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Der Souverän und die Ausnahme

Die Analysen von Carl Schmitt und Giorgio Agamben zur Bedeutung der souveränen Macht und des Ausnahmezustands für die moderne Gesellschaft

Title: Der Souverän und die Ausnahme

Term Paper , 2007 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Boris Wesemann (Author)

Politics - Miscellaneous
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„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“
(Schmitt 1922, 11)

Mit dieser einprägsamen Formulierung beginnt Carl Schmitt sein 1922 erstmals erschienendes und viel diskutiertes Werk „Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität“. Im selben Werk hält er fest, dass Souveränität „nicht als Zwangs- oder Herrschaftsmonopol, sondern als Entscheidungsmonopol“ zu definieren sei. Dieses Entscheidungsmonopol scheint drei Generationen später, im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus eine Renaissance zu erfahren.

Als der amerikanische Präsident Goerge W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die westliche Welt hinter sich rief und eine „Achse des Bösen“ definierte, teilte er die Welt – ganz in schmittscher Tradition – in Freund und Feind. Nicht nur die heraufbeschworene Bipolarität wurde seither weiter gefestigt, auch der symbolische Ausnahmezustand den George W. Bush schuf als er sich, seine Nation und eine „Koalition der Willigen“ dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus verschreib, scheint längst ein juristischer geworden zu sein. Weltweit opfern Nationen ihre Freiheitsrechte der Sicherheit und die Suche nach inneren und äußeren Feinden hat ein Ausmaß erreicht, in dem sie das Leben nahezu aller berührt.

In diesem Zusammenhang scheint sich die Formel der Souveränität, wie sie Schmitt anbietet, als eine postmoderne Lehre zu etablieren, die uns wieder näher beschäftige sollte. Es bietet sich also an, den Souveränitätsbegriff Schmitts näher zu beleuchten, um die politische Welt unserer Zeit besser zu verstehen.

Dieser Aufgabe widmete sich Giorgio Agamben in der Trilogie „homo sacer“ (Einaudi 1995ff.) bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001, in der er eine Philosophie von rechtsfreien Räumen entwickelt, die in einen permanenten Ausnahmezustand und der Reduzierung von Menschen auf ihr „nacktes Leben“ münden. Diese Hausarbeit versucht im Folgenden die Parallelen und Unterschiede in den Thesen und Theorien zur Souveränität und zum Ausnahmezustand von Schmitt und Agamben herauszustellen und deren Gegenwartsbezug zu verdeutlichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Souveränität und Ausnahmezustand bei Carl Schmitt

2.1. Souveränität in der klassischen Theorie

2.2. Ausnahmezustand

2.3. Schmitts Freund-Feind-Schema

2.4. Politische Theologie

3. Souveränität und Ausnahmezustand bei Carl Schmitt

3.1. Paradoxon der Souveränität

3.2. zoé und bíos

3.3. Bio-Macht und Biopolitik

3.4. Bann und nomós

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die theoretischen Konzepte von Souveränität und Ausnahmezustand bei Carl Schmitt und Giorgio Agamben kritisch gegenüberzustellen und deren Relevanz für die Analyse der modernen politischen Welt aufzuzeigen, insbesondere im Kontext von Sicherheitsdiskursen und Freiheitsrechten.

  • Carl Schmitts Definition des Souveräns als Entscheidungsmonopol im Ausnahmezustand.
  • Die Verknüpfung von Souveränität und der Freund-Feind-Unterscheidung.
  • Giorgio Agambens Erweiterung der Theorie um die Begriffe zoé und bíos.
  • Die Rolle der Biopolitik und der Prozess der Politisierung des nackten Lebens.
  • Der Bann als Mechanismus der Vereinnahmung des Lebens durch das Recht.

Auszug aus dem Buch

2.2. Ausnahmezustand

Carl Schmidt orientiert sich in seiner Souveränitätsdefinition an Bodin. Ähnlich wie bei Bodin schafft und garantiert der Souverän in Schmitts Denken die Ordnung und ist die „höchste, nicht abgeleitete Herrschermacht“4. Dabei ist Schmitts Definition der Souveränität vom Dezisionismus geprägt. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, versteht Schmitt die Souveränität „nicht als Zwangs- oder Herrschaftsmonopol, sondern als Entscheidungsmonopol“.

Die eigentliche Bedeutung der souveränen Macht, kann für Schmitt nur anhand einer Ausnahmesituation konkret dargestellt werden. „Daß der Ausnahmezustand im eminenten Sinne für die juristische Definition der Souveränität geeignet ist, hat einen systematischen, rechtslogischen Grund. Die Entscheidung über die Ausnahme ist nämlich im eminenten Sinne Entscheidung. Denn eine generelle Norm, wie sie der normal geltende Rechtssatz darstellt, kann eine absolute Ausnahme niemals erfassen und daher auch die Entscheidung, dass ein Ausnahmefall gegeben ist, nicht restlos begründen.“5

Für Schmitt stellen die Bürgerkriegssituationen6, die es bei Bodins zu beenden gilt, einen Ausnahmefall dar. Mit blick auf diesen Aspekt gleichen sich die Definitionen der Souveränität bei Schmitt und Bodin stark. Die Absichten beider Theoretiker, die sie mit ihren gleichartigen Definitionen herauszustellen suchten, münden dann ebenfalls in gleicher Schlussfolgerung: der Legitimierung der territorialen Staatsgewalt in der Hand eines dem Recht entbundenen, übergeordneten Herrschers zum Zwecke der Wiederherstellung von Ordnung und Einsetzung von Recht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Souveränität und Ausnahmezustand unter Bezugnahme auf Carl Schmitt sowie Darstellung des Erkenntnisinteresses im Kontext gegenwärtiger politischer Entwicklungen.

2. Souveränität und Ausnahmezustand bei Carl Schmitt: Analyse der klassischen Souveränitätslehre, der Bedeutung des Ausnahmezustands, des Freund-Feind-Schemas sowie der politischen Theologie bei Carl Schmitt.

3. Souveränität und Ausnahmezustand bei Carl Schmitt: Auseinandersetzung mit Giorgio Agambens kritischer Erweiterung der Schmittschen Konzepte durch die Analyse des Paradoxons der Souveränität, der Unterscheidung von zoé und bíos sowie biopolitischer Machtmechanismen.

4. Fazit: Synthese der Ergebnisse, die den Totalitarismus als legalisierten Bürgerkrieg interpretiert und die theoretischen Perspektiven von Schmitt und Agamben zur aktuellen globalen Sicherheitslage in Beziehung setzt.

Schlüsselwörter

Souveränität, Ausnahmezustand, Carl Schmitt, Giorgio Agamben, Freund-Feind-Schema, Politische Theologie, zoé, bíos, Biopolitik, Bio-Macht, Bann, nomós, Dezisionismus, nacktes Leben, Recht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Konzepte von Souveränität und Ausnahmezustand, wie sie von Carl Schmitt definiert wurden, und analysiert diese durch die kritische Perspektive von Giorgio Agamben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Kernpunkten gehören die Definition der Souveränität, die Bedeutung des Ausnahmezustands, die Freund-Feind-Unterscheidung sowie das Verhältnis von biologischem Leben und politischer Herrschaft.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach den Parallelen und Unterschieden in den Thesen von Schmitt und Agamben und untersucht deren Bedeutung für die moderne Gesellschaft, insbesondere im Lichte globaler politischer Krisen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politisch-philosophische Ideengeschichtliche Analyse, die primäre Quellen der Autoren vergleicht und in den aktuellen gesellschaftspolitischen Kontext einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Schmitts Dezisionismus und Agambens Gegenentwurf, der das nackte Leben in den Fokus rückt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Souveränität, Ausnahmezustand, Biopolitik, das nackte Leben (zoé), Bann und das Freund-Feind-Schema.

Wie unterscheidet sich Agambens Sichtweise von der Schmitts bezüglich des "Außerhalb"?

Während Schmitt einen Bereich außerhalb des Rechts als für den Souverän notwendig erachtet, argumentiert Agamben, dass es kein wahres Außerhalb gibt, sondern eine Zone der Ununterscheidbarkeit.

Was bedeutet der Begriff der "biopolitischen Bedeutung des Ausnahmezustands"?

Agamben beschreibt damit, wie heutige Sicherheitsmaßnahmen den menschlichen Status radikal entwerten und Menschen in einen juristisch schwer definierbaren Zustand versetzen.

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Details

Title
Der Souverän und die Ausnahme
Subtitle
Die Analysen von Carl Schmitt und Giorgio Agamben zur Bedeutung der souveränen Macht und des Ausnahmezustands für die moderne Gesellschaft
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Seminar: Politische Theologie
Grade
2,0
Author
Boris Wesemann (Author)
Publication Year
2007
Pages
19
Catalog Number
V182084
ISBN (eBook)
9783656057185
ISBN (Book)
9783656056928
Language
German
Tags
Politische Theologie Krieg gegen Terror Carl Schmitt Giorgio Agamben Souverän
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Boris Wesemann (Author), 2007, Der Souverän und die Ausnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182084
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