Bilderbücher im Rahmen des Erstleseunterrichts


Hausarbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Warum Bilderbücher im Unterricht?

3 Wie setzt man Bilderbücher ein?
3.1 Sprachausbau
3.2 Artikulationsfähigkeit
3.3 Inhaltliche Antizipation

4 Wie wählt man Bilderbücher aus?

5 Welche Bilderbücher sind geeignet?

6 Beispiel 1 „Es war einmal ein Zauberer ganz allein“
6.1 Inhalt
6.2 Gestaltung
6.3 Einsatz im Unterricht

7 Beispiel 2: „Der vergessene Zauberspruch“
7.1 Inhalt
7.2 Gestaltung
7.3 Einsatz im Unterricht

8 Schluss

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Bilderbüchern im Erstleseunterricht und der Frage, warum diese in den Unterricht der Grundschule integriert werden sollen. Es wird der Nutzen aufgezeigt, den Bilderbücher den Erstklässern bieten können.

Danach wird darauf eingegangen wann und wie man die Bücher verwenden kann. Des weiteren wird kurz angesprochen welchen Nutzen Bilderbücher bei dem Sprachausbau der Kinder haben, wie die Artikulationsfähigkeit unterstützt werden kann und wie die inhaltliche Antizipation gesteigert werden kann.

Darauf folgend die Kriterien die bei der Auswahl von Bilderbüchern, welche in einer ersten Klasse eingesetzt werden können, beachtet werden müssen. Nach den Auswahlkriterien folgt eine Auflistung von Büchern, die diese Eigenschaften besitzen.

Schließlich werden die zwei von Helmut Kollars verfassten Bilderbücher „Es war einmal ein Zauberer ganz allein“ und „Der vergessene Zauberspruch“ näher betrachtet. Es wird jeweils kurz der Inhalt erzählt. Nachfolgend wird auf die Gestaltung der Bücher eingegangen und zuletzt auf die Möglichkeiten, wie die Bücher im Unterricht eingesetzt werden können.

2 Warum Bilderbücher im Unterricht?

Der Einsatz von Bilderbüchern im Unterricht von Schulanfängern ist zu begrüßen und sehr empfehlenswert, obwohl Bilderbücher eigentlich nicht für Leseanfänger konzipiert sind. Hier stellt sich nun die Frage, warum diese Art von Material trotzdem gut einsetzbar ist (natürlich gibt es auch Bücher die speziell für Kleinkinder verfasst wurden).

Einer Anzahl von Kindern sind Bilderbücher schon von zu Hause oder dem Kindergarten vertraut. Durch das Vorlesen und das Betrachten der Bilder haben Erstklässler meistens schon viele Erfahrungen mit diesen Büchern gemacht. Dies ist gut, da das Erlernen des Lesens nicht erst mit dem Eintritt in die 1. Klasse beginnt, denn bis „zu diesem Zeitpunkt hat das Kind in einem latenten Lernprozess bereits eine Reihe von Fähigkeiten erworben.“[1] Gewisse Vorläuferfertigkeiten sind nötig, um das Lesen ohne Schwierigkeiten zu erlernen. Das Vorlesen von Büchern (auch wenn die Kinder noch klein sind) bewirkt, dass ihre geistige Aktivität angeregt wird. Je nach Thema des Buches können dem Kind neue Dinge nahe gebracht werden oder durch die verwendete Sprache (z. B. Reime) wird ihnen diese bewusster.

Da Kinder auf andere angewiesen sind, die lesen können, diese aber manchmal keine Zeit oder Muse dazu haben, kann der Wunsch entstehen, selbst lesen zu lernen. Durch diese Vorerfahrungen sind den Kindern Bilderbücher nicht neu. Neu für sie ist aber, dass sie mehr und mehr in die Lage kommen, die Bücher selbst zu lesen oder sogar anderen vorzulesen. Dabei ist es nicht wichtig, dass alle Wörter schon erlesen werden können, denn zu einem großen Teil erschließen die Bilder den Text auch alleine. Hier wird dem Leseanfänger schon das Gefühl vermittelt, erfolgreich zu lesen, da ihm der Inhalt durch die Bilder verdeutlicht wird. Kinder bemerken aber schnell, dass das bloße Betrachten der Bilder längst nicht so viel über den Fortlauf der Geschichte verrät. Um zu erfahren was nun wirklich geschieht machen sie sich gerne die Mühe den Text zu lesen. Diese Ermunterung, selbst, d.h. ohne Zwang zu lesen rührt auch davon, dass in Bilderbüchern die Kinder nicht nur mit so genannter „Häppchenliteratur“ versorgt werden, sondern mit einem zusammenhängenden Text. Bei inhaltlich lesenswerten Texten ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Kind die Mühe macht die Wörter zu erlesen sehr viel größer, als bei langweiligen, aus dem Zusammenhang gerissenen oder uninteressanten Texten.

Da in vielen Bilderbüchern oft nur ein kleiner Text pro Seite vorhanden ist, wagen sich die Kinder eher daran diese zu lesen, als wenn die ganze Seite beschriftet ist. Der geringe Text vermeidet, dass die Kinder anfangs überfordert werden Bei der Auswahl von Bilderbüchern für den Erstleseunterricht sollte darauf wie auch auf einige andere Dinge besonders geachtet werden. Darauf wird später noch eingegangen werden.

Bilderbücher sind besonders gut einsetzbar, da in vielen Klassen die Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler sehr heterogen ist. Manche Kinder sind bereits in der Lage kleine Sätze zu lesen und auch zu erfassen, andere kennen nur einige Buchstaben und eine weitere Gruppe hat noch so gut wie keine Erfahrungen mit der Schrift. Durch diese enormen Unterschiede bietet sich der Einsatz von Bilderbüchern an, da diese ein differenziertes Lern- und Lesematerial darstellen. Das Lesen, vor allem das Erstlesen, stellt einen komplexen und schwierigen Vorgang dar. Zum einen die Technik des Entschlüsseln von abstakten Zeichen, zum anderen die Verbindung dieser Zeichen mit einem Sprachinhalt und Sinn. Dabei ist es leicht nachvollziehbar, dass das Erlernen bei den Kindern nicht im Gleichschritt verläuft, sondern individuell.

Die sprachlich-kognitiven Fähigkeiten die zum Lesen notwendig sind können auch durch Bilderbücher erreicht werden. Zum Beispiel das sich bewusst werden, dass Sätze nach einem Muster aufgebaut werden oder die Fähigkeit über einen bestimmten Wort- und Begriffsschatz zu verfügen. Auch die Fähigkeit zur Antizipation und die Annäherung zur Standartsprache können Bilderbücher unterstützen.

Ausländische Kinder welche die deutsche Sprache noch nicht oder nur sehr gering verstehen, können in Bilderbüchern eine Hilfe finden, da sie durch die Bilder ihnen unverständliche Passagen erschließen können. Das Betrachten der Bilder ganz allgemein sollte auch ab und zu unter der Anleitung des Lehrers stehen, denn „Kinder sind mit dem Anschauen von Bilderbüchern oftmals sehr schnell ‚fertig’ und achten überhaupt nicht mehr auf die Details in den Bildern.“[2] Sie müssen noch lernen Bild und Text als jeweilige Ergänzung des anderen zu sehen.

Im Gegensatz zu Fibeln lassen Bilderbücher ein langfristiges emotionales sich einlassen zu. Andererseits gibt es auch schon Erstlesewerke wie zum Beispiel die Tobi-Fibel, die versuchen Fibel- und Bilderbuch- Elemente miteinander zu verknüpfen. Da dies gewöhnlich aber nicht der Fall ist, sollten Bilderbücher einfach zur Ergänzung des Unterrichts dienen. Im Bilderbuch stoßen die Kinder „auf altersgemäße und vollständige Sprache“[3], die nicht vom so genannten Methodensteit (welche Methode ist für das lesen lernen besser geeignet?) betroffen sind. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass es bei den Kindern ein Gefühl des Stolzes auslöst, wenn sie sagen können, dass sie schon ein ganzes Buch lesen können. So kann das Behandeln eines Bilderbuchs im Unterricht die Lesemotivation der Kinder verbessern, bzw. aufbauen. Mit fortschreitender Leseerfahrung wenden sich die Kinder vom Bilderbuch dem Kinderbuch zu, und später auch dem Jugendbuch. So kann die Freude am Lesen schon früh geweckt werden um die Kinder auch zum freiwilligen Lesen zu ermuntern. Haben sie erst einmal verstanden, welch eine neue Welt sie durch die Lesefähigkeit erwartet, wird ihr Lesehunger geweckt sein.

Ein ebenso wichtiger Aspekt, warum Bilderbücher schon im Erstleseunterricht angewendet werden sollen ist, dass die meisten Bücher stark motivierende Schreib- und Sprechanlässe bieten. Im Rahmen der Schreiberziehung sind zahlreiche Möglichkeiten gegeben die sich durch den Einsatz von Bilderbüchern verwirklichen lassen. Auch durch das Malen, das Szenische Umsetzen von den Geschichten oder ähnliches ermöglicht den Kindern sich mit allen Sinnen auf das Buch einzulassen und ganzheitlich zu lernen.

3 Wie setzt man Bilderbücher ein?

Am besten stellt man in der Leseecke der Klasse Bilderbücher bereit, damit sie den Kindern leicht zugänglich sind. Dabei sollte man darauf achten, dass sie mit dem Bild den Kindern zugewandt stehen und nicht mit dem Rücken, um den Anreiz zu steigern. Es sollten vor allem die im Unterricht besprochenen Bücher zu finden sein. Wenn Kinder auf die Bücher zurückgreifen wollen, sollte dies ohne großen Umstand möglich sein. Die Kinder können Regenpausen oder auch noch verbleibende Zeit bei der Stillarbeit dafür nutzen um sich die Bücher anzuschauen. Die Lehrkraft sollte auch ab und zu darauf hinweisen, dass sich die Kinder in diesen „Rest-Zeiten“ die Bücher nehmen dürfen. Da die Lesefertigkeiten besonders am Anfang des ersten Schuljahres sehr verschieden sind, sollte ein vielfältiges Angebot an Büchern da sein, die alle Lesestufen umfasst.

Wenn man Bilderbücher im Unterricht einsetzt muss nicht unbedingt jedes Kind das gleiche lesen. Es können verschiedene kurz vorgestellt werden und die Kinder können sich je nach Interesse und Lesefertigkeit für eines entscheiden, welches dann in der Gruppe behandelt wird. Allerdings sollten nicht zu viele verschiedene gleichzeitig angewendet werden, damit gemeinsame Projekte bezüglich der Bücher im Klassenverband noch möglich sind.

Bei der Auswahl der Bücher kann man die Klasse gut mit einbeziehen, wenn das Buch nicht gerade als Einstieg in eine Unterrichtseinheit oder ähnliches dienen soll. Das von der Klasse ausgewählte Buch wird dann bearbeitet, aber auch das von der Mehrheit „abgelehnte“ wird zu einer anderen Zeit wenigstens kurz vorgestellt und in der Leseecke bereit gelegt. Wird sich auf ein Buch geeinigt sollte bei der Bearbeitung immer erst das Bild ausgeschöpft werden, bevor der Text dazu gelesen wird.

Bilderbücher sind als Einstieg in ein neues Themengebiet hervorragend geeignet. Dazu können problemorientierte Bilderbücher genutzt werden, zum Beispiel im Religionsunterricht, oder Sachbilderbücher im Sachunterricht. Daraus ist schon erkennbar, dass Bilderbücher auch fächerübergreifend angewendet werden können und auch sollen, damit die Schülerinnen und Schüler ein Thema aus vielen unterschiedlichen Perspektiven sehen.

Setzt man Bilderbücher im Unterricht ein, sollte man sich für die Vorstellung des Buches ausreichend Zeit nehmen. Dies sollte in einem Sitzkreis geschehen oder die Bilder werden als Dia an die Wand geworfen und der Text dazu vorgelesen. Bei letzterem ist allerdings von Nachteil, dass so der Buchcharakter verloren geht. Deswegen sollten für so bearbeitete Bücher den Kindern immer die Möglichkeit gegeben werden, sie auch richtig in die Hand zu nehmen um sie noch einmal genau anzuschauen. Auch für die Erarbeitung des Buches sollte ausreichend Zeit eingeplant werden.

Im Anfangsunterricht der ersten Klasse ist eine gute Idee für jeden neu eingeführten Buchstaben ein Bilderbuch vorzustellen. Zum Beispiel für den Buchstaben F das Buch „Der Findefuchs“, für den Buchstaben R das Buch „Der Regenbogenfisch“. Die Kinder erwarten so mit Spannung jeden neuen Buchstaben.

Bei einem großen Anteil ausländischer Schüler in der Klasse sollte man bei der Auswahl der Bücher besonders auf die fehlenden Sprachkenntnisse achten.

[...]


[1] Vgl: Grabolle: Bilderbücher im ersten Schuljahr

[2] Vgl. Sahr / Born: Kinderbücher im Unterricht der Grundschule, S. 88

[3] Vgl. Grabolle: Bilderbücher im ersten Schuljahr

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bilderbücher im Rahmen des Erstleseunterrichts
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Grundschulpädagogik)
Veranstaltung
Einsatz von Bilderbüchern im Sprachunterricht
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V18154
ISBN (eBook)
9783638225564
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilderbücher, Rahmen, Erstleseunterrichts, Einsatz, Bilderbüchern, Sprachunterricht
Arbeit zitieren
Astrid Bieling (Autor), 2003, Bilderbücher im Rahmen des Erstleseunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18154

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