Der Einzelkämpfer Dorner. Aus dem Leben des Flugzeugbauers, Flugzeugführers und Unternehmers Hermann Dorner (1882 - 1963)

Heft 11 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909 - 1914


Fachbuch, 2011

104 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Anmerkungen der Autoren

Schul- und Ausbildungszeit Hermann Dorners 1882-1907

Die ersten Flugversuche ab 1908

Teilnahme an Flugveranstaltungen auf dem Flugplatz Berlin-Johannisthal

Gründung der Dorner-Flugzeug-Gesellschaft mbH

Treffpunkt der Flugzeugführer am alten Startplatz

Georg Schendel und August Voss-Das Flugzeugunglück

Dorner-Flugzeug-Gesellschaft mbH in finanziellen Schwierigkeiten 1911-1913

Die Flugschüler bei der Dorner-Flugzeug-Gesellschaft mbH

Die Luftfahrtschule Berlin-Adlershof

Dorner und Melli Beese - Das Wasserflugzeug „Fliegendes Boot“

Dorner arbeitete für die Albatros Flugzeug-Werke

Dorner als Chefkonstrukteur bei den Deutschen-Flugzeug-Werken 1915-1916

Dorner als Chefkonstrukteur in der Hannoverschen Waggonfabrik 1916-1923

Dorner-Automobilbau und die Dorner-Ölmotoren AG 1923-1925

Dorners Aufenthalt in den USA 1925-1931

Die Halbbrüder Hermann und Alexander Dorner

Hermann Dorner versuchte seine Entwicklungen anzubieten 1943-1945

Bundesverdienstkreuz und weitere Auszeichnungen 1954-1957

Über seine Familie und der letzte Lebensabschnitt 1957-1963

Straßenbenennungen nach Hermann Dorner in Berlin und Leipzig

Personenregister

Quellen

Literatur

Zeitungen und Periodika

Bildnachweis

Anlage 1 - Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919, Abschnitt III

Anlage 2 - Familienstammbaum Hermann Dorner

Anmerkungen der Autoren

Der Johannisthaler Flugplatz - der erste zivile Motorflugplatz Deutschlands - existiert nicht mehr. Er wurde am 26. September 1909 eröffnet und hat im September 1995 mit einer historischen Flugschau endgültig ausgedient.

Heute stehen viele neue Siedlungshäuser auf dem Flugfeld. Fast nichts erinnert mehr an diesen historischen Ort. Kennen die jetzt dort angesiedelten Haus- und Grundstückbesitzer die Geschichten, die mit den Straßen - benannt nach Luftfahrtpionieren - verbunden sind? Wir bemühen uns mit einer Dokumentenreihe auch den neuen Eigentümern die Geschichte des Areals sowie die Luftfahrtgeschichte nahe zu bringen.

Wir begannen zu recherchieren, nachzulesen und zusammenzutragen. Während unserer Spurensuche hatten wir Kontakt mit vielen uns bisher unbekannten Menschen, die uns ausnahmslos freundlich anhörten und - soweit es ihnen möglich war - aktiv und mit Interesse unterstützten.

Besonders danken möchten wir Frau Dr. Ines Katenhusen von der Leibnitz-Universität Hannover und Frau Ursula Dorner, der Schwiegertochter von Hermann Dorner.

Dieser Bericht ist keine wissenschaftliche Arbeit und kann auch nicht als vollständiger Lebenslauf betrachtet werden. Sie soll dem interessierten Leser zum Zurückschauen und Erinnern an einen couragierten Mann dienen.

Zur Vervollständigung und Ergänzung sind wir weiterhin an Erlebnisberichten, Dokumenten und Fotografien über den Konstrukteur, Flugzeugführer und Unternehmer Hermann Dorner interessiert.

Berlin-Johannisthal im Juli 2012

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Straß enschild wurde auf unseren Hinweis mit der korrekten Schreibweise seines Vornamens geändert.

Hermann Isaak August D o r n e r

* 27. Mai 1882 in Lutherstadt Wittenberg + 6. Februar 1963 in Hannover

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hermann Dorner wurde als Sohn des Professors für Theologie, Dr. August Heinrich Johannes Dorner (1846- 1920) und seiner Mutter Mathilde, geborene Armbruster (1854-1890) in Wittenberg an der Elbe (im Lutherhaus) geboren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Prof. Dr. August Dorner1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lutherhaus in Wittenberg

Die Eheleute Dorner hatten auch ihre Wohnung bis 1898 im „Lutherhaus“ in dem südlichen oberen dritten Stockwerk, über dem darunter liegenden sogenannten „kleinen Hörsaal“. Früher hatte das einst mit seinen vielen Zimmern den zahlreichen Gästen und Klostergängern Luthers gedient. Jüngste archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Wohnräume der Familie Luther auf der Nordseite des Hauses befunden haben.2

Die Ehe der Eltern Hermann Dorners wurde 1876 in der Karlsruher Schlosskirche geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater Mitdirektor und Professor des „Lutherhauses“ in Wittenberg und Direktor des „Evangelischen Priesterseminars“. Am 17. Januar 1890 verstarb die Mutter von Hermann Dorner, Mathilde Dorner, geb. Armbruster.

Im November 1890 heiratete August Dorner, Alice Hesselmeyer (1861-1937), die Tochter eines früheren indischen Missionars. Sie starb am 4. April 1937 an einer Rippenfellentzündung. Aus dieser Ehe gingen zwei weitere Kinder hervor.

1889 wurde Prof. August Dorner nach Königsberg versetzt und wirkte dort 27 Jahre an der „Albertus-Magnus-Universität“ in Königsberg, eine Kunstakademie und Handelsschule.

In seinem 70. Lebensjahr trat August Dorner in den Ruhestand und an seinem 70. Geburtstag wurde ihm der Titel „Geheimer Konsistorialrat“ verliehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Albertus-Magnus-Universität zu Königsberg.

Den Ruhestand verbrachte er zuerst von April 1916 bis Frühjahr 1918 in Godesberg am Rhein, dann noch zwei Jahre in Hannover. Infolge einer Art Schüttellähmung an Füßen und Händen starb er vier Wochen vor Vollendung seines 74. Lebensjahres am 17. April 1920.

Seine Ehefrau, Alice Dorner, zog zu ihrer Tochter Alice Becker, geb. Dorner nach Prenzlau und 1924 nach Templin in Mecklenburg-Vorpommern.

Bedingt durch die Versetzung seines Vaters, besuchte Hermann Dorner das Königliche Friedrichs-Kollegium zu Königsberg i. Preußen.

Dort legte er mit seinem Bruder

Georg Dorner (1881-1925) Ostern 1900 das Abitur ab.

Sein Reifezeugnis bescheinigten ihm mäßige Kenntnisse in den alten Sprachen, jedoch aber hervorragende Begabung für Mathematik und Physik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Königlichen Friedrichs-Kollegium zu Königsberg/Pr.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auszug aus der Schülerliste des Schuljahres 1899/1900 in Königsberg.4

Von Kindheit an kannte Hermann Dorner nur ein Ziel: Flieger zu werden! Technik war das, was ihn begeisterte, und seine Versuche 1895/96 in Königsberg, in den Dünen von Kranz mit Bettlaken und Bohnenstangen gegen den Seewind von den Dünen herabspringend, bestimmten seinen weiteren beruflichen Lebensweg.

Auf väterlichen Wunsch wählte er die Schiffbau-Kunst in der Kaiserlichen Marine, zunächst als Seekadett auf der Kreuzerfregatte und dem späterem Schulschiff „Moltke“ der Werft in Stettin.

Nach einer Weltreise absolvierte er ein praktisches Jahr auf Werften in Stettin und Danzig, danach sein vierjähriges Studium an der Königlichen Technischen Hochschule Berlin- Charlottenburg. 1906 erhielt er sein Diplom-Examen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schulschiff „ Moltke “ .

Nach neun Monaten Ingenieur-Studium begann er eine praktische Tätigkeit in der Berliner Maschinenfabrik des Dipl.-Ing. Otto Georg Schwager im Bootsbau, Motorenbau und Automobilreparaturen in der Waldemarstr. 55.

Hermann Dorner wurde im Jahre 1907 Mitglied im „Verein Deutscher Ingenieure“ (VDI). Dieser Verein wurde 1856 gegründet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Mitgliedskarte des VDI von 1909.

Ende 1907 machte sich Dorner selbstständig. Er begann 1908 mit Unterstützung des „Berliner Vereins für Luftschiffahrt“ und des Kriegsministeriums auf dem Nebengelände der Schöneberger Rieselfelder seine ersten Flugversuche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hermann Dorner erhielt im April 1908 die Erlaubnis, auf den Rieselfeldern in Schöneberg Flugversuche durchzuführen.5

Die geplante Benutzung des einzig geeigneten militärischen Übungsplatzes Döberitz wurde ihm dafür nicht genehmigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Brief des Kriegsministeriums an Hermann Dorner vom 19. Januar 1909.

Im Brief des Kriegsministeriums, Allgemeines Kriegs-Departement, wurde Hermann Dorner mitgeteilt:

„ Auf Ihre Eingabe vom 20. Dezember 1908 erwidert das Departement, dass der Truppen Übungsplatz Döberitz sich für Versuche mit einem Luftschiff nicht eignet, da er weder eben noch unbebaut ist.

Auß erdem wird auf dem Platz auch in der jetzigen Jahreszeit fast täglich scharf geschossen und es finden dauernd Truppenübungen statt. Wettergeschützte Räume in den von Ihnen angegebenen Abmessungen sind nicht vorhanden. Eigentlich müssten die zur Vorführung des Luftschiffes das Lager und den Truppenplatz betretenden Personen … (Seite 2 fehlt) ? “ .6

Hermann Dorner baute mit seinem Freund Gottfried Begas (1877-1928?)7, den er im Schachclub kennenlernte, von den geringen Ersparnissen von 150,- Mark den Gleiter- Eindecker.

Es gelangten ihnen Gleitflüge bis zu etwa 80 m Länge und 7 m Höhe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1908 Dorners Flugversuche mit dem Gleitflieger auf den Rieselfeldern.8

Vor der Fluggenehmigung hatte ihn die Schöneberger Gemeindeverwaltung zur Kasse gebeten. Er musste 75 Mark für die Versicherung des Viehbestandes „gegen Schäden aus der Luft“ bezahlen, was seine knappen Finanzen stark belastete.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner mit seinem ersten Gleiter hinter dem Pferd von 1908.9

Das Bild zeigt Dorner in der Maschine, bäuchlings im Gestell liegend. Ein Ackergaul war vor dem Flugdrachen als Schleppwinde gespannt, und im Galopp ging’s los. Er dirigierte die Gangart des Tieres mit der Trillerpfeife. So unkonventionell begann die Karriere eines der ersten deutschen Flugzeugkonstrukteure.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Gleitflieger kippt vor dem Abflug durch schrägen Zug des Pferdes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Flugapparat beim Versuch des Abschwebens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner beim Startversuch.10

Leichte Antriebsmotore gab es 1907 noch nicht. Dorner ließ sich durch Fehlschläge und vielfache Brüche bei seinen Flugversuchen nicht entmutigen. Seine Gleitversuche hinter dem Pferde wurden fortgesetzt. Zuerst auf dem Bauch liegend, dann sitzend und er war der erste Deutsche, welcher nach Otto Lilienthal (1848-1896) in voll gesteuertem Flugzeug Flüge bis 80 m Länge und 7 m Höhe ausführte. Er fand auch den technischen Weg, wieder heil zu landen. Er meisterte damit das Hauptproblem der Anfangsfliegerei, nämlich die geordnete Loslösung von der Erde, den Flug mit Höhen-, Seiten- und Quersteuerung und die Rückkehr zur Erde ohne Bruch.

Lebhaft verfolgte er alles, was nach den Flügen der Brüder Wright und der Franzosen Leon Delagrange (1873-1910), Gabriel Voisin (1880-1973) und dem Engländer Henri Farman (1874-1958) in der alten und neuen Welt an Flugideen realisiert wurde. Neben den vielen Bastlern und Erfindern war Dorner einer der wenigen wissenschaftlich vorgebildeten Ingenieure, die sich damals der vielerlei Spötteleien und Anfeindungen ausgesetzten Fliegerei als Konstrukteure und Flugzeugführer verschrieben.

Im Winter 1908 konstruierte und baute Dorner selbst einen 20-PS-Flugmotor. Später wagte er es, mit seiner ersten Motorflugmaschine T I, einem Hochdecker mit 20-PS- Körting-Motor, sich zur Eröffnung des ersten deutschen zivilen Flugplatzes und zur „Ersten Internationalen Flugwoche“ vom 26. September bis 3. Oktober 1909 in BerlinJohannisthal11 anzumelden. Er wollte sich als einziger deutscher Flieger der übermächtigen Konkurrenz stellen.

Diese Veranstaltung wurde auch „Eröffnungsflugwoche“ oder das „KonkurrenzFliegen“ genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B.Z. am Mittag vom 25. September 1909.

Doch über ein paar Sprünge in Bodennähe kommt der Apparat nicht hinaus. Die spöttischen Berliner sahen in seiner Vorführung eine Fortsetzung von Sackhüpfen mit neuzeitlichen Mitteln.

Mit einem verbesserten Baumuster konnte er erst im folgenden Jahr seine Flugzeugführererlaubnis mit der Nr. 18 des Deutschen Luftfahrer-Verbandes (DLV) am 26. Juli 1910 erwerben.

Dorner erlitt in der ersten Zeit der Loslösung von der Erde etwa ein Dutzend Landebrüche, aber auch einen Flügelbruch in 80 m Höhe, bei dem ihn nur der feste Baldachin rettete. Aber alle Ausrenkungen, Knochenbrüche und der Teilverlust des Gedächtnisses (bei einem Flügelbruch) heilten bei seinem sportlichen Körper wieder aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufnahme von der Flugwoche 1909 am alten Starplatz. Im Vordergrund ein „ Farman Doppeldecker “ vor dem Flugzeugschuppen des Flugzeugführers Henri Farman. Links neben dem Restaurant der Dorner-Flugzeugschuppen.

Mit diesem Flugapparat TI ( „ Drachenflieger “ ) nahm Dorner 1909 an der Flugwoche teil. Zu sehen ist auf dem Foto Hermann Dorner mit Gottfried Begas (rechts).12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner im Rumpfgestell seines ersten Flugapparats und beim Flächenbau mit seinem Freund Gottfried Begas.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner-Eindecker „ T I “ im Oktober 1909.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ T I “ nach Absturz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner-Eindecker „ T I “ mit der Startnummer 12 während der Flugwoche 1909 mit 25 qm Tragfläche, vorn liegendem Motor und Propeller.14

Als die Flugwoche vorbei war, blieben etliche Schuppen leer. Dorner richtete sich im Schuppen Nr. 9 am alten Startplatz ein, bei den weniger liquiden Ein-Mann- Betrieben und anderen Aviatischen Einzelkämpfern. Wenn von Johannisthaler Flugzeugführern des Flugapparatebaus gesprochen werden kann, dann vor allem von denen in diesen Schuppen am „alten Startplatz“, die Konstrukteure und Testflieger zugleich waren. Es war die Heimstadt der „Kleinen!“ Damit waren die angesiedelte kleine Unternehmen gemeint.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die erste Lageskizze vom Flugfeld aus der B.Z. am Mittag vom 25. September 1909, einem Tag vor Eröffnung des Flugplatzes und Beginn der Flugwoche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kanalstraß e in Berlin-Rudow und der Teltowkanal - Blick auf den Flugplatz und auf die ersten Flugzeugschuppen 1909/10 am alten Startplatz.

8. November 1909:

Hermann Dorner wurde nach einer Sitzung am 8. November 1909 als ordentliches Mitglied in den „Berliner Verein für Luftschiffahrt“ aufgenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mitgliedsurkunde für den „ Berliner Verein für Luftschiffahrt “ .15

25. Januar 1910 - die gestrigen Flugversuche von Dorner:

„ Gestern Mittag beabsichtigte der deutsche Aviatiker Dorner, wie von uns bereits angekündigt, seinen Eindecker (T II) auf dem Flugplatz Johannisthal der flugtechnischen Subkommission der Berliner Verbandsvereine vorzuführen, welche sich aus Wilhelm Graf von Arco (Vorsitzender) und Hauptmann Hildebrandt als Vertreter des Kaiserlichen Automobil-Clubs, Major v. Parseval und Hauptmann v. Kehler als Vertreter des Kaiserlichen Aero-Clubs, sowie Direktor Krell und Professor Süring als Vertreter des Berliner Vereins für Luftschiffahrt zusammensetzt und deren Aufgabe u. a. die Unterstützung deutscher Aviatiker ist.

Geladen waren ferner die Vertreter des Kriegsministeriums, das wiederholt namhafte Verträge für deutsche Flieger ausgeworfen hat, des Generalstabes der Verkehrstruppen. Auß er den Kommissionsmitgliedern bemerkte man u. a. Major Hesse, Hauptmann Thomsen, Geheimrat Busley, Major v. Tschudi, v. Gradenwitz.

Zu 11 ½ Uhr war der Beginn der Vorführung Dorners angesagt und man erwartete, dass sich diesen Probeflügen noch die anderen Aviatiker anschließ en würden. Aber eine volle Stunde verstrich, bevor Dorner mit seiner Flugmaschine im Freien erschien. Es war bitterkalt drauß en,über das Flugfeld strich ein scharfer Südost, der jeden Aufstieg in Zweifel stellen musste.

So kam es dann auch. Dorner setzte dreimal zu Flügen an, aber trotz seiner langen Anfahrtsfläche brachte er es zu keinem freien Flug. Einige kurze Sprünge waren alles, was er erreichte. Der Motor kam nur schwer auf Touren und verlieh dem Aeroplan nicht die gewünschte Geschwindigkeit zum Aufstieg “ .16

Dorner hatte seinen Eindecker umgebaut. Die vorderen Tragflächen waren etwas verkleinert worden und die bewegliche Tragfläche beträgt 25 qm. Das Gesamtgewicht des Flugapparats betrug 280 kg. Anstelle des luftgekühlten war ein wassergekühlter Motor von 24 PS eingebaut worden, welcher durch Kettenübertragung eine Schraube von 2,3 m Durchmesser und 900 Touren antreibt. 17

2. März 1910:

„ Ferner gelang es Dorner zum ersten Male mit seinem Eindecker eigener Konstruktion, eine ganze Bahnrunde von 2,5 km Länge zurückzulegen und eine glatte Landung auszuführen. “ 18

9. März 1910:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B.Z. vom 10. März 1910.

22. Mai 1910:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Teltower Kreisblatt “ vom 22. Mai 1910.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lageplan des Flugplatzes Ende 1910.19

Juni 1910 - erneuter Umbau des Dorner-Eindeckers:

„ Er hatte anstatt der einen schwachen Bambusstange unten eine starke Kufe angebracht, die vorne hochgebogen war. Von hier gingen zwei starke Stahlrohre nach hinten, auf denen der 4zyl. wassergekühlte Schwager-(Berlin)-Motor montiert war, der 16 PS lieferte. Nach hinten war die Kufe durch Holzstreben in Dreiecksform versteift. Höhen- und Seitensteuerung hinten in bekannter Weise. Vordere Tragflächen verwindbar. Der Apparat, derübrigens für zwei Personen gebaut war, machte einen sehr stabilen Eindruck. Er hatte bereits durch gelungene Flüge auf dem Flugplatz Johannisthal Proben seiner Leistungsfähigkeit abgelegt, wobei vor allem sein groß es Schwebevermögen bei abgestelltem Motor auffiel. “ 20

15. Juni 1910:

„ Schwüle, drückende Hitze lastet auf den Flugplätzen, Gewitterdrohung und böige Winde kommen dazu, kurz, für Flugtraining und Flugvorführungen ein geradezu verhängnisvolles Wetter.

Unser heimatlicher Flugplatz Johannisthal liegt denn auch den ganzen Tagüber wie ausgestorben da; nur ganz früh des Morgens und abends nach 7 Uhr zirka wird es etwas lebendig. Hauptsächlich sind es die Wrightschüler, die fleiß igüben. Aber auch Dorner und Schütz (Flugzeugführer Oswald Schütz auf Otto-Zweidecker, A.K.) sind mehrfach mit ihren Maschinen herausgekommen. Leider stieß en die beiden Letztgenannten bei gleichzeitigem Probeflug so heftig zusammen, dass die Apparate beide arg beschädigt wurden. Noch sind sie nicht wieder vollständig repariert, sodass die Übungsflüge in nächster Zeit nicht fortgesetzt werden können …“ 21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die neue Flugmaschine, genannt „ Drachenflieger Dorner “ im Juni 1910.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dorner-Flugmaschine T I beim Abtransport nach einem Absturz.22

10. Juli 1910:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Teltower Kreisblatt “ vom 10. Juli 1910.

11. Juli 1910 - Ingenieur Dorner gewinnt den 3. Lanzpreis der Lüfte.

„ Der dritte Lanzpreis wurde am Montag, den 11. Juli, abends, von dem Diplom-Ingenieur H. Dorner, Berlin, auf dem Flugplatz Johannisthal leicht gewonnen. Dorner stieg um 7.15, abends, mit seinem Eindecker eigenen Systems auf und legte in der Luft die vorgeschriebene Strecke zurück. Das Flugzeug musste laut Satzung von der 100 m langen Startlinie zwei 1000 m von einander entfernten Marken umfliegen, dann die zweite Marke im entgegengesetzten Drehungssinne wie die Erste, und dann zur Startlinie zurückkehren, die 500 m entfernt, parallel zur Verbindungslinie der Marken lag. Dorner blieb bei seinem Flugeüber die achtförmige Bahn 3 ½ Minuten in der Luft “ .23

Mit dem verbesserten T-II (Eindecker von 28 qm Tragfläche, 24 PS Motor und 280 kg Gesamtgewicht, zum Anlassen des Motors gab es eine Handkurbel) gewann Dorner den Wettbewerb, der ausschließlich deutschen Flugzeugführern mit deutschem Fluggerät vorbehalten war. So flossen 3000 Mark Preisgeld in seine Tasche. Der Mannheimer Großindustrielle Dr. Karl Lanz hatte zunächst 40.000 Mark und nach dem Erfolg des Flugzeugführers Hans Grade (1879-1946) weitere fünf Preise ausgesetzt, die sämtlich im Jahre 1910 bei Wettbewerben erflogen wurden.

13. Juli 1910:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Teltower Kreisblatt, Rubrik Luftschiffahrt “ , vom 13. Juli 1910.

Nationale Flugwoche vom 7. bis 13. August 1910:

Am 11. August 1910 trafen der Kriegsminister Josias von Heeringen (1850-1926), der Chef des Generalstabes Helmut Johannes Ludwig von Moltke (1848-1916) und der Chef der Verkehrstruppen Alfred Freiherr von Lyncker (1854-1919) in Johannisthal ein. Sie sahen mehrere Stunden lang den Motorflugwettbewerben zu und führten Gespräche mit Flugzeugfabrikanten, so auch mit Hermann Dorner.

An diesem Tage gewann er den ausgesetzten „Belastungspreis des Kriegsministeriums“ von 1000,- Mark mit seiner Flugmaschine von nur 22-PS Motorleistung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hermann Dorner wird nach seinem Fluge um den „ Bleichröder-Preis “ vom Chef des Groß en Generalstabs Exzellenz v. Moltke am 11. August 1910 durch eine Begr üß ung auf dem Flugfeld ausgezeichnet. Ganz Links der Kriegsminister v. Heeringen.24

Der „Bleichröder-Preis“ in Höhe von 10.000 Mark wurde 1910 neu ausgeschrieben, da er 1909 nicht gewonnen wurde. Er sollte auf dem Flugplatz Johannisthal während der Flugmeetings im Mai, August und Oktober ausgetragen werden. Der Preis sollte demjenigen deutschen Bewerber zufallen, der in 2,5 Km lange Flugbahn in der schnellsten Zeit dreimal umfliegt und nach jeder Runde eine Zwischenlandung von mindestens einer Minute Dauer an einer bestimmten Stelle ausführte.

Unter denselben Bedingungen hat der Kaiserliche Automobil-Club (KAC)25 1000 Mark als zweiten Preis ausgesetzt.26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Plakat vom August 1910. Bis auf Alfred Frey (1881-?), der seine Fluglizenz in Frankreich erhielt, sind die Flugzeugführer abgebildet, die in Deutschland die Fluglizenz erteilt bekamen.27

24. August 1910:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Teltower Kreisblatt “ vom 24. August 1910.

1. September 1910: Dorner-Flugzeug-Gesellschaft mbH

Unter dieser Firma wurde in das Handelsregister zu Berlin eine neue Gesellschaft eingetragen. Gegenstand des Unternehmens: „Der Bau, der Betrieb und die Verwertung von Flugmaschinen, die Erwirkung und Verwertung von Patenten und sonstigen Schutzrechten, die Vornahme von Handelsgeschäften jeder Art, soweit sie mit der Flugtechnik oder dem Flugsport im Zusammenhang stehen, sowie die Beteiligung an Konkurrenzen.“ Das Stammkapital betrug 100.000 M.

Als Geschäftsführer wurde der Kaufmann Richard Goetze aus Berlin-Treptow und Diplom-Ingenieur Hermann Dorner eingetragen.28

1910 gründete Hermann Dorner auch seine Fliegerschule. Die Dorner - Flugzeug- Gesellschaft GmbH wurde 1913 geschlossen, und der bisherige Geschäftsführer Richard Goetze gründete am 12. Juni 1913 die „Flugzeugwerke Richard Goetze KG“.29 Der Sitz der „Dorner-Flug-Gesellschaft GmbH“ und die späteren „Flugzeugwerke Richard Goetze KG“ war in Berlin-Treptow, Elsenstraße 106 im sogenannten Fabrikgelände „Elsenhof“. Besitzer des Hauses war zu dieser Zeit Richard Goetze.30 In diesem Haus mit mehreren Hinterhöfen waren verschiedene Firmen angesiedelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Februar 1906 stellten die Grundstückseigentümer Höhne & Sell einen Bauantrag für die Errichtung eines Wohnhauses nebst Klavierfabrik. Zuvor war ihr Firmensitz in Berlin-Kreuzberg, Eisenbahnstr. 15.

Die Auswertungen der Bauakten im Bauaktenarchiv des Bezirksamtes Berlin Treptow-Köpenick zum „Elsenhof“ ergaben, dass bereits 1909 Richard Goetze gemeinsam mit dem Klavierhersteller Höhne & Sell Miteigentümer des Grundstücks war. Auch im Berliner Adressbuch war Goetze als Fabrikbesitzer eingetragen. Erst 1911 war die „Dorner Flugzeug-Gesellschaft mbH“ und ab 1914 nur die „Flugzeugwerke Richard Goetze KG“ im Adressbuch erfasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Briefkopf Februar 1914.

[...]


1 Foto Werner-Zeller-Stiftung.

2 Evangelisches Predigerseminar, Lutherstadt Wittenberg, Bibliothek. 7

3 www.bildarchiv-ostpreußen.de (Wikipedia).

4 Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Forschungsbibliothek Gotha 8

5 Briefkopie aus dem Deutschen Museum München, Nachlass Hermann Dorner. 10

6 Briefkopie aus dem Deutschen Museum München, Nachlass Hermann Dorner 11

7 Sohn des bekannten Berliner Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911) aus Berlin-Schöneberg. R. Begas schuf u. a. 1886 den Berliner Neptunbrunnen, 1910 das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem damaligen Berliner Schloss und die Alexander von Humboldt-Denkmal vor der Humboldt Universität Berlin.

8 Fotos „Flugsport“

9 Untere Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“. 12

10 Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“.

11 „Wie der Flugplatz zwischen Adlershof und Johannisthal entstand“, Heft 1 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909-1914.

12 Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“

13 Foto Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg.

14 Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“.

15 Kopie aus dem Deutschen Museum München, Nachlass Hermann Dorner.

16 B.Z. am Mittag vom 25. Januar 1910.

17 Zeitschrift „Flugsport 1910“, Nr. 2, Seite 45.

18 B. Z. am Mittag vom 3. März 1910.

19 Günter Schmitt „Als die Oldtimer flogen“.

20 Zeitschrift „Flugsport 1910“, Nr. 11, Seite 339

21 Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt 1910, Nr. 12, Seite 19

22 ebenda

23 Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt 1910, Nr. 14, Seite 10 vom 13. Juli 1910 22

24 Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“

25 Der Automobilclub von Deutschland (AvD) wurde 1899 in Berlin als Deutscher Automobilclub (DAC) gegründet. Er bildet den Dachverband diverser Orts- und Korporativclubs in ganz Deutschland. 1900 organisierte der AvD die erste Internationale Automobilausstellung in Frankfurt/Main, 1904 wurde er umbenannt zum Kaiserlichen Automobilclub (KAC), da Kaiser Wilhelm II. die Schirmherrschaft über den Club übernahm.

26 „Flugsport“ Nr. 6 vom 19. März 1910, Seite 184.

27 Fotos „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“.

28 „Flugsport 1910“ , Nr. 19, Seite 627.

29 Handelsregisters, Nr. 11116, AG Berlin-Charlottenburg.

30 Berliner Adressbuch 1910

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Der Einzelkämpfer Dorner. Aus dem Leben des Flugzeugbauers, Flugzeugführers und Unternehmers Hermann Dorner (1882 - 1963)
Untertitel
Heft 11 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909 - 1914
Autoren
Jahr
2011
Seiten
104
Katalognummer
V181694
ISBN (eBook)
9783656049036
ISBN (Buch)
9783656048602
Dateigröße
26024 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hermann, Flugplatz, Johannisthal Adlersho, Flugzeuge, Hannover, Hannoversche Waggonfabrik, Luftfahrerschule, Wasserflugzeug, Fliegendes Boot, Alte Adler
Arbeit zitieren
Alexander Kauther (Autor)Paul Wirtz (Autor), 2011, Der Einzelkämpfer Dorner. Aus dem Leben des Flugzeugbauers, Flugzeugführers und Unternehmers Hermann Dorner (1882 - 1963), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181694

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Einzelkämpfer Dorner. Aus dem Leben des Flugzeugbauers, Flugzeugführers und Unternehmers Hermann Dorner (1882 - 1963)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden