Sprachentstehung und Sprachfähigkeit


Hausarbeit, 2011

31 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gründe für die Entstehung der menschlichen Sprache
2.1 Gesten oder Nachahmungen ?
2.2 Nativismus oder durch Veränderungen ?
2.3 Soziale Kontakte

3. Die Arten des Menschen und ihre Sprachfähigkeit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang
5.1 Die Theorien der Sprachentstehung
5.2 Die Theorien der Sprachentstehung (nach der Häufigkeit)
5.3 Theorien der Sprachentstehung (nach der Komplexität)
5.4 Situationen und Ur-Wörter

1. Einleitung

Ursprünglich wollte ich mich in der vorliegenden Hausarbeit konkret mit den Situationen der Sprachentstehung beschäftigen. Der Text von Calvin/Bickerton hatte diesbezüglich Hoffnungen genährt, weil hierin anschaulich über einige Situationen gesprochen wird, bei denen vielleicht Sprache entstanden ist (Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche, eine Mut- ter unterrichtet ihr Kind). Auch Vassilis Alexakis nennt in seinem Roman „Le premier mot“ einige Situationen, in denen möglicherweise die Sprache des Menschen enstanden ist, aller- dings als poetische Behauptungen.[1] Insgesamt war meine Materialbasis ungeeignet, um über die Situationen der Sprachentstehung zu schreiben. Es gibt wie gesagt einige Ausnahmen, aber die meisten Autoren versuchen das Thema eher philosophisch-abstrakt zu bearbeiten.

In einem zweiten Teil wollte ich mich mit den Ur-Wörtern beschäftigen, die aus bestimmten Situationen heraus entstanden sind (Arbeitstitel: In welcher Situation entstanden welche Wörter ?) Leider halten sich viele Autoren beim Thema Ur-Wörter offenbar zurück. Einige machen Vorschläge zum Beispiel Dietmar Alexa („schwelgen“ als Nachahmung des Schlürf- Trink-Lauts[2] oder Richard Fester, der aber eigentlich keine Ur-Wörter nennt, sondern „Ar- chetypen“, die später entstanden sein sollen, aber das sind Ausnahmen. Dieter E. Zimmer schreibt über die Versuche, auf die Ur-Wörter zu kommen: „Wie die Wörter lauteten, die in den Horden werdender Menschen vor jeder Geschichte gesprochen wurden, läßt sich auf keine Weise mehr rekonstruieren.“[3] Aufgrund des wenigen Materials habe ich mich daher entschlossen, das Thema Ur-Wörter nicht weiter zu verfolgen. Ich werde mich stattdessen in Kapitel 3) mit den Arten des Menschen und seinen Sprachfähigkeiten beschäftigen. Warum überhaupt das Thema „Sprachentstehung“ ? Gerhard Nickel schrieb 1985, dass das Thema von der Sprachwissenschaft „nur noch am Rande behandelt (wird), weil es sich ganz einfach wissenschaftlichem Zugriff entzieht.“[4] Tatsächlich hatte sich die wissenschaftliche Forschung der letzten hundert Jahre auf andere Bereiche konzentriert: Linguistik (Grammatik von Sprache), Soziolinguistik (Einfluss von Geschlecht und sozialer Stellung auf die Sprache) und Neurobiologie (Gehirnstrukturen).[5] Der Bereich Sprachgeschichte (Sprachentstehung) wurde als Randgebiet mit „triviale(n) Spekulationen angesehen.“[6] Seit den 1980er Jahren ist das Thema wieder im Kommen, weil neue Erkenntnisse aus den Bereichen Paläoanthropolo- gie, Neurophysiologie[7] und Verhaltensforschung vorliegen.[8] Heute wird das Thema evoluti- onsbiologisch und archäologisch angegangen, und entzieht sich darum nicht mehr dem wis- senschaftlichen Zugriff. Heute wird das Thema multi-dimensional angegangen (siehe Kap. 5.3), und es wird über das Ineinandergreifen von Gründen nachgedacht. Mono-dimensionale Erklärungsansätze finden sich nur noch bei wenigen Autoren (zum Beispiel: K. Feuge, L. Franceschini, siehe Kap. 5.3). Die meisten nennen mindestens zwei Gründe für die Ent- stehung der menschlichen Sprache. Die neueste Entwicklung verkörpert vermutlich Wolf- gang Wildgen, der nicht nur soziale, sondern auch kulturelle und biologische Gründe nennt, die an der Entstehung der menschlichen Sprache beteiligt waren (vgl. Kap. 5.2). Wie man im Anhang (Kap. 5.2) sehen kann, gibt es (mindestens) sechs Theorie-Blöcke, die sich mit den Situationen und Gründen der Sprachentstehung beschäftigen. In alphabetischer Reihenfolge sind dies: Beobachtung der Natur, Gesten, Nachahmungen, Nativismus, soziale Kontakte, Veränderungen (Umwelt-, biologische, soziale). Ich werde mich in der folgenden Hausarbeit auf die folgenden Theorien konzentrieren: Gesten-Theorie, Nachahmungstheorie, Nativis- mus, Veränderungs-Theorie, Soziale-Kontakte-Theorie.[9]

Auf folgende Theorien der Sprachentstehung gehe ich aus zeitlichen Gründen nicht ein:

- Gesangstheorie[10]
- Motor-Theorie[11]

Ich werde mich auch nicht mit der Frage beschäftigen, ob die menschliche Sprache an einem Ort (Monoglottogenese) oder an mehreren Orten (Polygenese) entstanden ist. Ebenso wenig werde ich mich mit den antiken mythischen Erklärungen der Sprachentstehung beschäftigen, wie sie Martin Kuckenburg in seinem Buch zu Beginn zusammenfasst.[12] Bei diesen Erklä- rungsversuchen wird die Sprache von den Göttern erfunden (Ptah, Amun, Thot, Apsu, Vac, Brahma, Ase (Wodan)). Weitere Erklärungsansätze finden sich in der Bibel („Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“) oder bei antiken Autoren wie Lukrez (1. Jahrhundert v. Chr., „De rerum natura“) oder Diodor v. Sizilien („Bibliothek der Geschichte“).

In Kapitel drei geht es schwerpunktmäßig um die Frage, welche Art des Menschen konnte bereits sprechen. In einem Artikel des „Spiegel“ aus dem Jahr 1989 wurde bezweifelt, ob der Mensch vor 200.000 Jahren gesprochen habe. „Anatomen wiesen nach, daß erst der Cro-Magnon-Mensch vor 40.000 Jahren über einen völlig ausgebildeten Stimmtrakt verfüg- te.“[13] Inzwischen nimmt man an, dass die Sprache des Menschen älter ist als 200.000 Jahre.

2. Die Gründe für die Entstehung der menschlichen Sprache

2.1 Gesten oder Nachahmungen ?

Am Anfang der menschlichen Sprache standen Gesten. Diese Meinung wurde von Jonas/Jonas 1979 vertreten, und sie wurde Mitte der 1990er Jahre wieder vertreten (siehe Kap. 5.2) In jüngster Zeit (2010) wurde die „Gesten-Theorie“ von Dean Falk vertreten (in Verbindung mit ihrer Mutter-Kind-Theorie, siehe Kap. 2.3). Das Forscher-Ehepaar Jonas und Jonas war Ende der 1970er Jahre davon überzeugt, dass die Sprache beim Menschen aus der Gestik und Mimik der Menschenaffen entstanden sei, wahrscheinlich um Gefühle auszudrü- cken.[14] Mitte der 1980er Jahre wurde diese Meinung von dem Anthropologen Gordon W. Hewes vertreten („Am Ursprung der Sprache (…) stand die Geste des Zeigens.“)[15]. Aus dem gestischen Zeigen (zum Beispiel: „Da ist ein Termitenhaufen!“) habe sich das Benennen ent- wickelt, d.h. eine bestimmte Handbewegung bedeutete dann „Termitenhaufen“.

Wie entstand dann aus einer Geste (zum Beispiel die Geste „Termitenhaufen“) das Wort „Termitenhaufen“ ? Hierzu sagt die sog. Mund-Gebärden-Theorie, dass sich Laute und Gesten parallel entwickelt haben. Lippen, Zunge und Kehlkopf haben parallel zu den zeigen- den (oder arbeitenden) Händen Laute hervorgebracht.[16] Diese Laute wurden im Laufe der Zeit immer artikulierter und bekamen die gleichen Bedeutungen wie die Handbewegungen. Die „Sprache“ der Hände wurde in die Sprache der Laute übersetzt.[17] Mitte der 1990er Jahre führte Gordon Hewes seine Theorie weiter aus. Danach habe sich die zeigende Geste aus bestimmten Handformen und Finger-Bewegungen bei höheren Primaten entwickelt, in folgenden Situationen: Nahrungsverteilung, Kraulen, Objekt-Manipulation.[18] Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der russische Forscher Nikolai Marr bereits über den Zu- sammenhang von Hand und Sprache geschrieben. Zuerst habe das Gehirn die Hand gelenkt, dann die Sprache.[19] „Die Hand oder die Hände waren die Zunge des Menschen.“[20] Norma- lerweise würde man nun vermuten, dass Marr ähnlich wie Hewes eine Entwicklung von einer Gesten - zu einer Lautsprache annimmt, aber überraschenderweise schreibt er, dass die Gesten-Sprache (Er nennt sie „Linear-Sprache“.[21] ) nicht zur menschlichen Sprache geführt habe.[22] Am Anfang war seiner Meinung nach eine tierische Lautsprache.[23] Genauer gesagt: Tierische Laute wurden nachgeahmt, vermenschlicht[24] (Nachahmungstheorie). Er wird in dieser Meinung später von Robin Dunbar (1998) unterstützt, der eine Entstehung der menschlichen Sprache aus Gesten für „nicht sehr plausibel“[25] hält. Stattdessen bevorzugt er wie Marr eine Entstehung aus Lauten, die er für „viel glaubwürdiger“[26] erachtet. Konkret meint er: Am Anfang der Entwicklung standen „Laute, wie sie Affen äußern.“[27] Beide For- scher, Marr und Dunbar, haben vermutlich den Text Johann G. Herders „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ aus dem Jahr 1772 gelesen. Darin äußert Herder seine Meinung über die Entstehung der menschlichen Sprache aus einer Verbindung von „Besonnenheit“ und Nachahmung. Er nimmt folgende Situation an: Ein Mensch nähert sich einem Schaf mit „Besonnenheit“, d.h. er wird dabei nicht durch einen Instinkt geleitet.[28] Er wendet seine „Besonnenheit“ an, und sucht nach einem Merkmal, um das Tier zu bezeichnen. Als das Schaf blökt, ahmt er dieses Blöken nach, und nennt das Tier daraufhin „das Blökende“[29].

Jakob Grimm (1851) schwankt in seiner Meinung zur Nachahmungstheorie. Zu Beginn seines Textes „Über den Ursprung der Sprache“ schreibt er in Richtung der Nachahmungstheorie „Stehn alle Tierlaute nicht der Menschensprache zur Seite ?“[30], so als würde er an eine Ent- stehung der Sprache aus der Nachahmung von Tierlauten glauben. Im Folgenden sieht er aber lediglich eine gemeinsame körperliche Grundlage bei der Tierstimme und der Spra- che[31], und betont, dass man die menschliche Sprache nicht mit der Tierstimme gleich setzen könne.[32]

Charles Darwin unterstützt in seinem Buch „Die Abstammung des Menschen“ die Nach- ahmungstheorie. Seiner Meinung nach sei die menschliche Sprache durch die Nachahmung von Tierlauten entstanden; unterstützt durch Gesten.[33] Als Beispiel nennt er das „Heulen eines Raubtieres“[34], das von einem frühen Menschen nachgeahmt wurde, um vor der damit verbundenen Gefahr zu warnen. Bei Sven Müller (2000) wird dieser Gedanke aufgegriffen und erweitert. Die nachgeahmten Tierlaute seien auf andere Situationen übertragen wor- den. Als mögliche Situationen, wo Tierlaute zur Anwendung kamen, nennt er: „Wasser hier“ oder „Gefahr durch Raubtier“[35].

Dean Falk unternimmt 2010 in ihrem Buch „Wie die Menschheit zur Sprache fand – Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens (2010) einen neuerlichen Versuch, die Sprachentste- hung aus Gesten zu begründen, und nimmt als Beweis dafür die Entwicklung eines Kindes. Bei der Entwicklung eines Kindes zeige sich, dass „zeigen“ vor „sprechen“ komme. „Kinder bedienen sich ihrer ersten Gesten im Regelfall im Alter von neun bis zwölf Monaten, (…) die ersten Wörter für bestimmte Gegenstände dagegen sind im Durchschnitt erst etwa drei Mo- nate nach den entsprechenden Gesten zu erwarten.“[36]

Zu den frühesten Gesten in der Sprachentwicklung des Menschen rechnet Falk die ikoni- schen Gesten. Diese kommen praktisch aus der Natur selbst, d.h. sie werden so gebildet, dass sie einem natürlichen Vorbild ähnlich sehen. Ähnlich wie Gordon W. Hewes formuliert sie über den (parallelen) Zusammenhang von Gesten und Lauten: „Einige der frühesten Arm- und Handgesten waren vermutlich ikonische Gesten und enthielten sprachliche Elemente, ganz ähnlich wie viele der Arm-und Handgesten, die wir heute verwenden, rudimentäre Sät- ze enthalten.“[37]

2.2 Nativismus oder durch Veränderungen ?

Der Nativismus (auch Innatismus oder Mentalismus)[38] meint, dass Sprachkenntnisse dem Menschen angeboren und genetisch verankert sind.[39] Vertreter dieser Richtung sind Will- helm v. Humboldt (auf den ich hier nicht eingehen werde), Jakob Grimm und im 20. Jahr hundert Noam Chomsky. Jakob Grimm meint, dass Urlaute (Vokale, Halbvokale, Konsonan- ten) dem Menschen angeboren seien.[40] Oder an einer anderen Stelle: Die Sprachwerkzeuge seien dem Menschen vom Schöpfer gegeben.[41] Noam Chomsky benutzt neuere Ergebnisse der Archäologie und der Neurophysiologie (Wissenschaft, die den Zusammenhang von Ge- hirn und Sprache untersucht) für die Unterstützung seiner nativistischen These. Er meint, dass der Mensch ein spezielles Sprachorgan (das Broca-Zentrum) besitze.[42] Herder könnte man auch zu den Nativisten zählen (siehe auch Kap. 2.1), weil er die Sprach- entstehung beim Menschen durch seine „Besonnenheit“ (Verstand, Vernunft ?) erklärt. Diese „Besonnenheit“ stehe dem Menschen zur Verfügung, und als sie einmal bewusst an- gewendet wurde, sei die menschliche Sprache erfunden worden.[43]

Zu den Sprachforscher, die sich deutlich mit Veränderungen und ihren Folgen für die Sprach- entstehung beschäftigt haben, zähle ich Wolfgang Wildgen und Dieter E. Zimmer (siehe Kap. 5.2), aber auch Jonas/Jonas haben sich bereits 1979 mit biologischen Veränderungen des frühen Menschen beschäftigt. Ihr Ansatz ist die zunehmende Unreife der Kinder. Diese führ- te dazu, dass die Anforderungen an die Mütter immer größer wurden. Sie mussten sich län- ger um ihr Kind kümmern. „Der Mutter blieb (…) nichts anderes übrig, als ihr Kind im Arm mit sich herumzutragen, wohin sie auch ging und was immer sie tat.“[44] Die Veränderung des mütterlichen Verhaltens habe sich ihrer Meinung nach auf die Sprachentstehung ausgewirkt. An einer Stelle sagen sie explizit, dass die menschliche Sprache durch die Mutter-Kind- Kontakte entstanden sei.[45] Die Unreife des Kindes musste kompensiert werden (und die Bindung zwischen Mutter und Kind verstärkt werden), und es entstand die Sprache.[46] Auch die biologische Veränderung „Haarverlust“ wird von Jonas/Jonas 1979 erwähnt (später von Zimmer aufgegriffen), was ebenso wie die kindliche Unreife zu einem veränderten müt- terlichen Verhalten geführt habe. Der „Haarverlust“ der Mutter führte dazu, dass sich das Kleinkind nicht mehr im Fell der Mutter festkrallen konnte. Es musste von der Mutter getra- gen werden, vermutlich mit der linken Hand. Das führte dazu, dass die praktischen Arbeiten von den Müttern überwiegend mit der rechten Hand verrichtet wurden. Nach Meinung von Jonas/Jonas und Dieter E. Zimmer habe dies die linke Gehirn-Hemisphäre der frühmensch- lichen Mütter verstärkt,[47] was bei ihnen zur Sprachfähigkeit geführt habe.[48] Die Sprach- fähigkeit der altsteinzeitlichen Mütter fand in der Kinderbetreuung ihre Anwendung. Durch Lallen wurden die (unreifen) Kinder beruhigt. Diese Lautäußerungen wurden dann auch ge- genüber Erwachsenen benutzt, um eine Bindung herzustellen, ähnlich der Fellpflege.[49]

Dunbar spricht davon, dass durch sprachliche Laute, Bindungen erleichtert wurden.[50]

Sprache als soziale Fellpflege – diese Meinung taucht bei Dean Falk 2010 in einer etwas an deren Formulierung wieder auf.[51]

Wolfgang Wildgen beschäftigt sich ebenfalls mit biologischen Veränderungen in der mensch- lichen Entwicklung. In seinem Buch „The Evolution of Human Language“ nennt er folgende Veränderungen[52], die an der Sprachentstehung beteiligt waren:

1) Zunahme der sozialen Komplexität (Teilen von Nahrung, Kontrolle der Gegenseitigkeit, Verhalten wie Täuschung und Ehrlichkeit)
2) Zunahme des Gehirns
3) Zunahme und Differenzierung der sozialen Signale im Werbungsverhalten

1) Die Zunahme der sozialen Komplexität

Die Zunahme der sozialen Komplexität bei Wildgen kann man mit Dunbars Zunahme der Gruppengröße in Verbindung bringen (siehe Kap 5.1)). Wildgen selbst spricht von einer Ent- wicklung zu „verteilte(n) große(n) Stämme(n) und einem Zusammenleben von „viele(n) Eth- nien.“[53] Als Antwort auf diese Zunahme der sozialen Komplexität sei Sprache entstanden, im Zusammenhang mit „anderen sozialen und kulturellen Praktiken.“[54] Mit „anderen sozialen und kulturellen Praktiken“ meint Wildgen die Bereiche „Mythos“, „religiöser Glaube“ und „magische Techniken“[55] Die Entstehung der Sprache sieht Wildgen zusammenfassend im Zusammenhang mit Ritualen, Magie und Mythen.[56]

[...]


[1] Situation (1): Erinnerung an ein verstorbenes, hochverehrtes Mitglied der Gemeinschaft (vgl.: V. Alexakis, S. 371)

Situation (2): Auswanderung aus Afrika (nach Europa und Asien): Die Frühmenschen wandern nachts, singen dabei, um die Raubkatzen auf Distanz zu halten (vgl.: Ders., S. 402).

Situation (3): für unsichtbare Dinge (vgl.: Ders., ebd. )

Situation (4): Bedürfnis von ihren Träumen zu erzählen (vgl.: Ders., ebd.)

Situation (5): Bedürfnis von den (entscheidenden) Wendepunkten zu erzählen (vgl.: Ders., ebd.)

Situation (6): um Konflikte aufzuhalten (vgl.: Ders., S. 402 f.)

Situation (7): Moralische Regeln: kein Mord, kein Kannibalismus (vgl.: Ders., S. 403)

[2] Vgl.: Alexa, S. 47 ff., 15 f., 18, 27.

[3] zit. nach: D. E. Zimmer, S. 89.

[4] zit. nach: G. Nickel, S. 39.

[5] vgl.: R. Dunbar, S. 17.

[6] zit. nach: Ders.: ebd.

[7] Zum Beispiel: Poizner, Klima, Bellugi: What the Hands Reveal about the Brain. Cambridge, MA 1987.

[8] vgl.: D. E. Zimmer, S. 9.

[9] Etabliert scheinen die Begriffe „Nachahmungstheorie“ und „Nativismus“ zu sein.

[10] Hinweise bei C. Darwin: Die Abstammung des Menschen, S. 109.

[11] Die „Motor-Theorie“ denkt die Sprachentstehung aus der Entwicklung des motorischen Systems, z. B. aus praktischen Handlungen wie Essenmachen oder Essen mit den Händen, vgl.: J. Kien, in: Studies in Language Origins, S. 271 f. und 274.

[12] vgl.: M. Kuckenburg, S. 12 f.

[13] zit. nach: www.spiegel.de/(...)

[14] vgl.: Jonas/Jonas, S. 160.

[15] vgl.: D. E. Zimmer, S. 164.

[16] Dietmar Alexa könnte man auch zu den „Gestikern“ zählen. Er schreibt in „Das Urwort“ (2010): Vorgänge werden vom Menschen durch die Sprechwerkzeuge nachvollzogen (vgl.: D. Alexa, S. 23). Dadurch entstünde ein enger Zusammenhang zwischen Sache und Wort (vgl.: Ders., S. 24).

[17] vgl.: D. E. Zimmer, S. 164.

[18] vgl.: G. Hewes, in: Studies in Language Origins, S. 302.

[19] vgl.: N. Marr, S. 127: Hier könnte man die Anfänge der „Motor-Theorie“ erkennen.

[20] zit. nach: N. Marr, S. 130.

[21] vgl.: N. Marr, S. 127.

[22] vgl.: N. Marr, S. 127.

[23] vgl.: Ders.: ebd.

[24] vgl.: N. Marr, S. 135.

[25] zit. nach: R. Dunbar, S. 178. Hinweis: Auch Dieter E. Zimmer meint, dass es keine Beweise für die Gesten-Theorie gäbe (vgl.: D. E. Zimmer, S. 165).

[26] zit. nach: R. Dunbar, S. 179.

[27] zit. nach: Ders., S. 181.

[28] vgl.: J. G. Herder, S. 33.

[29] vgl.: Ders.: ebd.

[30] zit. nach: J. Grimm, S. 15.

[31] vgl.: J. Grimm, S. 19.

[32] vgl.: J. Grimm, 18 f.

[33] vgl.: C. Darwin: Die Abstammung des Menschen, S. 109.

[34] zit. nach: Ders.: a.a.O.: S. 109 f.

[35] vgl.: S. Müller, S. 63.

[36] zit. nach: D. Falk, S. 188. Diesem Gedanken liegt die Rekapitulationstheorie Haeckels zugrunde. Danach „spiegelt die Entwicklung eines Individuums bis zu einem gewissen Grad die Entwicklung seiner Art.“ (zit. nach: D. Falk, S. 187 f.)

[37] zit. nach: D. Falk, S. 189.

[38] vgl.: D. E. Zimmer, S. 65.

[39] vgl.: Ders.: ebd.

[40] vgl.: J. Grimm, S. 20.

[41] vgl.: J. Grimm, S. 32.

[42] vgl.: D. E. Zimmer, S. 65 f.

[43] vgl.: J. G. Herder, S. 31.

[44] zit. nach: Jonas/Jonas, S. 76.

[45] vgl.: Dies., S. 124.

[46] vgl.: Dies., S. 202.

[47] vgl.: Jonas/Jonas, S. 203 f. und D. E. Zimmer, S. 180.

[48] vgl.: Jonas/Jonas, S. 203 f.

[49] vgl.: Dies., S. 209.

[50] vgl.: R. Dunbar, S. 159 und S. 245.

[51] vgl.: D. Falk, S. 235, weitere Einzelheiten zu diesem Thema in Kap. 2.3)

[52] vgl.: W. Wildgen, S. 22.

[53] vgl.: W. Wildgen, S. 23.

[54] zit. nach: Ders.: ebd.

[55] vgl.: Ders.: ebd.

[56] vgl.: Ders.: ebd. Hinweis: Vermutlich bezieht W. Wildgen diese Gedanken auf eine relativ späte Zeit (Epoche der paläolithischen Kunst (z. B. Höhlenmalereien)). Ähnlichkeiten mit N. Marr sind erkennbar: Dieser meinte, dass Worte zu Beginn als etwas Magisches angesehen wurden, die eine Zauberkraft besessen haben (vgl.: N. Marr, S. 136). Jeder Ur-Stamm hatte einen bestimmten Laut, mit dem die Mitglieder dieser Gemeinschaft an einen Totem-Gott gebetet haben (vgl.: N. Marr, S. 136).

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Sprachentstehung und Sprachfähigkeit
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Hauptseminar "Die Debatte zum Ursprung der Sprache (von Condillac bis Chomsky)"
Note
2.0
Autor
Jahr
2011
Seiten
31
Katalognummer
V183004
ISBN (eBook)
9783656072348
ISBN (Buch)
9783656074885
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Text verarbeitet neue und neueste Forschungsliteratur zu den Themen Sprachentstehung und Sprachfähigkeit beim Menschen.
Schlagworte
Sprachfähigkeit Ur-Wörter, Nativismus, Gesten, Sprachentstehung
Arbeit zitieren
Erik Pfeiffer (Autor), 2011, Sprachentstehung und Sprachfähigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183004

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