Realismus in Bjørnstjerne Bjørnsons „Synnøve Solbakken“


Seminararbeit, 2010
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Realismus in Bjnmstjeme Bjnmsons ,,Synn0ve Solbakken“

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1903 erhielt Bjornstjerne Bjornson als erster norwegischer Schriftsteller den Literatumobelpreis. Eines seiner Gedichte wurde von seinen Landsleuten als Text der norwegische Nationalhymne ausgewählt und der künstlerisch und gesellschaftlich hoch aktive Mann galt bei seinen Zeitgenossen als wichtiger Protagonist in der Geschichte der jungen norwegischen Nation.[1] Was die Bekanntheit angeht steht er heute allerdings meist im Schatten Henrik Ibsens, der nach Hans Skei „en levende dod dikter“, Bjornson hingegen „bare en dod dikter“[2] sei.

Unabhängig von diesem traurigen Befund für die Gegenwart wurde Bjornsons Kunst von seinen Zeitgenossen umfangreich wahrgenommen und kommentiert. In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit seinem Erstlingswerk „Synnove Solbakken“, das ihm 1857 den Durchbruch brachte und bis heute einen zentralen Platz in der norwegischen Literatur einnimmt.[3] „Synnove Solbakken“ war die erste von Bjornsons „bondefortællinger“ und gilt als sein beliebtestes Werk in Norwegen. Nach seinem Erscheinen wurde es immer wieder interpretiert und kommentiert, wobei im Großen eine gewisse Einigkeit, in den Details jedoch mitunter sehr verschiedene Meinungen vorgebracht wurden. Die Einigkeit im Großen umfasst vor allem, dass die Geschichte im Wesentlichen als Beschreibung des Erwachsenwerdens des wilden Torbjorn Granliden, der mit Hilfe Synnoves Selbstbeherrschung lernt und so auf die „rechte Spur“ kommt, zu lesen sei.[4] In dieser Arbeit soll es aber nicht um die Interpretation der Geschichte gehen, sondern darum, welche kulturgeschichtlichen Einflüsse man in ihr finden kann, da auch diese Frage in den zahlreichen Kommentaren direkt oder indirekt auftauchte und verschieden beantwortet wurde. Im von Fritz Paul herausgegebenen Buch „Grundzüge der neueren skandinavischen Literaturen“ findet sich folgender Kommentar zu Bjornsons Bauernerzählungen: „Verklärend wird auch das ländliche Milieu als Ganzes geschildert, ohne soziale Konflikte und ohne Einbeziehung der realen Arbeitssituation.“[5] Dem entgegen steht die These dieser Arbeit. Ich behaupte in ,,Synn0ve Solbakken“ wird das ländliche Milieu nicht idealisiert, sondern bereits unter dem Einfluss des Realismus beschrieben. Die Frage die ich daher in dieser Arbeit bearbeite lautet: Wo lassen sich in der Beschreibung des Landlebens und der Landbewohner in Synn0ve Solbakken Einflüsse des Realismus finden?

2. Realismus in Bjornstjerne Bjornsons „Synnove Solbakken“

Um den realistischen Einschlag in BjArnsons erster Bauernerzählung aufzuzeigen, betrachte ich im folgenden zwei unterschiedliche Bereiche der Geschichte. Zunächst werfe ich einen Blick auf einige Charaktere und ihre Gestaltung. Da sich nicht alle Figuren gleich eignen, die engelsgleiche und stark idealisierte Synn0ve wäre eben ein schlechtes Beispiel, konzentriere ich mich auf die beiden Charaktere bei denen die realistische Komponente am größten ist: Das sind Sæmund und Aslak. Aslak und seine Lebensgeschichte dienen dann als Übergang zu dem zweiten Gebiet, das ich betrachten möchte, nämlich der Darstellung der Lebensbedingungen und des Miteinanders der Figuren, also des ländlichen Lebens an sich. Mit dieser Betrachtung des Zusammenlebens ziele ich, meiner These entsprechend, auf die Darstellung sozialer Konflikte beziehungsweise Probleme, die dem gebrachten Zitat aus „Grundzüge der neueren skandinavischen Literaturen“ nach in „Synn0ve Solbakken“ nicht existieren.

Recht früh in der Erzählung wird das Verhältnis des Hauptcharakters Torbj0rn zu seinem Vater Sæmund dargestellt. Dieses Verhältnis ist von Mangel an Kommunikation und Prügel als Erziehungsmittel geprägt. Sæmund folgt dem Namensgebungsbrauch seiner Familie und nennt seinen Sohn TorbjArn, obwohl er gleichzeitig an die Familiensage glaubt, dass den Torbj0rns kein Glück beschieden sei. Die vermutete Hitzköpigkeit des Sohnes will er durch besonders strenge Erziehung ausmerzen. Für Torbj0rn ist dieser Zustand eine Belastung wie er selber sagt: “Det er nog underlig at jeg skal ha det sä slemt, og alle smäs0sknene mine skal ha det sä godt.“[6]

Nachdem er, vom böswilligen Knecht Aslak angestiftet, aus Versehen eine Fensterscheibe mit einem Schneeball eingeworfen hatte, verursachte ihm die Furcht vor seinem Vater sogar Alpträume.[7] Dieses schlechte Verhältnis zu seinem Vater dauert fast die ganze Geschichte an. Erst als TorbjArn lebensgefährlich verletzt wird, kann Sæmund seine Gefühle für seinen Sohn zeigen und die beiden kommen sich näher. Sæmund wird hier im Rahmen der Erziehung seines Sohnes also als gewalttätig und lieblos, beziehungsweise unfähig seine Gefühle zum Sohn auszudrücken dargestellt. Diese Darstellung kann nur schwerlich als idealisiert betrachtet werden. Francis Bull verweist hier vielmehr auf die Möglichkeit, dass Sæmund ein recht realistisches Abbild von Bjornsons eigenem Vater Peder ist, den Bjornson selbst laut Bull als wortkarg und nach außen hin gefühlskalt beschreibt.[8] Nicht nur der Charakter des Vaters, auch das Verhältnis zwischen ihm und Bjornson ist dem schwedischen Literaturwissenschaftler Sten Linder zufolge direkt in die Erzählung übergegangen. Linder sieht die Abbildung Bjornsons Vaters außerdem in den äußeren Eigenschaften, wie der gedrungenen Gestalt und den buschigen Augenbrauen.[9] Für Per Amdam ist er gar das feinste und sicherste Seelenportrait in der Erzählung.[10]

Diese Verwendung der negativen Eigenschaften seines Vaters, der zwar Priester aber aus einem alten Bauerngeschlecht war[11], in der Gestalt Sæmunds deute ich als Bewegung in Richtung des Realismus. Sæmund ist kein idealisierter Charakter, seine Eigenschaften, die zum Teil durchaus dem älteren romantischen Bild des „odalbonden“ entsprechen, werden hier nicht glorifiziert. Seine Wortkargheit und innere Härte sind in der Erzählung vielmehr Ursachen negativer Erscheinungen.

Dieser „psychologische Realismus“ lässt sich auch für eine weitere Figur der Erzählung konstatieren. Die Rede ist von Aslak dem Knecht, der recht früh folgendermaßen eingeführt wird: „Aslak het den nye, og han var nok allerede vidreist, skjont han blott var unggutten ennu.“[12]

Obwohl er noch jung ist, ist er schon weit herum gekommen. Man könnte auch sagen, er ist nirgendwo verwurzelt. In dieser Einführung schwingt schon eine wichtige Eigenschaft Aslaks mit, die jedoch erst weit später in der Erzählung erklärt wird. Diese Erklärung ist ein großer Schritt in Richtung des Realismus und wird von mir später weiter aufgegriffen. Zunächst widme ich mich dem Aslak vor dieser Erklärung.

Aslak kommt auf den Hof als Thorbjorn sieben oder acht Jahre alt war und ist ein großer Unruhestifter. Sofort gewinnt er mit seiner frech-dreisten Art Macht über Torbjorn.

[...]


[1] Vgl. Rattner/Danzer, Dänemark undNorwegen, S. 119.

[2] Skei, Bjornson, S. 325. Auch 0stein Rottem stellt eine derartige negative Diagnose was Bjornson und die Gegenwart betrifft. Vgl. Rottem, Multifarious Bjornson, S. 59.

[3] Vgl. Tvinnereim, Innledning, S. 7.

[4] Vgl. dazu Bygstad, Fremmed Gjest, S. 24. Bygstad bietet in seinem Aufsatz interessanterweise eine ganz andere Lesart an: Er versteht die Geschichte als verdecktes Programm eines Thraniters.

[5] Paul, Grundzüge, S. 177.

[6] Bj0rnson, Solbakken, S. 10.

[7] Ebenda, S. 14.

[8] Bull, Solbakken, S. 95.

[9] Vgl. Linder, Solbakken, S. 107.

[10] Vgl. Amdam, Bjornson, S. 159.

[11] Vgl. Thesen, S. 113.

[12] Bjornson, Solbakken, S.11.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Realismus in Bjørnstjerne Bjørnsons „Synnøve Solbakken“
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Nordische Abteilung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V182244
ISBN (eBook)
9783656056508
ISBN (Buch)
9783656056812
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Realismus, Romantik, 19. Jahrhundert, Norwegen, Skandinavien, Bjørnstjerne Bjørnson, Björnstjerne Björnson, Synnøve Solbakken, Synnöve Solbakken, Nationalismus
Arbeit zitieren
Lasse Seebeck (Autor), 2010, Realismus in Bjørnstjerne Bjørnsons „Synnøve Solbakken“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182244

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