Die politische Sozialisation im Jugendalter durch das Massenmedium Fernsehen


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Die psychologischen Prozesse der politischen Sozialisation

3 Der Einfluss des Mediums Fernsehen auf die politische Sozialisation Jugendlicher
3.1 Risiken und dysfunktionale Auswirkungen bei der politischen Sozialisation durch das Fernsehen
3.2 Chancen für eine positive und funktionale politische Sozialisation durch das Fernsehen

4 Schlussbemerkung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ein gesundes politisches Interesse sowie eine gesunde politische Handlungsbereitschaft aller Bürger sind heutzutage das A und O, damit ein moderner demokratischer Staat erfolgreich funktionieren kann. Die Fragen, welche sich nun stellen, sind, wie entwickelt sich ein politisches Interesse beim heranwachsenden Individuum, wie und wann entsteht dessen politische Meinungsbildung und schließlich wann und warum sind Menschen bereit zur politischen Partizipation? Die Antworten liegen in der politischen Sozialisation verborgen, die jeder Mensch schon ab der Kindheit sein ganzes Leben lang durchläuft. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Lebensphase Jugend. Denn während der Adoleszenz steigt das politische Interesse deutlich an, die Jugendlichen suchen mit zunehmendem Alter immer mehr nach politischen Informationen und tauschen sich mit Erwachsenen darüber aus. Zudem nimmt das Verständnis politischer Realitäten im Jugendalter zu und ein Gespür für die demokratischen Prinzipien wird entwickelt, auch die Beteiligung an politischen Gestaltungsbemühungen und Entscheidungen wächst (Fend, 2005).

Mein Anliegen ist es deshalb, in dieser Arbeit genauer zu untersuchen, wie die politische Sozialisation im Jugendalter abläuft. Hierbei ist es wichtig zunächst einmal zu klären, was genau politische Sozialisation überhaupt ist und welche psychologischen Prozesse im Hintergrund ablaufen, die das Denken, die politischen Einstellungen und Meinungen sowie die politische Handlungsbereitschaft Jugendlicher beeinflussen. Anschließend möchte ich darstellen, wie die politische Sozialisation von Jugendlichen durch das Massenmedium Fernsehen beeinflusst wird. „… Denn das konstitutive Moment politischer Sozialisation heute ist, daß Politik sich in erster Linie als Medienereignis präsentiert“ (Fend, 1991, S. 241, zitiert nach Kuhn, 2000, S. 66). Nach Kuhn (2000) kann festgehalten werden, dass Massenmedien gegenwärtig omnipräsent sind und sich der einzelne ihrer Allgegenwart nicht beliebig entziehen kann. Auch die Politik wird nahezu ausschließlich über Massenmedien erfahren und für Jugendliche sind die Massenmedien die Hauptquellen politischer Information, welchen sie selbst einen großen Einfluss auf ihre politische Meinungsbildung einräumen (Kuhn, 2000). Unter all den verschiedenen Massenmedien möchte ich deshalb speziell auf die politische Sozialisationswirkung des Fernsehens eingehen, da „Fernsehen … auch für Jugendliche heute das bedeutendste von allen Massenmedien [ist]“ (Kuhn, 2000, S. 78). Das Fernsehen ist vor Hörfunk und Tageszeitungen die wichtigste politische Informationsquelle Jugendlicher und vor allem politische Nachrichtensendungen im Fernsehen stehen ganz oben in der Rangordnung (Kuhn, 2000). Ich möchte an dieser Stelle jedoch die Tatsache anführen, dass ich in dieser Arbeit nicht insbesondere auf die neueste Informationsquelle – nämlich das Internet – eingehen, sondern mich ausschließlich auf das Fernsehen beziehen werde, auch wenn das Internet inzwischen, hinsichtlich des Informationsbezuges Jugendlicher, enorm an Bedeutung gewonnen hat. Im ersten Schritt möchte ich aufzeigen, welche Gefahren und Risiken bei der politischen Sozialisation Jugendlicher durch das Fernsehen auftreten. Als zweites gehe ich dann näher darauf ein, welche Chancen das Fernsehen für eine erfolgreiche funktionale politische Sozialisation der Jugend bietet. Am Ende gebe ich noch einen kurzen Ausblick, wie das Fernsehen als sinnvoller politischer Sozialisationsagent genutzt werden sollte und lasse hierzu auch meine eigene Meinung mit einfließen.

2 Die psychologischen Prozesse der politischen Sozialisation

Widmen wir uns als erstes der Frage, was genau unter politischer Sozialisation verstanden wird beziehungsweise wie man diese definieren kann. „Politische Sozialisation ist als Teilprozess der allgemeinen Sozialisation zu sehen, in dem politische Kenntnisse, Einstellungen, Werte und Handlungsmuster erworben werden, die die Grundlage konkreten politischen Verhaltens bilden“ (Hyman, 1959, Greenstein, 1968, Hess & Torney, 1967, zitiert nach Ingrisch, 1997, S. 11). Interessant ist es hierbei, genauer auf die psychologischen Vorgänge und Prozesse einzugehen, die sich im Zusammenhang mit der politischen Sozialisation abspielen. Denn um das politische Interesse, die politischen Einstellungen und die politische Handlungsbereitschaft insbesondere von Jugendlichen besser zu verstehen, ist es wichtig, die dafür verantwortlichen Entwicklungsprozesse zu kennen und zu verstehen.

Insgesamt kann man aus psychologischer Sicht drei verschiedene Ebenen unterscheiden, auf denen sich politische Sozialisation vollzieht: Die kognitive Ebene, worunter das Wissen über politische Institutionen und Personen sowie das Verständnis politischer Vorgänge und Zusammenhänge verstanden werden; die affektiv-motivationale Ebene, unter welcher man die Bewertung politischer Inhalte, die Entwicklung politischer Präferenzen und die emotionale Bindung an politische Parteien, Personen oder Nationen versteht und zuletzt die Verhaltensebene oder auch konative Ebene, bei welcher es um die Ausübung von politikrelevanten Handlungen und die Wahrnehmung von politisch-partizipatorischen Möglichkeiten geht (Ingrisch, 1997).

Auf der kognitiven Ebene kann festgehalten werden, dass „… politisches Bewußtsein sich [in der Jugend, d. Verf.] noch wesentlich in einem Aufbauprozess befindet und häufig mit großen Orientierungsunsicherheiten verbunden ist“ (Kuhn, 2000, S. 66). Jedoch finden gerade während der Adoleszenz jene kognitiven Veränderungen statt, welche für das politische Verständnis und für die politische Orientierung maßgeblich relevant sind. Denn es ist eine entwicklungspsychologische Tatsache, dass sich in dieser Lebensphase die Fähigkeit abstrakt und hypothetisch zu denken ausbildet, wodurch sich die Orientierungsfähigkeit im politischen Raum deutlich verbessert (Fend, 2005). Auch ein erweitertes Ursache-Konsequenz-analytisches Denken und die Ausbildung einer selbstverantwortlichen autonomen Moral, verbunden mit zunehmender sozialer Kompetenz, kennzeichnen die kognitive Entwicklung im Jugendalter (Ingrisch, 1997). „Moralische Urteilsfähigkeit wird hier als Voraussetzung für politisches Handeln gesehen“ (Harten, 1977, zitiert nach Ingrisch, 1997, S. 14).

Die affektiv-motivationale Ebene wird meist schon früher, in der Kindheit, geprägt. Hier ablaufende Lernprozesse sind meist unbewusst und geschehen über das Politikverhalten der Eltern, welches die Kinder schon frühzeitig mitbekommen und übernehmen. „Das frühe politische Lernen ist unkritisch und es finden Identifikationsprozesse mit Parteien und politischen Rollenträgern statt, noch bevor das Wesen dieser politischen Repräsentationen kognitiv erfasst werden kann“ (Ingrisch, 1997, S. 13). Dieses frühe politische Lernen auf der affektiv-motivationalen Ebene basiert somit auf emotionalen Prägungen und bildet sozusagen die erste Stufe der politischen Sozialisation.

„So kommen – und dies war für die Forschung zur Entstehung politischer Orientierungen eine Überraschung – die Heranwachsenden schon mit klaren affektiven Präferenzen für Parteien und politische Persönlichkeiten in die Lebensphase der Adoleszenz und damit auch in den ersten politischen Unterricht. Emotionale Prägungen liegen also vor der Entwicklung von Wissen und Verständnis für politische Realitäten“ (Fend, 2005, S. 390).

Durch späteres Lernen auf kognitiver Ebene werden diese frühzeitigen emotionalen Prägungen dann ergänzt, erweitert und auch neu reflektiert. Allerdings sind die früh gebildeten Präferenzen wenig veränderbar und sorgen für eine Strukturierung der später erworbenen Lerninhalte (Ingrisch, 1997). Auf der konativen Ebene der politischen Handlungsbereitschaft konstatiert sich – wegen der fortschreitenden kognitiven Ausprägung eines politischen Bewusstseins – vor allem die Entwicklung einer höheren politischen Partizipations- und Mitbestimmungsbereitschaft der Jugendlichen. Politische Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten werden verstärkt wahrgenommen, was „… vor allem die Teilnahme an schulischen Mitbestimmungsverfahren [betrifft]“ (Fend, 2005, S. 391). Aber auch die Gelegenheit der Partizipation an Demonstrationen und Protesten, um für die eigene politische Meinung einzustehen und diese öffentlich kundzutun, wird im Jugendalter gerne genutzt.

3 Der Einfluss des Mediums Fernsehen auf die politische Sozialisation Jugendlicher

Auf Grundlage der aufgezeigten psychologischen Prozesse und Entwicklungen bezüglich der politischen Sozialisation im Jugendalter möchte ich nun untersuchen,

„… ob die noch in ihrer kognitiven, moralischen, emotionalen und physischen Entwicklung stehenden Kinder und Jugendlichen die notwendigen Wahrnehmungskompetenzen und die kognitive und moralische Urteilsfähigkeit besitzen, um die Künstlichkeit, Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit, Vielschichtigkeit und Permanenz von Information durch ständige Medienkonfrontation für sich sinnvoll in einen Zusammenhang … bringen [zu können]“ (Sander/Vollbrecht, 1994, S. 375, zitiert nach Kuhn, 2000, S. 67).

Die negativen, dysfunktionalen Auswirkungen sowie auch die Chancen und der positive Einfluss des Massenmediums Fernsehen auf die politische Sozialisation Jugendlicher sollen daher im Folgenden erörtert werden.

3.1 Risiken und dysfunktionale Auswirkungen bei der politischen Sozialisation durch das Fernsehen

Betrachten wir als erstes die negativen Aspekte einer politischen Sozialisation im Jugendalter durch das Fernsehen. Wie bereits angesprochen lässt sich feststellen, dass die Vermittlung politischer Inhalte und Informationen heutzutage fast ausschließlich durch Massenmedien stattfindet und die Familie sowie die Schule als politischer Sozialisationsagent stark an Bedeutung verloren hat (Ingrisch, 1997). Ganz oben auf der Präferenzliste Jugendlicher – wenn es um die politische Informationsaneignung geht – stehen dabei Nachrichtensendungen im Fernsehen (Kuhn, 2000). Doch in den Nachrichtensendungen zeichnet sich meist ein für die politische Sozialisation Jugendlicher ungünstiges Bild ab: Hier werden die Heranwachsenden mit schlechten Nachrichten von Krisen, Katastrophen und Gefahren aus aller Welt überfrachtet. „Die Nachrichtensendungen fördern eine chaotische Ansammlung von Fakten, es wird immer mehr gewußt und immer weniger verstanden. Die Negativtendenz, das Ausmaß an 'schlechten Nachrichten' fördert den Zustand einer – politischen – Verdrossenheit (malaise)“ (Kuhn, 2000, S. 68). Diese Politikverdrossenheit (oder auch politische Malaise beziehungsweise politische Entfremdung) wird durch die Fernsehberichterstattung hervorgerufen und führt bei den Jugendlichen zu einer dysfunktionalen politischen Sozialisation. Als Konsequenz verbreitet sich bei den Jugendlichen, die viel fernsehen beispielsweise der Glaube, dass sie „in einer erbärmlichen Welt … leben, in der sich die Menschen nur um sich selbst kümmern, einander ausnützen; daß das Los des kleinen Mannes immer schlechter wird; daß offizielle Stellen am Bürger nicht interessiert sind; daß, was man selbst denkt, nicht zählt; daß die Regierenden sich nicht um den kleinen Mann kümmern“ (Gerbner /Gross, 1981, orig. 1976; vgl. Vitouch, 1988, S. 278, zitiert nach Kuhn, 2000, S. 82f.). Nun bleibt die Frage, warum sich das Fernsehen in den Nachrichten vornehmlich darauf konzentriert, Gewalt, Konflikte und politische Skandale zu zeigen und über diese zu berichten? Als Antwort kann festgehalten werden, dass das Fernsehen nicht absichtlich Bericht über all diese Negativismen erstattet, um die politische Malaise zu fördern, sondern dass dies vielmehr in unseren gesellschaftlichen Normen und Werten begründet liegt.

„Daß Negativismen die Nachrichten dominieren liegt nicht an der Übellaunigkeit oder weitverbreitetem Zynismus von Journalisten, auch nicht am Manipulationswillen von Massenmedien, dem Zuschauer die schlechteste aller Welten vorzuführen, sondern daran, daß sog. Nachrichtenfaktoren bzw. -werte bestimmen, was ein Ereignis zur Nachricht macht. So ist ein wichtiges Kriterium, ob zentrale gesellschaftliche Werte berührt sind. Dies ist überall dort der Fall, wo sich Krisen und Konflikte manifestieren, bei destruktiven und desintegrativen gesellschaftlichen Erscheinungen wie Streit, Aggression, Krieg, Tod etc. (Schulz, 1987, S. 134, zitiert nach Kuhn, 2000, S. 106f.). Oder das Fehlverhalten von Politikern, der politische Skandal“ (Kuhn, 2000, S. 106f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die politische Sozialisation im Jugendalter durch das Massenmedium Fernsehen
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Politische Sozialisation im Jugendalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V182969
ISBN (eBook)
9783656072386
ISBN (Buch)
9783656072607
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Medien, Massenmedien, Fernsehen, Politik, Sozialisation, Jugend
Arbeit zitieren
Alexander Schwalm (Autor), 2011, Die politische Sozialisation im Jugendalter durch das Massenmedium Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182969

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