Die Auswirkungen der Abgeltungsteuer am Beispiel privater Kapitalanlagen


Diplomarbeit, 2008

73 Seiten


Leseprobe

Executive Summary
I
Executive Summary
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Auswirkungen die
Einführung einer Abgeltungsteuer zum 01.01.2009 auf private Kapitalanlagen hat.
Hierzu wurde eine umfassende Analyse verschiedener Kapitalanlagen hinsichtlich ihrer
Chancen und Risiken bezüglich der neuen Besteuerung durchgeführt. Ferner wurden
Kapitalanlageprodukte der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG untersucht, die sich
von konventionellen Kapitalanlagen unterscheiden. Durch diese Untersuchung soll die
Attraktivität der innovativen HDI- Gerling Produkte nach Einführung der
Abgeltungsteuer geprüft werden. Außerdem wird in der Arbeit ein Ausblick
vorgenommen, welcher mögliche Probleme der Abgeltungsteuer aufdecken soll. Dabei
wird insbesondere auf denkbare Schlupflöcher und Verfassungswidrigkeiten
eingegangen.
Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass sich die Besteuerung der Kapitalanlagen
durch die Einführung der Abgeltungsteuer deutlich verändert hat. Dies hat sowohl
positive, als auch negative Auswirkungen auf verschiedene Anlageformen.
Aktien und Zertifikate, die in der Regel äußerst renditeträchtige Kapitalanlagen sind,
werden durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahren und der Spekulationsfrist in
ihrer Besteuerung stark beeinträchtigt. Dachfonds erhalten dagegen positive Effekte,
da steuerfreie Umschichtungen zwischen verschiedenen Anlageklassen vorgenommen
werden können und somit die Abgeltungsteuer umgangen wird. Ein Vorteil für
festverzinsliche Wertpapiere ist, dass Erträge aus diesen Anleihen zukünftig statt mit
dem individuellen Einkommensteuersatz mit der geringeren 25%igen Abgeltungsteuer
versteuert werden. Auch Finanzinnovationen erhalten eine vorher kaum bemerkte
Attraktivität. Finanzinnovationen wurden bislang, unabhängig von der Haltedauer, voll
mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Die Untersuchungen zeigen, dass
Einkünfte aus diesen Kapitalanlagen ab dem Jahr 2009 mit dem 25%igen
Abgeltungsteuersatz veranlagt werden.
Die Analyse der HDI- Gerling Produkte zeigt, dass HDI- Gerling innovative Produkte
kreiert hat, um sich vor der Abgeltungsteuer zu schützen.
Zusätzlich gewinnt man aus der vorliegenden Arbeit die Erkenntnis, dass Sachwerte
und ungeförderte Riester- Fondssparpläne Schlupflöcher bilden, welche die
Abgeltungsteuer umgehen.
Die Ergebnisse offenbaren, dass jeder Anleger auf eine gesunde Risikostreuung
setzen sollte. Diversifikation bildet die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der
Anleger. Folglich dürfen Anleger nicht nur auf günstige Besteuerungen setzen. Auch in
Zukunft wird die Abgeltungsteuer polarisieren und für regen Diskussionsbedarf sorgen.

Inhaltsverzeichnis
II
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary
I
Inhaltsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
VII
Fehler! Textmarke nicht definiert.
1. Einleitung
1
1.1 Problemstellung
und
Zielsetzung
1
1.2 Aufbau der Arbeit und Vorgehensweise
2
1.3 Unternehmensvorstellung der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG
3
2. Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
5
2.1 Die
Einkunftsarten
5
2.1.1 Gewinneinkünfte
5
2.1.2 Überschusseinkünfte
6
2.2 Halbeinkünfteverfahren
6
2.3 Private
Veräußerungsgeschäfte
7
2.4 Sparer-
Freibetrag
9
2.5 Ausländische
Kapitalerträge
10
2.5.1 Doppelbesteuerungsabkommen
10
2.5.2 Quellensteuer
11
3. Die Abgeltungsteuer
12
3.1 Eckpunkte der Abgeltungsteuer
12
3.2 Anwendungsbereich
12
3.3 Der
Abgeltungsteuersatz
13
3.4 Veranlagungsoptionen
14
3.4.1
Freiwillig zum Pauschaltarif
14
3.4.2
Verpflichtung zum Pauschaltarif
15
3.4.3 Verpflichtung
zum
Individualtarif
15
3.4.4
Freiwillig zum Individualtarif (Günstigerprüfung)
16
3.5 Steuerpflichtige Kapitalerträge aus dem Ausland
16
3.6 Ausnahmen von der Abgeltungswirkung
17
3.6.1 Back-to-back
Finanzierung
18

Inhaltsverzeichnis
III
3.6.2
Nahe stehende Personen
18
3.6.3
Kapitalerträge aus Lebensversicherungen
19
4. Das System der Abgeltungsteuer
21
4.1 Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens
21
4.1.1
Einführung eines Teileinkünfteverfahrens
21
4.2 Werbungskostenabzug
22
4.3 Sparer-
Pauschbetrag
23
4.4 Verlustverrechnung
23
4.4.1 Verlustverrechnungstopf
24
4.4.1.1 Aktienverluste
24
4.4.1.2 Altverluste
25
4.5 Wegfall der Spekulationsfrist
25
4.6 Einschränkung
beim
Kontenabruf
25
4.6.1
Kontenabruf für außersteuerliche Zwecke
26
4.6.2
Kontenabruf für steuerliche Zwecke
26
4.7 Depotübertragung
27
4.7.1
Depotübertragung auf ein anderes Institut
27
4.7.2
Depotübertragung auf einen anderen Anleger
27
4.8 Übergangsregelungen
27
4.9 Kapitalertragssteuerabzug
28
4.10 Kirchensteuer
29
5. Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf private Kapitalanlagen
31
5.1 Kapitalanlagen
32
5.1.1 Aktien
32
5.1.2 Investmentfonds
34
5.1.2.1 Aktienfonds
34
5.1.2.2 Dachfonds
36
5.1.2.3 Offene Immobilienfonds
37
5.1.3 Immobilien
39
5.1.4 Geschlossene
Fonds
39
5.1.5 Genussrechte
40
5.1.6 Anleihen
41
5.1.6.1 Aktienanleihen
42
5.1.7 Zertifikate
43
5.1.7.1 Garantiezertifikate
44
5.1.8 Termingeschäfte
44
5.1.9 Finanzinnovationen
46
5.1.10 Real
Estate
Investment
Trusts
46
5.1.11 Kapitallebensversicherungen
47

Inhaltsverzeichnis
IV
5.1.12 Staatlich geförderte Altersvorsorge
49
5.2 Gewinner und Verlierer der Abgeltungsteuer
51
6. Anlagekonzepte der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG
53
6.1 ASPECTA
DEPOT.invest
53
6.2 HDI- Gerling Triple Fund System
55
7. Ausblick
57
7.1 Mögliche
Schlupflöcher
57
7.1.1 Riester-
Fondssparpläne
57
7.1.2 Sachwerte
58
7.2 Mögliche
Verfassungswidrigkeiten
58
8. Fazit
60
63
Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis
V
Tabellenverzeichnis
Seite
Tab. 1: Berechnung von Gewinneinkünften
6
Tab. 2: Berechnung von Überschusseinkünften
6
Tab. 3: Berechnung der Dividendenbesteuerung
7
Tab. 4: Berechnung der steuerfreien und steuerpflichtigen Erträgen
9
Tab.
5:
Sparer-
Freibetrag
9
Tab. 6: Formel zur Berechnung des Abgeltungsteuersatz
13
Tab. 7: Berechnung des Abgeltungsteuersatz
14
Tab. 8: Berechnung der Abgeltungsteuer bei steuerpflichtigen Auslandserträgen 17
Tab. 9: Beispielrechnung mit einem Einkommensteuersatz von 42%
22
Tab. 10: Beispielrechnung mit einem Einkommensteuersatz von 45%
22
Tab.
11:
Kapitalertragsteuerabzug
28
Tab. 12: Berechnung Kirchensteuer
29
Tab. 13: Historische Renditen 1926 ­ 2002
33
Tab. 14: Berechnung eines Aktienfonds
35
Tab. 15: Berechung Termingeschäfte
45
Tab. 16: Steuerbelastung von Kapitallebensversicherungen
48
Tab. 17: Vergleich von Lebensversicherung und Aktienfonds
49

Abbildungsverzeichnis
VI
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb.
1:
Steueranrechnungsverfahren
10
Abb. 2: Das Basiswissen fehlt
31
Abb. 3: Entwicklung offener Immobilienfonds
38
Abb. 4: Wichtige Termine für Zertifikate
43
Abb. 5: Börsentägliche Einzahlung
53
Abb. 6: Der goldene Bulle
54
Abb. 7: Beispiel Total Return
55
Abb. 8: Rating
56

Abkürzungsverzeichnis
VII
Abkürzungsverzeichnis
%
Prozent
§ Paragraph
& und
Euro
Abs.
Absatz
AG
Aktiengesellschaft
AO
Abgabenordnung
Art.
Artikel
AStG
Außensteuergesetz
bzw.
beziehungsweise
ca.
circa
DAB
Doppelbesteuerungsabkommen
EStG
Einkommensteuergesetz
f folgende
ff fortfolgende
GG
Grundgesetz
ggf.
gegebenenfalls
i.H.v.
in Höhe von
max.
maximal
Mio.
Millionen
Nr.
Nummer
o.g.
oben
genannte
p.a.
per annum
REIT
Real Estate Investment Trust
Soli
Solidaritätszuschlag
S.
Seite
StSenkG Steuersenkungsgesetz
u.Ä.
und
Ähnliches
v. a.
vor allem
vgl.
vergleiche
z. B.
zum Beispiel
zzgl.
zuzüglich

Einleitung
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
SPD, CDU und CSU handelten im Rahmen der Koalitionsvereinbarung eine weit
reichende Unternehmsteuerreform aus. Das Gesetzgebungsverfahren wurde durch die
Bundesregierung am 14.03.2007 eröffnet und am 06.07.2007 hat der Bundesrat die
Unternehmensteuerreform 2008 endgültig beschlossen. Ein wesentlicher Bestandteil
der Unternehmensteuerreform sollte die Einführung einer Abgeltungsteuer auf
Kapitaleinkünfte sein. Die Abgeltungsteuer beinhaltet eine umfangreiche Modifikation
der Besteuerung von Kapitalanlagen im Privatvermögen. Diese Änderung soll die
Attraktivität der inländischen Kapitalanlagen steigern und das Kapital in Deutschland
halten. Zudem verfolgt der Gesetzgeber das Ziel eine umfassende
Veräußerungsgewinnbesteuerung von Vermögensanlagen zu erreichen und die
Besteuerung pauschal zu vereinfachen.
Unter die neue Besteuerung fallen Einkünfte aus Kapitalvermögen wie z.B. Zinsen,
Dividenden, Gewinnanteile aus Kapitalvermögen und Erträge aus Investmentfonds.
Außerdem werden auch Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften mit der neuen
Abgeltungsteuer besteuert. Unter diesen Bereich fallen z.B. Wertpapiere oder
Investmentanteile.
Das große Problem des Gesetzgebers liegt darin den Bundesbürgern diese neue
Besteuerung der Kapitalanlagen zu vermitteln. Außerdem müssen den potentiellen
Anlegern die Notwendigkeit und die Vorteilhaftigkeit einer Abgeltungsteuer vermittelt
werden. Dies erscheint ein problematisches Unterfangen zu sein, da die Kapitalanleger
nahezu kaum Möglichkeiten haben steuerfreie Gewinne einzustreichen.
Dementsprechend entfällt den Investoren ein wichtiger Anreiz um Kapital zu
investieren. Viele Bürger werden sicherlich die Vermutung haben, dass sich der Staat
durch die Einführung einer pauschalen Besteuerung zusätzlich bereichern will und den
Anlegern ihre Gewinne kürzen möchte.
Doch diese Annahme ist so nicht zu stützen. Die vorliegende Arbeit untersucht die
verschiedenen Besteuerungsvarianten und zeigt den potentiellen Anlegern die
Chancen und Risiken der Abgeltungsteuer. Dementsprechend zeigt die Diplomarbeit
einen kritischen Vergleich zwischen der Abgeltungsteuer und der bisherigen
Einkommensteuerveranlagung und analysiert verschiedene Formen der privaten
Kapitalanlage.

Einleitung
2
1.2
Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, die Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf verschiedene private
Kapitalanlagen zu untersuchen und dabei sowohl Vorteile als auch Nachteile der
einzelnen Anlageformen hervorzuheben. Diese Chancen und Risiken sollen durch
Modellrechnungen und Untersuchungen verdeutlicht werden und
Handlungsempfehlungen für potentielle Kapitalanleger erschaffen. Es sollen die
Anlagekonzepte der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG durch nähere Analyse
eine interessante Alternative zu konventionellen Anlageformen bilden. Zudem wird das
Ziel verfolgt mögliche Schlupflöcher und Verfassungswidrigkeiten der Abgeltungsteuer
zu untersuchen.
Im ersten Kapitel erhält der Leser eine Einführung in die Problemstellung der
Diplomarbeit und die Vorgehensweise des Autors. Außerdem wird das Unternehmen
HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG vorgestellt.
Dem Leser wird dazu in Kapitel 2 zunächst einmal die bisherige Besteuerung von
Kapitalerträgen vor Augen geführt. Dabei werden die sieben Einkunftsarten
differenziert und das noch gültige Besteuerungsverfahren genauestens durchleuchtet.
In Kapitel 3 sollen die wichtigsten Eckpunkte der ab dem 01.01.2009 gültigen
Abgeltungsteuer dargelegt werden. Dies erfolgt zunächst durch eine kurze Einführung
in die Abgeltungsteuer und das Abgeltungsverfahren. In diesen Schritten wird auch die
Berechnung des Abgeltungsteuersatzes dargestellt. Zusätzlich werden die
verschiedenen neuen Veranlagungsoptionen des Abgeltungsverfahrens ausführlich
erläutert. Dem folgen die einzelnen Ausnahmen der Abgeltungswirkung, die detailliert
beschrieben werden.
Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem System der Abgeltungsteuer. Dieser Abschnitt
befasst sich eingehend mit den neuen steuerlichen Komponenten des
Abgeltungsverfahrens. Dabei werden sowohl Neuerungen innerhalb des
Steuerverfahrens durch Einführung eines Teileinkünfteverfahrens oder den Wegfall der
Spekulationsfrist, als auch Änderungen innerhalb der Verlustverrechnung, des
Kapitalertragsteuerabzugs und der Kirchensteuer genau erläutert. Dieses Kapitel dient
dazu die wichtigsten Neugestaltungen der künftigen Versteuerung von Kapitalanlagen
zu verinnerlichen.

Einleitung
3
Mit dem fünften Kapitel beginnt der empirische Teil der vorliegenden Arbeit. In diesem
Absatz werden die Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf einzelne private
Kapitalanlagen erforscht. Es werden Vor- und Nachteile, sowie Chancen und Risiken
der Anlageformen aufgezeigt. Zusätzlich werden Handlungsempfehlungen für private
Kapitalanleger gegeben.
Dem Leser werden in Kapitel 6 die Anlagekonzepte der HDI- Gerling Leben
Vertriebsservice AG vorgestellt. Dieser Teil zeigt die Tauglichkeit der Produkte
hinsichtlich der eintretenden Abgeltungsteuer und zeigt Vorteile gegenüber anderen
Anlageformen auf.
Kapitel 7 beschäftigt sich mit den möglichen Problemen welche die Abgeltungsteuer
enthält. Dabei wird intensiv auf mögliche Schlupflöcher, z.B. durch Riester-
Fondssparpläne, Immobilien oder Sachwerte, und mögliche Verfassungswidrigkeiten
eingegangen.
Zuletzt erfolgt ein Fazit über die Fähigkeiten der Abgeltungsteuer und eine potentielle
Vereinfachung des Steuersystems. Es werden die durch die vorliegende Arbeit
gewonnenen Erkenntnisse reflektiert und Chancen und Trends aufgezeigt.
1.3
Unternehmensvorstellung der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice
AG
Unter der Marke HDI- Gerling operieren eine Sach- und eine
Lebensversicherungsgruppe, die sich gleichermaßen durch Finanzstärke, innovative
Produkte und eine hervorragende Marktpositionierung auszeichnen. HDI- Gerling
gehört zu den ,,großen Drei" der Industrieversicherer in Deutschland. In der
Lebensversicherung belegt HDI- Gerling bundesweit den zehnten Platz
1
. Auch
international sind beide Gruppen aktiv ­ die Leben- Gruppe in Europa und die
Sachversicherung weltweit.
Weitere Gesellschaften unter dem Dach von HDI- Gerling ergänzen das
Angebotsspektrum. In der Sachversicherung bietet HDI- Direkt den Online-Abschluss
von Versicherungsverträgen an. HDI- Gerling Leben verfügt mit ASPECTA über eine
ausgewiesene Spezialgesellschaft für Fondspolicen
2
. Fonds sind auch das Geschäft
der Kapitalanlagegesellschaft der Gruppe. Sie trägt den Namen AmpegaGerling.
1
Vgl. Unternehmensunterlagen (2008)
2
Vgl. Unternehmensunterlagen (2008)

Einleitung
4
Entstanden ist HDI- Gerling aus der Fusion von HDI und Gerling. Zuvor hatte die
Talanx AG, Eigentümerin der HDI-Versicherungen, die operativen Gerling-
Gesellschaften erworben
3
. Talanx ist als Finanz- und Managementholding in fünf
Segmenten tätig: In der Erstversicherung Schaden/Unfall, Erstversicherung Leben,
Schaden- Rückversicherung, Personen- Rückversicherung sowie
Finanzdienstleistungen. Mit knapp 20 Mrd. Euro Prämieneinnahmen ist Talanx die
drittgrößte Versicherungsgruppe in Deutschland.
Die HDI- Gerling Leben Gruppe erwirtschaftet mit Ihren rund 2000 Mitarbeitern im
Jahre 2007 ein Kapitalanlageergebnis von 825 Mio. und einen Gewinn nach Steuern
von 34 Mio. . Dies entsprach einer Gewinnsteigerung zum Vorjahr von 9,7%.
Kern der Vertriebsstruktur der HDI- Gerling Leben Vertriebsservice AG ist der
flächendeckende regionale Maklervertrieb mit den 3 Bereichen Nord (Berlin), Mitte
(Köln) und Süd (München) und den zugeordneten 12 Vertriebsdirektionen in Hamburg,
Hannover, Münster, Düsseldorf, Köln, Mainz, Mannheim, Stuttgart, München,
Nürnberg, Leipzig und Berlin. Die knapp 200 Mitarbeiter dieser Vertriebseinheiten
betreuen insgesamt ca. 7000 freie Vermittler nach dem Motto "all business is local"
4
.
Darüber hinaus kümmert sich zentral von Köln aus eine Key Account- Einheit um
spezielle Großvermittler und deren besonderen Anforderungen.
3
Vgl. Unternehmensunterlagen (2008)
4
Vgl. Unternehmensunterlagen (2008)

Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
5
2
Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
2.1 Die
Einkunftsarten
Das Steuerrecht ist in sieben verschiedene Einkunftsarten aufgeteilt. Diese
Einkunftsarten werden zusätzlich noch in Gewinn- und Überschusseinkünfte unterteilt.
1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
5
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb
= Einkünfte aus jeder selbständigen gewerblichen Tätigkeit
6
3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
= Einkünfte von sog. Freiberuflern, wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Künstlern
7
4. Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit
= v.a. Lohn und Gehalt von Arbeitern, Angestellten und Beamten
8
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen
= v.a. Zinsen, Dividenden und Gewinnanteile aus Kapitalvermögen
9
6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
= v.a. Miet- und Pachteinkünfte von Häusern und Grundstücken
10
7. Sonstige Einkünfte
= v.a. Rentenbezüge, Veräußerungsgewinne, Unterhaltsleistungen
11
2.1.1 Gewinneinkünfte
Bei den ersten drei Einkunftsarten wird der Gewinn im Regelfall durch
Betriebsvermögensvergleich unter Berücksichtigung der handels- und
steuerrechtlichen Bilanzierungsvorschriften ermittelt. Kleinbetriebe und Personen, die
selbständige Arbeit leisten, können ihren Gewinn auch durch Gegenüberstellung von
Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ermitteln. Die folgende Grafik zeigt die
Berechnung der Gewinneinkünfte:
5
Vgl. §13 Abs. 1 EStG
6
Vgl. §15 Abs. 1 und 2 EStG
7
Vgl. §18 Abs. 1 Nummer 1 EStG
8
Vgl. §19 Abs. 1 Nummer 1 EStG
9
Vgl. §20 Abs. 1 Nummer 1 EStG
10
Vgl. §21 Abs. 1 Nummer 1 EStG
11
Vgl. §22 Abs. 1 Nummer 1a und 2 EStG
Gewi
nnei
nkünfte
Überschusseinkünfte

Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
6
Tab. 1: Berechnung von Gewinneinkünften
Betriebseinnahmen
-
Betriebsausgaben
=
Gewinn/Verlust
Quelle: Eigener Entwurf
2.1.2 Überschusseinkünfte
Bei den Überschusseinkünften sind Einnahmen aller Güter, die in Geld oder Geldwert
bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer Einkunftsart zufließen. Dabei
sind die Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (z.B. freie Wohnung, Verpflegung oder
andere Sachbezüge), mit den üblichen Endpreisen des Verbraucherortes als
,,geldwerter Vorteil" anzusetzen. Die folgende Grafik zeigt die Berechnung der
Überschusseinkünfte:
Tab. 2: Berechnung von Überschusseinkünften
Einnahmen
-
Betriebsausgaben
-
ggf. Freibeträge
=
Überschuss/Fehlbetrag
Quelle: Eigener Entwurf
2.2 Halbeinkünfteverfahren
Das Halbeinkünfteverfahren ist ein Verfahren zur steuerlichen Gewinnermittlung für
Einnahmen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften und ist in §3 Nr. 40 und 3c
Abs.2 EStG geregelt. Eingeführt wurde das Halbeinkünfteverfahren durch das Gesetz
zur Senkung der Steuersätze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung
(Steuersenkungsgesetz ­ StSenkG) vom 23. Oktober 2000. Insbesondere für
Aktionäre ist das Halbeinkünfteverfahren von Bedeutung. Danach werden Dividenden
und Einnahmen aus Veräußerungsgeschäften mit Aktien nur zur Hälfte der
Besteuerung unterworfen. Die andere Hälfte ist steuerfrei. Analog dazu sind alle
Aufwendungen des Steuerpflichtigen, die er im Zusammenhang mit diesen Einnahmen
als Werbungskosten geltend macht, nur zur Hälfte abzugsfähig.
Das Halbeinkünfteverfahren gilt seit 2001 für Einnahmen aus ausländischen
Beteiligungen, seit 2002 auch für inländische Beteiligungen an Kapitalgesellschaften.
Das Halbeinkünfteverfahren hat die bisherige Besteuerung von Gewinnausschüttungen
abgelöst. Dieses Verfahren wurde eingeführt, um die finanziellen Nachteile der seit
2002 nicht mehr anrechenbaren Körperschaftsteuer für deutsche Aktionäre

Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
7
auszugleichen. Dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen auch die Dividendenerträge,
die ein Investmentfonds erzielt.
Es findet letztmals auf Erträge Anwendung, die vor dem 01.01.2009 zufließen
12
.
Dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen nach §20 Abs. 1 Nr.1 EStG laufende und
einmalige Einkünfte aus Beteiligungen von:
Aktien
GmbH-
Anteilen
Genossenschaftsanteilen
und
Genussrechte auf Liquidationserlös und Gewinnanteil
Nach §3 Nr. 40 EStG gilt das Halbeinkünfteverfahren für:
Dividenden und Gewinnausschüttungen (§20 Abs. 1 Nr. 1 EStG)
Veräußerungserlöse aus dem Verkauf von Beteiligungspapieren innerhalb eines
Jahres nach dem Erwerb (§17 EStG)
Veräußerung einer Beteiligung von mehr als 1% an einer Kapitalgesellschaft
nach einer Haltedauer von mindestens 12 Monaten (§17 EStG)
Einnahmen aus Veräußerung von Dividendenscheinen ohne die zugehörigen
Aktien und Abtretung von Dividendenansprüchen (§20 Abs. 2 Nr. 2a und Satz 2
EStG)
Besondere Entgelte und Vorteile, die anstelle oder zusätzlich zu Dividenden
gewährt werden (§20 Abs. 2 Nr. 1 EStG)
Tab. 3: Berechnung der Dividendenbesteuerung
Gewinnausschüttung des Unternehmens
200,00
Körperschaftssteuer des Unternehmens
-
50,00
Bardividende
=
150,00
Kapitalertragsteuer: 20%
-
30,00
Nettodividende
=
120,00
Kapitalertragsteuer
+
30,00
Bruttodividende
=
150,00
- steuerpflichtig
75,00
- steuerfrei
75,00
Quelle: Eigener Entwurf
2.3 Private
Veräußerungsgeschäfte
Private Veräußerungsgeschäfte sind so genannte Spekulationsgeschäfte, deren
Einkünfte zu den Sonstigen Einkünften (7. Einkunftsart) zählen.
12
Vgl. Haas, Ingeborg (2008), S.73

Bisherige Besteuerung von Kapitalerträgen
8
Generell sind Veräußerungen von Wirtschaftsgütern des Privatvermögens bei der
Einkommensbesteuerung nicht zu erfassen. Demnach muss ein Gewinn nicht
versteuert werden, es sei denn, dieser Gewinn wurde innerhalb der Spekulationsfrist
durch ein Spekulationsgeschäft erwirtschaftet. Zu den Spekulationsgeschäften zählen
Gewinne aus Verkäufen von:
Grundstücken und Rechten, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über
bebaute und unbebaute Grundstücke unterliegen (z. B. Erbbaurecht,
Mineralgewinnungsrecht), bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und
Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt
13
. Ausgenommen sind
Wirtschaftsgüter, die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und
Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der
Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen
Wohnzwecken genutzt wurden
14
.
Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum
zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt. Bei
Wirtschaftsgütern im Sinne von Nummer 2 Satz 1, aus deren Nutzung als
Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden,
erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre
15
. Zu diesen Wirtschaftsgütern zählen
Aktien, Termingeschäfte auf Waren und Wertpapiere, Investmentanteile und
(fest-)verzinsliche Wertpapiere, mit einjähriger Spekulationsfrist.
Eine Spekulationsabsicht ist für die Beurteilung eines privaten Veräußerungsgeschäfts
nicht notwendig. Dementsprechend ist der persönliche Veräußerungsgrund belanglos.
Zur Feststellung eines Veräußerungsgeschäfts reicht bereits der Kauf und Verkauf mit
Ertrag innerhalb der vorgegebenen Spekulationsfrist aus.
Gewinne bleiben allerdings steuerfrei, wenn der aus den privaten
Veräußerungsgeschäften erzielte Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 512 Euro
beträgt
16
. Sollte der Gewinn diesen Betrag übersteigen, muss der Ertrag mit der
Einkommensteuer voll versteuert werden. Besteuert werden diese Einnahmen durch
das Halbeinkünfteverfahren. Der Gewinn bzw. Verlust errechnet sich aus der Differenz
zwischen Veräußerungspreis und Anschaffungskosten, vermindert um die
Werbungskosten.
13
Vgl. §23 Nummer 1 Satz 1 EStG
14
Vgl. §23 Abs. 1 Nummer 1 Satz 3 EStG
15
Vgl. §23 Abs. 1 Nummer 2 Satz 1f EStG
16
Vgl. §23 Abs. 3 EStG
Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Abgeltungsteuer am Beispiel privater Kapitalanlagen
Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach
Autor
Jahr
2008
Seiten
73
Katalognummer
V182903
ISBN (eBook)
9783668743595
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abgeltungsteuer, Private Kapitalanlagen, Investmentfonds
Arbeit zitieren
Manuel Oberwinter (Autor:in), 2008, Die Auswirkungen der Abgeltungsteuer am Beispiel privater Kapitalanlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182903

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