Blei - Metall der Antike, der Gegenwart, mit Zukunft, ein Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011
76 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

- Einleitung

- Historisches zum Blei

- Bleimineralien

- Bleimineralien Fundorte und Bleiproduktion im 19. Jahrhundert

- Die Bleigewinnung

- Wichtige Eigenschaften des Bleies

- Ausgewählter Überblick zum Blei in binären Systemen

- Einwirkung des Zinns auf Blei

- Blei-Antimon-Legierungen

- Bleihaltige Kupfer-Zinn-Legierungen

- Bleilegierungen für das graphische Gewerbe

- Blei-Dreistoff-Systeme

- Überblick zur Verarbeitung und Verwendung des Bleis

- Pro Blei - ein Resümee

- DIN-Normen zum Blei und zu den Bleilegierungen

- Überblick zur Verwendung der sieben Metalle des Altertums in der Antike

- Literatur

- Ausgewählte Abkürzungen und wichtige Begriffserläuterungen

- Vita des Autors

- Veröffentlichungen des Autors

- Abstract.

Einleitung.

Mit dem Buch „Blei – Metall der Antike, Gegenwart, mit Zukunft, ein Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst“ werden zu ihm und zu seinen Bleilegierungen, in der Literatur zum Teil nur verstreut zu findende, historische Fakten wie auch werkstoffspezifische Merkmale offeriert.

In die Publikation eingebunden sind die überlieferten Kenntnisse über das Blei aus der Frühgeschichte der Metallurgie, der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance, der Zeit von Vannoccio Biringuccio1) (1480-1537), Georg Agricola2) (1494-1555), Johann Beckmann3) (1739-1811) und Charles Letnam Mantell (1897-?)4) und ihrer Werke: De La Pirotechnia Libri X., – Die zehn Bücher von der Feuerkunst (1540), De Re Metallica Libri XII. – Die zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen (1556) - Beiträge zur Geschichte der Erfindungen, Vannoccio Biringuccio Pirotechnia (1783), Tin: its mining, production, technology, and applications. Inhalt ist auch der Stand der Technik zurzeit der industriellen Revolution, ebenso der zur kapitalistischen Fabrikproduktion bis hin zur Mikro- und Nanotechnologie.

Aufgezeigt wird, der Saturn der Alchimisten, stand schon sehr früh für Bleigegenstände und Kunstartikel in Verwendung, wobei erkenntlich getan wird, dass es von den alten Metallurgen anfangs mehr für gröbere Gebrauchsartikel eingesetzt wurde. Eingeordnet sind Überblicke zur Historie des Bleies, zu den Bleimineralien und ihren Vorkommen, zur Bleigewinnung, zu seinen signifikantesten Eigenschaften, zum Einfluss in Legierungen, insbesondere in binären Systemen, zu seiner Verarbeitung, Verwendung, Normung.

Herausgearbeitet ist ebenso, dass sowohl reines Blei wie auch Blei als Legierungsmetall für eine Vielzahl von Materialien, Erzeugnissen, Gegenständen unabdinglich ist, natürlich unter Beachtung seiner möglichen Gesundheitsrisiken. Darauf aufbauend werden für Branchen, wo seine Verwendung dennoch unbedenklich geeignet ist, Einsatzmöglichkeiten für die Bereiche Technik, Industrie, Handwerk, Recycling & Umwelt sowie für die Gebiete Kunst, Kultur, Crafts & Business, aber auch für die Sparten Design, Instandhaltung, Restaurierung Manufaktur & High-Tech, aufgezeigt. Außerdem werden dem Blei, seinen Legierungen, den Bleierzeugnissen kurz, prägnant Vielseitigkeit, Vorteile, Dienlichkeiten, Nutzen zertifiziert.

Umfangreich, hilfreich, informativ ist die aufgeführte Literatur rund ums Blei. Sie und die darin fast ins Unendliche gehenden Botschaften unterstützen nicht nur die getane Zeitreise zum Saturnmetall, sondern zeigen auf, welche Tradition und Zukunft es besaß und besitzt. Mit der gewählten thematische Vielfalt soll das Buch einen breiteren Leserkreis finden. Dank der Bemühungen um das umfangreiche Schrifttum, seine kurzfristige Bereitstellung durch das Team der Universitätsbibliothek der TU Chemnitz, konnte in relativ kurzer Zeit dieser technikwissenschaftliche Beitrag zum Blei, einem der sieben Metalle der Antike, entstehen.

1) Vannoccio Biringuccio (1480-1537) war ein italienischer Ingenieur, Metallurge, Mechaniker, Büchsenmacher, Glocken- und Kanonengießer, Baumeister und angewandter Chemiker und Autor des ersten wissenschaftlichen Buches über die Metallurgie und Begründer dieser Wissenschaft.

2) Georgius Agricola (1494-1555) war ein herausragender Renaissance-Gelehrter, mit besonderen Leistungen und Verdiensten auf den Gebieten der Pädagogik, Medizin, Metrologie, Philosophie, Geschichte, insbesondere der Metallurgie, ebenso gilt als Vater der Mineralogie.

3) Johann Beckmann (1739-1811) war ein deutscher Philosoph und Ökonom. Er gilt sowohl als Begründer der allgemeinen Technologie ganzheitliche Wissenschaft von der Technik und ihren Einsatzmöglichkeiten wie auch als Vater der Agrarwissenschaft, Warenkunde, kritischen Technikgeschichtsschreibung.

4) Mantell, Ch. L.*): Tin: its mining, production, technology, and applications (Translation: Lidle, W.: Zinn – berg- und hüttenmännische Gewinnung Verarbeitung und Verwendung, Halle (a.S.): Wilhelm Knapp 1937.

*) Charles Letnam Mantell (1897-), Ph. D., Pratt Institute, Brooklyn, N.Y., Member of the American Institute of Mining Metallurgical Engineers and American Institute of Chemical Engineers.

Historisches zum Blei.

In der Frühgeschichte der Metallurgie (etwa bis Mitte des 4. Jahrtausends v.u.Z.) hatte das eigentlich leicht ausbringbare, etwas unansehnliche Blei, da es in der Natur gegenüber dem glänzenden Gold, Silber und Kupfer kaum gediegen vorkommt [1], unter den Metallen eine untergeordnete Rolle gehabt [2]. Am weitverbreitetsten ist es im Bleiglanz, dem Bleisulfid, PbS [3]. „Häufig ist es mit Zinkerzen vergesellschaftet und bildet graphitfarbene, metallisch glänzende, würfelförmige Kristalle“ [4]. „Gediegen findet sich Blei zum Teil in draht-, haar-, baumförmigen Massen und Körnern, selten in Blasenräumen von Lava (bzw. basaltischen Mandelgesteins [5], [6]) zu Madeira (P [7-9]), bei Alston in Cumberland (UK), im Tonstein zu Murcia in Cartagena (2), verwaschen mit Bleiglanz im bzw. am Anglaisefluss (US-MI [7]) in Nordamerika“ [10] – [12], nachgewiesen ist es außerdem in sibirischen, uralischen (RUS), slawonischen (HR), siebenbürgischen (RO) Goldseifen sowie in Zomelabuacan (Veracruz, MEX). Auch in Großalmerode (DE-HE) soll haselnussgroßes gediegenes Blei im blasigen, feinkörnigen, dolomitischen Gestein entdeckt worden sein [7].

Blei gehört wie auch Gold, Silber, Quecksilber, Kupfer, Eisen, Zinn zu den Planetenmetallen [*]. Seine Zuordnung zu den sieben mit den bloßen Augen sichtbaren Wandelsternen des geozentrischen Weltbildes erfolgte ebenso etwa im 9.-7. Jh. v.u.Z. und dies zum Planetengott Saturn, der auch für den Samstag steht.

Als die wohl ältesten Bleigegenstände gelten die im türkischen Çatal Hüyük möglicherweise aus der Zeit um 5.500 bis 4.800 v.u.Z. gefundenen. Ähnlich alt befunden wird ein Bleiring aus Yarim Tepe (heutiger Irak). Aus den Sachzeugnissen der Metallarbeiter in Sumer, Babylon, Ninive um 3.500 v.u.Z. geht hervor, dass sie da bereits die Metallurgie der ersten sechs Gebrauchsmetalle, wozu das Blei zählt, und ihrer Legierungen sehr gut beherrschten [13].

Blei ist eines der sieben Metalle der Antike [1-3, 13, 17-20], welches auch schon in der frühen Bronzezeit (2.200-1.600 v.u.Z.), neben Antimon und Arsen, für Bronzen verwendet wurde. Eine Bestätigung dafür liefern u. a. auch die Bleiartikel aus kretisch-mykenischer Zeit (2600-1100 v.u.Z.) [14]. Bereits die Babylonische Kultur (1894-539 v.u.Z.) besaß Bleivasen, die Römer nahmen es für Gefäße, Schleudergeschosse, Wasserleitungsrohre, Plomben [15], außerdem dienten ihnen runde Scheiben als Bleistifte [16]. Sie verstanden es schon früh bleierne Wasserleitungsröhren mit Blei-Zinn-Legierungen zu löten [17]. Aber die Assyrier (nach 2.400-609. v.u.Z.) mussten es einführen [21] und unter König Tukulti-apil-ešarra (Regentschaft von 1114-1076 v.u.Z.) ist es als Tribut von Melidu belegt [15]. Gekannt und verwendet wurde es im Altertum in [1] Hofmann, K. B.: Das Blei b. d. Völk. d. Altert.; B: Habel 1885; [2] Pfau, H.: Elbinger Münzb., M: 2001; [3] Eisenkolb, F.: Einf. i. d. Wk., Bd. IV, NE-Met., B: VT 1961; [4] Geipel, D.: Urb. u. rurale Schwermetallbel., ch. & ph. Eig. v. Blei, I.-Diss. H.-H.-Uni. Düsseldorf; [5] Haüy, R. J.: Traité de Minéralogie, Paris: Chez Louis 1801; [6] Brochant de Villiers, A. J. M.: Traité élémentaire de minéral., Suivant les princ. du professeur Werner, Paris: Villiers 1801; [7] Landgrebe, G.: Mineral. d. Vulcane, KS, L: Luckhardt 1870; [8] Mindat – Lead, mindat.org , die Mineral- /Gemeinde-Datenbank; [9] ML, II. Bd., Blei, Sp. 472/3, m. Beil. Pb, L: BI 1925; [10] Piererꞌs Universal-L., Bd. 2, ABG: VBH Pierer 1857; [11] Schubert, D. G. H. v.: Gesch. d. Natur, Bd. 2, ER: Palm & Enke 1836; [12] Leonhard, C. C. v.: Hb. e. allg. topog. Mineral., Bd. 1, F: Hermann 1805, s.a.: [16]; [13] Wilsdorf, H.: MW, L: Ed. 1987; [14] Alram-Stern, E.; Deger-Jalkotzy, S.; Aigeira eins, ÖAW, ÖAI, Wien; [15] Faist, B.: Fernh. d. ass. Reiches zw. d. 14./11. Jh. v.u.Z., in: AO & AT, 265, MÜ: Ugarit 2001; [16] Demmin, A.: Studien ü. d. stofflich-bildenden Künste & Kunst-Handw., L: Thomas 1888. [17] MKL, III. Bd., Blei, S. 12/16, L: VBI 1886; [18] Tafel, V.: Lb. MHK, Bd. II, L: Hirzel 1929; [19] Tafel, V.: Lb. MHK, Bd. II, Hrsg. K. Wagenmann, L: Hirzel 1953; [20] Piersig, W.: Die sieben Metalle des Altertums, Schweißt. 39(1989), H. 7, US. [21] http://de.wikipedia.org/wiki/Blei.

[*] Sonntag – Planet Sonne, Metall Gold, Montag – Mond, Silber, Dienstag – Mars, Eisen, Mittwoch - Merkur, Quecksilber, Donnerstag – Planet Jupiter, Freitag – Planet Venus, Zinn, Samstag – Planet Saturn, Blei.

Griechenland, Indien, von den Hebräern [1] (2. Jt. v.u.Z.) und Phöniziern [1] (nach 2.750-332 v.u.Z.). bekannt war es den Griechen zu Homers Zeiten (um 850 bzw. 1200 v.u.Z) als molybdos, den Ägyptern (als taht), Indern (als mulwa), Hebräern (als oseret), wobei es oft mit Zinn (kassiteros) verwechselt wurde, Gaius Plinius Secundus Maior (25-79 u.Z.) gilt als der Erste, der Blei als plumbum nigrum vom plumbum album (Zinn) unterschied [2], [3].

Die vorzeitliche Gewinnung und Nutzung des Bleies erwähnen bereits die „drei der ältesten Völker, die Ägypter, Inder, Hebräer in ihren ältesten Schriften. Auch in Tributlisten und Beuteverzeichnissen des größten der Pharaonen, Thutmes III. (1504-1450 v.u.Z.), wird von erbeutetem oder abgeliefertem Blei berichtet“ [4]. So sollen seine siegenden Heere in Tuneb (Naharain, Mesopotamien) Blei erbeutet und aus Zahi von den Ruthen an der kanaanitischen Küste Bleitribute gefordert haben. Von seiner frühen Nutzung als Schleuderblei ist überliefert, dass nach Cecil Clive Voss [5] die ersten Bleigeschosse zu minoischer Zeit (nach 2100-1800 v.u.Z.) im Palast von Knossos (Kreta) bestimmt bekannt waren und verwendet wurden [5].

Schleuderer sind unter Gayumart, dem ersten König (Schah) von Persien, bekannt. Solche besaßen nach dem französischen Althistoriker Pierre Briant (*1940) auch die Achämeniden (553-330 v.u.Z) Armee, die Bleikugeln verwendeten [6]. Ebenso Thukydides (454-399/396 v.u.Z.) [7], [8] Bemerkungen über den Peloponnesischen Krieg (431-404 v.u.Z.) sind diese Schleuderer für Europa erstmals erwähnt [9], und mit bleiernen Schleudergeschossen waren anscheinend die Achaier, Rhodier, Kreter, Akarnaner, Aitoler, Tessalier auch seit etwa 413-395 v.u.Z., ausgerüstet, wie der älteste Fund aus der Stadt Iulia Gordus (Gördes) in Lydien, aber auch der von Olynth, GR (348 v.u.Z.), [10, 11] zeigt [5]. Auch vom Schriftsteller, Politiker, Feldherrn Xenophon (426- nach 355 v.u.Z.) wird geschildert, dass die Perser im Gebiet von Larissa und Mespila (Niniveh, Mesopotamien) reichlich Schleuderblei hatten [4].

Dieses einer Eichel ähnelndem 20 bis 60 g Projektil nannten die Römer Schleudereichel. Ihre Abmaße sind in der Länge 3 bis 6 cm, im Mittendurchmesser 1,5 bis 2 (3) cm, beide Enden dieser römischen Glandes wurden oft spitz ausgezogen, waren teils ungestempelt, teils mit Legionzahl (L.III, L.X, [LE]C.XII Fulminata [12]) versehen. Solche wurden bei der Crap-Ses-Schlucht, Gebiet Riom-Parsonz, Septimerpass (i.O., GR, CH, 16/15. v.u.Z.) gefunden wie ein Bleigewicht von 270,9 g und Bleifladen 68,5 g. Griechische Schleuderbleie waren häufig mit Spottworten, beispielsweise „Sei mir gegrüßt“ oder „Da hast´s“, beschriftet [4].

Nach Publius Cornelius Scipio Aemilianus Asrieanus Minor wurde das Blei im Kriegswesen zum Beschweren von Nagelbrettern, die in Furten verlegt wurden, empfohlen. Verwendung fand Blei in der Antike auch für Plambatas (einem leichten, kurzen Wurfspeer der römischen Legionäre in der Zeit von 250 bis 600) sowie für Bleigeißeln, bestehend aus mehreren Schnüren an deren Enden Bleikugeln hingen [4], welche nach der spätantiken, im Jahre 438 vollendeten, 16teiligen Gesetzessammlung, Codex Theodosianus, aus der Regentschaft von Theodosius II. (401-450), tatsächlich Flavius Theodosius Junior Augustus, auch Theodosius der Jüngere (byzantinischer Kaiser 408-450) bis in die Herrschaft von Constantin [4] (im 4. Jh.) in Gebrauch waren. Überliefert ist, Sträflinge mit verschärfter Kerkerhaft bekamen Bleikugeln angehängt bzw. ihren wurden bleierne Bandagen angelegt. Eine sinnvollere

[1] Engels, S.; Nowak, A.: Auf d. SpdE, L: DVfG1971; [2] MKL, III. Bd., Blei, S. 12/16, L: VBI 1886; [3] ML, II. Bd., Pb, Sp. 472/3, m. Beil. Pb, L: BI 1925; [4] Hofmann, K. B.: Pb b. d. Völk. d. Alterthums; B: Habel 1885; [5] Foss, C.: A Bullet of Tissaphernes, JHS 95,1975, pp. 25/30; [6] Briant, P.: Histoire de LꞌEmpire Perse: de Cyrus à Alexandre, Paris, 1996, S. 1064/5, and From Cyrus to Alexander: A History of the Persian Empire, Winona Lake 2002; [7] Tafel, V.: Lb. MHK, Bd. II, L: Hirzel VBH 1929; [8] Tafel, V. (Wagenmann, K., Hrsg.): Lb. MHK, Bd. II, L: Hirzel VBH 1953. [9] Thukydides: Der Pelop. Krieg, 6, 22.25.43. [10] Baitinger, H.: Angriffswaffen aus Olympia, B, NY: de Gruyter 2001; [11] de.wikipedia.org/ wiki/Olynth. [12] Rageth, J.: (Blei)-Funde a. d. Oberhalbstein GR, CH, Jb. Schweiz. Ges. Ur- u. Frühg. 88(2005), 302/12.

Verarbeitung des Bleies war die Herstellung von Gewichten sowie die Anfertigung von Stabilisierungsabgüssen für Bronze-Büsten, -Statuen, -Skulpturen, -Monumenten.

Interessant ist, Ansichten von beschrifteten Bleiziegeln sind auch im Tempel Ramses III. (um 1221-1156 v.u.Z.) befindlich. Nach den Schriften des deutschen Ägyptologen Karl Richard Lepsius (1810-1884) sollen diese zirka 10 cm breit, 16 cm hoch, 24 mm dick gewesen sein, um 20 Ten (etwa 1.800 g), gewogen haben. teilweise auch 10 cm lang, 5 cm breit, etwas über 1 cm dick [1]. Benannt wurden nach Plinius spanisches Blei als ovetanisches, kaprarisch, oleastrisches Blei. Auch im Atharvaveda, dem heiligen Textmaterial von 20 Büchern, 731 Hymnen, etwa 6.000 Versen des Hinduismus, ist auf Blei Bezug genommen und zu erfahren, dass es zu Amuletten und Spanngewichten diente. Ebenso beinhalten die fünf Bücher Mose(s) (im 13. Jh. v.u.Z.) wie auch das Buch Jeremiah (625-585 v.u.Z.) Angaben zum Blei [1], [4].

Über den Gebrauch dieses zähen Metalls berichtet auch der Vater der Geschichtsschreibung Herodot von Halikarnassos (490/480- um 424 v.u.Z.), insbesondere zurzeit der altägyptischen Königin (oder des altägyptischen Königs) Nitokris (um 2180 bis 2040 v.u.Z., der ersten Zwischenzeit zwischen dem Alten Reich und dem Neuen Reich) sollen Blei und Eisen beim Brückenbau in Babylon verwendet worden sein, nämlich für das Zusammenhalten von Bronze- oder Eisenklammern mittels Bleiverfüllung. Überliefert ist auch die Verwendung von Bleikuchen. Ebenso diente Blei als Gussmaterial für Marmor- und Bronzewerke wie auch in Form von Streifen, Ringen, Deckeln, Nägeln, Nadeln, Pfropfen, Geflecht zur Arretierung, zu Befestigungen, zum Verschluss bei landwirtschaftlichen, handwerklichen, häuslichen Geräten bzw. Gebrauchsgegenständen. Eine frühe Verwendung fand es auf Grund seiner Schwere auch beim Fischfang und der Seefahrt, beispielsweise bei letzterem als Senkblei und zur Schiffsankerbeschwerung [1]. Weitere Beispiele beinhalten auch die Quellen [2] und [3].

Zur Bleinutzung hinterließen die Hellenen und Römer, dass die Griechen Blei aus dem Silberbergbau auf einigen ihrer Inseln gewannen, wie Rhodos, Siphnos, Cypern, besonders in Siphnos (Lavrio) in der Region Attika [1], wahrscheinlich schon unter ihrem zweiten König Kekrops I. (1556/5-1506/5 v.u.Z.) bzw. zurzeit der Kekropiden (1556/5-1126/5 v.u.Z. [8]). Von diesen klassischen Völkern wurde das Blei breit auch zu Tesserae, was im Griechischen für kleine viereckige Bleiblättchen zum Gestalten von Fußbodenmosaiken, Etikettensignets von Weinamphoren, Bücherrollenbüchsen steht, und Piombi, was im Italienischen für Bleistückchen,- plättchen, -dächer steht, gebraucht .

Funde von Tesserae vermitteln auch sehr augenfällige Bezüge auf Triumphzüge, Triumphfeiern, Apotheosen, Denkpfennige, religiöse Feste und Versammlungen, wie Sakrilege, Lanuvia, Juvenalia, Saturnalien (nach 45 v.u.Z.), Feier der Isis [9]. Boletten (religiöser und irdischer Gedenksäulen und Wegzeichen) mit göttlichen oder kaiserlichen Piombi wie auch Tuche mit Piombi mercantili (Fabrikmarken) zählen ebenso zu den Sachzeugnissen, wo das Blei in Anwendung stand [1], [4]. Etwa seit dem 2. Jh. wurde das Blei von den unterschiedlichsten Gewerken vielfach benötigt, z.B. den Glocken-, Kannen- und Bronzegießeren, Glasern, Flaschnern, Kupferstechern, Buchdruckern“ [1-7], [10], [11].

[1] Hofmann, K. B.: Blei b. d. Völk. d. Alterth.; B: Habel 1885; [2] MKL, III. Bd., Blei, S. 12/16, L: VBI 1886; [3] ML, II. Bd., Pb, Sp. 472/3, m. Beil. Pb, L: BI 1925; [4] Gerlach, R.; Immendorf, R.: Kulturschutt, Altlasten aus hist. Zeit?, Geospekt. 1998, S. 21/4, [5] Foss, C.: A Bullet of Tissaphernes, JHS 95, 1975, p. 25/30; [6] Tafel, V.: Lb. MHK, Bd. II, L: Hirzel 1929; [7] Ders. (Hrsg. Wagenmann, K.): L: Hirzel 1953; [8] …/wiki/Kekrops_I.; [9] http://www.de.wikipedia.org/wiki/Heiligtum_d._Isis_u._Mater_Magna_Mainz; [10] Piersig, W.: Die sieben Met. d. Altertums, Schweißt. 39(1989), H. 7, US; [11] Wilsdorf, H.: MW, L: Edition 1987.

Eine Bleinutzung für Münzen soll es früh bei den Griechen gegeben haben, die sie plattiert im Umlauf brachten. Bleierne Münzen sind auch in Numidien für die Zeit ihrer Könige (202 v.u.Z.–40) zu nennen [1]. Für Ägypten relevant sind nur gefundene römische Bleimünzen des 2. oder 3. Jh. Münzen aus reinem Blei mieden die Römern, da das Metall viel zu weich und für die Zirkulation ungeeignet ist und durch ein schnelles Oxydieren im Aussehen rasch unästhetisch wurde. Zum Einsatz kam es bei ihnen in der römischen Republik (509-31/27 v.u.Z.) bis Augustus (63 v.u.Z.-14 u.Z.) mit 4 bis 29 % [2] bzw. im 4. und 5. Jh. bis zu 40 % Pb-Anteil in Bronzemünzen [3]. Nach [4, 5] soll Sultan Hasan Shah, Hasanshäh (1472-1484), Kaschmir, eine Bleimünze, den Dividinnari, geprägt haben. Ebenso gab es sie im 17. Jh. in Indien in der dänischen Kolonie Tranquebar, weiterhin wurde das Blei auch zu Notmünzen [6] und Marken (Tesserae) [4] verarbeitet. Geprägt wurden solche in Elbing 1560 zurzeit von Sigismund II. August (1520-1572, Regent 1548-1572) und zur Elbinger Pestzeit (1579-1627) im Jahre 1600 unter König Sigismund III. Wasa (1566-1632, Regent 1587-1632), dazu sind Elbinger Bleiklippen aus den Jahren 1606 und 1616 und die sich in der Marienburger Münzsammlung befindlichen Bleiabschläge von 1560 und 1626 bekannt [7[, [8].

Viel Blei wurde nach Demmin [2] in der ersten Hälfte des Mittelalters (6.-10. Jh.) auch in Frankreich für Pilger- und Betfahrzeichen verarbeitet. Auch die Enseignes aus dem 12. Jh. von „St. Thomas von Canterbury“ sowie die von „Unser lieben Frau von Boulonge-sur-Mer“ zählen dazu.

Im 17. Jahrhundert gab es auch auf der indonesischen Insel Celebes (heute Sulawesi), die zwischen Borneo und Neuguinea liegt, kleine Bleimünzen, die Benggolo genannt wurde, die in den Abmessungen dem niederländischen Duit (Deut) entsprach [4]. Für China ist bekannt, da soll es vereinzelt Lead-Münzen in den Fünf Dynastien und zehn Reiche (907-960 [9]), besonders in der Zhou-Dynastie (951-960 [9]), gegeben haben, jüngste Funde bestätigen sie auch für die Song-Dynastie (960-1279) [10], wo solche im 10. Jh. emittiert wurden [11]. Nach [10] ist zu vermerken, „eine Verarbeitung des Bleies zu Münzen hat es zu allen Zeiten und fast in allen Staaten einmal gegeben, als Rothmünzen, Schaumünzen und Gepräge oder als Produkte der Falschmünzer.“ Erstere hatten die Römer unter Titus Maccius Plautus (etwa 254-184 v.u.Z.) im 2. Jh. v.u.Z. Solche gab es auch zurzeit von Friedrich III., König von Dänemark und Norwegen (1609-1670), der sie um 1660 prägen ließ. Schaumünzen sind z. T. Beigaben bei ägyptischen Mumien.

Um 1836 wird Blei in geringen Mengen nur noch zu Not- Schau-, Falsch-Münzen benützt, sie gibt es noch in Japan, Ostindien [12]. Pb wurde auch für gegossenes Notgeld sowie Tesserae, wegen des relativ geringen Preises, kurzen Umlaufes, leichten Gießens, geringen Schwundes, gern eingesetzt [4]. So alt wie das Münzwesen ist nahezu auch das Münzfälschen. Als bedeutender Unterschleif gilt derjenige des Polykrates von Samos (Herrscher von 538-522 v.u.Z.), der die Spartaner mit übergoldeten Bleimünzen bezahlt haben soll [13], [14].

[1] Hofmann, K. B.: Das Blei bei den Völkern des Altertums; B: Habel 1885; [2] Demmin, A.: Studien über … Künste & Kunst-Handw., L: Thomas 1888; [3] www.jaysromanhistory.com/romeweb/engineer/art14.htm; [4] Schrötter, F. Frhr. v. u.a.: Wb. der Münzk., B: de Gruyter 1970; [5] Kumar, R. (Rajkumar): Enc. Of Untouch., Ancient, Medieval & Modern, Satyawati Nagar, IND, Delhi Kalpaz Public. 2008; [6] www.geldgeschichte.de/ Blei.aspx; [7] Pfau, H.: Elbinger Münzb., M: 2001; [8] …hans-pfau-elbing.de/169701.html; [9] de.wikipedia. org/wiki/Fünf_Dynastien_und_Zehn_Reiche; [10] Schmieder, K. Ch.: HWB d. gesammten Münzk., HAL, B.: BH Waisenh. 1811; [11] books.google.de/books?isbn=351507922X..., Schottenhammer, A.: Bus. & Eco., S: Steiner 2002; [12] Piererꞌs Univ.-L., Bd. 2, ABG: Pierer 1857; [13] Brüel, L. A.: Mat. f. d. zu erwartende Ref. d. dt. Münzw., H: Hahnschen HBH. 1831; [14] Mehlhausen, W. J.: Hb. Münzsammeln, Regenstauf: H. Gietl 2004.

Nicht von ungefähr war der Bleieinsatz für Tesserae, wie Berechtigungs- (Gerichtsprozess-, Volksversammlungs-), Quittungs-, Empfangs-, Eintritts-, Theater-, Spiel-, Bäder-, Schiffs-, Gasthaus-Marken wie auch für Handelsblei, wie Verschlussplomben, aber auch für den Bulle im Mittelalter (6.-15. Jh.) wurde neben Gold das Blei als Urkundensiegel verwendet [1]. Daneben spielten Proben bei den Münzmeistern für Bleiabschläge eine Rolle [2].

Einen ausgedehnten Bleizuwachs gab es zurzeit des griechischen Lyrikers, athenischen Staatsmanns und einer der sieben Weisen Griechenlands Solon (um 640–um 560 v.u.Z.), wo sich ein Bleibergbau von 20.000 ha mit 2.000 Schächten entwickelt. Griechenland, so die Historiker, deckte seinen Pb-Bedarf durch Eigenaufkommen. Rom dagegen bezog es aus der Region des Iglesiente und Silcisgebirges (Sardinien), die mit ihren reichen Vorkommen an Pb, Ag, Cu, Fe, Zn die wichtigsten Bergbaugebiete dieser Insel, sogar Italiens waren [3].

Wichtige Angaben zum Bleiverbrauch der Antike in Rom vermittelt der römische Senator, Soldat, Schriftsteller Sextus Iulius Frontinus (um 40-103), der zurzeit Marcus Cocceius Nerva (30-98, römischer Kaiser von 96 bis 98), zum Curator aquarum berufen worden war in seinen zwei bedeutendsten Büchern „De aquaeductu urbis Romae“. Von ihm sind in seiner Kunde zur römischen Wasserversorgung aufgezeigt, das es zum Herstellen von Massenartikeln [4], wie Wasserleitungsröhren von zehn römischen Fuß (fast 3 m) Länge, als gegossene bleierne Platten zur Verfügung stand, die um entsprechende Kerne zu Bleiröhren, den fistula aquaria, geformt überlappt verhämmert und gelötet wurden. Bekannt waren 25 Rohrweiten, bei Frontinus standen 17 Kaliber in Anwendung, die von 22 bis 228 Millimeter Weite [3].

Ihre Inschriften verkünden unter welchen Kaisern, Konsuln, Stadtmagistraten angelegt, von welcher Privatperson oder Gesellschaft finanziert, an welchem Ort produziert worden ist. Bleiplatten bzw. Bleibleche dienten als Auskleidung für Wasser-Becken, -Tanks, -Speicher, Ölreservoirs, Mostkessel, Brotteigschüsseln, Medizin-, Apotheken-, Kosmetik-Behältnisse, Holzsärge, Pb-Röhren für Mineral- u. Thermalwässer [3], als Bleibleche zum Beschlagen von Schiffswänden [4], weiterhin für Pb-Scheiben, -Tafeln, -Platten, -Rollen, die als Bleibücher dienten, die mit Schrift, Bildern, Zeichnungen der Kommunikation versehen wurden [3].

Letztere sollen schon früh für Aufzeichnungen verwendet worden sein, beispielsweise zurzeit des griechischen Dichters Hesiod (vor 600 v.u.Z.) für Gesetze, Prozesse, Protokolle, Gebete, Lehrgedichte, Botschaften, Ersuchen wie auch Defixione (Fluchtafel) für Flüche, Ächtungen, Beschwörungen, Botschaften, Rechtsstreite, Friedenschlüsse, Liebes- und Erotiktexte. Zweck dieser Katadesmen, wovon es über 1.600 gibt [5], war der Schadenszauber. Erste stammen aus der antiken griechischen Kolonie Selinon (Selinunt, AG), 6./5. Jh. v.u.Z., Attika (GR) 5./4. Jh. v.u.Z., Olbia (UA) etwa 3. Jh. v.u.Z., Römisches Reich etwa 2. Jh. v.u.Z. Unter ihnen ist auch jene Fluchtafel von „Prosodion, die Frau des Racon, die jenes Frauenzimmer verflucht, die ihren Gatten verleitet hat, Weib und Kinder zu verlassen“ [6]. Ausgenutzt wurde die Weichheit des Bleies nicht nur zum Schreibmateriale, sondern es diente auch zum Lienenziehen auf Pergament sowie als dünne Bleischeiben bzw. Bleirädchen „Linirrädchen“ (Kyklomolybdos) [6], [7], um dezente Bleispuren auf Blättern zu erzeugen [8] s.a. [9].

[1] Schrötter, F. Frhr. v. u.a.: Wb. d. Münzk., B: de Gruyter 1970; [2] www.reppa.de/muenzen-lexikon.htm; [3] Hofmann, K. B.: Das Pb bei den Völkern des Altertums; B: Habel 1885; [4] http://www.stolberg-abc.de/...#Blei;

[5] de.wikipedia.org/wiki/Fluchtafel; [6] Hofmann, K. B.: Das Blei b. d. Völkern d. Altert.; Berlin: Habel 1885; [7] Leonhard, J.-F.; Ludwig H.-W.; Schwarze, D.: MW, B/NY: Gruyter 1999; [8] Leonhard, C. C. v.: Hb. allg. topog. Mineral., Bd. 1, F: Hermann 1805, s.a.: [9] Haüy, R. J.: Traité de Minéralogie, Paris: Chez Louis 1801.

Neben selbsterzeugtem Blei bezog Rom es aus allen bleierzeugenden Ländern, vornehmlich nach den Angaben von Gaius Plinius Secundus Maior, Plinius der Ältere (etwa 23-79), in seiner 37-bändigen Enzyklopädie „Naturalis Historia“ aus Spanien [1] (dem Kantabrischen Distrikt), Gallien, wo es von bis zu 50.000 Sklaven aus den Minen gefördert wurde [2] sowie aus England [3] und hauptsächlich Galizien [3]. Auch Strabon [Strabo, der Schielende] (63 v.u.Z.-23), antiker griechischer Geograph und Geschichtsschreiber, berichtet in seiner Abhandlung „Geographica“ [4] über Blei wie auch der persische Universalgelehrte Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya al-Razi (um 864-925) in seinem Hauptwerk „Kitab sirr-al Asrar“ [4], bekannt als „The Book oft he Secret of Secrets“ bzw. „Secretum Secretorium“.

Ein nennenswertes Sachzeugnis der Bleianwendung in der Renaissance sind beispielsweise die Probeabgüsse zur Modellierung einfacher bis hin zu aufwendigem Bronzeguss, verbunden mit einer Material-, Kosten- und Zeitminimierung. Bedeutsam ist außerdem, „Die Mehrzahl der byzantinischen, venezianischen und päpstlichen Siegel bestanden damals aus Blei“ [5]. Im Mittelalter wurde es auch fürs Fassen von Butzenscheiben und Streithämmer bzw. ab der Renaissance für Subplumbate genutzt und in Belgien und Holland entstanden nach dieser Epoche „kunstvolle, Flachbildnereien auf ovalen, runden und eckigen Bleiplatten“ [6]. Aus der Literatur [7] geht außerdem hervor: „Ab 1550 v.u.Z. werden Kleinvorkommen an Blei neben Gold, Silber, Kupfer, Zinn überall in Europa, Vorder- und Mittelasien genutzt. Spät, nämlich beginnend im 19. Jahrhundert, begann in Belgien, Frankreich, den Vereinigten Staaten von Amerika sowohl die Bleierzförderung wie auch ihre Verhüttung“ [8].

Eine literarische-theoretische Grundlage dafür schuf zuerst der Ingenieur, Büchsenmacher, Architekt und angewandte Chemiker Vannoccio Biringuccio (1480-1537), der im Berg-, Hütten-, Gießereiwesen besonders in der Toskana tätig war und besonders seine Kenntnisse in der Metallurgie und Hüttentechnik durch Reisen in Italien, Österreich, Deutschland sowie in Sachsen [9] erweiterte. Eine Basis für die Bleimetallurgie schuf er mit rund einhundert [10] belangreichen Erläuterungen zum Blei in seiner, postum von Venturino Rossinello 1540 in Venedig in Italienisch gedruckten, „De la Pirotechnia“.

Sein Buch, das als das bedeutendste frühzeitliche Werk der Berg- und Hüttenkunde, neben Georg Agricolas (1494-1555) „De re metallica libri XII“ (Erstdruck in Latein, Basel 1556, bei Hieronymus Froben & Nicolaus Bischoff, in Deutsch 1557 ebenda [11]), gilt, war gerade mit diesem Themenbereich sowohl eine erstrangige Quelle zur Bleimetallurgie als auch lange Zeit ein frühes technisches Lehrbuch. Selbst Agricola nutzte dieses für seine XII Bücher vom Bergbau und Hüttenwesen. Dass Biringuccios X Bücher für die Metallurgie der Frühneuzeit große Bedeutung erlangten [11-13], bestätigen die italienischen Neuauflagen 1550, 1558, 1559, 1678, die Veröffentlichungen in Französisch 1556, 1572, 1627 und in Latein 1658 [8].

In seinem Werk behandeln seine zehn Bücher; 1. Die Metalle, die Erze, 2. die Halbmetalle, ihre Vorbereitung, 3. die Probierkunst, die Öfen, 4. die Goldschmiedekunst, 5. die Legierungen, 6. die Formerei, 7. die Bohrmühlen, die Blasebälge, 8. den Guss kleiner Gegenstände, 9. das Destillieren, Sublimieren, 10. Das Schießpulver, die Feuerwerkerei, die Minierkunst [11]. Was das Blei betrifft, beinhalten das 1., 3., 5. Buch Abhandlungen zum Bleierz, dessen Beprobung, Aufbereitung, Verhüttung, wie die Pb-Legierung [10], [12], [13].

[1] ...org/wiki/Naturalis_historia ; [2] WVM, NE-Me., Pb, B: 2011, http://www.wvmetalle.de/welcome.asp?...; [3] Gehlen, A. F.: J. Ch., Ph., Mineral., Bd. 9, B: RSBH 1810; [4] Strabon: Geographica; [5] Schrötter, F. Frhr. v., u.a.: Wb. d. Mk., B: de Gruyter 1970; [6] Demmin, A.: Studien ü. Künste & Kunst-Hw., L: Thomas 1888. [7] Wilsdorf, H.: MW, L: Edit. 1987; [8] Engels, S.; Nowak, A.: SpdE., L: DVfG 1971; [9] www.deutsches-museum .../biringuccio/; [10] TMR-L, www.minrec.org...; [11] Matschoss, C.: MdT, B: VDI 1925; [12] Johannsen, O.: BR: Vieweg 1925; [13] Biringuccio, books.google.de/books?...

Den wohl wichtigsten berg- und hüttenmännischen Beitrag zum Erzmetall Blei zwischen dem Kernzeitraum der Renaissance, dem 15. Jh. (Quattrocento) und 16. Jh. (Cinquecento), und Beginn der Industriellen Revolution (in der zweiten Hälfte des 18. Jhs.) leistete der deutsche Renaissance-Gelehrte und Vater der Mineralogie Georgius Agricola (1494-1555) mit seinem 1556 erschienen Hauptwerk „De re metallica“ [1]. Bezüge zum Erzmetall Blei während der Agricolazeit haben darin das:

- Siebente Buch: mit „Das Probieren der Gold-, Silber-, Kupfer-, Blei-, Zinn-, Wismut-, Quecksilber-, Eisenerze.“
- Achtes Buch: mit „Das Verwaschen der Bleierze.“
- Neunte Buch: mit „Die Gewinnung des Silber, Kupfer, Bleies, Zinns, Eisens, Stahls, Quecksilbers, Antimons und Wismutes.“
- Zehnte Buch: mit “Das Trennen von Blei und Silber (Treiben)“ … „Die Treibarbeit.“
- Elftes Buch: mit „Das Hüttengebäude. Das Umschmelzen des Bleies und Zerkleinern des Schwarzkupfers.“

Schlussendlich: Agricolas Werk [1] hielt zum einen den technologischen Fortschritt des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus fest und spiegelt zum anderen auch die Vorreiterrolle des Königreiches Sachsen auf dem Gebiet der Metallurgie, speziell der Bleigewinnung, wieder.

Eine zunehmende Bedeutung bekam das Blei mit Beginn der industriellen Revolution, wo ein hoher Pb-Bedarf aus der Chemieindustrie, speziell für die Schwefelsäureproduktion nach dem Bleikammerverfahren sowie für Auskleidungen bei der Sprengmittelherstellung, kam. Nach 1900 waren es vornehmlich der anwachsende Maschinenbau, der aufkommende Fahrzeugbau wie auch die zunehmende Motorisierung, die das Pb und die Pb-Legierungen benötigten. So wurde und wird das Pb-Metall vor allem für Bleiakkumulatoren verwendet. Derzeit werden dafür bis zu 60 Prozent der Gesamtproduktion eingesetzt [2], [3].

Mit 3.900 - 103 t nimmt das Blei gegenwärtig (2009) unter den Nichteisenmetallen den vierten Platz ein. Vor ihm sind Aluminium mit 36.900 - 103 t; Kupfer mit 15.800 - 103 t und Zink mit 11.300 - 103 t platziert [4].

Auch in China stand das Blei bereits vor 3.200 bis 3.700 Jahren in Bronzelegierungen in der Verwendung [5] - [7]. Eigesetzt wurde es zuerst als Waffenbronze, folgend für Sakralbronze, wovon bis zu 15.000 Gegenstände erhalten blieben. Um diesen Bronzen eine bessere Fliessbarkeit zu geben, legierten die chinesischen Bronzegießer um 1.300 v.u.Z. ihre Bronzen mit hohem Pb-Gehalt bei geringem Zinnanteil, z. B. 12 bis 18 % Pb, 2 % Sn, Rest Cu. Eine solche leichtflüssige Bronze mit 12 % Pb, 2 % Sn besaß mit einer Brinellhärte von 45 gegenüber den mit 10 bis 12 % Sn legierten (Härte 94) die nur rund halb so hohe [7], [9].

[1] Agricola, G.: De re metallica; [2] Engels, S.; Nowak, A.: SpdE, L: DVfG1971; [3] de.wikipedia…/wiki/Blei; [4] … /wiki/Liste_der_groessten_Bleiproduzenten; [5] Hofmann, K. B.: Blei b. d. Völkern d. Alterthums; B: Habel 1885; [6] Tafel, V. (Hrsg. Hagenmann, K.): Lb. d. MHK, Bd. II, L: Hirzel 1929; 1953; [7] Eisenkolb, F.: Einf. i. d. Wk., Bd. IV, NE-Met., B: VT 1961; [8] Wilsdorf, H.: MW, L: Ed. 1987; [9] Ersch, J. S.; Gruber, J. G.: Allg. Enzykl. d. W & K, T. 10, Blei, S. 394/419.

Bleimineralien.

Nach Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber [1] kommt das Blei in der Natur (als Mineral) in sehr verschiedenen Verbindungen, nämlich geschwefelt, oxidiert, gesäuert, vor. Vom deutschen Mineralogen und Begründer der Geognosie Abraham Gottlob Werner (1749-1817) werden sie in einem Bleigeschlechte verbunden. Beim geschwefelten Blei (PbS) oder Bleiglanz werden von ihm drei Arten angenommen: gemeiner Bleiglanz, Bleischweif sowie mulmiger Bleiglanz; und der deutsche Mineraloge, Geologe, Bodenkundler Johann Friedrich Ludwig Hausmann (1782-1859) setzt ihn zu den Bleikiesen, wozu er sechs Arten rechnet, wie Spiesglanzbleierz, Licht Weißgütlig, Weißgütlig, Bleischweif, Bleiglanz, Kobaltbleierz.

Als „wesentlichsten Bestandteil besitzt Bleiglanz Schwefelblei, in einem Verhältnisse des Bleies zum Schwefel wie 100:15,42 mit einem zufälligen Gehalt von Silber, auch einigen andern Erzen. Nach Untersuchungen vom schottischen Chemiker Thomas Thomson (1773-1852) enthielt ein Bleiglanz von Durham (im NO Englands): 85,13 Blei, 13,02 Schwefel, 0,50 Eisen und nach dem deutschen Apotheker Johann Friedrich Westrumb (1751-1819), einer von Clausthal (im Oberharz, DE-NI): 83,0 Blei, 16,41 Schwefel, 0,008 Silber [1].

Als die bedeutendsten Bleimineralien gelten:

- der bereits erwähnte Bleiglanz, Galenit, PbS (86,6 % Pb) [2], ist das wichtigste Bleierz [3].

Vorkommen: weltweit über 17.000 Fundorte [4]; Deutschland: Freiberg, Clausthal-Zellerfeld, Bad Grund, St. Andreasberg, Neudorf (Harz), Rammelsberg (Goslar), Mechernich, Maubach (NRW), Wiesloch (Heidelberg), Walhausen (Saarland), Bad Bleiberg (A), Kärnten, Ober- und Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark [2]. Weitere Fundorte auf der Welt sind Afghanistan, Algerien, Angola, der Antarktis, Argentinien, Armenien, Australien, Aserbeidschan, Belgien, Bolivien, Botswana, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Ecuador, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kambodscha, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Mongolei, Myanmar, Namibia, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Papua-Neuguinea, Peru, die Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ungarn, Venezuela, Vietnam, Vereinigtes Königreich (Großbritannien), Vereinigte Staaten von Amerika (USA) [4], des Weiteren im Ost- und Mittelatlantischen Rücken [5].

- das Weißbleierz, Cerussit, PbCO3 (77,5 % Pb) [2].

Vorkommen: weltweit 3.600 Fundorte [6]; Deutschland: Mechernich, Kommern, Kall (Eifel), Schlesien (PL), Spanien, Griechenland, Sibirien (Altai, RUS), Colorado, Mexiko, New South Wales [2]. Iglesias (Sardinien, I), Stříbro (CZ), Broken Hill (NSW, AUS), Mibladen (MA), Tsumeb (NAM), Kabwe (Z), Leadvill, Flux Mine (Arizona, USA) [6], [7].

- das Vitriolbleierz, Anglesit, PbSO4 (68,3 % Pb) [2].

Vorkommen: weltweit 2.000 Fundorte [8]; Deutschland: Fürstenzeche bei Lam, Schmölz, Röhrnbach, Waldsassen, Schwandorf (Bayern), Ems, Schwarzwald (BW), Odenwald, Spessart, Taunus (HE), Harz (NI, ST), das Aachener Revier, Bergische Land, die Eifel, Sauer- und Siegerland (NRW), Hunsrück, Lahntal, Westerwald (RP), Nalbach (SL), Erzgebirge (SN), Gera, Greiz, Wurzbach (TH); Kärnten, Niederösterreich,

[1] Ersch, J. S.; Gruber, J. G.: Allg. Enz. W & K, T. 10, Pb, S. 394/419, Graz: ADVA 1970; [2] Tafel, V. (Hrsg. Hagenmann, K.): Lb. MHK, Bd. II., L: Hirzel 1953; [3] http://www.stolberg-bc.de/htdocs/b1txt.htm#Blei; [4] de…org/wiki/Galenit; [5] Amer. Min. Crystal Struct. Datab., Galena; [6] de…org/wiki/Cerussit; [7] Mindat, Localites f. Cerussite; [8] de…org/wiki/Anglesit.

Salzburg, Steiermark, Nordtirol (A); Kantonen Bern, Graubünden, Tessin, Uri, Waadt, Wallis (CH). Weltweit sind es: Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Eritrea, Frankreich, Gabun, Griechenland, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, die Kanalinseln Jersey und Little Sark, Kasachstan, die Demokratische Republik Kongo, Kosovo, Kuba, Luxemburg, Madagaskar, Marokko, Mazedonien, Mexiko, Mongolei, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Schweden, Simbabwe, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Vereinigtes Königreich (Großbritannien: Anglesey, Wales; Leadhills, Schottland), Vereinigte Staaten von Amerika (USA: Arizona) [1], [2], [3].

- das Gelbbleierz, Molybdänbleispat, Wulfenit, PbMoO4 (56,4 % Pb) [1], [2].

Vorkommen: Weltweit 1.400 Fundorte [4]; Kärnten, Leadhills (Schottland), Arizona [1]. Bad Bleiberg, Annaberg, Salzburg, Murau, Tirol (A); weltweit sind es: Algerien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Gabun, Italien, Kanada, Demokratische Republik Kongo, Marokko, Namibia, Norwegen, Tschechien, Vereinigtes Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) [2].

- das Grünbleierz, Mimetesit [5], [6] PbCl2 - 3(Pb3As2O8) bzw. Pb5Cl(AsO4)3 (76,2 % Pb) [1].

Vorkommen: Ems, Johanngeorgenstadt, Sardinien [2]; Deutschland: Johanngeorgenstadt (SN), Schwarzwald (BW), Spessart (BY, HE), Taunus (HE), Bergisches Land, Eifel, Sauerland (NRW), Siegerland, Westerwald (RP), Harz (NI, ST); Constantine (DZ); Mendoza (RA); Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Niederösterreich (A); Australien; Provinz Luxemburg (B); La Paz (BOL); Smoljan, Wraza (BG); Chile, VR China; Frankreich; Attika, Makedonien (GR); Iran; Irland; Italien; Hokkaidõ, Honshũ , Kyũshũ (J); Kanada; Kasachstan; Souss-Massa-Daraâ (MA); Mexiko, Namibia; Neuseeland; Akershus, Nordland, Telemark (N); Polen; Portugal; Russland; Dalarna, Värmland (S); Schweiz; Südafrika; Spanien; Songkhla (T); Böhmen, Mähren (CZ); , Ungarn, Großbritannien, Vereinigte Staaten [5].

- das Grünbleierz (Braunbleierz), Pyromorphit, PbCl2 - 3(Pb3P208) bzw. Pb5Cl(PO4)3 (69,5 % Pb)

[1], [7].

Vorkommen: Weltweit 1.400 Fundorte [7]; Ems, Freiberg (SN), Broken Hill (NSW, A) [1]; Deutschland: Friedrichssegen bei Lahnstein, Rosenberg bei Braubach, Pfingstwiese bei Bad Ems, Schauinsland, Silbergründle Seebach (Baden); weltweit: Córdoba, Mendoza (RA); Australien, Provinzen Lüttich, Luxemburg, Namur (B); Frankreich, Katanga (DR Kongo); Österreich, Böhmen, Mähren (CZ); Idaho (USA) [7]

- das Rotbleierz, Krokoit, PbCrO4 (64,1 % Pb) [1], [8].

Vorkommen: Berezovsk, (Ural, RUS); Brasilien [1]; Callenberg (D); Tasmanien (AUS) [2], [8].

- Vanadinit, Vanadinbleispat, PbCl2 - (Pb3V2O8) bzw. Pb5Cl(VO4)3 (73,1 % Pb) [1], [9].

Vorkommen: Schwarzwald (BW); Kärnten (A); Nevada; Neu Mexiko, Arizona (USA), Mexiko, Argentinien, Berezovsk, Ural, RUS); Gotland (S); Wanlockhead (Schottland, UK); Tsumeb (NAM); Djebel Mahseur, Mibladen (MA) [1], [2].

Nach heutigen Erkenntnissen ist Blei das erste Metall, das der Mensch wohl schon 9000/7000 v.u.Z. aus diesen Bleimineralien ausgeschmolzen hat [1].

[1] Tafel, V. (Hrsg. Hagenmann, K.): Lb. d. MHK, Bd. II., L: Hirzel 1953; [2] de.wikipedia.org/wiki/Wulfenit; [3] Mindat, Localites for Anglesite; [4] Mindat, … Wulfenite; [5] Mindat, … Mimetite; [6] … /wiki/Mimetesit; [7] Mindat, … Pyromorphit; [8] Minadt, … Krokoit; [9] …/Vanadinit; [10] http://www.stolberg-abc.de/...#Blei.

Bleimineralien Fundorte und Bleiproduktion im 19. Jahrhundert.

Ende des 19. Jahrhunderts galten „i n Europa als die Hauptfundorte für Bleierze: in Deutschland: Tarnowitz und Beuthen in Oberschlesien, Clausthal und Umgegend im Oberharz, Stolberg, Umgegend von Aachen, Kommern, Kall und Mechernich (Eifel), Müsen im Kreis Siegen, in Nassau und Hessen an der Lahn, in Sachsen im Erzgebirge; in Österreich:

Bleiberg bei Villach und Raibl in Kärnten, Pribram [Přibram], Mies, Bleistadt in Böhmen etc.;

in Großbritannien: in Wales, Schottland, Durham, Cumberland, Northumberland, Yorkshire, Derbyshire, Shropshire, Devon, Cornwall; in Frankreich: Poullaouen und Huelgoat in der Bretagne, Villefort und Viallaz im Departement Lozère; in Belgien: Bleyberg es Montzen, Veduin bei Namur; in Spanien: in den Provinzen Granada, Andalusien und Murcia; im Lauriongebirge in Griechenland, wo im Altertum bedeutender Bergbau betrieben ward, lagern an 40 Millionen Zentner Bleischlacken mit 6 bis 10 Prozent Blei, welche man jetzt (um 1885, d. A.) mit Vorteil zu verwerten weiß. - An Bleireichtum übertreffen jedoch die Vereinigten Staaten von Nordamerika alle Staaten Europas; ebenso ist (Ende des 19. Jhs., d. A.) Mexiko durch großen Bleireichtum ausgezeichnet“ [1].

Ein später Fund ist das Bleiamalgam (HgPb2) oder Altmarkit, „ein sehr seltenes Mineral aus der Mineralklasse der Metalle und Intermetallischen Legierungen.“ [2] Es wurde erstmals 1981 im Kreis Wuchuan (Hohhot) in der Inneren Mongolei (ein Gebiet in der VR China) gefunden. Seine Benennung folgt aus seinen Elementen Blei und Quecksilber, wobei es sich aus 67,38 % Blei und 32,62 % Quecksilber zusammensetzt [3].

Frühe Produktionszahlen zur Bleigewinnung und zum Stand zu den Herstellungstechnologien der verschiedenen Bleisorten aus unterschiedlichen Bleimineralien sind recht umfassend im Universal-Lexikon der Handelswissenschaften [4] festgehalten. Danach wurden nach August Schiebe (1779-1852), Direktor der öffentlichen Handels-Lehranstalt zu Leipzig, vor 1837 „…das meiste Blei produzierten in Europa Spanien und England, dann Preußen, Österreich und der Harz. Auch die vereinigten nordamerikanischen Freistaaten sind in die Reihe dieser Länder getreten, indem sie seit 1826 mehrere Millionen Pfund geliefert haben, am meisten 1829: 14.541.310 Pfund; …“ - „In England liefert (um 1837, d. A.): Derbyshire jährlich 5 bis 6.000 t Pb, Cumberland und Northumberland (zwei aneinandergrenzende Grafschaften an der Grenze zu Schottland, d. A.): 11 bis 12.000 t Pb, Schottland: 4.120 t Pb, also zusammen: 20 bis 22.120 t Pb. Noch weit mehr hat Spanien (Adra in Granada) in den letzten Jahren geliefert.“ „Auf dem Harze sind“ … „in den Revieren von Clausthal, Zellerfeld und Lautenthal nach den durchschnittlichen Berechnungen der 11 Jahre 1818 bis 1828: 53.197 Ztr. Pb, im Goslarer Communionbergamte: 5.404 Ztr. Pb, das sind zusammen: 58.601 t Pb. Die jährliche Erzeugung von Blei in Kärnten beträgt 36.000 Ztr. – Im Königreiche Sachsen schwankt sie zwischen 10.000 und 13.000 Ztr.“

Weitere authentische Angaben zur Bleiproduktion vermitteln ebenso die Fachjournale des 19. Jahrhunderts. Aus ihnen geht hervor, aus Bleierzen wurden da beispielsweise in den USA 1820 bereits rund 1.300 t Pb, 1853 um 15.000 t Pb gewonnen, in England waren es 1853 rund 61.000 t. Pb [5], [6].

[1] MKL: Blei, Bd. 3; S. 12/26, L: VdBIL 1886; [2] Pb-Amalgam, Wiki.; [3] Mineralienatlas L., Pb-Amalgam, wiki; [4] Schiebe, A.: Univ.-L. d. Handelsw., L, Z: Fleischer, Schumann 1837; [5] BHZ 1(1859), S. 251, Pb-Stat.; [6] Hartmann, C.: HWB d. Berg-, Hüt.- & Salzwk.: Bd. 1, WE: B. Fr. Voigt 1859.

In Preußen standen 1858 (1860) an bleiischen Produkten 252.311 Ztr. (312.098 Ztr.) Kaufblei, 3.286 (3.549) Ztr. Walzblei, 26.922 Ztr. (26.643 Ztr.) Glätte aus der Bergwerksproduktion bereit. Für Deutschland waren es 98.414 t Blei und 3.665 t Glätte. Preußen förderte 1875 exakt 2.157.557 Ztr. und 1879 2.752.410 Ztr. Bleierz und Oberschlesien hatte von 1851 bis 1880 eine Bleierzförderung von 255.200 Ztr. Für die Gewinnung stehen 3.300 kg Pb und 243.419 kg silberhaltiges Blei zu Buche. Deutschlands Metallstatistik vermittelt für 1880 eine Produktion von 853.626 Ztr. Pb (1878: 803.135 Ztr., 1879: 825.576 Ztr., 32.824 Ztr. Glätte, die für Nordamerika 97.800 t und für die Erde 430.000 t [1-11]. In der Folge entwickelten sich die Produktion und der Verbrauch von Blei sowohl in Deutschland sowie in den konkurrierenden Ländern und der Welt deutlich, wie die folgende Tafel zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bleiproduktion und Bleiverbrauch in den Jahren 1890 und 1899 [8-12].

Zur deutschen Bleiproduktion von 129.200 t (1899) lieferte der eigene Bergbau 144.370 t Bleierze, die übrige Menge von 61.334 t wurde eingeführt, damit nahm Deutschland den dritten Platz aller bleiproduzierenden Länder ein. Auch unter sämtlichen Verbrauchsländern stand die deutsche bleiverarbeitende Industrie auf dem dritten Platz. Dagegen lag Deutschland beim Vergleich der Verbrauchssteigerung seit 1880 mit 1899 mit 95 % an erster Stelle gefolgt von Amerika mit 39 %, Großbritannien 29 %, Frankreich 19 % [7-12].

Aus der Statistik über die Produktion der Bergwerke, Salinen und Hütten des preußischen Staates im Jahre 1889 geht hervor, dass da 148.773 t Bleierze zu 90.809 t Blockblei (inklusive Pb-Bleche, Pb-Waren) verarbeitet wurden und 2.373,227 t Glätte zur Verfügung standen. Im Jahre 1910 waren es 133.955 t Bleierz, 150.256 t Blockblei und 3.076 t Kaufglätte [10], [11].

Die Bleigewinnung.

Von den aufgeführten sieben Bleimineralien ist Bleiglanz der wichtigste Rohstoff für die Bleierzeugung. Anfangs erfolgte sie „durch einfaches Ausschmelzen in Erdgruben“ [13,14]. Durch Kupellation gewannen die frühen Metallurgen auch das im Schwefelblei vorhandene Silber [13,14], welches im PbS meist Silberanteile von 0,01 bis 0,03 %, teilweise bis 0,5 %,

[1] BHZ 1(1859), S.268, Pb-Stat. f. Preuß.; [2] ÖZBHW 9(1861), S. 354, Preuß. Bergwerksprod.; [3] BHZ 1(1891), S. 265, Pb-, Ag-, Zn- Prod. DE; [4] Me-Stat. Preuß. 1875/79, BHZ 35(1881), S. 4; [5] ÖZBHW 29(1881), S. 382, DE Pb-Prod. 1878/80; [6] MKL: Blei, Bd. 3; S. 12/26, L: VdBIL 1886; [7] ÖZBHW 39(1889), S. 235, Die Prod. d. Bergw., Sal. u. Hüt. d. preuß. Sts. 1889; [8] ÖZBHW 39(1891), S. 382, Pb- u. Zn-Prod. OS 1890, [9] ÖZBHW 29(1891), S. 679, Pb- u. Ag-Prod. DE 1880; [10] Met.-Stat., BHZ 60/55(1901), S. 137/142: [11] ÖZBHW 59(1911), S. 718; [12] ÖZBHW 59(1911), S. 718, S. 1910; [13] Tafel, V.: Lb. d. Mhk, Bd. II., L: Hirzel 1953; [14] Haase, St.; Brunhuber, E.: Gies.-L., B: Schiele & Schön 2000.

selten über 1,0 % Ag enthält [1]. Die eigentliche Gewinnung des Werkbleies, d. h. des unreinen Rohbleies, verläuft überwiegend mittels der Röstreaktion in folgenden Schritten [1] - [2]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Werkblei, entsteht beim Verhüttungsprozess und sammelt sich im unteren Teil des Ofens an und enthält bis zu 2 bis 5 (10) % Verunreinigungen wie Cu, Sn, Sb, As, Bi in wechselnden Anteilen oder die Edelmetalle Gold und Silber in inkonstanten Parts. Mit ca. 900 bis 1.000 °C verlässt dieses Pb den Ofen. Heutzutage enthält das gewonnene Rohblei als Verunreinigungen oft die versprödend wirkenden Metalle As und Bi. Das zuerst abgeschiedene Blei heißt in Kärnten auch Jungfernblei und nach dem Umschmelzen Werkblei bzw. Werk. Wird das Blei durch Reduktion aus Glätte gewonnen, dann trägt es auch die Bezeichnung Frischblei [3] bzw. Weichblei [4]. Die Bergwerks- und Hüttenproduktion in den Jahren 1913 und 1927 wie auch 1938 und 2009 geben die Tafeln auf Seite 17 wieder.

Schon beim Abkühlen scheiden sich die Verunreinigen aus, die bei niedrigen Temperaturen schlecht löslich sind und werden als Schlicker abgetrennt [5]. Danach wird das Werkblei pyrometallisch oder elektrolytisch zu Hüttenblei oder Feinblei (Reinblei) raffiniert und das Hüttenblei bzw. Weichblei oder Hüttenweichblei (Pb99,9; Pb99,94 und Pb99,7 [6]), Feinblei bzw. Reinblei (Pb99,99 und Pb99,985), Kupferfeinblei mit 0,03 Kupfer (Pb99,9Cu), Umschmelzblei (Pb99,75 und Pb98,5) sowie Probierblei (Pb99,999) erzeugt. Sind die o. g. Beimengungen entzogen, dann handelt es sich um Kaufblei, wie es insbesondere in Kärnten damit bezeichnet wird [3]. Einen Überblick zur Zusammensetzung von Hüttenblei nach DIN 1719 vermittelt die folgende Tafel:

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Die Zusammensetzung von Hüttenblei nach DIN 1719 (maximale Prozentangaben) [6].

Das Cu-Blei zählt bereits zu den Pb-Legierungen, nämlich zu einer nahe dem Eutektikum liegenden [7]. Der größte Teil des heute weltweit benötigten Pb kommt zu 50 bis 90 % aus dem Recycling, v.a. aus alten Autobatterien, Kabelummantelungen, Rohren [8], der weitere Bedarfsteil stammt aus Bleierzen, beispielsweise aus dem Galenit. Verwendet wird Blei nach [9] zu etwa 60 % für die Autoindustrie (wie Akkumulatoren und Batterien), 20 % chemische Industrie, rund 10 % Elektrokabelmäntel [9], der Rest für andere Zweige. In der BRD wurden 2010 von 321.000 t verarbeiteten Pb 245.000 t für Akkus (76 %), 43.000 t für Halbzeug, Kabel, Sonstiges (14 %), 33.000 t für Glasindustrie, Chemie (10 %) verwendet [10].

[1] MKL: Blei, Bd. 3; S. 12/26, L: VdBIL 1886; [2] Haase, St.; Brunhuber, E.: Gies.-L., B: Schiele & Schön 2000; [3] Ersch, J. S.; Gruber, J. G.: Allg. Enz. W & K, T. 10, Blei, S. 394/419; [4] Brüel, L. A.: Mat. f. d. zu erwartende Ref. d. dt. Münzw., H: Hahnschen Hof-BH. 1831; [5] de.wikipedia.org/wiki/werkblei; [6] DIN 1719; [7] EN 12659: Pb, Pb-Leg., 1999; [8] Ewers, U.; Schlipköter, H. W.: Lead. in: Merian, E. (Hrsg.): Metals and their Compounts in the Environment, S. 971/1014, Weinheim: VCH 1991; [9] http://de.wikipedia.org/wiki/Blei; [10] http://www.wvmetalle.de/wvmprofi/medien/doc_7361_2011720153642.pdf.

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Analysen verschiedener Bleisorten von Wilhelm Johann Jordan, ehemaliger Berggegenprobierer in Clausthal [1].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Analysen verschiedener Sorten von Weichblei [2].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bergwerks- und Hüttenproduktion in den Jahren 1913 und 1927 [3].

[1] Jordan, W. J.: Anal. V. Pb-Sorten , in: Erdmann, O. L.; Schweigger-Seidel, F. W; [2] MKL: Blei, Bd. III., S. 12/26. L: VdBIL 1886; [3] Tafel, V. (Hrsg. Hagenmann, K.): Lb. d. MHK, Bd. II., L: Hirzel 1953;

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bergwerks- und Hüttenproduktion in den Jahren 1938 [1] und 2010 [2].

[...]

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Blei - Metall der Antike, der Gegenwart, mit Zukunft, ein Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst
Veranstaltung
Technikgeschichte
Autor
Jahr
2011
Seiten
76
Katalognummer
V182979
ISBN (eBook)
9783656072836
ISBN (Buch)
9783656072904
Dateigröße
1311 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blei, Bleilegierungen, Lote, Lagermetalle
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing., Dr.-Ing. Wolfgang Piersig (Autor), 2011, Blei - Metall der Antike, der Gegenwart, mit Zukunft, ein Werkstoff für Technik, Kultur, Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182979

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