Der Krieg des Octavian gegen Kleopatra und Antonius


Seminararbeit, 2002

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Die propagandistische Verschärfung im Jahre 33
II. 1 Octavian und Kaisarion: Die Frage nach dem Sohn Cäsars
II. 2 Die „Schenkungen“ von 34

III. Zuspitzung und Eskalation im Jahre 32
III. 1 Die relatio des Sosius und die Abdikationsfrage
III. 2 Die Scheidung von Octavia
III. 3 Das Testament des Antonius

IV. Per consensum universorum – Die Kriegserklärung
IV Der Aktische Krieg
IV. 1 Der Feldzug von 31
IV. 2.9. 31: Die Schlacht von Actium

V. Schluss

VI. Literaturverzeichnis
VI. 1 Primärquellen
VI. 2 Sekundärquellen

I. Einleitung

Am 2.9. 31 v. Chr. kam es im Krieg Octavians gegen Antonius und seine Hauptverbündete Kleopatra zur entscheidenden Schlacht von Actium. Nach dem Sieg über Sex. Pompeius und der machtpolitischen „Kaltstellung“ des Lepidus war M. Antonius der letzte Gegner Octavians, der seinen Aufstieg zur Alleinherrschaft hätte verhindern können. Mit diesem Sieg konnte der divi filius seinen alleinigen Machtanspruch im Römischen Reich durchsetzen.

Seine Propaganda im Vorfeld der Entscheidung war aber geflissentlich darum bemüht, M. Anton als Hauptgegner aus dem Blickfeld zu drängen, um seine Verbündete und Geliebte Kleopatra zum Feindbild hochzustilisieren. Der Krieg sollte nicht als Konflikt zwischen Antonius gegen Octavian wahrgenommen werden, sondern als ein Krieg gegen einen hostis, und darüber hinaus auf der ideologischen Ebene eine prinzipielle Auseinandersetzung zwischen Ost und West[1].

In den antiken Quellen setzte sich die Propaganda des Siegers durch; bei der Auswertung der Quellen muss bedacht werden, dass Propaganda nicht nur in der gezielten Erfindung von Fakten besteht, sondern auch in einer einseitigen und verfälschenden Darstellung der Realität[2].

Eine zentrale Quelle ist die Antonius-Biographie des Plutarch (46-127 n. Chr.), der weniger historisch systematisch vorging, sondern eher Unterhaltungsliteratur schreiben wollte. Das Antoniusbild ist negativ, zumal er ja als abschreckendes Beispiel erscheinen soll[3].

Von interessantem Quellenwert sind die Kaiserbiographien Suetons (69-140 n. Chr.), der u.a. die Autobiographie des Augustus verwandte, aber dennoch ein differenziertes Bild des Ereignissen entwirft.

Wichtige Informationen liefert daneben die Geschichte Roms von Cassius Dio Cocceianus (163-230 n. Chr.), auch wenn er „aus sicherer Entfernung erst 250 Jahre später die Geschehnisse beschreibt“[4]. Seine Sympathien gelten dem Sieger Octavian.

Die Darstellung des Alexandriners Appian (90-160 n. Chr.), die die Bürgerkriege behandelt, interessiert hier nur in Einzelaspekten, da sie mit dem Sieg über Sex. Pompeius endet. Besonders die Darstellung der Kleopatra ist von der Propaganda Octavians negativ geprägt.

Zudem sind Augustus‘ Res Gestae von Relevanz für die Untersuchung[5].

Die vorliegende Arbeit setzt mit der Verschärfung des Jahres 33 ein und behandelt mit der Frage nach dem legitimen Sohn Cäsars und den „Schenkungen“ von 34 die Hauptpunkte der propagandistischen Auseinandersetzung. Anschließend wird die Eskalation der Lage im Jahre 32 in den vier Abschnitten Relatio des Sosius, Scheidung von Octavia, das Testament des Antonius und die Kriegserklärung dargestellt. Danach folgt der Verlauf des eigentlichen Krieges bis zur Niederlage von Antonius und Kleopatra.

II. Die propagandistische Verschärfung im Jahre 33

Das Jahr 33 wurde gekennzeichnet durch eine Intensivierung der propagandistischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Triumvirn Octavian und M. Antonius. Über großzügige öffentliche Ausgaben im Rahmen des Ädilats von M. Agrippa versuchte Octavian seine Massenbasis zu stärken[6]. Am 1.1. 33 trat der Adoptivsohn Cäsars sein zweites Konsulat an und benutzte seine relatio vor dem Senat zu einem öffentlichen, auf die Politik M. Antons gerichteten Angriff[7] Danach legte Octavian das Amt sogleich nieder, so wie es ein Jahr vorher Antonius getan hatte[8] und ging zu seinen Truppen nach Dalmatien zurück[9].

Der divi filius kritisierte die angeblichen „Schenkungen“ an Kleopatra und ihre Kinder im Jahre 34[10], die Bezeichnung ihres ältesten Sohnes als „Kaisarion“, wegen der implizierten Vaterschaft Cäsars, die Gefangennahme des armenischen Königs Artavasdes und die Ermordung von Sex. Pompeius[11]. In den Mittelpunkt der Auseinandersetzung wurde immer mehr das Verhältnis von Antonius zur ägyptischen Königin gerückt[12]. Mittels eines persönlichen Briefs an seinen Triumviratskollegen versuchte M. Anton diese Beziehung durch die Reduzierung Kleopatras zum reinen Sexualobjekt zu relativieren und stellte die rhetorische Frage : „Uxor mea est?“[13]

Darüberhinaus erhob er selbst Vorwürfe; nach der Niederlage des Sex. Pompeius und der

Eroberung Siziliens habe Antonius keinen Anteil erhalten. Daneben habe Octavian die Schiffe des Antonius, die dieser ihm geliehen hatte, einbehalten. Außerdem sei Lepidus ohne Rücksprache mit Antonius entmachtet worden und seine Truppen, Territorien und Einkünfte seien an Octavian gegangen. Schließlich habe Octavian Land nur an seine eigenen Soldaten verteilt, nicht an die des Antonius[14].

Octavian entgegnete darauf, Lepidus habe sein Amt missbraucht; außerdem beanspruchte der divi filius für sich selbst einen Anteil an der Beute im Osten, insbesondere an Armenien. M. Antons Soldaten hätten zudem keinen Anspruch auf Land in Italien, ihnen bliebe Medien und Parthien, die, wie er ironisch hinzufügte, Antonius ja praktisch schon erobert hätte.[15] Als Antonius die Antwort des Octavian in Armenien erhielt, beorderte er umgehend 16 Legionen unter Canidius an die Küste[16]. Die Zeichen standen deutlich auf offene Feindseligkeit[17].

II. 1 Octavian und Kaisarion: Die Frage nach dem Sohn Cäsars

Die Abstammung Kaisarions war eine der zentralen politischen und propagandistischen Fragen in der Auseinandersetzung zwischen Octavian und M. Antonius. Es ging letztlich darum, wer der „legitimere“ Sohn Cäsars war, der leibliche oder der adoptierte[18]. Octavian musste es darum gehen, eine Vaterschaft Cäsars unglaubwürdig erscheinen zu lassen[19]. M. Anton seinerseits hatte die Anerkennung Kaisarions durch Cäsar schon vor dem Senat verkündigt, wobei die Vaterschaft in einer Schrift von C. Oppius bestritten wurde[20], die Octavian wohl sehr gelegen kam. Die antiken Quellen geben kein einheitliches Urteil ab: Dio gibt die Vaterschaft Cäsars nur als Äußerung des Antonius an[21] ; Plutarch lehnt sie nicht ab, aber äußert sie mit Vorbehalt[22]. Sueton stellt einerseits die Vaterschaft Cäsars als Behauptung Kleopatras mit unsicherem Wahrheitsgehalt dar[23], andererseits ließ, nach Sueton, Cäsar die Benennung von Kleopatras Sohn nach ihm ausdrücklich zu.[24] Es lässt sich nur sagen, dass Kaisarion deutlich vor der Ermordung Cäsars geboren wurde (wohl 47 v.), und dass Antonius mit Sicherheit nicht sein Vater war[25].

Antonius wies immer gerne auf die durchschnittliche natürliche Abkunft des Octavian hin und bezeichnete ihn in Anspielung auf seinen leiblichen Vater Octavius „Thurinus“[26]. Dadurch wird ein Widerspruch zum Selbstverständnis des divi filius deutlich, sozusagen eine „Entgöttlichung“ und eine Herabsetzung gegenüber dem leiblichen Sohn Cäsars. Es ist durchaus möglich, dass Antonius mit dem Namen Cäsars Sympathien für Kaisarion und damit auch für seine Orientpolitik im Westen sammeln wollte[27]. Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, dass Antonius im hellenistischen Osten, wo das dynastische Denken traditionell viel stärker verwurzelt war, Kaisarion erfolgreich als den eigentlichen Erben von Cäsars Macht präsentieren konnte; daher war Kaisarion ein gefährlicher Rivale Octavians[28] und das wichtigste Kind Kleopatras[29].

[...]


[1] Kienast, Dietmar: Augustus und Alexander, in: Gymnasium 76 (1969), S. 430-456; S. 446

[2] Buchheim, Hans: Die Orientpolitik des Triumvirn M. Antonius. Ihre Voraussetzungen, Entwicklung und Zusammenhang mit den politischen Ereignissen in Italien, Heidelberg 1960, S. 8

[3] Benne, Simon: Marcus Antonius und Kleopatra VII. Machtaufbau, herrscherliche Repräsentation und politische Konzeption, Göttingen 2001, S. 8; Carter, John M.: Die Schlacht von Aktium. Aufstieg und Triumph des Kaisers Augustus, aus dem Englischen von Fred und Jessica Schmitz, Wiesbaden 1972, S. 289; Volkmann, Hans: Kleopatra. Politik und Propaganda, München 1953, S. 221

[4] Carter, Aktium, S. 239

[5] Benne, Simon: Antonius, S. 9; Carter, Aktium S. 289f.; Volkmann, Kleopatra, S. 221f.

[6] Carter, Aktium, S. 213

[7] Carter, Aktium, S. 210 ; Schmitthenner, Walter: Oktavians militärische Unternehmungen 35-33v. Chr., in: Historia 7 (1958), S. 189-236; S. 219

[8] Dio XLIX, 39,1; XLIX, 43,6

[9] Schmitthenner, Unternehmungen, a.a.O., S. 219

[10] Plut. Ant. LIV, 3-6

[11] Dio L, 1, 4-5

[12] Carter, Aktium, S. 210; Volkmann, Kleopatra, S. 153

[13] Suet. Aug. 69,2; Kraft, Konrad: Zu Sueton, Divus Augustus 69,2: M. Anton und Kleopatra, in: Hermes 95 (1967), S. 496-499

[14] Dio L, 1,3; Plut. Ant. LV, 1

[15] Dio L, 1, 5; Plut. Ant. LV, 2

[16] Plut. Ant. LVI

[17] Dio L, 1, 2

[18] Clauss, Manfred: Kleopatra, 2., durchges. Aufl., München 2000, S. 69

[19] Heinen, Heinz: Cäsar und Kaisarion, in: Historia 18 (1969), S. 181– 203; S. 190

[20] Suet. Div. Iul., 52, 2

[21] Dio XIX, 41,2

[22] Plut. Ant. LIV, 4

[23] Suet. Aug. 17,5: „[...] Caesarionem, quem ex Caesare patre Cleopatra concepisse praedicabat[...]“

[24] Suet. Div. Iul., 52,1

[25] Heinen, Kaisarion, a.a.O., S. 203

[26] Suet. Aug. 7,1; Charlesworth, M.P.: Some Fragments of the Propaganda of Mark Antony, in: Classical Quarterly 27 (1933), S. 172-177; S. 173f.

[27] Meijklejohn, K.W.: Alexander Helios and Caesarion, in: Journal of Roman Studies 24 (1934), S. 191-195

[28] Benne, Antonius S. 129f.; insbesondere S. 130, Anm. 824

[29] Meijklejohn, Helios, a.a.O., S. 192

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Krieg des Octavian gegen Kleopatra und Antonius
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Alte Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V18266
ISBN (eBook)
9783638226509
ISBN (Buch)
9783638788335
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Octavian, Kleopatra, Antonius, Einführung, Alte, Geschichte
Arbeit zitieren
Helmut Strauss (Autor), 2002, Der Krieg des Octavian gegen Kleopatra und Antonius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18266

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