Das Scheitern von Bretton Woods als Resultat neorealistischer Machtpolitik der USA


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Das Bretton-Woods-Regime und die besondere Rolle der USA
1.2 Neorealistisch determinierte Entscheidungen der Nixon-Administration
1.3 Fazit

1. Einleitung

Das Abkommen über die Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF), das 1944 von Vertretern aus 44 Nationen unterzeichnet wurde, stellt die Geburtsstunde des Bretton-Woods-Systems dar. Mit einem internationalen Währungssystem das auf festen Wechselkursen beruhte, wollte man die katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklungen der Zwischenkriegszeit vermeiden (vgl. Krugman 2009: 671). Bereits 27 Jahre später galt das System als gescheitert, die festen Wechselkurse und die Bindungen aller teilnehmenden Währungen am US-Dollar wurden aufgehoben, flexible Wechselkurse bestimmen heute das internationale Währungssystem.

Die USA hatten in dem Währungsregime eine besondere Rolle inne, auf deren Einzel- heiten gleich noch eingegangen werden soll. Sicher ist jedoch, dass die USA mit ihrem Alleinstellungsmerkmalen die Möglichkeit nutzten, das System scheitern zu lassen indem US-Präsident Nixon im August 1971 die Bindung des US-Dollar an den Gold- standard aufhob. Die Frage nach den Gründen des Niedergangs und der Verantwortung der USA drängen sich hier auf. In dieser Hausarbeit soll vor allem der Frage nachge- gangen werden, ob das Scheitern von Bretton Woods ein Resultat neorealistischer Machtpolitik der USA ist. In dieser Arbeit verzichte ich auf eine detaillierte Darstellung der neorealistischen Theorie, die Grundannahmen sollen hier jedoch kurz skizziert werden.

Nach Kenneth Waltz, einem der bedeutendsten Vertreter des Neorealismus, konkurrieren Staaten im internationalen System um Macht und Sicherheit, primär um letzteres. Eine weitere wichtige Annahme in Waltz' Neorealismus ist das staatliche Verhalten, das danach strebt die eigene Autonomie zu wahren und nicht von anderen Staaten abhängig zu werden. Wenn Staaten kooperieren, achten sie darauf das andere nicht mehr gewinnen als sie selbst (vgl. Krell 2004: 165). Unter Berücksichtigung dieser Theorie soll hier deduktiv überprüft werden inwieweit die Erhaltung des Bretton-Woods-Systems aus Sicht der USA hinter Sicherheitsinteressen zurückstehen musste.

Die Erwägungen für und gegen den Fortbestand von Bretton-Woods innerhalb der ame- rikanischen Regierung werden einem Werk von Joanne Gowa ausführlich behandelt. Es erschien in der Reihe der Cornell Studies in Political Economy und stammt aus dem Jahre 1983. Auch wenn dieses Werk bereits älteren Datums ist, bezieht sich auch aktu- elle Forschungsliteratur oft auf Gowa, wie beispielsweise Thomas Oatley, so dass die Verwendung in dieser Arbeit nach meinem Ermessen angebracht ist. Fakten und Daten zur Geschichte von Bretton-Woods liefert das aktuelle Werk von Paul Krugman. Auf die Eigenschaften des Systems und die besondere Rolle der USA soll nun im folgenden ein- gegangen werden.

1.1 Das Bretton-Woods-Regime und die besondere Rolle der USA

Der Wechselkurs einer nationalen Währung zur Leitwährung des US-Dollar war im Bretton-Woods-System zwar fix, aber doch in bestimmten Fällen justierbar. Regierungen die ihre Währungen ab- oder aufwerten wollten, hatten zuvor den IWF zu konsultieren1 (vgl. Oatley 2010: 225). Die unveränderliche Bindung des US-Dollars an Gold wurde mit 35 Dollar pro Feinunze festgelegt. Das Zentralbank-System der USA, die Federal Reserve garantierte in diesem System jederzeit die Eintauschbarkeit von Devisenreserven in Gold oder Dollar zu dem festgelegten Preis.

Der IWF verwaltete einen Stabilisierungsfonds der einen Pool aus allen Währungen beinhaltete. Die Einlagenhöhe eines Mitgliedsstaates war prozentual zu seinem relativen Anteil an der Weltwirtschaft und bestand zu 25 Prozent aus Gold und zu 75 Prozent aus seiner nationalen Währung. Die USA legten als größte Volkswirtschaft der Welt 2,75 Milliarden US-Dollar in den Stabilisierungsfond (vgl. Oatley 2010: 226). Der Fond diente den einzelnen Regierungen zur Stabilisierung kleiner Zahlungsbilanzdefizite, ohne dafür die eigene Währung abwerten zu müssen. Die Konstruktion von Bretton Woods sah vor, dass die Teilnehmer zur Erlangung der angestrebten Parität ihrer Währung zur Leitwährung in ausländische Devisenmärkte durch Käufe oder Verkäufe von Währungen intervenieren konnten (vgl. Gowa 1983: 36).

Zum Ende des zweiten Weltkriegs verfügten die USA über 60 bis 70 Prozent der welt- weiten Goldreserven. Durch die Festlegung des Goldpreises auf 35 Dollar pro Feinunze Gold waren Regierungen gewillt, ihre Devisenreserven in Dollar anzulegen solange das Vertrauen in die Eintauschbarkeit dieser Währung bestand (vgl. Oatley 2010: 228). Die makroökonomische Politik der USA wurde eigentlich in ihren äußeren Grenzen durch die Möglichkeit beschränkt, dass ausländische Zentralbanken Dollars gegen Gold ein- tauschten. Laut Paul Krugman waren die Banken in der Praxis uneingeschränkt bereit an ihren angesammelten Dollars festzuhalten - sie warfen Zinsen ab und dienten als in- ternationales Zahlungsmittel (vgl. Krugman 2009: 680). Problematisch konnte dieses Verfahren dann werden, wenn die Weltwirtschaft und der damit ansteigende Dollarbe- darf schneller wuchs als die Goldvorräte der USA. Bereits 1959 erreichte die Höhe aus- ländischen Dollarbesitzes 19,4 Milliarden, während die amerikanischen Goldvorräte nur noch einen Wert von 19,5 Milliarden besaßen wovon 12 Milliarden als Sicherheit für in- ländische Ansprüche dienten und damit nicht verwendet werden konnten. 1970 standen Goldvorräte im Wert von 11 Milliarden Dollar gegen den auf 47 Milliarden gestiegenen ausländischen Dollarbesitz (vgl. Oatley 2010: 229).

[...]


1 Im IWF-Gründungsabkommen ist der Begriff eines „fundamentalen Ungleichgewichts“ der Währungen nicht näher definiert. Er trifft aber laut Krugman auf jene Länder zu, die eine solche nachteilige Verschiebung der Nachfrage in ihren Produkten erhielten, dass sie ohne Abwertung ihrer Währung mit anhaltender Arbeitslosigkeit oder außenwirtschaftlichen Defiziten zu rechnen hatten (vgl. Krugman 2009: 672).

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Details

Titel
Das Scheitern von Bretton Woods als Resultat neorealistischer Machtpolitik der USA
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Politikwissenschaft )
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V182932
ISBN (eBook)
9783656069645
ISBN (Buch)
9783656069652
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Ökonomie, Bretton Woods, Währungspolitik, Währungssysteme, US-Dollar, Nixon, Neorealismus, Kenneth Waltz, Wechselkurs
Arbeit zitieren
Leon Keller (Autor), 2011, Das Scheitern von Bretton Woods als Resultat neorealistischer Machtpolitik der USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182932

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