Die Arbeit leitet mit Informationen über den historischen Hintergrund der Schleyer-Entführung im Herbst 1977 ein. Dieses Thema wird - nach einer Grundlegung rhetorischer Basisbegriffe mit einem Fokus auf die Besonderheiten politischer Rede - weitergeführt und gipfelt in der Analyse der Rede an die Nation sowie der Regierungserklärung. Es wird überdies die Gattung der Krisenrede vorgestellt und ein Katalog zu ihrer Charakterisierung erstellt. Da beide Reden jeweils bei Youtube vertreten sind, wurde auf dieser Grundlage gearbeitet. Transkriptionen beider Reden finden sich im Anhang der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundbegriffe aus dem System der Rhetorik
2.1 Die Redegattungen
2.2 Die Redeteile
2.3 Besonderheiten politischer Rede
3 Reaktionen der bundesdeutschen Regierung
3.1 Die Rede Schmidts vor dem Deutschen Bundestag und ihre Analyse
3.1.1 Beschreibung der Rede
3.1.2 Vokabular
3.1.3 Struktur
3.2.4 Schriftsprache und gesprochene Sprache
3.2.5 Videoanalyse
3.2 Die Rede an die Nation und ihre Analyse
3.2.1 Beschreibung der Rede
3.2.2 Vokabular
3.2.3 Struktur
3.3 Vergleich
3.4 Reden von einer Krise: Krisenrede?
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die rhetorische und vergleichende Analyse zweier Reden von Helmut Schmidt anlässlich der Entführung von Hanns Martin Schleyer. Die Arbeit untersucht, inwiefern diese Reden als eigene Gattung der "Krisenrede" zu klassifizieren sind und welche rhetorischen Strategien der Bundeskanzler einsetzte, um die Bevölkerung und politische Akteure zu adressieren.
- Rhetorische Analyse der Regierungserklärung und der Rede an die Nation.
- Definition und Charakterisierung der Krisenrede als spezifische Redegattung.
- Vergleichende Untersuchung der Adressatenkreise und rhetorischen Mittel.
- Rolle der Metaphorik und des Vokabulars in politischen Krisensituationen.
- Bedeutung der politischen Rhetorik während des Deutschen Herbstes.
Auszug aus dem Buch
Die Rede an die Nation und ihre Analyse
Die Rede an die Nation mit einem exakten Datum zu belegen, fällt schwer, der Versuch allerdings zeigt, dass die Rede nach dem 18. Oktober 1977, dem Todestag Hanns Martin Schleyers gehalten worden sein muss, da bereits am Anfang der Rede von dem Mordanschlag und nicht mehr nur von der Entführung die Rede ist. Genauer kann auf die Rezeptionssituation eingegangen werden. Die Rede wurde im Fernsehen ausgestrahlt und richtet sich – nomen est omen – an die Nation. Sie ist eine Stellungnahme.
Schmidt bezeugt seine tiefe, persönliche Betroffenheit mit der Metapher einer Nachricht, die ihn trifft wie die Kugel Hanns Martin Schleyer und seine Begleiter getroffen hat, erwähnt aber auch, dass die schreckliche Nachricht nicht die erste ihre Art ist. In der Form eines doppelten Vergleiches „Nicht anders als...“ zählt er die Morde auf, die bisher von RAF-Terroristen begangen worden sind, nämlich an Jürgen Ponto, Siegfried Buback, Wolfgang Göbel und Georg Wurster. Er spricht die Anzahl der Opfer noch einmal aus, identifiziert sie dabei jedoch nicht nur als Opfer, sondern vor allem als „Bürger unseres Staates“ und weist auf die nun verlängerte Reihe der Opfer von blindwütigem Terrorismus und prophezeit, dass diese Reihe noch nicht zu Ende ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der historischen Hintergründe des Deutschen Herbstes und der Zielsetzung der rhetorischen Untersuchung.
2 Grundbegriffe aus dem System der Rhetorik: Einführung in klassische Redegattungen und die für die Analyse relevanten rhetorischen Fachbegriffe.
3 Reaktionen der bundesdeutschen Regierung: Detaillierte Analyse der Regierungserklärung und der Rede an die Nation inklusive Struktur, Vokabular und Videoanalyse sowie der Definition der Krisenrede.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse und Bestätigung der Notwendigkeit einer Spezifizierung der Krisenrede.
Schlüsselwörter
Helmut Schmidt, RAF, Deutscher Herbst, Krisenrede, Politische Rhetorik, Hanns Martin Schleyer, Regierungserklärung, Rede an die Nation, Demokratietheorie, Terrorismus, Rhetorik, Krisenmanagement, Politische Kommunikation, Antithetik, Staatsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rhetorische Strategie von Helmut Schmidt in seinen Reden während der Entführung von Hanns Martin Schleyer im Jahr 1977.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die politische Rhetorik, die Gattung der Krisenrede sowie die Reaktion des Staates auf den Terrorismus der RAF.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die rhetorische und vergleichende Analyse der Reden sowie die Definition der Kriterien für eine "Krisenrede".
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rhetorische und vergleichende Analyse durchgeführt, die Begriffe der antiken und modernen Rhetorik zur Untersuchung nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Regierungserklärung und der Rede an die Nation sowie einen Vergleich der beiden Reden hinsichtlich Adressaten und rhetorischer Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Deutscher Herbst, Krisenrede, Politische Rhetorik, RAF und Helmut Schmidt.
Warum wird die Bezeichnung "Krisenrede" als notwendig erachtet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die allgemeine Einordnung als "politische Rede" nicht ausreicht, um die spezifischen Anforderungen und Merkmale der Krisenbewältigung in diesen Texten zu erfassen.
Wie unterscheidet sich die "Rede an die Nation" von der "Regierungserklärung"?
Der Hauptunterschied liegt vor allem im Adressatenkreis; während die Regierungserklärung vor dem Bundestag gehalten wurde, richtet sich die Rede an die Nation explizit an die gesamte Bevölkerung.
- Citation du texte
- Kay Nagel (Auteur), 2011, Die Rhetorik des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt in seinen Reden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181672