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Alfred von Kiderlen-Wächter und der Alldeutsche Verband vor der zweiten Marokkokrise. Die geheime Kooperation und ihre weitreichenden Folgen

Möglichkeiten der politischen Einflussnahme für radikalnationalistische Strömungen vor dem 1.Weltkrieg

Title: Alfred von Kiderlen-Wächter und der Alldeutsche Verband vor der zweiten Marokkokrise. Die geheime Kooperation und ihre weitreichenden Folgen

Thesis (M.A.) , 2008 , 122 Pages , Grade: 2,8

Autor:in: Ivo Jarowinsky (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

Während des Spätwilhelminismus war das Deutsche Kaiserreich ein durch polykratisches Chaos geprägter ungeordneter Machtapparat, der versuchte, die konstitutionelle Monarchie mit autokratischen Befehlsstrukturen gegen jedwede Demokratisierungstendenzen zu verteidigen. Diese strukturelle Krise manifestierte sich mit dem Ende des Bülow-Blocks 1909. Daraus resultierten Einflussmöglichkeiten für antidemokratisch und radikalnationalistisch gesinnte Gruppen, verstärkt durch die schwächelenden Parteien im rechten Lager. Zu diesem Themenfeld besteht noch viel Klärungsbedarf.

Als Heinrich Claß Anfang 1908 den Vorsitz vom verstorbenen Ernst Hasse im wirkungsmächtigsten Agitationsverband des wilhelminischen Kaiserreichs, dem Alldeutschen Verband, übernahm vollzog sich im Verband ein für viele der Mitglieder erforderlicher ideologischer Wechsel. Eine direkte Zusammenarbeit mit der Regierung des Reichskanzlers von Bülow hatte keine positiven Ergebnisse erbracht, sondern den ADV öffentlich bloß gestellt. Neben der Radikalisierung des Verbandsprogramms sollte deshalb eine personelle Distanz zur Regierung aufgebaut werden, ohne alle Kontakte abzubrechen. Dieser Schritt war für die Regierung fatal und für den Verband zugleich ideal, wie es die Untersuchung der Vorgänge vor und während der 2. Marokkokrise in der vorliegenden Arbeit herausarbeiten möchte.

Es sollte dabei erwähnt werden, dass der ADV schon zuvor bei einigen wichtigen Entscheidungen in Außen- und Innenpolitik der Ära von Bülows Einfluss besaß. Es fragt sich, ob die nachfolgende Regierung unter Bethmann Hollweg gegenüber nationalen Agitationsverbände wie dem ADV und deren politischen Vorstellungen weniger immun war. D.h., waren diese Vereine nicht ein Instrument der Reichsleitung zur Kaschierung der bereits genannten Krise, indem der Öffentlichkeit ein außenpolitisches machtvolles Deutschland suggeriert werden sollte?

Der Verfasser möchte in dieser Arbeit einer der Folgen dieser strukturellen Krise auf den Grund gehen: Der verstärkten Ausbreitung des organisierten Nationalismus und deren Bedeutung für das Vorgehen der herrschenden Machteliten. Exemplarisch diente hierfür der ADV als Vertreter des organisierten Nationalismus, weil er als eine Art “holding company“ der “neuen Rechten“ verstanden werden kann und somit ihre Ideologie und politischen Ziele am effizientesten nach außen zu vertreten verstand.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil

1. In der selbstverschuldeten Sackgasse: Die außenpolitische Situation des Reiches vor der zweiten Marokkokrise

1.1. Das schwere Erbe von Bülows

1.2. Innenpolitische Determinanten begrenzen außenpolitischen Aktionsradius

1.3. Von der "Auskreisung" in die "Einkreisung"

1.4. Die Resonanz des Weltmachtstrebens in der spätwilhelminischen Gesellschaft

2. Die Konstruktion des radikalnationalistischen Weltbildes der Alldeutschen

2.1. Entstehungsgeschichte des Verbandes

2.2. Deutsche Nationalismen und ihre historische Anwendung

2.3. Preußische Machstaatsideologie und Konservative Kulturkritik: Die ideologischen Wurzeln des alldeutschen Radikalnationalismus

2.4. Der "Organisierte Nationalismus" des ADV als bewusster Gegensatz zur deutschen Nationalbewegung

2.5. Die Genese geopolitischer Deutungsmuster im ADV und deren Bedeutung für die Konfrontationsstrategie ab 1908

2.6. Die Zielutopie von der radikalen Expansionspolitik

2.7. Weltmacht oder Untergang: Die alldeutsche Zuspitzung bis zum "Daseinskampf des deutschen Volkes" in der Kolonialpolitik

3. Die Vorgeschichte der Agadirkrise und die regelmäßigen Treffen

3.1. Marokko als Zankapfel der europäischen Großmächte

3.2. Erste Kontaktaufnahme durch den Staatssekretär

3.3. 25.2.1911: Beginn der substanziellen Mitteilungen

3.4. Frankreich verstößt gegen geltende Vereinbarungen - Kiderlens Risikostrategie

3.5. Das Treffen in Mannheim und die erste Marokkodenkschrift Kiderlens

3.6. Paris lenkt nicht ein - Die zweite Marokkodenkschrift stellt die Weichen

4. "Jetzt platzt die Bombe": Der Panthersprung nach Agadir am 1.7.

4.1. Der "Panthersprung" bringt den Stein ins Rollen

4.2. Die Pressekampagne des ADV für Gebietesansprüche in West-Marokko

4.3. Kritik an der Flugschrift von Claß: Keine Gebietsansprüche und Kontaktabbruch

4.4. Die Mansion House Rede von David Lloyd George

4.5. Kaiser und Kanzler wollen eine Verhandlungslösung: Kiderlen reduziert seine Forderungen

4.6. Die Risikostrategie ist gescheitert: Schwierige Verhandlungen unter kritischer Begutachtung des ADV

5. Der lange Weg zum Frieden und die Folgen: Der Marokko-Kongo-Vertrag die Hetzkampagne des ADV und der Kurswechsel der alten Rechten

5.1. Minimaler Kolonialerwerb mit desaströsen Folgen - Die alldeutsche Reaktion

5.2. Die Reichstagsdebatten zu Marokko: Der ADV und die Erklärungen der Regierung

5.3. Regierung in der Sackgasse: Die Reichstagswahlen im Januar 1912

5.4. Die "Neue Rechte" auf dem Vormarsch: Die "nationale" Ideologie wird zur politischen Kraft

C. Zusammenfassung/Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das ambivalente und teilweise geheime Zusammenspiel zwischen dem Staatssekretär des Äußeren, Alfred von Kiderlen-Wächter, und dem Alldeutschen Verband (ADV) unter Heinrich Claß im Kontext der zweiten Marokkokrise. Ziel ist es, zu klären, in welchem Maße der ADV als radikalnationalistische Kraft die außenpolitischen Entscheidungen des Deutschen Reiches beeinflussen konnte und ob dies eine bewusste Instrumentalisierung durch die Regierung oder eine Eigendynamik des Verbandes darstellte.

  • Die Entstehungsgeschichte und ideologische Konstruktion des radikalen Nationalismus des ADV.
  • Die Außenpolitik des Deutschen Reiches unter der Ägide von Bülow und dessen Nachfolger.
  • Der Ablauf und die Hintergründe der Agadirkrise von 1911.
  • Die wechselseitige Beeinflussung von Regierungshandeln und nationalistischer Agitation.
  • Die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die politische Landschaft im Vorfeld des Ersten Weltkrieges.

Auszug aus dem Buch

A.1. Untersuchungsgegenstand

In seiner spätwilhelminischen Epoche war das Deutsche Kaiserreich ein durch polykratisches Chaos geprägter ungeordneter Machtapparat, der versuchte, die konstitutionelle Monarchie mit autokratischen Befehlsstrukturen von jedweden Demokratisierungstendenzen fernzuhalten. Diese strukturelle Krise manifestierte sich spätestens mit dem Ende des Bülow-Blocks 1909. Die daraus resultierenden Einflussmöglichkeiten für antidemokratisch und radikalnationalistisch gesinnte Gruppen verstärkten sich durch die schwächelenden Parteien im rechten Lager.

Das ist auch deshalb ein Themenfeld, in dem noch einiger Klärungsbedarf besteht. Als Heinrich Claß Anfang 1908 den Vorsitz vom verstorbenen Ernst Hasse im wohl wirkungsmächtigsten Agitationsverband des wilhelminischen Kaiserreichs, dem Alldeutschen Verband übernahm, vollzog sich damit im Verband ein für viele der Mitglieder dringend erforderlicher ideologischer Wechsel. Eine direkte Zusammenarbeit mit der Regierung des Reichskanzlers von Bülow hatte zumeist keine positiven Ergebnisse erbracht, sondern den ADV eher öffentlich bloß gestellt. Neben der Radikalisierung des Verbandsprogramms sollte deshalb nun auch eine personelle Distanz zu den Regierungsstellen aufgebaut werden, ohne jedoch alle Kontakte abzubrechen. Dieser Schritt erwies sich für die Regierung als fatal und für den Verband zugleich als ideal, wie es die Untersuchung der Vorgänge vor und während der 2. Marokkokrise in der vorliegenden Arbeit herausarbeiten möchte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. In der selbstverschuldeten Sackgasse: Die außenpolitische Situation des Reiches vor der zweiten Marokkokrise: Erläutert die innen- und außenpolitische Isolation des Reiches sowie die negativen Folgen der Kanzlerschaft Bülows, die den Handlungsspielraum der Nachfolger einschränkten.

2. Die Konstruktion des radikalnationalistischen Weltbildes der Alldeutschen: Analysiert die ideologische Basis des ADV, seine rassistischen und völkischen Konzepte und wie diese als Instrument zur außenpolitischen Radikalisierung genutzt wurden.

3. Die Vorgeschichte der Agadirkrise und die regelmäßigen Treffen: Beschreibt die diplomatischen Initiativen und geheimen Absprachen zwischen Kiderlen-Wächter und dem ADV im Vorfeld der Krise.

4. "Jetzt platzt die Bombe": Der Panthersprung nach Agadir am 1.7.: Detailliert den militärischen Vorstoß nach Agadir, die Rolle der Pressekampagne des ADV und das Scheitern der Risikostrategie gegenüber Frankreich und Großbritannien.

5. Der lange Weg zum Frieden und die Folgen: Der Marokko-Kongo-Vertrag die Hetzkampagne des ADV und der Kurswechsel der alten Rechten: Fasst die Folgen des Marokko-Kongo-Vertrags für das politische System des Reiches zusammen und zeigt den Aufstieg der "Neuen Rechten" auf.

Schlüsselwörter

Alldeutscher Verband, Alfred von Kiderlen-Wächter, zweite Marokkokrise, Agadirkrise, Imperialismus, radikaler Nationalismus, Heinrich Claß, Weltmachtpolitik, Außenpolitik, deutsch-französische Beziehungen, Wilhelminische Ära, politische Ideologie, Nationalismus, Machtstaat, Kolonialpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die geheime und problematische Kooperation zwischen dem Staatssekretär Alfred von Kiderlen-Wächter und dem radikalnationalistischen Alldeutschen Verband (ADV) während der zweiten Marokkokrise 1911 und deren Auswirkungen auf die deutsche Innen- und Außenpolitik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Strukturkrise des späten Deutschen Kaiserreichs, die Ideologieentwicklung des organisierten Nationalismus, das Scheitern der sogenannten "Risikostrategie" Kiderlen-Wächters sowie die zunehmende Radikalisierung der politischen Rechten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung zielt darauf ab, zu ergründen, ob der ADV als wirkungsmächtiger Repräsentant des radikalen Nationalismus die Außenpolitik des Kaiserreiches maßgeblich beeinflussen konnte und inwieweit diese Kooperation eine gezielte politische Strategie der Regierung darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?

Der Autor bedient sich der hypothetisch-deduktiven Methode nach Karl Popper, um die Form und den Inhalt der Kooperation sowie deren Konsequenzen anhand von Quellenauswertungen und Strukturanalysen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in fünf Phasen: von der außenpolitischen Sackgasse des Kaiserreichs über die ideologische Konstruktion des alldeutschen Weltbildes, die Vorgeschichte und Durchführung der Agadirkrise bis hin zu den Folgen der gescheiterten Risikostrategie für das innenpolitische Gefüge des Reiches.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die wichtigsten Schlagworte sind Alldeutscher Verband, Marokkokrise, Weltmachtpolitik, Radikalnationalismus, Alfred von Kiderlen-Wächter und das Spannungsfeld zwischen Regierung und nationalistischen Verbänden.

Welche Rolle spielte der "Panthersprung nach Agadir" in der Argumentation des Autors?

Der "Panthersprung" wird als das zentrale Ereignis dargestellt, das die durch den ADV geschürten Erwartungen und die riskante Strategie des Auswärtigen Amtes aufeinanderprallen ließ und schließlich zum Scheitern der diplomatischer Ziele und zur innenpolitischen Radikalisierung führte.

Wie bewertet die Arbeit die Glaubwürdigkeit der Quellen, insbesondere die Autobiografie von Heinrich Claß?

Der Autor geht kritisch mit Claß’ Autobiografie "Wider dem Strom" um und ordnet sie als extrem subjektiv ein. Er nutzt sie zwar zur Rekonstruktion der geheimen Absprachen, stellt ihre Glaubwürdigkeit jedoch durch Abgleich mit zeitgenössischen Akten und anderen historischen Quellen in Frage.

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Details

Title
Alfred von Kiderlen-Wächter und der Alldeutsche Verband vor der zweiten Marokkokrise. Die geheime Kooperation und ihre weitreichenden Folgen
Subtitle
Möglichkeiten der politischen Einflussnahme für radikalnationalistische Strömungen vor dem 1.Weltkrieg
College
University of Hamburg  (Historisches Seminar)
Course
Das Deutsche Kaiserreich in der spätwilhelminischen Epoche
Grade
2,8
Author
Ivo Jarowinsky (Author)
Publication Year
2008
Pages
122
Catalog Number
V182739
ISBN (eBook)
9783668201569
ISBN (Book)
9783668201576
Language
German
Tags
kooperation alfred kiderlen-wächter alldeutschen verband marokkokrise folgen möglichkeiten einflussnahme strömungen weltkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ivo Jarowinsky (Author), 2008, Alfred von Kiderlen-Wächter und der Alldeutsche Verband vor der zweiten Marokkokrise. Die geheime Kooperation und ihre weitreichenden Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182739
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