Familienpädagogik in einer Zeit der Orientierungslosigkeit

Der Wertepluralismus im Spannungsfeld autoritärer und antiautoritärer Erziehungskonzeptionen


Hausarbeit, 2011
13 Seiten

Leseprobe

INHALT

1. Vorwort

2. Der Zeitgeist des „Almost anything goes“ als pädagogisches Problem

3. Grundpositionen und Lösungsvorschläge in der Erziehung
3.1 Autoritäre Erziehung
3.2 Antiautoritäre Erziehung
3.3 Lösungsvorschlag konservativer Pädagogik
3.4 Lösungsvorschlag liberaler Pädagogik

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Die Erziehung der Kinder ist seit jeher eine schwierige Angelegenheit. Doch ist sie in unserer heutigen modernen Gesellschaft, geprägt von einem hohen Wertepluralismus noch schwerer als jemals zuvor.

Wie erziehe ich „richtig“? Eltern und Pädagogen sehen sich einem Dschungel von Ratgebern gegenüber, im Fernsehen hilft die Super-Nanny - ein Symptom dafür, dass die alten Gewissheiten längst nicht mehr gelten, die Erwachsenen angestrengt nach dem geeigneten Erziehungsstil suchen. Kein Wunder. Viele Jugendliche verstehen sich meisterhaft darauf, Pädagogen ebenso wie Eltern in Verlegenheit zu bringen und sie in Beziehungs- und damit Erziehungsfallen zu locken. In unserem heutigen Wertepluralismus ist es gerade für Eltern eine schwierige Angelegenheit zu entscheiden, wie Kinder am besten erzogen werden. Eltern sind verunsichert hinsichtlich ihrer Roll in der Familienatmosphäre. Welche Werte sind heute noch gültig, wenn Autorität nur mehr als Sachautorität, aber nicht mehr im Bezug der Vater-und Mutterrolle akzeptiert wird? Welche Rolle können sie noch im Leben der Jugendlichen übernehmen, wenn diese früh selbstständig werden und sich auch an Peergroups orientieren? Ängste und Unsicherheiten entwickeln sich aus Fragen wie diesen.

Von frühen Erziehungsstilen geprägt sind sich viele Eltern einig, ihre Kinder anders zu erziehen, als sie selbst erzogen worden sind. Doch dies wirft neue Erziehungswelten für Eltern auf, da sie sich neu orientieren müssen und sich im modernen „ Erziehungsdschungel“ zurechtfinden müssen. Anti-autoritär - das sollte das Gegenteil von autoritär sein. In der Praxis der alltäglichen Erziehung aber wurde daraus ein pädagogisches „Laufen lassen“, ein Laissez-faire-Erziehungsstil voller Permissivität, der die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigte, aber die der Eltern und Erzieher verdrängte. Die Kinder durften alles und sollten alles selbst bestimmen, die Erwachsenen hatten nichts zu sagen oder taten jedenfalls so, als ob sie nichts zu sagen und zu bestimmen hätten. Der Erziehung ging damit so allmählich jede Richtung verloren. Im Gegensatz dazu steht der autoritärer Erziehungsstil, der leider oft zu Richtungen benutzt wurde, die sehr schnell in Gewalt auszubrechen drohte. Autorität ist heute, gerade im Erziehungsbereich heftig umstritten. Trotzdem wissen Eltern, die angemessene Dosierung von Autorität gehört in jede Erziehung und ist Baustein jeder Beziehung. Nur hierdurch erhält das Kind einen Hinweis, welches Lebenskonzept und welche Werte der Pädagoge bzw. die Eltern selbst vertreten. Nur hierdurch kann ein emotional enger Kontakt aufgebaut werden, bei dem sich das Kind orientieren und auch reiben kann. Nur hierdurch sind sinnvolle Sanktionen („Strafen“) möglich, die dem Kind anzeigen, wann es gegen eine vorher abgestimmte gemeinsame Regel verstoßen hat und wie es sich wieder in das gemeinsame Netzwerk einklinken kann.

Kinder brauchen Liebe, Wärme und Verständnis-aber ebenso auch klare Regeln und Grenzen. Demnach sollte es wohl eine Mischung von konservativen als auch liberalen Erziehungscharakteristiken geben.

2. Der Zeitgeist des „Almost anything goes“ als pädagogisches Problem

In der hochindustrialisierten, europäischen Gesellschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten eine intergenerationelle Veränderung der Wertepräferenzen stattgefunden und findet weiterhin statt. Die Richtung des Wandels geht weg von Werten des materiellen Wohlergehens hin zu einer stärkeren Bedeutsamkeit von Werten der Lebensqualität. Unser gegenwärtiger Zeitgeist der westlichen Welt, eine Konsequenz der sich überschlagenden sozialen und technischen Veränderungen, kann in Abwandlung der bekannten wissenschaftstheoretischen These von Paul Feyerabends treffend mit der Maxime „almost anything goes“ umschrieben werden (vgl. Ludwig 1997,S.52). Der Zeitgeist des Individualismus ,Pluralismus und des Verlustes von externer Sinngebung, der „Elternlosigkeit“, kann völlig unterschiedlich gesehen werden. In positivem Sinne eröffnet es dem Individuum Freiheit und Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Zwängen, gerade, wenn es darum geht sich für einen Lebensentwurf zu entscheiden. In negativer Sichtweise können sich Unsicherheiten, Gleichgültigkeit und persönliche Orientierungslosigkeit entwickeln, unter diejenigen leiden, deren persönliche Reifung mit dem enormen Zuwachs an Freiheit nicht mithalten konnte. Das Bedürfnis nach Sinnerfahrung und geworden. Diese Folgen unseres Zeitgeistes mögen insgesamt eine Art „verwaschenes Miteinander“ von Emanzipation auf der einen Seite und Orientierungslosigkeit auf der anderen Seite hervorrufen ( vgl. Ludwig 1997,S.52). Eltern sollten unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen eine Orientierungskompetenz entwickeln. Es ist nicht nur wichtig sich orientieren zu können und Entscheidungen zu treffen, sondern gleichermaßen spielt die Qualität der Entscheidung und die Qualität der Orientierungsfähigkeit eine maßgebliche Rolle. Eltern muss geholfen werden in Auswirkungen des Zeitgeistes, die Fähigkeit zu entwickeln, im Pool der Erziehungsmöglichkeiten und auch Angeboten, für sich das Beste herauszufiltern.

3. Grundbegriffe der Erziehung

3.1 Autoritäre Erziehung

Nach Erich Weber, ist mit Autorität, die Beziehung zwischen dem Autoritätsträger und dem Autoritätsempfänger gemeint. Hierbei hat der Autoritätsträger eine partielle Überlegenheit gegenüber dem Autoritätsempfänger, die von diesem auch als solche anerkannt wird. Die Anerkennung kann durch Zwang, Einsicht oder Vertrauen erfolgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. nach Weber: Autorität und Erziehung

Im pädagogischen Kontext, ist die Frage nach dem Ziel des Autoritätsträgers relevant. Will dieser seine Autorität konservieren oder will er sie durch intentionale Lernhilfe abbauen? Der autoritäre Erziehungsstil, ist gekennzeichnet, durch den Versuch des Autoritätsträgers, seine Überlegenheit zu konservieren-die Machtsicherung steht hier also im Vordergrund. Dies gelingt ihm durch hochgradig dirigistisches Verhalten. Wiederstand wird durch gezieltes Einsetzen von Verständnislosigkeit, Irreversibilität und/oder Geringschätzung im Keim erstickt. Intentionale Lernhilfe wird demnach nicht gegeben . ( Vgl. Handout am 16.05.11 zum Seminar „ Autorität und Erziehung “ im SS 11, zusammengestellt von Dr. phil. Boeser) Der autoritäre Erziehungsstil, lässt sich durch folgende, meist miteinander kombiniert auftretende Erziehungspraktiken kennzeichnen. Es herrschen die vom Erzieher ausgehenden Lenkungsmaßnahmen vor, durch die jedes Merkmal des Verhaltens, fundiert auf Übermacht, festgelegt, kontrolliert und durchgesetzt werden. Um diesen Ziel durchsetzen zu können setzt man Verbote und Gebote, Befehle und Anordnungen ein, die in der Regel nur die nächsten Schritte des Vorgehens betreffen.

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Details

Titel
Familienpädagogik in einer Zeit der Orientierungslosigkeit
Untertitel
Der Wertepluralismus im Spannungsfeld autoritärer und antiautoritärer Erziehungskonzeptionen
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V182378
ISBN (eBook)
9783656061083
ISBN (Buch)
9783656061137
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
familienpädagogik, zeit, orientierungslosigkeit, wertepluralismus, spannungsfeld, erziehungskonzeptionen
Arbeit zitieren
Anna Donderer (Autor), 2011, Familienpädagogik in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182378

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