Die Chicagoer Schule der Stadtforschung


Hausarbeit, 2011

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Chicagoer Schule
2.1 Sozialökologie
2.2 Humanökologie
2.3 Journalismus

3. Stadtforschung
3.1 Das Ringmodell
3.2 Das Sektorenmodell
3.3 Das Mehrkernmodell
3.4 Kritik an den Modellen

4. Fazit

Abbildungsverzeichnis:

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die Chicagoer Schule ist bis heute die wichtigste Strömung in der Stadtforschung und beruht vor allem auf den Theorien von Park, Burgess und McKenzie. Ihre Hochzeit hatte die Chicagoer Schule während der Lehre und Forschung von Robert E. Park in den Jahren 1915 bis 1932. (LINDNER 2004) Die Forschung der Chicagoer Soziologen verfolgt mehrere grundlegende theoretische Ansätze. Einer dieser Ansätze ist der biologische, bzw. der ökologische Ansatz, der auf die darwinistischen Ideen des Wettbewerbs der Arten zurückzuführen ist. Der andere Ansatz ist der des sich schnell entwickelnde Journalismus, welcher einen praktischen Ansatz für die Feldarbeit der Chicagoer Soziologen liefert. Mittels dieser Konzepte versuchte man Regelhaftigkeiten von wechselseitigen Abhängigkeiten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in der Stadt zu erforschen und in ihrer räumlichen Entwicklung aufzuzeigen (LINDNER 2004; HEINEBERG 2006; WALTER ET AL. 2008).

2. Grundlagen der Chicagoer Schule

Die Forschungen und Theorien der Chicagoer Schule sind auf drei unterschiedliche Grundlagen zurückzuführen. Die erste Grundlage war die Tatsache, dass Chicago als erste Universität überhaupt im Jahr 1892 einen soziologischen Lehrstuhl bekam. Die zweite Grundlage auf der die Chicagoer Schule beruht, ist dass die Stadt Chicago ein hohes Bevölkerungswachstum bei einer großen Anzahl von ethnischen Gruppen mit vielen sozialen und ökonomischen Konflikten aufwies. Die dritte und letzte Grundlage in Chicago waren Zensusdaten, die für die Stadt seit 1920 in 70 Teilgebieten und seit 1930 sogar in 75 Teilgebieten vorlagen (FRIEDRICHS 1981).

2.1 Sozialökologie

Der Begriff Sozialökologie, welcher in enger Verknüpfung mit der Humanökologie steht, wurde im Jahr 1920 von Park und Burgess eingeführt. Die Sozialökologie ist ein interdisziplinärer Fachbereich, der von der Geographie, Psychologie, Ökonomie und der politischen Soziologie rezipiert wurde. Trotzdem wird die Sozialökologie keinem dieser Bereiche untergeordnet (FRIEDRICHS 1981).

2.2 Humanökologie

Unter Humanökologie, die wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, eng mit der Sozialökologie verbunden ist, versteht man eine wissenschaftliche Perspektive, die sich mit der Signifikanz und der Folge von räumlicher und zeitlicher Positionierung von verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Institutionen beschäftigt. Die Humanökologie wurde vom Chicagoer Soziologen Robert E. Park aus der Tier- und Pflanzenökologie entlehnt. Die sozialräumliche Struktur der Stadt wird somit als eine Analogie zur Tier- und Pflanzenwelt beschrieben und erklärt. Man bediente sich mit Begriffen wie zum Beispiel: comunities (Gemeinschaft) und natural area (physische und soziale Einheiten), sozialwissenschaftlichem Vokabular und fasste auch das menschliche Handeln in der Stadt im biologischen Sinne auf. Das Verhältnis von sozialer Konkurrenz und sozialer Kontrolle wird in der Stadt, wie beim Darwinismus, als Kampf ums Dasein aufgefasst. Der am besten angepasste überlebt, bzw. setzt sich durch. Die Gesellschaft ist in der Humanökologie also nichts anderes als ein Anpassungsmechanismus der Natur (HEINEBERG 2006; HÄUSSERMAN UND SIEBEL 2004). Aus diesem natürlichen Anpassungsmechanismus entsteht eine Verteilung der verschiedenen comunities über die gesamte Stadt. Dies führt dazu, dass jede soziale Gruppe in der Stadt die natural area besetzt, die für ihre Lebensweise die besten Bedingungen aufweist. Die Mitglieder der jeweiligen sozialen Gruppen werden von dieser natural area dann immer weiter angezogen, da sie dort ethnische Homogenität, gemeinsame Interessen und gleiche Lebensstile wieder finden. Sie sind also unter ihres Gleichen. Es entstehen immer soziale Gebilde, die sich durch eigene Normen, Traditionen und Verhaltensmuster als eine eigene räumliche Einheit abgrenzen lassen. Diese natural areas bieten eine optimale Anpassung zwischen Bewohnern und ihrer Umwelt und verdeutlichen den erwähnten natürlichen Konkurrenzkamp aus dem Darwinismus (HÄUSSERMAN UND SIEBEL 2004). Für Park wurde die Stadt dadurch zu einem sozialen Labor der Forschung, welches sich zum Studium der menschlichen Verhaltensweisen und sozialen Prozesse bestens eignete (LINDNER 2004; WALTER ET AL. 2010; SCHUBERT 2005).

2.3 Journalismus

Der Chicagoer Park hat mit seiner Forschung und Lehre die Chicagoer Schule geprägt wie kaum ein Anderer. Seine soziologischen Inhalte und Methoden wären ohne Berücksichtigung seiner journalistischen Vorkenntnisse kaum zu verstehen gewesen. Nach seinem Bachelor Abschluss in Philosophie arbeitete er nämlich elf Jahre als Reporter und Redakteur in verschiedenen Städten. Diese journalistische Prägung führte bei Park zu einer völlig anderen Wahrnehmung der Stadt. Er wollte die Stadtkultur mit dem Auge erkennen und gab diese Einstellung auch in seiner Lehre weiter. Es ging ihm um die Kunst des Sehens und darum, ein besonderes Gefühl für die Stadt zu bekommen. Er schickte seine Studenten los um die Stadt zu Fuß zu erkunden und vergab kleine Forschungsaufgaben, damit seine Studenten ein spezielles Gespür und einen speziellen Blick für die Stadt bekamen. Dies waren meist sehr einfache Aufgaben, wie z.B. das Beobachten eines Barkeepers, die den Aufgaben eines Einstellungstests für Reporter sehr ähnelten. Park und seine Studenten versuchten das Authentische und Wirkliche zu suchen und die Fremden in der Stadt zu verstehen, ohne dabei Vorurteile oder Verbesserungsabsichten zu haben. Man sollte einfach versuchen, die menschliche Gesellschaft auf der Straße selbst für sich zu entdecken. Diese journalistischen Arbeitsaufträge in seiner Lehre führten dazu, dass es zu jeder soziologischen Chicagoer Studie auch ein journalistisches Gegenstück gibt. Somit war der Journalismus von Park der Soziologie immer einen Schritt voraus. Auch im methodischen Sinne. Neben den Journalisten gibt es keine andere Berufsgruppe, die sich in der Großstadt im Sinne von ungleichem Nebeneinander von Gruppen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft besser auskennt. Ein Beispiel dafür ist der Berufsjournalist John Reed, der während seiner Arbeit in New York die verschiedenen ethnischen Viertel kennenlernt, Speisen aus aller Welt isst, herausfindet wie man sich Drogen beschafft, erfährt wie man Leute findet die einen Mord begehen und wie sich die Schere zwischen den Villenviertel und den Slums immer weiter ausbreitet. Dieses Wissen und Interesse welches man durch den Journalismus über eine Stadt bekommt, hat Park als Forschungsmethode in die Feldarbeit der Chicagoer Soziologie bis heute mit einfließen lassen (LINDNER 2004;WALTER ET AL. 2010; FRIEDRICHS 1995).

3. Stadtforschung

Das Manifest der Chicagoer Schule war die Stadtforschung, welche in der Textsammlung „The City“ im Jahr 1925 vorgestellt wurde. Den zentralen Ausgangspunkt in dieser Textsammlung liefert das Essay von Roderick D. McKenzie. In seinem Beitrag geht es ihm vorwiegend um die Logik die hinter der Entwicklung und Dynamik menschlicher Ansiedlungen steckt. Er sagt, dass es zu Bevölkerungswachstum kommt, welches zu Konkurrenz und Konflikten führt. Dies wiederrum führt dazu, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen in ein zur Zeit homogenes Teilgebiet der Segregation eindringen. Dies führt zu einer Art Wettbewerb, bis sich eine der beiden Bevölkerungsgruppen durchgesetzt hat und einen vollständigen Wandel der Bevölkerungsgruppe in eben jenem Gebiet durchgeführt wurde. Diese Prozesse werden auch Invasion und Sukzession genannt. Das Resultat aus Invasions- und Sukzessionsprozessen ist das Entstehen der sogenannten natural areas, die im Verlauf dieser Arbeit schon erwähnt wurden. Da es diese natural areas für jede Bevölkerungsgruppe gibt, stellen sie in ihrem Gesamtgefüge die organische Struktur einer Stadt dar (LINDNER 2004; HEINEBERG 2006; FRIEDRICHS 1981).

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Details

Titel
Die Chicagoer Schule der Stadtforschung
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut)
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V182252
ISBN (eBook)
9783656057048
ISBN (Buch)
9783656056768
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, stadtforschung
Arbeit zitieren
Daniel Berendsen (Autor), 2011, Die Chicagoer Schule der Stadtforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182252

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