Funktionen und Instrumente des Internationalen Konzerncontrollings


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriff internationaler Konzern

2. Der Controlling-Begriff im heterogenen internationalen Umfeld

3. Zur Begründung eines internationalen Konzerncontrollings

4. Die Funktionen des internationalen Konzerncontrollings

5. Instrumente des internationalen Controllings

6. Rechnungslegungsstandards

7. Ergebnis und Ausblick der Arbeit

8. Literaturverzeichnis

Wirtschaft und Unternehmen unterliegen seit geraumer Zeit einem Prozess des strukturellen Wandels. Durch die Beseitigung von Hemmnissen im Güter- und Kapitalverkehr sowie neue, durch den technischen Fortschritt geschaffene Informations- und Kommunikationstechnologien lassen die Weltwirtschaft zusammenwachsen. Der Internationalisierung der Märkte folgt eine Internationalisierung der Unternehmen, aus nationalen bzw. vorrangig im Landesinneren agierende Unternehmen werden „global player“. Diese Intensivierung des grenzüberschreitenden Geschäfts bedingt eine Weiterentwicklung des nationalen Controlling um eine multinationale Komponente. Ebenso erfordert die mit der Globalisierung verbundene Komplexitätssteigerung, Dynamik und netzwerkartige Verflechtung, eine erweiterte und informatorische Unterstützung der Unternehmen.

Die vorliegende Arbeit soll grundlegende Funktionen und Instrumente des internationalen Konzerncontrollings darstellen. Die dem Controlling in der Literatur zugesprochene Koordinationsfunktion macht es erforderlich auf Grundlage des anglo-amerikanischen Schrifttums eine Differenzierung gegenüber den originären Koordinationsmechanismen vorzunehmen. Das Konzerncontrolling wird motiviert durch sogenannte Störfaktoren die speziell bei international agierenden Konzernen auftreten.

Zuallererst wird der Begriff des internationalen Konzerns erläutert. Anschließend wird die Notwendigkeit speziell „internationalen“ Konzerncontrolling erklärt. Dort heraus folgt eine Darstellung der Funktionen eines internationalen Konzerncontrollings mit den zur Umsetzung notwendigen Instrumenten. Bei der Arbeit soll unter dem Aspekt des Umfangs bewusst das „internationale“ des Konzerncontrollings fokussiert werden.

1. Begriff internationaler Konzern

Bei weiter Auslegung des Begriffs „Internationalität“ versteht man wenn ein Unternehmen wirtschaftliche Aktivitäten über die Landesgrenzen hinaus tätigt, d.h. eine fallweise Exporttätigkeit würde das Unternehmen bereits als international klassifizieren. Hierbei soll jedoch unter „international“ eine wesentlich engere Definition, welche die Nachhaltigkeit betont verwendet werden. Definitorisches Merkmal sind Direktinvestitionen im Ausland, somit setzt Internationalität zumindest eine rechtlich selbständige Vertriebs- oder Produktionsgesellschaft in einem Land außerhalb des Sitzes der Muttergesellschaft voraus.

Zum Begriff „Konzern“ gibt das Handelsgesetzbuch zwei wesentliche Merkmale.[1] Ein Konzern wird danach aus zwei oder mehreren rechtlich selbständigen Unternehmen gebildet. Konstituierendes Merkmal ist die einheitliche Leitung. Der Konzern wird betriebswirtschaftlich als Planungs-, Entscheidungs-, Steuerungs- und Kontrolleinheit gesehen.[2]

2. Der Controlling-Begriff im heterogenen internationalen Umfeld

In der Literatur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Controlling-Funktion „im Kern in der Koordination des Führungssystems“[3] zu sehen ist. Nach Horvath[4], dem Begründer dieser koordinationsorientierten Sicht, ist Controlling als ein führungs-unterstützendes System zu verstehen, welches auf Planungs- und Kontrollsystem sowie das Informationsversorgungssystem ausgerichtet ist und diese systembildend und systemkoppelnd koordiniert. Dabei gibt es Aufgaben operativer und strategischer Natur. Ziel ist es, die Reaktions-, Anpassungs- und Koordinationsfähigkeit der Unternehmensführung und seiner Teilsysteme sicherzustellen und damit die Verwirklichung der Unternehmensziele zu ermöglichen. Koordination bedeutet dabei laufende Abstimmung von Einzelaktivitäten im Hinblick auf ein übergeordnetes Ziel.[5]

Die Koordinationserfordernisse ergeben sich aus den wechselseitigen Abhängigkeiten im Zusammenwirken der Menschen, bzw. Teileinheiten, deren Handlungen auf ein gemeinsames Ziel auszurichten ist. Das akute Steuerungs- und Kontrollversagen in komplexen Institutionen lässt sich neben Verhaltensproblemen und Interessenunterschieden auf Abstimmungsschwierigkeiten zurückführen. Den Anpassungserfordernissen wird durch Einführung geeigneter interner Strukturen und ständiger Abstimmungsmaßnahmen innerhalb der Systemstrukturen entsprochen. Die dem Controlling zugesprochene Koordinationsaufgabe bezieht sich dabei ausschließlich auf die sekundäre Koordination.[6] Sie richtet sich folglich nicht auf den Leitungsvollzug selbst, dieser bleibt originäre Führungsaufgabe, sondern verbindet die einzelnen Subsysteme innerhalb des Führungssystems. Diese Verknüpfung erfolgt durch Verbesserung der Informationsbedingungen für die Führung. Eine generelle Orientierung der vom Controlling zu erfüllenden Informationsbedürfnisse für internationale Konzerne lassen sich schwer vorgeben denn dafür sind die Rahmenbedingungen zu heterogen. Diese unterscheiden sich zum Beispiel in folgenden Merkmalen: Stark voneinander abweichende Umwelten, insbesondere politische und rechtliche Rahmenbedingungen, geografische und kulturelle Distanz zur Muttergesellschaft, unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmensverbundes (Produktionsstätten, Dienstleistungszentren), variierende Größe und strategische Bedeutung der Tochtergesellschaften usw.

Diese Heterogenität der Ausgangsbedingungen erklärt die erforderliche Differenzierung von Controlling in internationalen Konzernen. Da die beeinflussenden Faktoren von Land zu Land verschiedene Ausprägungen aufweisen, sollten für jedes ausländische Tochterunternehmen unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen im Hinblick auf die Behauptung in der jeweiligen Umwelt auf die Kompatibilität mit der Muttergesellschaft entwickelt werden.[7] Bevor das Controlling aber versucht, differenziert auf diese lokalen Gegebenheiten der Tochtergesellschaften einzugehen, ist zu überprüfen, ob nicht bereits im originären Führungssystem der individuellen Verhältnissen der Auslandsgesellschaften entsprochen wird. Controlling als Instrument der Sekundärkoordination muss sich auf die dort Anwendung findenden originären Koordinationsformen beziehen.

3. Zur Begründung eines internationalen Konzerncontrollings

In der Literatur ist das Forschungsgebiet des Konzerncontrolling kein lückenloses abgeschlossenes Gebäude, es bleibt unklar worin genau sich das Konzerncontrolling bzw. internationales Konzerncontrolling vom originären Controlling unterscheidet.

Der konzeptionelle Kern eines internationalen Konzerncontrolling kann jedoch aus den sich ergebenden Problemfeldern abgeleitet werden. Eine empirische Erhebung zur Identifizierung wesentlicher Störfaktoren ergab, dass grenzüberschreitende Controlling-Aktivitäten vor allem durch Wechselkursänderungen, differierende rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen, unterschiedliche Länderrisiken, die konzerninternen leistungswirtschaftlichen und marktseitigen Verflechtungen, sowie die kulturelle Distanz erschwert werden.[8] Als wichtigster Störfaktor des internationalen Controllings wurden in der Erhebung die Wechselkursvolatilitäten angesehen, da Wechselkursschwankungen nachhaltig den grenzüberschreitenden Planungs-, Kontroll- und Koordinationsprozess erschweren. Für die Aufstellung und Kontrolle von Budgets als klassisches Instrument des Controllings ist im internationalen Zusammenhang ergänzend eine Wechselkursrechnung erforderlich. Der Einfluss differierender rechtlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen lässt sich nur schwer bei der Planvorgabe berücksichtigen. Diesen länderspezifischen Kontextfaktoren kommt eine hohe Bedeutung zu, da sie die Kommunikation innerhalb der Gesamtunternehmung in erheblichem Maße beeinflussen. Es kann beispielsweise bei einer partizipativen Budgeterstellung zu einer erheblichen Informationsassymetrie auf Grund der räumlichen und kulturellen Distanz zwischen Zentrale und lokalem Management kommen, die zur Bildung von Sicherheitsreserven genutzt wird.

Das Länderrisiko ist eine wesentliche Komponente des allgemeinen Geschäftsrisikos eines internationalen Konzerns. Dabei handelt es sich um Gefahren, die die Zielerreichung des Unternehmens beeinträchtigen, mit unternehmerischen Tätigkeiten verbunden sind und vom Gastland ausgehen.[9] Dies sind wirtschaftliche, politische und kulturelle Einflussfaktoren aus denen für den internationalen Konzern im wesentlichen fünf Ausprägungen des Länderrisikos resultieren: das Enteignungs-, Dispositions-, Transfer-, Sicherheits- und das fiskalische Risiko.[10]

Ein weiteres Problemfeld eines international agierenden Unternehmens stellt das Interdependenzgeflecht zwischen den Tochtergesellschaften dar. Die konzerninternen leistungswirtschaftlichen Verflechtungen werden oft von steuerlichen Überlegungen determiniert. Zum Zwecke der Verlagerung von Gewinnen in Niedrigsteuerländer werden Transferpreise angesetzt, die nicht den echten Marktpreisen entsprechen.

Schließlich muss das internationale Konzerncontrolling auch der kulturellen Distanz Rechnung tragen, denn kulturelle Verschiedenheiten zeigen sich auch hinsichtlich der Bedeutung formaler Planungs- und Kontrollprozesse, der Berichtsgenauigkeit, der Zeithorizonte und der Vorstellungen über realistische Planwerte. So benutzen US-amerikanische und australische Unternehmen in wesentlich höherem Maße quantitative Planungs- und Kontrolltechniken als asiatische Unternehmungen.[11]

Diese Störfaktoren treten in internationalen Konzernen selten allein sondern vielmehr in Verbindung mit anderen auf. Daher darf das internationale Konzerncontrolling diese störenden Einflüsse nicht isoliert behandeln, sondern es muss die Abhängigkeitsstruktur eines Faktors von anderen untersucht werden bevor versucht wird, den Störfaktor zu minimieren bzw. zu eliminieren.

4. Die Funktionen des internationalen Konzerncontrollings

Aus der Fundierung des Begriffs, den Problemfeldern sowie den Differenzierungen des internationalen Controllings leiten sich die vom Controlling wahrzunehmenden Aufgaben ab. Dabei hat die Koordinationsfunktion ähnlich wie beim nationalen Controlling eine zentrale Bedeutung. Dem Controlling können, der Koordinationsfunktion nachgeordnet, noch weitere abgeleitete Zwecksetzungen zugesprochen werden. Als nähere Spezifikation der Koordinationsfunktion lassen sich nach Küpper die Zielausrichtungsfunktion, die Anpassungs- und Innovationsfunktion sowie die Servicefunktion unterscheiden.[12]

Im folgenden sollen diese Funktionen im internationalen Kontext beleuchtet werden.

Die grundlegende Koordinationsfunktion soll die Handlungseffizienz im Unternehmen steigern, indem durch Variation des einzusetzenden Instrumentariums die arbeitseilig vollzogenen Handlungen auf die betrieblichen Zielsetzungen ausgerichtet werden.

Im internationalen Konzern ist die Koordinationsaufgabe zu modifizieren, da neben der Abstimmung innerhalb einer Gesellschaft, der sogenannten intra-Koordination auch die Vernetzung der einzelnen Unternehmenseinheiten, der inter-Koordination, zu beachten ist. Die Tochtergesellschaften müssen an die jeweilige äußere Umwelt angepasst werden um das Ziel der externen Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Einzelentscheidungen der Auslandsgesellschaften müssen dabei gesamtstrategie-konform sein um interne die Effizienz zu sichern.

Der Zielausrichtungsfunktion des Controlling kommt die Aufgabe zu, Handlungen der einzelnen Auslandsgesellschaften und des Stammhauses zielsetzungsgerecht aufeinander abzustimmen. Die Komplexität der internationalen Umwelt die z.B. in verschiedenen Marktbearbeitungs-, Eigentums- und Ansiedlungsformen zum Ausdruck kommt, bringt viele Zielstrukturen mit sich. Die davon betroffenen Personen lassen sich jedoch nur über eine begrenzte Zahl von Zielsetzungen steuern. Dies führt zum Konflikt zwischen der Vielschichtigkeit der in Zielen zum Ausdruck kommenden Erwartungen, sowie der daraus resultierenden Desorientierung der Mitarbeiter, durch Zielbeziehungen kann dieser jedoch aufgelöst werden.[13] Erst die controllinggeleitete Operationalisierung der Ziele und die Bereitstellung von Auswahlregeln im Falle konfliktärer Zielsetzungen gibt den Auslandsgesellschaften die Möglichkeit, sich selbständig an den Zielen auszurichten und die Zieladäquanz der lokal zu treffenden Maßnahmen sicherzustellen.

[...]


[1] vgl. § 290 HGB.

[2] vgl. Scheffler, 1991, S. 19.

[3] Küpper/Weber/Zünd, 1990, S. 283.

[4] vgl. Horvath, 1996.

[5] vgl. Küpper 1997, S. 89.

[6] vgl. Horvath, 1996, S. 119.

[7] vgl. Ziener, 1985, S. 53.

[8] vgl. Pausenberger/ Roth, 1997, S. 580.

[9] vgl. Raffee/ Kreutzer, 1984, S.28.

[10] vgl. Hake 1996, S.485.

[11] vgl. Pausenberger/ Roth, 1997, S.580.

[12] vgl. Küpper, 1997, S.19.

[13] vgl. Hoffian, 1998, S. 120.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Funktionen und Instrumente des Internationalen Konzerncontrollings
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Controlling und Unternehmensrechnung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V18224
ISBN (eBook)
9783638226141
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Instrumente, Internationalen, Konzerncontrollings
Arbeit zitieren
Marvin Plümecke (Autor), 2003, Funktionen und Instrumente des Internationalen Konzerncontrollings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18224

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