Kinderleben in Südamerika

Lebenswelten der Straßenkinder Südamerikas in den Romanen von Gudrun Pausewang


Examensarbeit, 2008
18 Seiten

Leseprobe

Inhalt:

1. Zitate

2. Motivationsbündel

3. Kurze Inhaltsangabe der zu besprechenden Romane
3.1. Gemeinsamkeiten der Romane
3.2. Die Not der Familie Caldera (1977)
3.3. Der Streik der Dienstmädchen (1979)
3.4. Ich habe Hunger – ich habe Durst (1981)
3.5. Kinderbesuch (1984)
3.6. Das Tor zum Garten der Zambranos (1988)

4. Begriffsbestimmung der vorhandenen literarischen Gruppierungen
4.1. Zeitgeschichtlicher Roman als Überbegriff
4.2. Verortung in der Zeit
4.3. Politischer Jugendroman
4.4. Religiöser Jugendroman

5. Transfer der Definitionen auf konkrete Texte
5.1. Elemente des zeitgeschichtlichen Romans
5.1.1. Zeitliche Einordnung der Romane
5.1.2. Räumliche Einordnung der Romane
5.2. Elemente des sozialrealistischen Romans
5.3. Politische Elemente
5.4. Religiöse Elemente
5.5. Zusammenfassung

6. Ausblick auf zeitgleich erschienene Jugendromane
6.1. Romane von europäischen Autoren
6.1.1. Jugendromane mit politischer Aussage
6.1.2. Kinderromane
6.1.3. Entwicklungspolitscher Roman
6.2. Roman eines brasilianischen Autors

7. Schlussgedanke: Komparatistik

8. Literaturliste

1. Zitate:

„Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. . Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.“ [1]

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ [2]

„Es ist nicht dein Gut, mit dem du dich den Armen gegenüber als großzügig erweist. Du gibst ihm nur zurück, was eigentlich ihm gehört. Denn du hast dir angeeignet, was zu gemeinsamer Nutzung gegeben ist. Die Erde ist für alle da, nicht nur für die Reichen." [3] (Kirchenvater Ambrosius 340 – 397)

„Niemand kann guten Grundes seinen Überfluss ausschließlich für sich gebrauchen, wo anderen das Notwendigste fehlt.“ [4]

„...und wir verstanden endlich, dass das Leben eines einzelnen menschlichen Wesens millionenfach mehr wert ist als das Eigentum des reichsten Mannes der Welt.“ (Ernesto Che Guevara) [5]

„Christ-sein – gleichgültig in welcher Zeit – sollte heißen: verändern. Es gilt, die Gestalt und Lehre Jesu zu entkrusten und aus dem Blickwinkel der Urchristen zu sehen. Wird aus dieser Sichtweise heraus das Christ-sein nicht atemberaubend aktuell?“ (Gudrun Pausewang in „Christ in der Gegenwart?“ Nr. 16, 17.4. 1988, Freiburg)

„Das nächste Jahr wurde hart für Angelito. Er wurde krank. Tagelang lag er in dem Rohr, unfähig, es zu verlassen. Fieberschauer schüttelten ihn. Wahrscheinlich war es TyphusEuclides holte ihn schließlich aus dem Rohr, als er schon ganz verschmutzt war, und schleppte ihn in den verfallenen Bauschuppen, der seine eigene Schlafsstelle warEr war abgemagert und hohlwangig und sah nicht aus wie ein Vierzehnjähriger.“ [6]

Letztes Zitat stammt aus dem 1988 erschienen Jugendroman „Das Tor zum Garten der Zambranos“. Es führt uns zum Thema

Kinderleben in Südamerika, dargestellt in den Jugendromanen von Gudrun Pausewang und der These,

dass die Autorin mit zeitgeschichtlichen Romanen politische und religiöse Themen - an fiktionalen Kinderfiguren konkretisiert – der 60er bis 80er Jahre des 20. Jahrhunderts beschreibt und den Leser/die Leserin indirekt auffordert, Stellung zu beziehen.

2. Motivationsbündel

Ein ganzes Bündel von Beweggründen hat mich zu dem von mir behandelten Thema geführt:

- da ist die persönliche Bekanntschaft mit Frau Pausewang, die vor 10 Jahren begonnen hat und damit automatisch zu einer intensiveren Beschäftigung mit ihrem Gesamtwerk geführt hat
- da ist ihr 80. Geburtstag – 3. März 2008 – der mich veranlasst hat, mit meiner Klasse (7. Klasse HS) ein Buch von ihr zu lesen – Die Not der Familie Caldera – und sie bei einer Lesung in der Internationalen Jugendbibliothek in München am 28.4.08 mit der Klasse zu besuchen
- da ist die interessante Biographie einer Frau, die vor der Nazi-Zeit auf dem Selbstversorgerhof ihrer Eltern im Adlergebirge (heutiges Tschechien) geboren wurde und dort aufwuchs, zunächst Anhängerin der Nazi-Ideologie war und dann auf der Flucht nach Hamburg und Mainz die erschreckenden Verbrechen dieser politischen Gruppierung erkannt hatte, die nach dem Studium für das Lehramt an Grundschulen für 13 Jahre nach Südamerika ging, um dort zu unterrichten, die ihre Eindrücke in etwa 15 Romanen wiedergegeben hat, sich in weiteren Romanen für Abrüstung und eine atomfreie Welt einsetzt, für Verständigung und Frieden schreibt und in ihrem Alterswerk die Verbrechen und Verführungen der NS-Ideologie dokumentiert und vor Neo-Nazis warnt, die aber gleichzeitig fröhliche Kinderbücher veröffentlicht und bis jetzt aufmerksam das Weltgeschehen beobachtet, Stellung bezieht und noch immer Lesereisen unternimmt.
- da ist das seit einigen Jahren wieder verstärkte mediale Interesse an Südamerika, was sicher auf die dort vorhandenen Rohstoffe zurückgeht, aber auch in der Folge, dass die politische Situation wieder stärker in den Vordergrund rückt.
- da sind weitere Motive, die mich veranlasst haben, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, wie z.B.: aktive Mitarbeit in Dritte-Welt-Läden - Bekannte, die im Entwicklungsdienst arbeiten – gemeinsame Aktionen mit Dritte-Welt-Läden, wie z.B. Lesungen – Patenschaft mit Kindern in Südamerika – didaktische Umsetzungen dieser Thematik an Hauptschulen in den Jahrgangsstufen 7 mit 10

3. Kurze Inhaltsangabe der zu besprechenden Romane

3.1. Gemeinsamkeiten der Romane

Unter dem Gesichtspunkt des zeitgeschichtlichen Romans – mit all seinen Varianten – ist es zunächst wichtig, sich einen kurzen Überblick über die verschiedenen Inhalte der zu betrachtenden Bücher von Gudrun Pausewang zu verschaffen. Diese sind:

- Die Not der Familie Caldera (1977)
- Der Streik der Dienstmädchen (1979)
- Ich habe Hunger – ich habe Durst (1981)
- Kinderbesuch (1984)
- Das Tor zum Garten der Zambranos (1988)

„Was diese Bücher miteinander verbindet, ist einmal der geographische Hintergrund Südamerikas, ist zum anderen das Milieu der Armen, Ausgebeuteten, Rechtlosen und Verelendeten in seinem Kontrast zu dem der Reichen und Mächtigen und schließlich das Grundthema, nämlich, wie Menschen in einer solchen Welt überleben können beziehungsweise woran sie untergehen.“[7]. Wenn auch der Rechtlose im Mittelpunkt der Handlungen steht, so ist der Blickwinkel doch immer verschieden und so ermöglichen diese fünf Jugendromane in ihrer Gesamtheit einen ziemlich vollständigen Blick auf die Lebenswelten südamerikanischer Straßenkinder und ausgebeuteter Hilfskräfte.

3.2. Die Not der Familie Caldera:

Ramón, ein junger, stolzer und interessierter Indio aus den Bergen, beschließt in die Großstadt am Meer zu ziehen, um dort zu leben, zu arbeiten und vor allem, um Lesen und Schreiben zu lernen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten bekommt er Arbeit, lernt in der Abendschule Lesen und Schreiben, heiratet und kann sich mit Hilfe eines Kredits ein bescheidenes Haus leisten. Der soziale Abstieg beginnt, als er in der Arbeit drei Finger verliert, arbeitslos wird und nie mehr einen dauerhaften Job bekommt. Die Folgen sind: Umzug in ein Elendsviertel, kein Schulbesuch mehr für die Kinder, Aggressionen innerhalb der Familie, Lebenserhalt durch die bettelnden Kinder, dem Wühlen in Mülltonnen nach Lebensmittelresten und schließlich die kriminelle Schiene: Ramón wird Dieb und bei seinem letzten Einbruch von der Polizei erschossen.

3.3. Der Streik der Dienstmädchen:

Diese Geschichte geht – laut Aussage der Autorin – auf einen authentischen Fall zurück. Ein fünfzehnjähriges Dienstmädchen verliert ihre Arbeitsstelle, da sie berechtigten Lohn eingefordert hat. Durch eine solidarische Aktion fast aller anderen Dienstmädchen der Kleinstadt sind sie zumindest in diesem Punkt erfolgreich: Marta wird zu gerechteren Bedingungen wieder eingestellt. Die Streikbewegung wird von einem von außen kommenden gebildeten Dienstmädchen getragen und gefördert.

3.4. Ich habe Hunger – ich habe Durst:

Die Familie Soto muss ihren Grund an einen Unternehmer verkaufen. Sie verlassen ihr Dorf, um mit dem für sie jetzt vorhandenen und vermeintlich unvorstellbaren Reichtum in der Stadt ein neues Leben zu führen. Zwar können die Kinder teuere Schulen besuchen, doch schwindet merklich das Geld. Sie ziehen in ein Elendsquartier am Rande der Stadt und schließlich in eine Bauruine. Die älteste Tochter verschwindet mit einem „Sänger“ und als die Restfamilie gegen Ende des Romans wieder in ihr Dorf zieht, um überleben zu können, bleibt ein Sohn in der Stadt, um mit Hilfe eines Stipendiums ein Internat besuchen zu können.

3.5. Kinderbesuch:

Ein deutsches Ehepaar besucht seine in Südamerika mit einem Großindustriellem verheiratete Tochter. Von dem Reichtum sind sie ebenso beeindruckt, wie von den Elendssiedlungen ringsum, denen sie aber hilflos gegenüber stehen. Trotz der Mahnungen – sie sind übers Wochenende allein in der Villa – niemanden ins Haus zu lassen, öffnen sie mehrmals bettelnden Kindern die Tür und fühlen sich in ihrer Hilfsbereitschaft bestätigt, wenn sie diesen Essen, Trinken und neue Kleidung anbieten. Doch beim letzten Besuch der Kinder stürmen diese das Haus und verwüsten alles.

3.6. Das Tor zum Garten der Zambranos:

Der etwa neunjährige Straßenjunge Angelito wird aus egoistischen Gründen das Pflegekind einer reichen Familie. Er genießt den Wohlstand, auch wenn er ihm zunächst ungewohnt vorkommt. Doch er vergisst seine alten Freunde nicht. Nach missglückten Besuchen in der Stadt, laden sein „Bruder“ und er Angelitos alte Freunde und die Familien des Hauspersonals während der Abwesenheit der Eltern zu einem Gartenfest ein. Es verläuft friedlich, doch der Pastor der Familie berichtet den Eltern davon. Sie jagen Angelito zurück auf die Straße. Noch hat er Kontakt zu seinem „Bruder“, doch als dieser in den USA auf eine Schule gehen muss, entfremden sich die beiden im Laufe der Jahre. Enttäuscht über diesen Verrat, beschließt Angelito Rache an seinen Pflegeeltern zu nehmen.

4. Begriffsbestimmung der vorhandenen literarischen Gruppierungen

4.1. Zeitgeschichtlicher Roman als Überbegriff

Wie in der eingangs erwähnten These, soll erörtert werden, wie diese Romane literarisch einzuordnen sind.

Zu beweisen ist, dass es sich hier in allen fünf Fällen um zeitgeschichtliche Romane bzw. sozialrealistische Gegenwartsromane handelt.

Malte Dahrendorf schreibt dazu im „Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur“: „Zeitgeschichte ist ein seit den zwanziger und dreißiger Jahren gebrauchter Begriff zur Benennung derjenigen politisch-geschichtlichen Prozesse, die jeweils in der unmittelbaren Vergangenheit wurzeln und gegenwärtig noch nicht abgeschlossen sind bzw. schlicht von Gegenwartsprozessen. In der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte der Kinder- und Jugendliteratur ist Zeitgeschichte in erzählender, erzählend-dokumentarischer und Sachliteratur, die sich mit der „jüngsten Vergangenheit“ des Nationalsozialismus/Faschismus, mit der Gegenwart der Bundesrepublik Deutschland sowie mit politisch-gesellschaftlichen Problemen der übrigen Welt (Rassismus, Dritte Welt, Ost-West-Konflikt etc.) auseinandersetzt, in Erscheinung getreten. Die zeitgeschichtliche Kinder- und Jugendliteratur kann einmal als Teil der geschichtlichen und zum anderen als Teil der politischen Kinder- und Jugendliteratur angesehen werden.“[8].

Zählt man alle erwähnten Bereiche auf, so erscheint der Begriff „Zeitgeschichte“ als Sammelbecken aller möglichen Themen und damit ungenau. Auf diese Gefahr hat auch Günther Lange in seinem Beitrag im sog. „lila lexikon“ 1998 hingewiesen und beschränkt sich deshalb auf die Zeit der NS-Diktatur.

Im Folgenden verwende ich den Begriff „Zeitgeschichte“ als Überbegriff für die zu besprechenden Romane und kann somit die Literatur über die Dritte Welt einbauen, da sie laut Definition impliziert ist. Das Problem der Dritten Welt (Armut, ungerechte Verteilung von Besitz,...) besteht schon sehr lange und wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht aus den Schlagzeilen der Weltpresse verschwinden.

Untersucht man noch den Begriff „sozialrealistischer Gegenwartsroman“, so stellt man fest, dass er sich mit dem zeitgeschichtlichen Roman insofern deckt, als sein Schwerpunkt auf der realistischen Beschreibung des menschlichen und damit des sozialen Gefüges und in der Jetztzeit liegt – auch wenn zwischen Schreibbeginn und heute ein Zeitraum von ca. 30 Jahren liegt. Die oben angesprochene Problematik der Dritten Welt hat sich nicht wesentlich verändert.

4.2. Verortung in der Zeit

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein Bewusstseinswandel innerhalb der Gesellschaft zu registrieren. Das Interesse der Öffentlichkeit richtet sich auf Grund politisch-gesellschaftlicher Entwicklungen verstärkt auf neue Problemfelder. Dazu gehören im europäischen Raum:

* eine länderübergreifende Bildungsmisere,

* ein Reformstau gesellschaftlicher Problemlösungen,

* ein politischer Rechtsruck, verbunden mit der versuchten Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit - auch im privaten Bereich,

* ein Aufkeimen „grüner Gedanken“

* ein Erkennen der Endlichkeit unserer Welt und

* ein verstärktes Bewusstsein des Nord-Süd-Konfliktes.

Damit stellt der zeitgeschichtliche Roman einen literarischen Überbegriff für Romane dar, die sich mit einzelnen Problemfeldern einer bestimmten Zeit auseinandersetzen und unter dem verschiedene Subsysteme, wie z.B. Mädchenroman, Adoleszenzroman, Kriminalroman usw. eingeordnet werden können.

4.3. Politischer Jugendroman

Durchsucht man die entsprechenden Lexika zu Kinder- und Jugendliteratur, wird man vergebens den Gattungsbegriff „politischer Jugendroman“ finden. Selbst das sog. „rote Lexikon“, herausgegeben von Klaus Doderer, gibt unter dem Stichwort „politisches Kinder- und Jugendbuch“ nur Hinweise auf andere Suchstellen, wie z.B.

- Antiautoritäre Kinder- und Jugendliteratur
- Geschichtliche Themen in der Kinder- und Jugendliteratur
- Jugendmedienschutz
- Rassenkonflikte in der Kinder- und Jugendliteratur
- Realismus in der Kinder- und Jugendliteratur
- Zeitgeschichte als Thema der Kinder- und Jugendliteratur

„Dahrendorfs Ansatz ist ein schwerpunktmäßig literatursoziologischer mit literaturpsychologischer Akzentuierung , der die literarische Kommunikation als Teil der (sekundären) Sozialisation begreift und die Wechselbeziehungen zwischen Gesellschaft und Literatur analysiert, wobei die Komponenten Autor, Leser, Inhalte, Buch (als Ware) konsequent in ihrer Abhängigkeit vom historisch-gesellschaftlichen Kontext gesehen werden [Dazu vor allem Dahrendorf 1974 Die politische Situation der Kinder- und Jugendliteratur In: Der Deutschunterricht, Jg. 26 (1974), H. 5, S. 5 – 33]. Die logische Folge dieses Ansatzes besteht darin, Kinder- und Jugendliteratur als grundsätzlich politischer Natur zu begreifen, da sie einerseits den ´Werte-, Normen- und Pflichtkanon` (Richter 1973, S. 23) der betreffenden Gesellschaft widerspiegelt, andererseits das soziale und politische Verständnis des jungen Lesers beeinflusse und Grundsteine für politische Anschauungen und Handlungsmuster lege [Vgl. Richter (1973, S. 23 und S. 27), Dahrendorf (1974, S. 6), Becker (1976, S. 36) und Kaminski/Haas (1984a, S.88)][9].

Untersucht man jetzt die eingangs erwähnte Literatur, die zu den zeitgeschichtlichen Romanen gehört, so sieht man, dass sozialrealistische Romane dem Darstellungsprinzip anhängen, die reale Welt unverstellt zu beschreiben und den Blick des Lesers/der Leserin auf wichtige soziale und politische Probleme zu öffnen, die alle angehen und ein kritisches Bewusstsein erzeugen.

Als eines der ersten Jugendbücher mit politischem Inhalt des 20. Jahrhunderts muss wohl „Das Menschenschlachthaus“ von W. Lamszus (1912) genannt werden. Hier wird die Realität (1. Weltkrieg) einige Jahre vorweggenommen und warnend auf die Fehler der politischen Machthaber und deren Folgen für alle hingewiesen. Knapp 100 Jahre später – nur um den Bogen zu spannen - tauchen politische Elemente bei Kirsten Boie in den Büchern „Skogland“ und „Alhambra“ auf. Einmal ein Kriminalroman, der demokratische und autokratische Strukturen aufweist und dann ein Mix aus Zeitreise, Abenteuer und historischem Roman, der die machtpolitischen Handlungen des spanischen Königshauses um 1492 schildert. Auch Mats Wahl mit seinen Jugendkriminalromanen um Kommissar Fors stellt politische Missstände in den Mittelpunkt und fordert die Leser auf, kritisch über die gesellschaftlichen Systeme zu reflektieren.

Politisch motivierte Jugendbücher stellen damit keine eigene Gattung dar, sondern politische Botschaften können als Elemente in zeitgeschichtlichen Romanen auftreten.

Dass dies ab den späten 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum möglich war, liegt sicher auch mit am Kurs der sozial-liberalen Koalition in Bonn mit ihrer Hauptforderung nach Chancengleichheit. Und Christine Nöstlinger wandelt den Leitspruch aller Kunstdidaktiker „Nur wer was weiß, sieht auch etwas“ um in „Wenn man die Welt verändern will, muss man Bescheid wissen“[10]

4.4. Religiöser Jugendroman

Leitet man das Wort „Religion“ vom lateinischen Wort religio ab, so kommt man auf die verschiedenen Bedeutungen, wie z.B.. Gottesfurcht, Heiligkeit, Rücksicht, Bedenken, Pflicht,... Und unter Religion versteht man dann die Vielzahl von kulturellen Phänomenen, die eine Kommunikation zwischen dem Transzendenten und dem Menschen darstellt und den einzelnen oder eine Gruppe normativ beeinflusst. Dies ist eine globale und zeitlose Erscheinung.

Bereits diese weitgefasste Definition von „Religion“ zeigt, dass auch die literarische Umsetzung, bzw. die Frage nach dem Religiösen in der Literatur vielfältigst beantwortet werden muss.

[...]


[1] Math. 25, 42ff.

[2] Galater 6,2

[3] Populorum Progressio (1967) Absatz 23

[4] ebenda

[5] Lang (1987) S.41

[6] Pausewang – Zambranos (1991) S. 174f.

[7] Runge (1991) S.42

[8] Doderer (1984) 3. Bd. S. 841

[9] Leutheuser (1995) S. 19

[10] Lettner (2008) S. 8

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kinderleben in Südamerika
Untertitel
Lebenswelten der Straßenkinder Südamerikas in den Romanen von Gudrun Pausewang
Veranstaltung
Fernkurs - Kinder- und Jugendliteratur
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V182980
ISBN (eBook)
9783656071891
ISBN (Buch)
9783656071297
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder- und Jugendliteratur
Arbeit zitieren
Walter Mirbeth (Autor), 2008, Kinderleben in Südamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182980

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