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Der Raum des Verborgenen: Heimlichkeit im Nibelungenlied

Title: Der Raum des Verborgenen: Heimlichkeit im Nibelungenlied

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Patrick Borchert (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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"Sichtbarkeit ist die immanente Norm der nibelungischen Welt. Wo sie manipuliert oder verfälscht wird, sammeln sich im ersten Teil die Konflikte an, die sich im zweiten entladen."

Wenn Müller bei seiner oben formulierten Hypothese von Verfälschung und Manipulation der Sichtbarkeit im ersten Teil des Nibelungenliedes spricht, so stellt sich die Frage, wie die Konflikte durch Un-Sichtbarkeit, oder anders ausgedrückt, mittels Verborgenheit und ‚Heimlichkeit’ konstruiert werden. Ausgehend von dieser Fragestellung, soll im Folgenden untersucht werden, inwiefern und in welchem Maße ‚Heimlichkeit’ und heimliche Handlungen einen Einfluss auf die im Nibelungenlied entstehenden Konflikte haben und schließlich – als tragischer Höhepunkt der ersten 19 Aventiuren – in Siegfrieds Ermordung münden. Der Tod des niederländischen Königssohnes gibt somit die Betrachtungsgrenze der nachstehenden Analyse vor.

Die ältere deutsche Literaturforschung hat dem Komplex der ‚Heimlichkeit’ als einen wichtigen Baustein zum Verständnis des Nibelungenliedes bereits eine beachtliche Anzahl von Untersuchungen gewidmet. Dies geschah zum einen mittels einer dichotomen Kontrastierung von ‚Öffentlichkeit vs. Heimlichkeit’ und zum anderen durch die Einbettung der ‚Heimlichkeit’ in ein erweitertes Betrachtungsspektrum von Täuschung, List und Betrug.
Der Fokus der folgenden Untersuchung soll – auch in Anbetracht des Umfangs der Arbeit – auf der tatsächlich im Text formulierten ‚Heimlichkeit’ liegen. Dabei sollen die einzelnen und durchaus ambivalenten Stationen, in denen ‚Heimlichkeit’ eine Rolle spielt, analysiert sowie Mittel, Symbole und Orte des Verborgenen in Form und Funktion benannt werden. Des Weiteren werden die beiden entscheidenden Auswirkungen der vorangegangenen ‚Heimlichkeit’ – der Königinnenstreit und die darauf folgende Ermordung Siegfrieds – näher beleuchtet. Zunächst erfolgt ein theoretischer Exkurs, der die Grundlagen für die weiteren Ausführungen bildet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff der ‚Heimlichkeit’

3. Arten der ‚Heimlichkeit’ im Nibelungenlied

3.1 ‚Positive Heimlichkeit’: Kriemhilds und Siegfrieds minne-Beginn

3.2 ‚Negative Heimlichkeit’

3.2.1 Standeslüge

3.2.2 Werbungsbetrug

3.2.3 Hochzeitsnachtbetrug

4. Instrument der ‚Heimlichkeit’: tarnkappe

5. Auswirkungen der ‚Heimlichkeit’

5.1 Königinnenstreit

5.2 Siegfrieds Tod

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie durch das Konstrukt der „Heimlichkeit“ und verborgene Handlungen Konflikte im Nibelungenlied erzeugt werden, die schließlich in der Ermordung Siegfrieds gipfeln. Dabei wird analysiert, wie sich der Begriff der „Heimlichkeit“ von einer anfänglich positiven Konnotation im Kontext der Minne-Beziehung hin zu einer destruktiven, täuschungsbasierten Kraft entwickelt, die die höfische Ordnung untergräbt.

  • Die Dichotomie zwischen Öffentlichkeit und Heimlichkeit als zentrales Spannungsfeld.
  • Die Entwicklung von der Standeslüge über Werbungs- und Hochzeitsnachtbetrug.
  • Die instrumentelle Funktion der Tarnkappe bei täuschenden Handlungen.
  • Die Auswirkungen der „Heimlichkeit“ auf den Königinnenstreit und den Tod Siegfrieds.
  • Die Zerstörung der verlässlichen Zeichenwelt durch geheimes Wissen.

Auszug aus dem Buch

3.2 ‚Negative Heimlichkeit’

Ende der 6. und zu Beginn 7. Aventiure findet nun jene Bedeutungsverschiebung von ‚Heimlichkeit’ aus einem positiv konnotierten minne-Raum hinein in einen (be)trügerischen und damit auch rechtslosen Raum des Verborgenen statt, die sich in drei Stufen von der Standeslüge als Ausgangspunkt über den Werbungsbetrug bis hin zum Hochzeitsnachtbetrug vollzieht.

3.2.1 Standeslüge

Die Standeslüge lässt sich allgemein als eine listige Handlung beschreiben, die einen zweiten Raum der Nichtwahrheit konstituiert und damit falsche Tatsachen und Sachverhalte vorspielt. Sie ist die entscheidende Voraussetzung – denn Brünhild akzeptiert nur den stärksten Recken als Werber, obgleich es Gunther ja durch die Standeslüge in Wahrheit nicht ist –, um Gunthers Brautwerbung überhaupt erst einmal als solche anzunehmen. Siegfrieds archaisches Wissen über die Verhältnisse in Isenstein und deren Königin Brünhild, dessen Ursprünge dem Leser verborgen bleiben, lassen ihn zur Standeslüge greifen. Bereits vor der Abfahrt nach Isenstein artikuliert Siegfried seinen Plan für eine erfolgreiche Brautwerbung:

Sô wir die minneclîchen bî ir gesinde sehen,

sô sult ir, helde mære, wan einer rede jehen:

Gunther sî mîn herre, und ich sî sîn man.

des er dâ hât gedingen, daz wirdet allez getân. (386)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Sichtbarkeit und Un-Sichtbarkeit ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss der „Heimlichkeit“ auf die Konfliktdynamik bis zu Siegfrieds Tod.

2. Zum Begriff der ‚Heimlichkeit’: Dieses Kapitel definiert das Begriffsfeld der Heimlichkeit unter Einbeziehung von verwandten Konzepten wie Täuschung, List und Betrug und erläutert deren Rolle als nichtöffentliches Handeln.

3. Arten der ‚Heimlichkeit’ im Nibelungenlied: Hier wird die Entwicklung der Heimlichkeit von der positiven Minne-Beziehung hin zur destruktiven, täuschenden Praxis systematisch dargelegt.

4. Instrument der ‚Heimlichkeit’: tarnkappe: Dieses Kapitel untersucht die Funktion der Tarnkappe als magisches Requisit, das den Träger unsichtbar macht und ihm übermenschliche Kräfte verleiht, wodurch betrügerisches Handeln ermöglicht wird.

5. Auswirkungen der ‚Heimlichkeit’: Es wird analysiert, wie die Folgen der heimlichen Täuschungen – insbesondere der Königinnenstreit und der Mord an Siegfried – die Katastrophe herbeiführen.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass das Nibelungenlied als Epos verstanden werden kann, das von „Heimlichkeit“ durchzogen ist und aufgrund der Zerstörung der verlässlichen Zeichenwelt zwangsläufig in der Katastrophe enden muss.

Schlüsselwörter

Heimlichkeit, Nibelungenlied, Täuschung, List, Betrug, Siegfried, Kriemhild, Brünhild, Standeslüge, Tarnkappe, Königinnenstreit, Öffentlichkeit, Zeichenwelt, Mittelalter, Minne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der „Heimlichkeit“ im Nibelungenlied und analysiert, wie diese als konstruktives Element von Konflikten zur Zerstörung der höfischen Welt beiträgt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Heimlichkeit, die Entwicklung täuscherischer Handlungen sowie die Auswirkungen von Geheimwissen auf die Stabilität der sozialen und politischen Ordnung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Siegfrieds betrügerische Handlungen und die damit verbundene „Heimlichkeit“ eine Kette von Ereignissen auslösen, die letztlich in der Katastrophe des Mordes an Siegfried gipfeln.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der er den Primärtext des Nibelungenliedes durch die theoretische Linse der Forschungsliteratur betrachtet und die „Heimlichkeit“ als erzählerisches Motiv interpretiert.

Welche inhaltlichen Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Arten der Heimlichkeit (Minne, Standeslüge, Werbungsbetrug, Hochzeitsnachtbetrug), die Rolle der Tarnkappe als Instrument und die Auswirkungen auf den Königinnenstreit und den Tod Siegfrieds.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind „Heimlichkeit“, „Täuschung“, „Siegfried“, „Nibelungenlied“, „List“ und „Katastrophe“.

Welche besondere Rolle spielt die Tarnkappe in dieser Analyse?

Die Tarnkappe wird als ein magisches Instrument identifiziert, das Siegfried aus dem Raum der sichtbaren Kontrolle in eine Sphäre der Unsichtbarkeit hebt, wodurch er in der Lage ist, rechtswidrige Betrugshandlungen für Gunther auszuführen.

Warum ist der Königinnenstreit laut dem Autor für die Arbeit so entscheidend?

Der Königinnenstreit stellt den Knotenpunkt dar, an dem das Verborgene durch das Zutagefördern der Trophäen (Ring und Gürtel) an die Öffentlichkeit drängt und damit die Konsequenzen des vorangegangenen Betruges unausweichlich macht.

Wie bewertet der Autor die Rolle Siegfrieds bei seiner eigenen Ermordung?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Siegfried nicht bloß ein passives Opfer ist, sondern durch sein eigenes Handeln – insbesondere durch seine aktiven Täuschungen und das Verschleiern seiner Identität – die Grundlagen für seine tragische Ermordung selbst mitgelegt hat.

Was bedeutet „Sichtbarkeit“ als Norm im Nibelungenlied laut der Arbeit?

Sichtbarkeit gilt als immanente Norm der nibelungischen Welt, auf der rechtliche Absicherung und verlässliche Kommunikation beruhen. Die Arbeit zeigt auf, dass diese Norm durch die „Heimlichkeit“ systematisch unterlaufen wird, was zum Untergang der Welt führt.

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Details

Title
Der Raum des Verborgenen: Heimlichkeit im Nibelungenlied
College
University of Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie )
Course
Hauptseminar: Das Nibelungenlied
Grade
1,0
Author
Patrick Borchert (Author)
Publication Year
2007
Pages
28
Catalog Number
V181546
ISBN (eBook)
9783656046189
ISBN (Book)
9783656045892
Language
German
Tags
Nibelungenlied Heimlichkeit Siegfried Standeslüge Königinnenstreit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Borchert (Author), 2007, Der Raum des Verborgenen: Heimlichkeit im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181546
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