Aufstrebende Schwellenländer – die erste Gruppe, die normalerweise genannt wird, ist die Gruppe der BRIC, d. h. Brasilien, Russland, Indien und China. Oftmals geht wirtschaftliches Wachstum jedoch mit zunehmender oder zumindest nicht wesentlich abnehmender ungleicher Einkommensverteilung einher. Simon Kuznets (1995) formulierte einen Zusammenhang zwischen Wachstum und Einkommensniveau auf der einen Seite und Armut und Ungleichheit auf der anderen Seite.1 Im Falle Brasiliens stellt Herr Christoph Blepp folgende Forschungsfragen auf (Kapitel 1, S. 3, Absatz 2): (1) Wie groß sind die sozialen und wirtschaftlichen Disparitäten zwischen den Regionen Brasiliens. (2) Welchen Einfluss haben das Humankapital und Investitionen auf den Wohlstand, regional und national?
(3) Inwiefern beeinflusst Good Governance den nationalen Wohlstand Brasiliens?
In Kapitel 2 (S. 4ff) fasst Herr Blepp die Literatur und den Forschungsstand im Bereich der ökonomischen Entwicklungstheorie kompetent zusammen. Er wird inspiriert durch einen der „Großen“ im Feld, Michael Todaro.2 Da die neueren Entwicklungsstrategien, insbesondere auch die sogenannten Millenniumentwicklungsdeklaration der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000, ebenfalls thematisch in die Fragestellungen einfließen, diskutiert er auch die im Jahr 2010 erneut entflammte Debatte um den „rechten Weg“, nämlich was braucht es zuerst um Entwicklung voran zu treiben, den Big Push durch Entwicklungshilfe oder die Good Governance, damit die Entwicklungshilfe auch Früchte trägt (S. 24ff).
Das methodische Vorgehen erklärt Herr Blepp in Kapitel 3 (S. 28ff). Dabei wird deutlich, dass er einerseits Brasilien regional und andererseits national betrachtet. Da der Autor regionale sozio-ökonomische Disparitäten untersuchen möchte ist dies nur folgerichtig, weiterhin will er der Frage nachgehen, ob Good Governance sich positiv auf die Entwick-lung auswirkt. Da diese Daten für Brasilien nur auf nationaler Ebene vorliegen, muss er sich bei dieser Frage gezwungenermaßen auf nationaler Ebene bewegen. Hinsichtlich Ka-pitel 3 ist lobend hervorzuheben, dass er sämtliche Indikatoren, die er in Kapitel 5 für die empirische Analyse verwendet, theoretisch einführt. Es wird auch offensichtlich, dass die Erstellung der Datenbank, die die Zeitpunkte 1999, 2003 und 2008 umfasst, eine Fleiß-aufgabe war und nur möglich war, da Herr Blepp über eine ausgeprägte Länderkenntnis verfügt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Hypothese
2. Literatur und Forschungsstand
2.1. Der Begriff „Entwicklung“
2.2. Entwicklungspolitik
2.3. Entwicklungstheorien
2.4. Entwicklungsstrategien
3. Methodische Vorgehensweise
3.1. Verwendete Konzepte
3.2. Verwendete Datensätze und betrachtete Zeiträume
4. Brasilien - Ein Überblick
4.1. Geschichte
4.2. Politisches System
4.3. Regionale Differenzierung
4.3.1. Der Norden
4.3.2. Der Nordosten
4.3.3. Der Mittelwesten
4.3.4. Der Südosten
4.3.5. Der Süden
5. Ergebnisse
5.1. Regionale Disparitäten
5.1.1. Alphabetisierungsgrad
5.1.2. Private Haushalte mit Anschluss an die Kanalisation
5.1.3. Armutsanteil
5.2. Regionaler Wohlstand
5.3. Nationaler Wohlstand
6. Schlussfolgerungen
6.1. Politikempfehlungen
6.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen regionalen sozioökonomischen Disparitäten in Brasilien und der Entwicklung von Wohlstand, Humankapital sowie staatlichen Investitionen im Zeitraum von 1999 bis 2008. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Humankapital und Investitionen den Wohlstand auf regionaler und nationaler Ebene beeinflussen und welche Rolle dabei Faktoren der Good Governance spielen.
- Analyse regionaler Disparitäten in Brasilien (Einkommen, Bildung, Infrastruktur).
- Einfluss von Humankapital und Investitionen auf den Wohlstand.
- Untersuchung der Bedeutung von Good Governance für die nationale Wohlstandsentwicklung.
- Evaluation staatlicher Verteilungsprogramme, wie z.B. Bolsa Familia.
- Methodische Verknüpfung von ökonomischen Theorien mit empirischen Daten brasilianischer Erhebungsinstitute.
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Begriff „Entwicklung“
Der Begriff der Entwicklung birgt einen großen Teil der Entwicklungsproblematik selbst, da er weder vorgegeben noch allgemeingültig definierbar noch wertneutral ist. Stattdessen ist er abhängig von Zeit und Raum und insbesondere von individuellen und kollektiven Wertvorstellungen. Die gewünschte Richtung eines gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandels auf Basis von theoretischen Annahmen zur Unterentwicklung eines Landes, einer sozialen Gruppe oder einer Region stellt ein normatives Konzept dar. Die Fülle der unterschiedlichen Deutungsmuster macht es kaum möglich, die verschiedenen Konnotationen auf einen Nenner zu bringen.
Wurde der Entwicklungsbegriff in den 1950er Jahren noch sehr eindimensional mit wirtschaftlichem Wachstum gleichgesetzt, hat er mittlerweile einen Bedeutungswandel erfahren und offiziell in der „UN Declaration on the Right to Development“ 1986 folgendermaßen beschrieben wurde:
„A comprehensive economic, social, cultural and political process, which aims at the constant improvement of the well-being of the entire population and of all individuals on the basis of their active, free and meaningful participation in developmemt and in the fair distribution of benefits resulting therefrom.“
Im ersten Human Development Report von 1990 wurde der Entwicklungsbegriff dann weiter spezifiziert:
„Human Development is the process of enlarging people‘s choices. [...] The most critical ones are to lead a long and healthy life, to be educated and to enjoy a decent standard of living. Additional choices include political freedom, guaranteed human rights and self-respect.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle wirtschaftliche Situation Brasiliens ein und umreißt die Problemstellung sowie die Forschungsfragen hinsichtlich regionaler Disparitäten und Wohlstandsentwicklung.
2. Literatur und Forschungsstand: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über verschiedene Entwicklungsbegriffe, Theorien und Strategien, von Modernisierungstheorien bis hin zu Good Governance.
3. Methodische Vorgehensweise: Hier werden die Konzepte für die Analyse definiert, die verwendeten Indikatoren operationalisiert und die Datengrundlage für die Untersuchung erläutert.
4. Brasilien - Ein Überblick: Das Kapitel gibt einen historischen Abriss des Landes sowie eine Analyse des politischen Systems und der geographischen Differenzierung in fünf Hauptregionen.
5. Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die empirische Analyse der Daten zu regionalen Disparitäten, regionalem und nationalem Wohlstand im Beobachtungszeitraum.
6. Schlussfolgerungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, politikwissenschaftlichen Empfehlungen und einem Ausblick auf den zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Brasilien, Entwicklungstheorie, Wohlstand, Humankapital, Investitionen, Good Governance, regionale Disparitäten, Armutsbekämpfung, Bolsa Familia, BIP, Wirtschaftsstruktur, politische Stabilität, Sozioökonomie, Strukturanpassung, Modernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Arbeit analysiert die sozioökonomische Entwicklung Brasiliens zwischen 1999 und 2008 und untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Humankapital, staatlichen Investitionen und der Wohlstandsentwicklung besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind regionale Disparitäten, ökonomische Entwicklungstheorien, die Wirksamkeit staatlicher Investitionen sowie die Rolle von Good Governance im brasilianischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie stark die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den brasilianischen Regionen sind und inwieweit Faktoren wie Bildung und Investitionen den Wohlstand beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen quantitativen Ansatz unter Verwendung von Sekundärdaten brasilianischer Erhebungsinstitute (wie IBGE und IPEA), um Variablen des Humankapitals, der Investitionen und des Wohlstands zu operationalisieren und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Literaturaufarbeitung, eine detaillierte Analyse der regionalen Gegebenheiten Brasiliens und eine datengestützte Untersuchung der Ergebnisse bezüglich Wohlstandsentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Brasilien, regionale Disparitäten, Wohlstand, Humankapital, Good Governance und Bolsa Familia charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der Nordosten vom Südosten in dieser Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass der Nordosten trotz eines positiven Trends in vielen Entwicklungsindikatoren hinter dem wirtschaftlich hoch entwickelten Südosten zurückbleibt, welcher als Motor der brasilianischen Industrie fungiert.
Warum wird Good Governance in der Arbeit kritisch betrachtet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Indikatoren für Good Governance in Brasilien trotz steigenden Wohlstands im Betrachtungszeitraum gesunken sind, was auf eine mangelnde direkte Korrelation mit der wirtschaftlichen Entwicklung hindeutet.
- Quote paper
- Christoph Blepp (Author), 2011, Brasilien - aufstrebende Weltmacht? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181599