517
ISBN (eBook)
9783656046318
ISBN (Buch)
9783656047438
Dateigröße
1211 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte, massentourismus, südküste, antalya, alanya
Arbeit zitieren
Katrin Blatt (Autor), 2011, Aspekte des Massentourismus an der türkischen Südküste zwischen Antalya und Alanya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181517

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