Kinder fürchten sich u.a vor der Dunkelheit, Donner, Blitz und Hexen. Diese phobischen Erscheinungen zählen zu den häufig auftretenden Angstzuständen, die Kinder erleben. Gerade die Angst vor Fantasiegeschöpfen tritt im Alter zwischen vier und sechs Jahren vorwiegend auf. Doch Angst kann überaus bedrückend und hemmend [nicht nur auf Kinder] wirken. Wenn ein Kind Angst vor dem „zu Bett gehen“ hat und dabei fürchtet, dass sich „Monster“ unter dem Bett aufhalten, sollten Erwachsene diese Ängste stets ernst nehmen, da sie für Kinder real erscheinen. Fantastische Kindergeschichten eignen sich besonders, dem Kind diese Ängste zu nehmen, da dieses Genre der Literatur auf die Träume, Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen der Kinder eingeht. Ängste sollten von den Eltern ernst genommen werden, damit Kinder möglichst unbeschwert aufwachsen können und die Welt frei von Angst erkunden können. Mit zunehmendem Alter werden sie zahlreiche Begebenheiten erforschen, die sich ihnen nach und nach ergeben. Dazu gehört auch die Literatur in all ihren Facetten. Bilder- und Kinderbücher werden womöglich die ersten Schritte sein, die Kinder in diesem Kontext bewältigen und damit den Grundstein legen, den Bereich der Literatur zu erfassen. O. Preußler, der mit seinen Kinderbüchern mehr als nur einer Generation die Geschichten des kleinen Wassermannes, des Räubers Hotzenplotz und der kleinen Hexe „erzählte“, trug seinen Teil dazu bei, Ängste zu nehmen und Dämonen zu entmystifizieren. In dieser Arbeit wird an dem Beispiel des Kinderbuches „Die kleine Hexe“ die fantastische Literatur vorgestellt. In diesem Kontext wird der Aspekt der „Literatur in der Grundschule“ und darauf folgend die fantastische Literatur beleuchtet. Bevor „Die kleine Hexe“ als ein Beispiel für die fantastische Literatur herangezogen und als Unterrichtsentwurf beschrieben wird, sei in den vorangestellten Kapiteln das hier exemplarisch verwendete Buch sowie dessen Autor skizziert. In dieser Seminararbeit gehe ich den Fragen nach, was fantastische Literatur prägt und wie das Buch „Die kleine Hexe“ in diesem Kontext in einer Unterrichtsstunde eingesetzt werden kann. Den Schluss dieser Arbeit bildet die kritische Auseinandersetzung mit der geplanten Unterrichtsstunde und das Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literatur in der Grundschule
3. Fantastische Literatur
4. Otfried Preußler
5. Die kleine Hexe
5.1 Entstehung
5.2 Inhalt
5.3 Bedeutung
6. Unterrichtsentwurf zu „Die kleine Hexe“
6.1 Zielsetzungen
6.2 Verortung im Lehrplan
6.3 Einordnung in die Unterrichtreihe
6.4 Verlauf der geplanten Unterrichtsstunde
6.5 Kritische Auseinandersetzung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und den didaktischen Einsatz fantastischer Literatur in der Grundschule am Beispiel von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“. Ziel ist es, durch die Analyse der Gattungsmerkmale und des Preußlerschen Schreibstils aufzuzeigen, wie fantastische Erzählungen Kinder bei der Bewältigung von Ängsten unterstützen und ein reflexives Leseverhalten fördern können, ergänzt durch einen konkreten Unterrichtsentwurf.
- Grundlagen der Literaturdidaktik in der Grundschule
- Merkmale und Definitionen fantastischer Literatur
- Werkbiographie und Erzählstil von Otfried Preußler
- Didaktische Konzepte für den Umgang mit Kinderbüchern
- Methodische Gestaltung einer Unterrichtsstunde zu „Die kleine Hexe“
Auszug aus dem Buch
3. Fantastische Literatur
Der Ausdruck „Fantastische Literatur“ bezieht sich auf eine Variante der Literatur. Literarische Werke – hier „Die kleine Hexe“ – in eine Gattung einzuordnen, stellt jedoch eine Aufgabe dar, die nicht ohne Hindernisse zu lösen ist. Bereits mit dem Begriff „Gattung“ stellen sich Fragen, die zumindest einmal bedacht werden sollten.
Als Beispiel dafür soll folgende Frage skizziert werden: „Ist es legitim über eine literarische Gattung zu diskutieren, ohne dass man alle Werke, aus denen sie sich konstituiert, untersucht hat“? Die Antwort auf diese Frage kann man bejahen. Denn bereits aus der Tatsache heraus, dass zweifellos unablässig Texte produziert werden, ist es kaum einem Menschen möglich, sämtliche Werke einer Gattung – hier die Fantastik – zu lesen. Aber trotzdem kann man, auch wenn nicht alle Titel eines Genres gelesen wurden, darüber diskutieren.
Bereits Mitte der 1950er Jahre gab es keine Einigung über den Begriff der fantastischen Literatur. Hierbei sind Anna Krüger, Ruth Koch und Göte Klingberg zu nennen, die sich mit der Fantastik in einem Diskurs auseinander gesetzt haben. Im weiteren Verlauf hat sich Tzvetan Todorovs mit seinem 1972 erschienenen Werk in Deutschland zu diesem Thema geäußert. Louis Vax hingegen versucht nahezu zeitglich, nicht eine Definition zu formulieren, sondern unternimmt den Versuch, das Gebiet des Fantastischen zu anderen benachbarten Textsorten abzugrenzen. Caillois gelangt zu seiner Definition durch die Abgrenzung zum Märchen, das sich in einer Welt abspielt, in der das Übernatürliche eine beängstigende Wirkung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Ängsten bei Kindern ein und skizziert die Rolle der fantastischen Kinderliteratur als Mittel zur Entmythologisierung und Bewältigung kindlicher Sorgen.
2. Literatur in der Grundschule: Es werden didaktische Ansätze des Literaturunterrichts beleuchtet, wobei der Fokus auf der Förderung von Lesemotivation und -kompetenz liegt.
3. Fantastische Literatur: Dieses Kapitel erörtert die Definitionsschwierigkeiten des Begriffs „Fantastische Literatur“ und stellt verschiedene theoretische Ansätze zur Gattungsbestimmung vor.
4. Otfried Preußler: Die Biographie des Autors wird mit besonderem Blick auf seine Einflüsse und sein literarisches Verständnis für Kindergeschichten nachgezeichnet.
5. Die kleine Hexe: Das Werk wird in Hinblick auf Entstehung, Inhalt und seine Bedeutung als moralisch orientierendes Kinderbuch analysiert.
6. Unterrichtsentwurf zu „Die kleine Hexe“: Es folgt ein detaillierter Plan für eine Unterrichtsstunde, die durch aktives Zuhören und Textproduktion das literarische Lernen fördern soll.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Eignung des Buches als Ganzschrift im Grundschulunterricht.
Schlüsselwörter
Fantastische Literatur, Otfried Preußler, Die kleine Hexe, Literaturdidaktik, Grundschule, Lesekompetenz, Kinderbuch, Entmythologisierung, Unterrichtsentwurf, Handlungsorientierter Unterricht, Erzählstil, Angstbewältigung, literarisches Lernen, Lesemotivation, Grundschulalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion fantastischer Kinderliteratur anhand des Werks „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler im Kontext des Grundschulunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die literaturdidaktische Einbettung von Kinderbüchern, die Definition fantastischer Literatur und die praktische Gestaltung eines Unterrichtsentwurfs.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Die Arbeit untersucht, was fantastische Literatur prägt und wie Preußlers Buch „Die kleine Hexe“ didaktisch gewinnbringend in einer Unterrichtsstunde eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Ansätze zur fantastischen Kinderliteratur sowie einer pädagogisch-didaktischen Planung für den Unterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Literatur in der Grundschule und Fantastik, eine Werkbetrachtung von Preußler und seiner „kleinen Hexe“ sowie einen konkreten Verlaufsplan.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind fantastische Literatur, Literaturdidaktik, Grundschule, Otfried Preußler und handlungsorientierter Literaturunterricht.
Wie trägt Preußlers „Die kleine Hexe“ zur Entmythologisierung bei?
Durch die Verbindung von fantastischen Elementen mit einer kindgerechten Realitätsebene und einer hilfsbereiten Protagonistin nimmt das Buch dem Kind die Angst vor klassischen Schreckgestalten wie Hexen.
Welche didaktische Herausforderung sieht der Autor beim Einsatz einer Ganzschrift?
Der Autor thematisiert die „Scheu“ der Grundschüler vor umfangreichen Büchern und empfiehlt, das didaktische Konzept so zu gestalten, dass das Leseprojekt für die Kinder motivierend und bewältigbar bleibt.
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- Thomas Post (Author), 2011, Fantastische Literatur am Beispiel von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182963