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Jeff Wall: Die Inszenierung fotografischer Arbeiten im Horizont der Kunstgeschichte

Title: Jeff Wall: Die Inszenierung fotografischer Arbeiten im Horizont der Kunstgeschichte

Seminar Paper , 2002 , 19 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Annika Höppner (Author)

Art - Photography and Film
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Summary Excerpt Details

Das Thema meiner Hausarbeit ist die Inszenierung fotografischer Bilder im Horizont
der Kunstgeschichte am Beispiel Jeff Walls.
Seit 1978 macht Jeff Wall riesige Fotografien. Er präsentiert sie in Leuchtkästen, die
wir aus der Reklame kennen. Dieses Medium nennt er Cibachrom. Schon ihre Größe,
teilweise bis zu 230 x 430 cm, erinnert an ein Format, das traditionell der
Historienmalerei vorbehalten war. Fotografie war bisher aus technischen Gründen auf
eher kleinere Formate festgelegt.
In der Literatur werden die Fotografien Walls fast ausschließlich nach
Berührungspunkten mit der Malerei untersucht. Kunsthistoriker sind hier gerade zu auf
die Jagd nach Zitaten aus der Malerei gegangen. Aber auch kompositionelle und mit
dem Arbeitsprozeß verbundene Parallelen werden in der Literatur beschrieben. Jeff
Wall selber bekräftigt diese Interpretation seiner Fotografien. An anderer Stelle negiert
er dann wieder jede Bezugnahme auf die Malerei, indem er sagt, er mache bloß Kunst1.
Im Zuge dieser Hausarbeit werde ich untersuchen, wie weit man die von der
Literatur gefundenen Beziehungen zur Malerei an Hand der Bilder Walls
nachvollziehen kann. Die Frage ist, ob es sich bei den gefundenen Parallelen zwischen
seinen Fotografien und der Malerei um Überinterpretationen kunstgeschichtlich
gebildeter Rezepienten handelt oder ob der Künstler diese gefundenen Rückgriffe auf
die Malerei intendierte hat. Vielleicht geht es Jeff Wall aber auch nur um eine
immerwährende Diskussion um seine Werke, die er in Gang hält, indem er einmal der
Literatur zustimmt und ihr ein anderes Mal widerspricht.
Weiter werde ich danach fragen, wie Wall sich von der traditionellen Fotografie
abgrenzt.
Die in der Literatur beschriebenen Bezüge zur Malerei teile ich in vier Kategorien
ein: Explizite Remakes, Neuinszenierungen von kunsthistorischen Vorstellungen,
strukturelle und enstehungstechnische Bezüge.
An Hand von vier Beispielen werde ich dieses nun erläutern. Diese Fotografien stehen
exemplarisch für eine ganze Reihe anderer Bilder aus Jeff Walls Werk, die ich hier aber
nicht weiter betrachte, da das den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.
Außerdem werde ich aus dem selben Grund nur auf die Bezüge zur Malerei eingehen,
obwohl es bei Wall natürlich auch Bezüge zum Film und zur Literatur gibt.
1 Jeff Wall in Frankfurt bei seiner Ausstellung Figures & Places vom September 2000 bis März 2001 im
Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 HAUPTTEIL

2.1 BEZÜGE ZUR MALEREI

Die „Remakes“

2.1.2 Strukturelle Bezüge

2.1.3 Entstehungstechnische Bezüge und Gattung (Inszenierung und digitale Bearbeitung)

2.1.4 Der Bruch mit kunsthistorischen Regeln

3 ZUSAMMENFASSUNG

3.1 WALL UND DIE KUNSTGESCHICHTE

3.2 WARUM WILL SICH WALL AUF DIE KUNSTGESCHICHTE BEZIEHEN?

3.3 SIND DIE BESCHRIEBENEN BEZIEHUNGEN ZUR MALEREI ÜBERINERPRETATIONEN UND GEZIELTE AUSSAGEN WALLS ZU EINEM BESTIMMTEN ZWECK?

4 ANHANG

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung fotografischer Bilder im Kontext der Kunstgeschichte am Beispiel von Jeff Wall. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit die in der Fachliteratur identifizierten Parallelen zwischen Walls Fotografien und der klassischen Malerei tatsächlich vom Künstler intendiert sind oder ob es sich um Überinterpretationen kunsthistorisch geschulter Betrachter handelt.

  • Analyse der malerischen Referenzen in Walls „Remakes“.
  • Untersuchung struktureller Bezüge wie Komposition und Bildtypologien.
  • Erörterung der Rolle von Inszenierung und digitaler Bildbearbeitung als Annäherung an malerische Arbeitsprozesse.
  • Kritische Reflexion der kunsthistorischen Einordnung und Zuschreibung.
  • Beleuchtung des Spannungsfeldes zwischen Selbstmarketing des Künstlers und theoretischer Interpretation.

Auszug aus dem Buch

2.1.1.1 Picture for Women ( 1979), Abb. 1

„Picture for women“ ist wie ein Tryptichon aufgebaut. Vertikale Stangen teilen das Bild in drei Teile. Wir sehen den Blick in einen Spiegel. Auf der linken Seite steht frontal zum Betrachter eine Frau, die sich mit ihren Händen auf dem sich vor ihr befindenden Tisch abstützt. Im Mittelteil, den zentralen Fluchtpunkt makierend, steht eine Kamera. Der Mann auf der rechten Seite ist der Künstler selber. Er hält das Auslösekabel der Kamera in der Hand und schaut nach vorne, zu der Frau im Spiegel.

Nach Kerry Brougher erinnert die Frau in ihrer Haltung und in ihrem Blick an die Barfrau aus Manets „Bar in Folies-Bergère“ (Abb. 2). Harald Klinke fällt auf, dass auch das Element des Spiegels, das den Betrachter im Bildraum verwirrt, in Manets Gemälde vorkommt. Bei Manet müsste das Spiegelbild der Frau direkt hinter ihr sein, da das Bild perspektivisch aufgebaut ist. Nimmt man jedoch das Spiegelbild für richtig an, so ist dies wiederum nicht mit dem Aufbau der Perspektivenkonstruktion des restlichen Bildes vereinbar. Durch dieses Paradox innerhalb des Bildes entsteht eine Irritation des Betrachters, der sich mit dem Bild auseinander setzen muß, um Bild und Spiegelbild, um Betrachter und Betrachteten voneinander zu unterscheiden. Es ist ein Experiment mit dem Auge des Betrachters. Auch bei „Picture for Women“ ist der Betrachte zunächst verwirrt, da Kamera und Modell in die gleiche Richtung schauen. Hat man aber die Fotografie als Abbild eines Spiegels entschlüsselt, wird das Bild verständlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Inszenierung in Jeff Walls Fotografien und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der malerischen Referenzen.

2 HAUPTTEIL: Detaillierte Untersuchung von Walls Arbeiten anhand der Kategorien Remakes, strukturelle Bezüge, entstehungstechnische Ansätze und bewusste Regelbrüche.

3 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die aufzeigt, dass viele kunsthistorische Vergleiche in der Literatur einer kritischen Überprüfung kaum standhalten.

4 ANHANG: Auflistung der im Text referenzierten Abbildungen sowie des verwendeten Literaturverzeichnisses zur weiteren Recherche.

Schlüsselwörter

Jeff Wall, Fotografie, Kunstgeschichte, Malerei, Inszenierung, Cibachrom, Remake, Bildtypologie, digitale Bildbearbeitung, Allegorie, Rezeption, Kunstkritik, Ästhetik, visuelle Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie der Fotograf Jeff Wall durch Inszenierung und digitale Bildbearbeitung Bezüge zur klassischen Malerei herstellt und ob diese Vergleiche kunsthistorisch belastbar sind.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Kategorien der Remakes, strukturelle Kompositionsweisen, die Rolle der Technik sowie die kritische Reflexion des Künstlers im Verhältnis zur kunstgeschichtlichen Deutung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, ob die von Kunsthistorikern gefundenen Parallelen zur Malerei beabsichtigt sind oder ob es sich um Interpretationen handelt, die von außen an die Werke herangetragen werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es werden exemplarische Bildanalysen von Schlüsselwerken durchgeführt, um die in der Fachliteratur postulierten Bezüge direkt am Werk zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen.

Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Werkgruppen und diskutiert, wie Wall durch die bewusste Manipulation von Raum, Zeit und Bildaufbau eine malerische Qualität innerhalb der Fotografie erzeugt.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Inszenierte Fotografie, Kunsthistorische Referenz, Bildanalyse und kritische Rezeptionsästhetik beschreiben.

Warum wird „Picture for Women“ als zentrales Beispiel gewählt?

Es dient als eines der ersten Cibachrom-Werke Walls, an dem die malerische Tradition des Triptychons und die Komplexität des voyeuristischen Blicks besonders deutlich veranschaulicht werden können.

Wie bewertet der Autor Walls Verhältnis zu „The Storyteller“?

Der Autor argumentiert, dass eine zu starke Einordnung in kunsthistorische Schemata (wie die Pastorale) die eigentliche gesellschaftskritische Dimension des Bildes verdeckt.

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Details

Title
Jeff Wall: Die Inszenierung fotografischer Arbeiten im Horizont der Kunstgeschichte
College
University of Marburg  (Institut für Kunstgeschichte)
Course
Wechselwirkungen zwischen Malerei und Fotografie im 19. und 20. Jahrhundert
Grade
2,7
Author
Annika Höppner (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V18240
ISBN (eBook)
9783638226295
Language
German
Tags
Jeff Wall Inszenierung Arbeiten Horizont Kunstgeschichte Wechselwirkungen Malerei Fotografie Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annika Höppner (Author), 2002, Jeff Wall: Die Inszenierung fotografischer Arbeiten im Horizont der Kunstgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18240
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