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Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands

Title: Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands

Seminar Paper , 2002 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Ellen Stickel (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen die vier Besatzungsmächte in Deutschland vor einer schwierigen Aufgabe: Ein ganzes Volk hatte sich von der nationalsozialistischen Progaganda beeinflussen lassen. Die Verantwortlichen des NS-Regimes wurden schnell zu Rechenschaft gezogen, doch was sollte mit den Hunderttausenden von begeisterten Anhängern geschehen und vor allem was mit der noch viel größeren Zahl von Mitläufern? Die Unterscheidung in nominelle und aktivistische Parteigenossen wurde vor allem in der Sowjetischen Besatzungszone zu einem entscheidenden Kriterium der Entnazifizierung. Doch in wieweit konnte hierbei überhaupt eine zutreffende Trennung vorgenommen werden? Welche Kriterien machten aus einem Parteimitglied einen aktiven Nazi? Und wer entschied darüber? Die oftmals unklare Differenzierung stellte die Verwantwortlichen in der SBZ vor schwere Probleme, vor allem, als es darum ging, sie der Bevölkerung plausibel zu machen. Die Forschung ist sich bis heute auch nicht einig darüber, ob die Entnazifizierung schon von Beginn an nur ein Mittel war, die Gesellschaft in der Sowjetischen Besatzungszone umzustrukturieren und einen Elitentausch einzuleiten, der die spätere kommunistische Hegemonie begründete. Die durch die Wende hinzugekommenen Quellen lassen für diesen Bereich der deutschen Geschichte ganz neue Schlüsse und Betrachtungsweisen zu. Dies hat sich in einer Vielzahl neuer Forschungsarbeiten niedergeschlagen, die nun mit DDR-Veröffentlichungen verglichen werden können.

Anhand eines chronologischen Abrisses der einzelnen Entnazifizierungswellen in der SBZ soll in dieser Arbeit erörtert werden, inwieweit die zu Kriegsende in die Entnazifizierung gesetzten Erwartungen erreicht wurden. Durch die Untersuchung der Säuberungsschwerpunkte soll außerdem dargestellt werden, in welchem Umfang die Entnazifizierung die antifaschistisch-demokratische Umwälzung der Gesellschaft vorangetrieben hat und welche Auswirkungen dies auf die Bevölkerung der späteren DDR hatte. Denn das Ende der Entnazifizierung bedeutete in der Deutschen Demokratischen Republik nicht das Ende der politischen Säuberungen. Was waren also die wirklichen Ziele der Entnazifizierung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A EINLEITUNG

B

I. Der Zusammenbruch und der Aufbau neuer Strukturen

1. Die Beschlüsse der Siegermächte

2. Spontane Entnazifizierung

3. Erste gesetzliche Grundlagen

II. Frühe Bemühungen um gesellschaftliche Wiedereingliederung

1. Die Parteien als Weg zur schnellen Rehabilitierung

2. Das Problem der jugendlichen Nazianhänger

III. Ende 1946: Die verspätete Verschärfung der Entnazifizierung durch die Kontrollratsdirektive Nr. 24

1. Gesamtdeutsche Richtlinien zum Umgang mit ehemaligen Nazis

2. Die Entnazifizierungskommissionen

IV. „Die Zeit ist reif“ – der SMAD-Befehl Nr. 201 (16. August 1947) und die Kontrollratsdirektive Nr. 38

1. Hintergründe und Grundlagen

2. Die Durchführung

V. Das offizielle Ende der Säuberungen – der SMAD-Befehl Nr. 35 (26. Februar 1948)

VI. Schwerpunkte der Entnazifizierung

1. Verwaltung

2. Justiz

3. Bildungswesen

VII. Antifaschismus und gesellschaftliche Umwälzung

C RESÜMEE

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Prozess der Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zwischen 1945 und 1949, wobei analysiert wird, inwieweit die Säuberungen als Mittel zur gesellschaftlichen Umwälzung und zur Etablierung kommunistischer Hegemonie dienten.

  • Chronologischer Abriss der verschiedenen Entnazifizierungswellen
  • Unterscheidung zwischen nominellen Parteimitgliedern und aktiven Nationalsozialisten
  • Die Rolle der Entnazifizierung als Instrument des Elitentauschs in Verwaltung, Justiz und Bildungswesen
  • Das Verhältnis zwischen ideologischer Säuberung und pragmatischem Wiederaufbau
  • Die Bedeutung des "Antifaschismus" als politische Legitimationsgrundlage

Auszug aus dem Buch

3. Erste gesetzliche Grundlagen

Nach dieser Phase der lokalen und ungeordneten Entnazifizierung folgte mit dem Aufbau von fünf sowjetischen Militärkommandanturen auf Landesebene im Juli 1945 ein erster Schritt hin zu einer geregelten Säuberungspraxis. Kurz danach wurden auch Landes- und Provinzialverwaltungen gegründet, fortan waren die Landesregierungen für die politische Säuberung verantwortlich. Allgemeingültige Richtlinien von Seiten der SMAD fehlten jedoch. In jedem Land wurden daher spezielle Regelungen erlassen, es blieb oft Raum für Willkür. Diese unterschiedliche Handhabung sorgte für Verwirrung und führte dazu, dass in den Personalbüros oft nach Gutdünken entschieden wurde. Durch Massenentlassungen herrschte darüberhinaus in den Behörden und Betrieben akuter Personalmangel. Es wurden Spezialistenklauseln eingeführt, wonach politisch belastete, aber dringend gebrauchte Fachkräfte weiter beschäftigt werden durften.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Der Zusammenbruch und der Aufbau neuer Strukturen: Analysiert die anfänglichen Maßnahmen der Siegermächte sowie die unkoordinierte Phase der Entnazifizierung unmittelbar nach Kriegsende.

II. Frühe Bemühungen um gesellschaftliche Wiedereingliederung: Beleuchtet den Umgang der Parteien mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und die Herausforderung durch jugendliche Anhänger des NS-Regimes.

III. Ende 1946: Die verspätete Verschärfung der Entnazifizierung durch die Kontrollratsdirektive Nr. 24: Beschreibt die Intensivierung der Säuberungen im Kontext außenpolitischer Entwicklungen und der sowjetischen Interessenpolitik.

IV. „Die Zeit ist reif“ – der SMAD-Befehl Nr. 201 (16. August 1947) und die Kontrollratsdirektive Nr. 38: Untersucht die Einführung systematischer Kategorisierungen von Parteimitgliedern zur gezielten politischen Umstrukturierung.

V. Das offizielle Ende der Säuberungen – der SMAD-Befehl Nr. 35 (26. Februar 1948): Dokumentiert den formalen Abschluss der Entnazifizierung durch eine forcierte, großflächige Säuberungsaktion.

VI. Schwerpunkte der Entnazifizierung: Untersucht die gezielte Reinigung und personelle Neubesetzung in den Bereichen Verwaltung, Justiz und Bildungswesen.

VII. Antifaschismus und gesellschaftliche Umwälzung: Analysiert den ideologischen Missbrauch des Antifaschismus als Instrument der SED zur Machtkonsolidierung.

Schlüsselwörter

Entnazifizierung, Sowjetische Besatzungszone, SBZ, SMAD, NSDAP, Säuberung, Antifaschismus, SED, Elitentausch, Politische Umwälzung, KPD, Kriegsende, Personalpolitik, Justiz, Verwaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Durchführung, den Zielsetzungen und den politischen Auswirkungen der Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone in den Jahren 1945 bis 1949.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der personelle Wandel in staatlichen Institutionen, die Kategorisierung von Parteimitgliedern und die Instrumentalisierung der Entnazifizierung zur Festigung kommunistischer Herrschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Entnazifizierung primär dem Ziel der moralischen Reinigung diente oder als Werkzeug für einen weitreichenden politischen Elitentausch fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet einen chronologischen Abriss und vergleicht dabei ältere DDR-Veröffentlichungen mit neueren Forschungsergebnissen, die durch den Zugang zu Quellen nach der Wende ermöglicht wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen wie SMAD-Befehle und Kontrollratsdirektiven sowie deren Umsetzung in Schlüsselbereichen wie der Justiz, der Verwaltung und dem Bildungswesen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Entnazifizierung, SBZ, SMAD, Antifaschismus, Elitentausch und SED-Herrschaft beschreiben.

Welche Rolle spielten die sogenannten "Spezialistenklauseln"?

Diese Klauseln erlaubten es, trotz politischer Belastung dringend benötigte Fachkräfte weiter zu beschäftigen, da durch rigorose Entlassungen der Betrieb in Behörden und Wirtschaft zeitweise zusammenzubrechen drohte.

Wie bewertet die Autorin das Ende des Entnazifizierungsprozesses?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Entnazifizierung in der SBZ gemessen an den ursprünglichen Potsdamer Kriterien als gescheitert betrachtet werden kann, da sie primär als Instrument zur Etablierung eines loyalen kommunistischen Staatsapparates diente.

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Details

Title
Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands
College
LMU Munich  (Historisches Seminar)
Course
Proseminar: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Zonendeutschland 1945-49
Grade
1,0
Author
M.A. Ellen Stickel (Author)
Publication Year
2002
Pages
18
Catalog Number
V18172
ISBN (eBook)
9783638225717
ISBN (Book)
9783640869640
Language
German
Tags
Entnazifizierung Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands Proseminar Politik Wirtschaft Gesellschaft Zonendeutschland SBZ Sowjetisierung DDR Säuberungen Nationalsozialismus SMAD Potsdamer Konferenz Chronologie Erich Mielke SED Antifaschismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Ellen Stickel (Author), 2002, Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18172
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