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Chancen und Risiken eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland

Titel: Chancen und Risiken eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland

Bachelorarbeit , 2011 , 51 Seiten

Autor:in: Ingo Weigel (Autor:in)

VWL - Arbeitsmarktökonomik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Thema gesetzlicher Mindestlohn beherrscht seit einigen Jahren die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen. Während Gegner des Mindestlohns auf die neoklassische Theorie verweisen, betonen stattdessen die Befürworter des Mindestlohns die Richtigkeit der keynesianischen Theorie.

Die neoklassische Theorie untersucht das Zustandekommen von Tauschbeziehungen einzelner Anbieter und Nachfrager. Der Ort, an welchem diese Tauschgeschäfte geschlossen werden, wird als Markt bezeichnet. Auf einem Arbeitsmarkt bieten Haushalte ihre Arbeitskraft an und Unternehmen fragen diese Arbeitskraft nach. In der Neoklassik werden die Nachfrage und das Angebot nach Arbeit als Kurve in einem Koordinatensystem dargestellt. Das Angebot hat dabei eine positive und die Nachfrage eine negative Steigung. Der Schnittpunkt bestimmt den Lohn und die Menge an Arbeitsplätzen, die im Gleichgewicht zur Verfügung stehen. Der Lohn muss dabei flexibel sein um nach einer Störung des Marktes wieder zu einem Gleichgewicht zu gelangen. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde genau das verhindern. Der Arbeitsmarkt wird dann daran gehindert zu einem Gleichgewicht zurück zu gelangen und es entsteht Arbeitslosigkeit.

Im keynesianischen Modell hingegen verursacht ein Mindestlohn eine Steigerung der Einkommen derer, die unter dem Mindestlohn verdient haben. Durch das zusätzliche Einkommen steigt der Konsum und die Unternehmen müssen mehr investieren und produzieren um dem steigenden Konsum gerecht zu werden. Zusätzlich müssen sie weitere Mitarbeiter einstellen und deswegen werden mehr Arbeiter beschäftigt als vor der Einführung des Mindestlohns.
Aktuell besteht kein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland. Einzelne Branchen haben tariflich geregelte Mindestentgelte, die regionale Unterschiede aufweisen. Ein gesetzlicher Mindestlohn im übertragenen Sinne bildet das Verbot des Lohnwuchers nach § 138 BGB. Allerdings ist dies wiederum kein allgemeingültiger Mindestlohn, sondern auf das Durchschnittseinkommen der jeweiligen Branche bezogen. Die große Koalition hat in ihrer Amtszeit die Weichen für einen Mindestlohn gestellt. Durch die Allgemeinverbindlicherklärung haben Branchen mit einer Tarifbindung von über 50 Prozent die Möglichkeit in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen zu werden und ihren vereinbarten Mindestlohn für die gesamte Branche für allgemeinverbindlich zu erklären.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsmarkttheorien

2.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie

2.2 Kritik an der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie

2.3 Die keynesianische Arbeitsmarkttheorie

3. Rechtlicher Rahmen eines gesetzlichen Mindestlohns

3.1 Aktuell bestehende und geplante Regelungen

3.2 Rechtlicher Rahmen für Neuregelungen

4. Der Niedriglohnsektor in Deutschland

5. Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland

5.1 Aktuelle Diskussion um den Mindestlohn

5.2 Verschiedene Formen von Mindestlöhnen

5.3 Wissenschaftliche Meinungen zu Mindestlöhnen

5.3.1 Jahresgutachten des Sachverständigenrats 2006/07

5.3.2 Empirische Ansätze zur Analyse von Mindestlöhnen

5.3.3 Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung

5.3.4 Studie von Klaus Bartsch Econometrics

6. Mindestlohneffekte am Beispiel von Frankreich und England

6.1 Ausgestaltung der Mindestlöhne

6.2 Einfluss auf die Verteilung des Erwerbseinkommens

6.3 Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Bachelorarbeit untersucht die ökonomischen Chancen und Risiken sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwiefern ein Mindestlohn als Instrument gegen den wachsenden Niedriglohnsektor und die zunehmende Lohnungleichheit dienen kann, ohne dabei negative Beschäftigungseffekte zu provozieren.

  • Vergleich der neoklassischen und keynesianischen Arbeitsmarkttheorien in Bezug auf Mindestlöhne.
  • Analyse der rechtlichen Spielräume und aktueller politischer Regelungen in Deutschland.
  • Untersuchung der Entwicklung und der Strukturen des Niedriglohnsektors in Deutschland.
  • Evaluierung wissenschaftlicher Studien zu Beschäftigungseffekten von Mindestlöhnen.
  • Vergleichende Betrachtung der Auswirkungen von Mindestlöhnen in Frankreich und Großbritannien.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie

In der Mikroökonomie, welche ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre ist, wird das Zustandekommen von Tauschbeziehungen zwischen Individuen auf verschiedenen Märkten betrachtet. Ein Tausch kommt dabei zustande, wenn sich die Beteiligten über die Tauschkonditionen einig sind. Dies könnte zum Beispiel der Preis sein, welcher für die Ware bezahlt wird. Genau diese Preisbildung ist der Untersuchungsgegenstand der neoklassischen Theorie und wird meist als Kurven in einem Koordinatensystem dargestellt. Der Arbeitsmarkt wird in der Neoklassik ebenfalls als Markt dargestellt, auf welchem die privaten Haushalte ihre Arbeitskraft anbieten und die Unternehmen Arbeitskräfte nachfragen, um Güter produzieren zu können und damit Gewinne zu realisieren.

Für einen reibungslos funktionierenden Arbeitsmarkt sind im neoklassischen Modell fünf Bedingungen notwendig. Es muss vollkommene Konkurrenz auf dem Markt herrschen, das heißt, dass es eine Vielzahl von Anbietern und Nachfragern geben muss und somit Monopole ausgeschlossen sind. Es muss Homogenität auf dem Markt herrschen, es müssen also alle Anbieter auf dem Markt gleich produktiv sein. Alle Wirtschaftssubjekte müssen alle Informationen besitzen, die für eine Tauschentscheidung relevant sind. Zusätzlich wird eine vollkommene Mobilitätsbereitschaft von den Individuen verlangt. Das bedeutet, dass die Wirtschaftssubjekte auf andere Arbeitsmärkte ausweichen können. Die letzte Voraussetzung ist die flexible Anpassung von Löhnen, welche sich den Marktgegebenheiten anpassen müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Kontroverse um den gesetzlichen Mindestlohn dar und skizziert den Aufbau der Untersuchung, die sowohl theoretische als auch praktische Aspekte beleuchtet.

2. Arbeitsmarkttheorien: Das Kapitel vergleicht die neoklassische Theorie, die flexible Löhne zur Gleichgewichtsbildung fordert, mit der keynesianischen Theorie, die staatliche Eingriffe zur Stärkung der Nachfrage und Beschäftigung legitimiert.

3. Rechtlicher Rahmen eines gesetzlichen Mindestlohns: Hier werden bestehende Regelungen wie das Verbot des Lohnwuchers und die Möglichkeiten der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen rechtlich analysiert.

4. Der Niedriglohnsektor in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen und die Ausweitung des Niedriglohnsektors sowie die damit verbundene wachsende Armut trotz Erwerbstätigkeit.

5. Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland: Es wird die aktuelle Debatte zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beleuchtet sowie verschiedene empirische Studien zu den Beschäftigungseffekten und fiskalischen Folgen detailliert geprüft.

6. Mindestlohneffekte am Beispiel von Frankreich und England: Das Kapitel zieht Rückschlüsse aus den internationalen Erfahrungen in Frankreich und Großbritannien hinsichtlich der Ausgestaltung von Mindestlöhnen und deren Auswirkungen auf die Lohnungleichheit.

7. Schluss: Abschließend wird festgehalten, dass die Auswirkungen eines gesetzlichen Mindestlohns schwer exakt prognostizierbar sind, er jedoch als mögliches Mittel gegen Lohndumping und Lohnspreizung weiterhin politisch relevant bleibt.

Schlüsselwörter

Gesetzlicher Mindestlohn, Arbeitsmarkttheorie, Niedriglohnsektor, Beschäftigungseffekte, Lohnungleichheit, Neoklassik, Keynesianismus, Tarifautonomie, Arbeitnehmerentsendegesetz, Armut, Lohnspreizung, Arbeitsmarktpolitik, Tarifverträge, Deutschland, Sozialstaat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der aktuellen politischen und wirtschaftswissenschaftlichen Debatte über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland unter Berücksichtigung ökonomischer Chancen und Risiken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarkttheorie, die rechtliche Situation in Deutschland, die Entwicklung des Niedriglohnsektors und die empirische Untersuchung von Mindestlohneffekten im In- und Ausland.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, einen Überblick über die Risiken und Chancen eines gesetzlichen Mindestlohns zu geben und zu analysieren, ob ein Mindestlohn die Probleme des wachsenden Niedriglohnsektors lösen kann, ohne den Arbeitsmarkt negativ zu beeinflussen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Modelle (Neoklassik vs. Keynesianismus) sowie die Auswertung bestehender empirischer Studien und internationaler Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen, eine Analyse des deutschen Niedriglohnsektors, eine detaillierte Auswertung wissenschaftlicher Studien zu Mindestlohneffekten sowie eine Fallstudie zu Frankreich und Großbritannien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Mindestlohn, Niedriglohnsektor, Arbeitsmarkttheorien, Lohnspreizung und Beschäftigungseffekte charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die neoklassische von der keynesianischen Einschätzung zum Mindestlohn?

Während die Neoklassik Mindestlöhne als marktverzerrend und beschäftigungsschädigend ablehnt, betrachtet der Keynesianismus sie als Mittel zur Steigerung der Kaufkraft und Nachfrage, was positive Impulse für die Beschäftigung setzen kann.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Übertragbarkeit der Erfahrungen aus dem Ausland?

Der Autor stellt fest, dass die Ergebnisse aus Frankreich und Großbritannien nicht einfach auf Deutschland übertragbar sind, da die Arbeitsmarktstrukturen zu unterschiedlich sind, zeigt jedoch, dass Mindestlöhne dort erfolgreich zur Lohnkompression beitrugen.

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Details

Titel
Chancen und Risiken eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland
Hochschule
Universität Hohenheim
Veranstaltung
Wirtschaftswissenschaften, Soziale Sicherung
Autor
Ingo Weigel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
51
Katalognummer
V181926
ISBN (eBook)
9783656052814
ISBN (Buch)
9783656052975
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen risiken mindestlohns deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ingo Weigel (Autor:in), 2011, Chancen und Risiken eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181926
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  51  Seiten
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