Till Eulenspiegel in der Tradition der Schwankliteratur


Seminararbeit, 2011

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Volks- und Schwankbuchbegriff

3 Pfaff Amîs und Dil Ulenspiegel
3.1 Formbetrachtung
3.2 Eine Historie
3.3 Die Eigenschaften der Figuren
3.4 Kritik der Gesellschaft

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Till Eulenspiegel ist kein harmloser Possenreißer, auch wenn ihn das Kinderbuch zu einem solchen umfunktioniert hat. Mehr noch: Unter allen Kinderbuchfiguren ist er ein Außenseiter, denn weder Tugenden noch Weisheiten lassen sich mit seinem Wesen vereinbaren. Bis heute besitzt er eine überraschende Popularität, obwohl er als Schwankheld auf den ersten Blick – vielleicht aufgrund seiner vielen negativen Eigenschaften – nicht zeitgemäß wirkt. Schließlich stellt Till Eulenspiegel einen „faulen Gelegenheitsarbeiter“, „Bauernfänger“ und „außerständischen Landfahrer“[1] dar, der mit seiner überlegenen List Schaden anrichtet, aber neben Abscheu auch Bewunderung auslöst.

Von dem Buch Dil Ulenspiegel und seinem Titelhelden ging seit jeher eine ungeheure Wirkung aus.[2] Schon im 16. Jahrhundert war das Werk vielfach überarbeitet und in mehrere Sprachen übersetzt worden.[3] Ob der Held dieser Geschichte wirklich gelebt hat, kann trotz einer Reihe von Zeugnissen, die über eine historische Person „Eulenspiegel“ vorliegen, nicht zweifelsfrei beantwortet werden.[4] Ziemlich sicher ist jedoch, dass Hermen Bote, der für den Verfasser des Dil Ulenspiegel gehalten wird, einige Schwänke aus des Strickers Pfaff Amîs (1230), Des pfaffen geschicht und histori vom Kalenberg (1473) und zwei italienischen Schwanksammlungen (um 1290) entnommen und bearbeitet hat.[5] Wieder andere Historien wurden ihm wahrscheinlich durch mündliche Überlieferung aus dem Braunschweiger Raum zugetragen, einige hat Bote wohl auch selbst erfunden.[6]

Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle des Werkes Dil Ulenspiegel und der Figur Till Eulenspiegel in der Tradition der Schwankliteratur darzustellen. Hierfür wird zunächst der Begriff des Volks- und Schwankbuches erörtert. Anschließend soll die Figur des Till Eulenspiegel insbesondere dadurch charakterisiert werden, dass sie mit der Figur des Pfaffen Amîs (Stricker, 1230) verglichen wird. Obwohl Dil Ulenspiegel, zumindest was einige Episoden betrifft, aus des Strickers Schwankroman hervorgegangen ist und beide Werke zur Schwankliteratur zu zählen sind, bestehen formale Unterschiede.[7] Dieser Vergleich soll sich auch auf inhaltlicher Ebene fortsetzen: Da einzelne Historien fast unverändert im Dil Ulenspiegel übernommen wurden, muss der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die Werke voneinander unterscheiden. Hierfür soll die vierte Historie aus dem Pfaff Amîs, die sehr ähnlich im Ulenspiegel wieder auftaucht, genauer untersucht werden. Das wiederum führt schließlich zu einer weiteren Aufgabe, nämlich zu erörtern, ob sich die propagierten Eigenschaften des einen Schwankhelden im Gegensatz zum anderen verändert haben oder ob die Figur die gleiche ist.

2 Der Volks- und Schwankbuchbegriff

Der Begriff „Volksbuch“ entstammt Joseph Görres Schrift Die teutschen Volksbücher.[8] Ihm zufolge sind Volksbücher Schriften verschiedener Gattungen, die aus dem Volk hervorgegangen oder für dieses bestimmt waren.[9] Werner Hilsberg zufolge ist der Volksbuchbegriff jedoch kein Gattungsbegriff und deswegen nicht so weit zu fassen, wie Görres konstatiert.[10] Hilsberg unterteilt Volksbücher im Anschluss an die Untersuchungen von Liepe nach Herkunft und Entstehung in drei unterschiedliche Gruppen: „Prosaübersetzungen“, „Prosaumsetzungen“ und „heimische originale Werke“, die sich an mittelalterliche Predigtmärlein und Legendenliteratur anschließen. [11] Erstere sind Übersetzungen aus fremden, vor allem französischen Prosa- Werken, während sich die Prosaumsetzungen auf deutsche, lateinische und italienische Vers-Romane des Mittelalters beziehen.[12] Die dritte Gruppe der deutschen Eigenschöpfungen sind eher das „Ergebnis eifrigen Sammelns“ von Historien, Schwänken und Märchen.[13] Durch solches Sammeln ist auch Dil Ulenspiegel entstanden. Dieses sogenannte Volksbuch ist somit ein „Sammelbuch“, denn ein solches ist das „eigentliche Volksbuch“.[14] Der Stoff, die einzelnen Motive und Erzählungen sind nicht Leistungen und Eigentum des Schöpfers. Dieser vollzieht, Lutz Mackensen zufolge, vielmehr nur den „Abschluss der dichterischen Tätigkeit des Volkes“, indem er die Geschichten niederschreibt, sammelt und ordnet und sie so für jedermann zugänglich macht.[15]

Eine besondere Art dieser Sammelbücher wiederum sind die Schwankbücher. Im Unterschied zu anderen Sammelbüchern bestehen sie aus Geschichten der besonderen Art, nämlich aus Schwänken.

Im fünfzehnten Jahrhundert war der ursprünglich aus der Fechtersprache stammende mittelhochdeutsche Begriff „swanc“ (Streich, Hieb, Schwung) im übertragenen Sinne zur Bezeichnung einer Erzählform geworden, die „Tabus verletzt und damit zur Sprache bringt“, die „moralische oder soziale Normverletzungen“ bloßstellt oder die „komische Vorfälle auf derb-witzige Weise dem Verlachen“ preisgibt.[16] In einepisodigen Handlungen stellen diese Versschwänke Situationen dar, in denen Figurentypen, wie etwa der Listige und der Dumme, der Feige und der Mutige, in verschiedenen ständischen Rollen ihre sozialen und moralischen Konflikte austragen.[17] Allen Schwänken ist eine gewisse Art der Komik gemein.[18] Lipps etwa beschreibt: „Die possenhafte Komik ist die Komik der Streiche der Possen, die dem Dummen, Ungeschickten, Feigen, vielleicht aber sehr einsichtig klug, geschickt, tapfer sich Dünkenden oder Gebärdenden gespielt wird“.[19] Die Schwankkomik ist „eine gewollte Weise, einen Anderen oder sich selbst komisch erscheinen zu lassen“ und ein gewisses Überlegenheitsgefühl zur Geltung zu bringen. [20]

Dieses Überlegenheitsgefühl besteht, wenn sich ein offensichtlich Unterlegener am Ende gegen einen scheinbar Überlegenen behauptet.

Das Foppen und Abtrumpfen des scheinbar Überlegenen, durch den Schwankhelden zum Beispiel, ruft dieses Gefühl hervor. Mit dem Ziel, Lachen zu erregen, kann das Foppen als Charakteristikum des Schwankes schlechthin gelten.[21]

3 Pfaff Amîs und Dil Ulenspiegel

Die Figur des Helden „Till Eulenspiegel“ ist in der Daseinsform des Strickerschen Schwankhelden, der für seine Streiche in verschiedene Rollen schlüpft, vorgezeichnet.[22] Sein Pfaffe Amîs hat somit Anteil an der späteren Beliebtheit des Dil Ulenspiegel-Volksbuches, auch wenn die entlehnten Historien aus ersterem Werk im zweiten modifiziert wurden. Es geht um die Episoden eins bis vier, die aus dem Pfaff Amis entlehnt wurden, um eine erneute literarische Rezeption im Till Eulenspiegel in den Historien siebzehn, siebenundzwanzig, achtundzwanzig, neunundzwanzig und einunddreißig erfahren.[23]

Eine chronologische Anordnung der Einzelschwänke im Ulenspiegel ist nicht festzustellen, obwohl der Verfasser sein Werk zunächst als Biografie ausgibt. Am Ende des Prologs gesteht er jedoch, dass das Buch durch „zulegung etlicher fabulen des pfaff Amîs, vnd des pfaffen von dem Kalenberg“[24] entstanden ist.

Außerdem macht der Verfasser darauf aufmerksam, dass er „diese hystorien vnd geschichten [...] zesamen bringen vnd beschreiben“ wollte. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass er als Chronist dieser Geschichten eine bestimmte Intention auszudrücken suchte.[25] Möglich ist aber auch, dass er lediglich in der Funktion eines Sammlers die Geschichten aus seinen verschiedenen Quellen in einem zeitlich abgegrenzten Rahmen aneinander zu reihen gedachte.[26]

Weiterhin weist der Autor darauf hin, dass sein Werk (genau wie beim Pfaff Amis) vorrangig der Unterhaltung dient: „Nun allein vmb ein froelich gemüt zuo machen in schweren zeiten, vnd die lesenden [...] moegen guote kurtzweilige froeden vnd schwenck daruß fabulieren.“ Dies lässt vermuten, dass diese Einladung des Rezipienten zur reinen Belustigung, der Abwendung von Kritik dienen sollte. Der Nachsatz: „vff das ich nit vndank verdiene“ enthält eine Bitte des Autors an die Rezipienten, die nicht auf „verstehendes Lesen abzielt“, sondern eher auf eine „verstehende Nachschöpfung“.[27] Da der Autor schon vorher zum „fabulieren“ auffordert, also vorzulesen und weiterzuerzählen, ist eine „durch mehrfache Vermittlung veränderter Weitergabe des Werkes“ nicht ausgeschlossen. [28]

Auch Hilsberg betonte, dass das „Ineinander literarischer Produktion und Rezeption“ gerade kennzeichnend für die Schwankliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts ist.[29] Der Prolog im Pfaff Amîs dagegen preist zunächst höfische Ideale an und dennoch folgt kein höfischer Roman nach dem Vorbild der Aventiuredichtung, sondern: „Amis [ist, J.F.] eine besondere Form der Auseinandersetzung mit der Artusepik, er ist die parodistisch, ironisch-satirische Aufhebung dieser Darstellungsform feudalhöfischer Ideale und feudaler Ideologie.“[30]

Im Gegensatz zum Ritter der Aventiuredichtungen beruft sich der Held nicht auf seine Kampfkünste, sondern auf seinen Verstand. Die Handlung spielt auch nicht - wie für damalige Zeiten üblich - im Kreise des Adels, sondern die Personen, denen der Pfaffe einen Bären aufbindet, stammen aus jeder sozialen Schicht der Gesellschaft. Dies trifft auch für Till Eulenspiegel zu. Auch hier unterscheidet der Schwankheld nicht nach erkennbaren Mustern zwischen den Leuten, die er „auf´s Korn“ nimmt; es werden sowohl Arme als auch Reiche; Kluge genauso wie Dumme; Empathische ebenso wie Egoistische vorgeführt.

3.1 Formbetrachtung

Die Historien, aus denen Dil Ulenspiegel besteht, gliedern das Werk, wie bereits erwähnt, lediglich nach äußerlichen stofflichen Gesichtspunkten.[31] Meistens schließt eine Historie mit einer Orts- und Zeitveränderung ab, ganz egal, ob sich die Ereignisse dieser Historie auf die Folgenden auswirken oder nicht. Jedoch sind einzelne Historien so zusammengefügt, dass sich bestimmte Gruppen herausgebildet haben, denn einige Schwänke haben nicht nur eine „aus der Pointe entspringende Isolationstendenz“, sondern weisen eine Verbindungstendenz auf, die z.B. durch einen Hinweis des Autors zustande kommt.[32] Von fünfundneunzig Historien im Volksbuch stehen siebenunddreißig völlig isoliert.[33] Von den entlehnten Historien aus dem Pfaff Amîs betrifft dieser Fall Historie siebzehn, siebenundzwanzig und einunddreißig. Historie neunundzwanzig weist einen verbindenden Eingang auf, ebenso Historie achtundzwanzig, die gleichzeitig die Schatten ihrer Ereignisse auf die folgende Historie wirft. [34] In diesen beiden Episoden, die zusammen eine Gruppe bilden, gibt sich Eulenspiegel als „grossen meister“ oder als „Magister“ aus, worauf die Gelehrten in beiden Fällen sofort hereinfallen. In Historie achtundzwanzig „zohe er hinweg vnd kam gen Erfordt“ aus Angst vor der Rache der geprellten Prager Professoren. Der Eingang der neunundzwanzigsten Historie bezieht sich auf diesen Schluss: „Vlenspiegel het groß verlangen gen Ertford als er die schalckheit zu Brag het vß gerichtet wan er besorgt sich dz sie im nach ylten.“ Das Ulenspiegel- Buch umfasst, nach Hilsberg, insgesamt acht solcher, jeweils zwei Historien umfassenden, Gruppen.[35] Auch sind einige Schwänke im Ulenspiegel- Buch durch sogenannte „Verkettungen“ verbunden, d.h. im Eingang oder am Schluss dieser Historie wird auf eine bestimmte Angabe der vorhergehenden oder nachfolgenden Episode Bezug genommen.[36] Historie einunddreißig (aus Pfaff Amîs stammend) geht zum Beispiel mit Historie zweiunddreißig diese Art von Verbindung ein, (Hist. zweiunddreißig: „[...] als er nun mit dem hopt weit vmb gezogen wz [...]“) ebenso Historie sechsundzwanzig und siebenundzwanzig. (Letztere auch aus dem Strickerschen Werk stammend).

Das Schwankbuch von Ulenspiegel ist um eine zentrale Person angeordnet, in dem sich also ein Handlungsverlauf mit inhaltlichem Zusammenhang nicht wiedergeben lässt, da die Handlung in Historien zerfällt. Die Figur Eulenspiegel durchläuft, Hilsberg zufolge, verschiedene Lebensalter, ohne eine Persönlichkeit zu entwickeln.[37] Sie wird schon als Schalk geboren und stirbt auch als solcher.

Die Handlung im Schwankroman Pfaff Amis wird ebenfalls durch den Protagonisten zusammengehalten. Allerdings unterscheidet ein gewisser epischer Zug das Werk von vielen anderen Vertretern der Schwankliteratur: Das Ausziehen des Protagonisten auf einen gewissen Anlass hin, um in steigendem Aktivitätsgrad seine Betrügereien durchzuführen und am Schluss die Handlung in eine Bekehrung münden zu lassen. [38]

Wird zuerst vor allem durch hervorgehobene „milte“ (V. 50)[39] der Hauptfigur die Erwartung geweckt, beim Pfaffen handele es sich um einen klassischen Helden der Artusepik, so stellt sich im Laufe der Handlung dieser als das parodistische Gegenteil heraus.

Er trägt zwar bestimmte Züge eines Artusritters, allerdings sind diese alle in ihr Gegenteil verkehrt.[40] Die Figur des Pfaffen Amis steht, Hermann zufolge, zwar in der Tradition des epischen Helden, jedoch überwiegt der Anteil des schwankhaften Erzählens im Strickerschen Werk, das den Pfaff Amis zum ersten deutschen Schwankroman machen.[41]

Nach Könneker, sind die Streiche und Schwänke Till Eulenspiegels – wie die des Pfaffen Amîs – in einen biografischen Rahmen hineingestellt (das Werk ist jedoch keine Biografie!), der aber im Vergleich zum Pfaffen weiter gespannt ist.[42]

Das Volksbuch beginnt mit der Schilderung von Geburt und Taufe Eulenspiegels und endet mit der Erzählung seines Begräbnisses. In den ersten acht Abschnitten wird von der Zeit berichtet, die seiner Reise vorausging, und gleichsam wie beim Pfaffen umfasst die Darstellung von Begräbnis und Tod fünf Kapitel. Eine Steigerung im Ablauf der Handlung ist beim Ulenspiegel nicht vorhanden. Die Streiche, die er in seiner Jugend verübt, stehen denen, die er im Alter tätigt, in nichts nach. Die Schwänke innerhalb des biografischen Rahmens (also zwischen Geburt und Tod Eulenspiegels) sind demnach, unter Beachtung der Verkettungen und Gruppenbildungen zwischen den einzelnen Schwänken, zu jeder Zeit austauschbar.

Der Stricker nutzte die biografische Einkleidung jedoch, um im Hinblick auf die besondere Zielsetzung seines Werkes zu begründen, warum der Pfaffe zum Betrüger wurde und später dem Betrug wieder entsagte. Er unterschied dementsprechend verschiedene Phasen im Leben seines Helden: die Herausforderung durch den Bischoff, der Auszug, um mit Betrügereien „guot“ zu erwerben und die Bekehrung. Im Volksbuch von Eulenspiegel findet sich eine solche Unterteilung nicht, denn der Protagonist verübt schon in jüngsten Jahren aus reiner Belustigung seine Streiche und lässt selbst angesichts des nahenden Todes nicht davon ab. Er war von vornherein dazu bestimmt, seine Mitmenschen zu foppen und in der Präsentation dieser Eigenschaft liegt der Sinn der biografischen Einkleidung im Volksbuch.[43] Dieser Verzicht auf eine klare und eindeutige Motivierung der Eulenspiegelschwänke ist der sichtbarste Unterschied zum Pfaff Amîs. Der Pfaffe war ausgezogen, um Beute zu machen. Da er dieses Ziel nicht aus den Augen verlor, gelang es ihm, seinen Gewinn zu steigern, ohne einen Fehlschlag ertragen zu müssen. Für Eulenspiegel gilt dies nicht. Obwohl er auch Beute macht, kann dies nicht als Motivation seiner Handlung gesehen werden.[44] Während der Pfaffe am Ende seiner Reise über einen beträchtlichen Reichtum verfügt, ist Eulenspiegel am Ende genauso arm wie am Anfang der Geschichte.

3.2 Eine Historie

Wie oben schon erwähnt, soll eine Episode, die eigentlich aus dem Schwankroman des Pfaff Amîs stammt, jedoch im Dil Ulenspiegel ähnlich wieder zu finden ist, genauer untersucht werden. „Die Heilung der Kranken“ ist so eine, die im Ulenspiegel die siebzehnte Historie bildet, während sie im Pfaff Amîs in der vierten Historie zu finden war. Darin erscheint Amis am Hof des Herzogs von Lothringen und gibt sich als Arzt aus:

Der Herzog kann einen solchen gerade gut gebrauchen, weil so viele seiner „mâge und man“ (V. 817) krank wären. Amis schlägt dem Herzog vor, das Honorar, das er für die Heilung der Kranken bekommen soll, erst dann auszuzahlen, wenn er „hoeret unde seht, daz si jehent, daz si gesunt sîn“ (V. 835-836) Das gefällt dem Herzog und schnell wird Amîs mit ihm handelseinig.

Eulenspiegel schlägt dagegen in Nürnberg, seine Heilkunst anpreisend „groß brieff an die kirch thüren vnd an dz rathuß“. Da es dort „ein grosse zal krancker mensche yn de newen spital“ gab, wandte sich der Spitalmeister an Eulenspiegel. Des Schalkes Plan scheint es zu sein, den Kränksten unter den Spitalinsassen zu verbrennen, um mit dem aus dessen Körper gewordenem Pulver, die anderen Kranken zu heilen. Amis Heilmethode dagegen beinhaltet den Kränksten unter den Kranken zu töten, um mit dessen Blut die Gebrechen der restlichen Kranken zu kurieren.

Anders als beim Pfaffen lässt sich Eulenspiegel schon vorher etwas Geld auszahlen. Außerdem nimmt er zwei Knechte mit, deren Funktion nicht ersichtlich ist, denn sie spielen im weiteren Verlauf keine Rolle mehr.

Ferner legt Eulenspiegel jedem Spitalinsassen einzeln ans Herz, ihr Geheimnis für sich zu behalten und ihm den Kränksten unter ihnen zu nennen, während Amîs sich mit dieser Bitte an alle Kranken wendet.

[...]


[1] Bollenbeck, Georg: Till Eulenspiegel – Der dauerhafte Schwankheld. Zum Verhältnis von Produktions- und Rezeptionsgeschichte. Stuttgart 1985, S. V.

[2] Vgl. Wunderlich, Werner: Eulenspiegel-Interpretationen. Der Schalk im Spiegel der Forschung 1807-1977, hrsg. von Werner Wunderlich. München 1969, S. 7.

[3] Vgl. Georg Bollenbeck, S. V.

[4] Vgl. Werner Wunderlich, S. 8.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Görres, Joseph: Die teutschen Volksbücher. Leipzig 1924, S. 169.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Hilsberg, Werner: Der Aufbau des Eulenspiegel-Volksbuches von 1515. Ein Beitrag zum Wesen der deutschen Schwankliteratur. Düsseldorf 1933, S. 2.

[11] Liepe, Wolfgang: Elisabeth von Nassau- Saarbrücken. Halle 1921, S. 34ff.

[12] Ebd.

[13] Werner Hilsberg, S. 3.

[14] Ebd. S. 4.

[15] Mackensen, Lutz: Die deutschen Volksbücher. Berlin 1927, S. 120.

[16] Wunderlich, Werner: Till Eulenspiegel. München 1984, S. 57.

[17] Vgl. ebd.

[18] Vgl. Volkelt, Johannes: Die ästhetischen Grundgestalten. In: System der Aesthetik, Band II, hrsg. von Johannes Volkelt. München 1905-1914, S. 433.

[19] Lipps, Theodor: Grundlegung der Ästhetik. In: Ästhetik Teil 1, hrsg. von Theodor Lipps. Hamburg 1903, S. 582.

[20] Ebd.

[21] Vgl ebd.

[22] Vgl. Werner Wunderlich, S. 44.

[23] Vgl. Kadlec, Eduard: Untersuchungen zum Volksbuch von Ulenspiegel. In: Prager Deutsche Studien, sechsundzwanzigstes Heft, hrsg. von Adolf Hauffen. Prag 1916, S. 8-35.

[24] Zitiert aus: Ein kurtzweilig lesen von Dyl Ulenspiegel gebore[n] uß dem Land zu Brunßwick. Wie er sein leben volbracht hatt. XCVI seiner Geschichten, hrsg. von Grieninger. Straßburg 1515. (Faks. d. Ausg.) In: Till Eulenspiegel, ohne Hrsg. Leipzig 1911.

[25] Vgl. Werner Hilsberg, S. 19.

[26] Vgl. Haupt, Barbara: Der Pfaffe Amîs und Ulenspiegel. Variationen zu einem vorgegebenen Thema. In: Till Eulenspiegel in Geschichte und Gegenwart. Beiträge zur Älteren Deutschen Literaturgeschichte, hrsg. von Joachim Bumke. Bern 1978, S. 80.

[27] Ebd., S. 81.

[28] Barbara Haupt, S. 81.

[29] Werner Hilsberg, S. 39.

[30] Spiewok, Wolfgang: Parodie und Satire im „pfaff amîs“ des Stricker. In: Parodie und Satire in der Literatur des Mittelalters, hrsg. von Wolfgang Spiewok. Greifswald 1989, S. 8.

[31] Vgl. Werner Hilsberg, S. 32.

[32] Ebd., S. 36.

[33] Vgl. ebd.

[34] Vgl. ebd.

[35] Ebd.

[36] Ebd., S. 38

[37] Ebd.

[38] Vgl. Werner Wunderlich: Till Eulenspiegel, S. 84.

[39] Versangaben in Klammern, zitiert nach Henne, Hermann: Der Pfaffe Amis. Ein Schwankroman aus dem 13. Jahrhundert in 12 Episoden. Göppingen 1991

[40] Vgl. Böhm, Sabine: Der Stricker – Ein Dichterprofil anhand seines Gesamtwerkes. Frankfurt am Main 1955, S. 230.

[41] Hermann Henne, S. 116.

[42] Könneker, Barbara: Das Volksbuch von „Ulenspiegel“. In: Eulenspiegel-Interpretationen. Der Schalk im Spiegel der Forschung 1807-1977, hrsg. von Werner Wunderlich. München 1979, S. 110.

[43] Vgl. ebd.

[44] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Till Eulenspiegel in der Tradition der Schwankliteratur
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V181519
ISBN (eBook)
9783656046295
ISBN (Buch)
9783656045977
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
till, eulenspiegel, tradition, schwankliteratur
Arbeit zitieren
Julia Frey (Autor), 2011, Till Eulenspiegel in der Tradition der Schwankliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181519

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