Als wir vor und während unseres Studiums in Offenen Jugendeinrichtungen lernten und halfen, viel uns auf, dass Einzelgespräche und Jugendberatung eher spontan erfolgten, ohne dass es in den Einrichtungen Regelungen oder geeignete Orientierungsgrundlagen gab. Selbige hätten uns jedoch bei der Einarbeitung in diese Themenbereiche sehr geholfen.
Ähnlich stand es um die Beteiligung der BesucherInnen bei neuen Anschaffungen, der konkreten Angebotsgestaltung und der Weiterentwicklung bzw. Ausrichtung der Einrichtungen. Besonders in Phasen, in denen BesucherInnenzahlen und NutzerInnenakzeptanz sanken, wurde die Meinung der BesucherInnen zu selten gezielt erfragt.
Diese Erfahrungen motivierten uns zu der vorliegenden Ausarbeitung. Wir haben Beratung und Evaluation in der Offenen Jugendarbeit ins Zentrum gerückt und konkrete Orientierungshilfen erarbeitet. Alles was wir zusammengestellt haben, ist durch eine eigene quantitative Erhebung und gezielte Literaturrecherchen fundiert. Die Ergebnisse der Forschung und die Erkenntnisse aus der Fachliteratur haben wir um eigene Ideen und Vorschläge ergänzt.
Unserer Diplomarbeit soll…
• …einen Einblick geben, wie Einzelgespräche, Beratung und Evaluation in Offenen Jugendeinrichtungen derzeit praktiziert werden.
• …Wissenswertes und Anregendes zu Einzelgesprächen, Beratung und Evaluation in Offenen Jugendeinrichtung zusammenfassen und dabei Möglichkeiten und Potentiale aufzeigen.
• …Phasen von Beratung und Evaluation herausarbeiten und konkrete Vorschläge unterbreiten, wie ein Willkommensgespräch und ein Erhebungsbogen aufgebaut sein können.
• …dazu beitragen, die Bekanntheit der Angebote Offener Jugendeinrichtungen unter den BesucherInnen zu erhöhen, NutzerInnen in Angebotsgestaltung und Einrichtungsevaluation einzubeziehen und gezielt Beziehungsarbeit zu fördern.
• …für Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit nützlich sein. Unsere Ausführungen sollen es geübten Fachkräften ermöglichen, ihre Handlungspraxis zu überprüfen, aber auch NeueinsteigerInnen bei der Einarbeitung behilflich sein.
• …über weiterführende Literaturempfehlungen eine tiefere Einarbeitung in die Materie erleichtern.
• …praxisnah, praxisrelevant und umsetzbar sein.
Ein Großteil unserer Arbeit wurde von Fachkräften der Offenen Jugendarbeit vor der Veröffentlichung gelesen und kommentiert.
„Das ist eine sehr gut geschriebene und inhaltsreiche Arbeit geworden, die einen echten Gewinn für Theorie und Praxis bringen wird.“ (Klaus Hurrelmann)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Unsere Erfahrung und Motivation
1.2. Ziele unserer Arbeit
1.3. Die Diplomarbeit: Gliederung und Arbeitsschritte
1.4. Lizenz, Download und Verbreitung unserer Arbeit
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Begriff Offene Jugendarbeit
2.2. Begriff Jugend
2.3. Begriff JugendarbeiterInnen
3. Einzelgespräche und Beratung in der Offenen Jugendarbeit
3.1. Die Möglichkeiten von Einzelgesprächen und Jugendberatung in der Offenen Jugendarbeit
3.1.1. Einzelgespräche und Jugendberatung als zentrale Begriffe
3.1.1.1. Einzelgespräche
3.1.1.2. Jugendberatung
3.2. Einzelgespräche und Beratungen aus der Situation heraus – von unseren Forschungsergebnissen zu einem Phasenmodell
3.2.1. PHASE EINS: Die Vorarbeit (Besonderheiten und Voraussetzungen – Einzelgespräche und Jugendberatung in der Offenen Arbeit)
3.2.1.1. Jugendberatung als Trend in Offenen Jugendeinrichtungen?
3.2.1.2. Jugendberatung in den Konzeptionen Offener Jugendeinrichtungen
3.2.1.3. Anforderungen an beratende Fachkräfte
3.2.2. PHASE ZWEI: Der Einstieg in Einzelgespräche
3.2.2.1. Informationsbeschaffung als Aufhänger, Leidensdruck als Ansporn
3.2.2.2. Gelegenheiten schaffen und nutzen
3.2.3. PHASE DREI: Vom Einzelgespräch zur Beratung
3.2.3.1. Rahmenbedingungen für Beratungsgespräche
3.2.3.1.1. Die Notwendigkeit geeigneter Räume für Beratungen
3.2.3.1.2. Die Anspannung vor und während den Gesprächen
3.2.3.1.3. Ruhe und Zeit für und in Beratungen
3.2.3.2. Themen von Beratungen in der Offenen Jugendarbeit
3.2.3.3. Ziele von Beratungen in der Offenen Jugendarbeit
3.2.4. PHASE VIER: Beraten (Hilfreiche Ansätze, Konzepte und Methoden für die Praxis von Beratungen - eine Auswahl)
3.2.4.1. Der Kommunikationsprozess – Grundlegendes und Beachtenswertes in Beratungskontexten
3.2.4.2. Die Beratungshaltung der Fachkräfte
3.2.4.3. Gesprächstechniken und Beratungskonzepte
3.2.4.3.1. Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers
3.2.4.3.2. Motivierende Gesprächsführung
3.2.4.3.3. Das Transtheoretische Modell – Sensibilisierung für die Stadien der Veränderung
3.2.4.3.3.1. Widerstand als Zeichen
3.2.4.3.3.2. Die Stadien der Veränderung
3.2.4.3.3.3. Bestimmung der Stadien
3.2.4.3.3.4. Ein ‚Rückfall’ als möglicher Bestandteil der Veränderung
3.2.4.3.3.5. Dokumentation und Wirksamkeitsdialog
3.2.4.3.4. Techniken der Systemischen Beratung
3.2.5. PHASE FÜNF: Abschluss & Fortsetzen von Beratungsgesprächen
3.2.5.1. Der Abschluss eines Gespräches
3.2.5.2. Entwicklungsbegleitende Gespräche
3.2.5.3. Weitervermittlung, Begleitung und Kooperation
3.2.6. PHASE SECHS: Nach der Beratung (Selbsteinschätzung, Erkenntnisverwertung und Dokumentation)
3.2.6.1. Rückblick auf die Beratung und Erkenntnisverwertung
3.2.6.2. Schutz von Sozialdaten in Offenen Jugendeinrichtungen
3.2.6.3. Dokumentation
3.3. Das Willkommensgespräch
3.3.0. Ablauf eines Willkommensgespräches
3.3.1. Vor dem Gespräch
3.3.2. Der Gesprächseinstieg
3.3.3. Einrichtung, Angebote, Projekte, Fachkräfte und BesucherInnen
3.3.4. Hobbys, Stärken, Interessen, Partizipation
3.3.5. Unterstützungs- und Beratungsangebote, aktuelle Probleme, Beispiel-Themen
3.3.6. Der Abschluss des Willkommensgespräches
3.3.7. Rückmeldungen aus der Praxis
4. Evaluation Offener Jugendeinrichtungen unter Beteiligung der Besucher/innen – Ein Erhebungsbogen als Partizipationsinstrument
4.1. Warum das Ganze?
4.2. Zentrale Begriffe
4.2.1. Evaluation
4.2.2. Partizipation
4.2.3. Qualitätsentwicklung
4.3. Qualitätsstandards einer Evaluation
4.4. Der Erhebungsbogen
4.4.1. Die Begleitschrift zum Erhebungsbogen
4.4.1.1. Instrument einsehen, überprüfen und ggf. anpassen
4.4.1.2. Einführung des Bogens
4.4.1.3. Durchführung
4.4.1.4. Auswertung und Nutzung der Ergebnisse
4.4.1.5. Neue Möglichkeiten
4.5. Rückmeldungen aus der Praxis
4.5.1. Rückmeldungen zum Evaluationsprozess
4.5.2. Rückmeldungen zum Erhebungsbogen
4.5.3. Fazit
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, einen Einblick in die Praxis von Einzelgesprächen, Jugendberatung und Evaluation in Offenen Jugendeinrichtungen zu geben. Dabei soll erarbeitet werden, wie Fachkräfte ihre Handlungspraxis strukturieren und reflektieren können, um Jugendliche besser zu unterstützen und aktiv an der Gestaltung ihrer Einrichtung zu beteiligen.
- Praxisnahe Phasenmodelle für Einzelgespräche und Beratung.
- Konkrete Ansätze für Willkommensgespräche mit Jugendlichen.
- Methoden und Instrumente für eine partizipative Evaluation.
- Qualitätsstandards und handlungsorientierte Orientierungshilfen für Fachkräfte.
- Anregungen zur Förderung der Beteiligung und NutzerInnen-Orientierung in der Jugendarbeit.
Auszug aus dem Buch
3.2.1.3. Anforderungen an beratende Fachkräfte
Wie bereits erwähnt, hat Jugendberatung in Offenen Einrichtungen viele Vorteile. Da Jugendliche die Einrichtung und deren MitarbeiterInnen bereits kennen, fällt es Jugendlichen verhältnismäßig leicht, ihre Belange anzusprechen. Fachkräfte erleben die Jugendlichen zudem in ihren Handlungen und Alltagsbezügen, was sich für die Beratung als vorteilhaft erweisen kann. Eigenständige Jugendberatungsstellen haben in der Regel mit höheren Schwellenängsten der Jugendlichen zu kämpfen. Ein direkter Einblick in das Leben der KlientInnen (außerhalb der Beratungsräume) bleibt ihnen verwehrt.
Trotz der Niedrigschwelligkeit Offener Arbeit ergeben sich für Jugendliche viele mögliche Stolpersteine, die den Weg zur Beratung für sie erschweren können. Nach Einschätzung von Elke von der Haar möchten sich Jugendliche beispielsweise nicht gern als Hilflose verstanden wissen und nehmen Beratungen nicht in Anspruch, wenn sie noch keine positiven Erfahrungen gemacht haben. „Zum einen glauben sie oft nicht, dass jemand, der ihre Probleme kennt, ihnen ernsthaft beistehen würde. Zum anderen empfinden sie ihr eigenes Verhalten keinesfalls als problematisch, solange sie nicht massiv an Grenzen stoßen oder solange sie diese noch nicht übertreten haben“.
Für junge BesucherInnen ist es nicht immer leicht, sich Fachkräften zu öffnen, da sie die VertreterInnen der Erwachsenenwelt sonst auch als fordernd und sanktionierend erleben oder andere negative Erfahrungen gesammelt haben können. Die bisherigen Erlebnisse mit der jeweiligen Fachkraft spielen eine besonders große Rolle. Gab es Konflikte? Wie wurden sie beigelegt? Auf der kommunikativen Ebene fühlen sich junge BesucherInnen oftmals nicht so sicher wie die geübten Fachkräfte. Jugendliche wollen sich ungern unterlegen fühlen und könnten aus diesem Grund Gespräche umgehen. Außerdem kann der Anlass für die Beratung als so belastend empfunden werden, dass sich Jugendliche scheuen, Details preiszugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autoren erläutern ihre Motivation und ihre Arbeitsschritte bei der Erstellung der Diplomarbeit über Beratung und Evaluation in der Offenen Jugendarbeit.
2. Begriffsbestimmungen: Kurze Umreißung und Definition der zentralen Begriffe Offene Jugendarbeit, Jugend und JugendarbeiterInnen.
3. Einzelgespräche und Beratung in der Offenen Jugendarbeit: Dieses Hauptkapitel analysiert Einzelgespräche als zentrales Element der Beziehungsarbeit und entwickelt auf Basis von Forschungsergebnissen ein Phasenmodell für Beratungen sowie einen Ablauf für Willkommensgespräche.
4. Evaluation Offener Jugendeinrichtungen unter Beteiligung der Besucher/innen – Ein Erhebungsbogen als Partizipationsinstrument: Vorstellung eines Erhebungsbogens zur Evaluation, der Jugendliche aktiv in die Qualitätsentwicklung ihrer Einrichtung einbezieht.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Kommentierung der Arbeitsergebnisse und Resümee zu den Rückmeldungen der Fachkräfte aus der Praxis.
Schlüsselwörter
Offene Jugendarbeit, Einzelgespräche, Jugendberatung, Evaluation, Phasenmodell, Partizipation, Beziehungsarbeit, Qualitätsentwicklung, Erhebungsbogen, Beratungshaltung, Empowerment, Lebensweltorientierung, Fachkräfte, Praxistransfer, Jugendliche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Konzeption und Strukturierung von Einzelgesprächen, Beratungssituationen und Evaluationsprozessen in der Offenen Jugendarbeit.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit widmet sich insbesondere den Bereichen Beziehungsarbeit zwischen Fachkräften und Jugendlichen, der Gestaltung von Beratungsgesprächen, der Bedeutung von Partizipation sowie der Qualitätssicherung in Jugendeinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Fachkräften in der Offenen Jugendarbeit Orientierungshilfen und Methoden an die Hand zu geben, um Einzelkontakte und Beratungssituationen professionell zu gestalten und Jugendliche stärker in die Entwicklung ihrer Einrichtung einzubeziehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Autoren führten eine quantitative Online-Befragung bei ca. 300 Fachkräften der Offenen Jugendarbeit durch, ergänzt durch umfangreiche Literaturrecherchen und eine zweite Feedback-Umfrage zur Praxistauglichkeit.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil entwickelt ein Phasenmodell für Beratungen, skizziert einen Ablauf für Willkommensgespräche und stellt konkrete Instrumente für die Evaluation unter Beteiligung der BesucherInnen vor.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Offene Jugendarbeit, Einzelgespräche, Jugendberatung, Evaluation, Partizipation und Empowerment beschreiben.
Welche Rolle spielt das "Willkommensgespräch" im Konzept der Autoren?
Es fungiert als strukturierte Form des Beziehungsaufbaus und der niederschwelligen Vorstellung von Beratungsangeboten, um Vertrauen zwischen Jugendlichen und Fachkräften frühzeitig aufzubauen.
Warum ist die Partizipation der BesucherInnen laut den Autoren so wichtig?
Die Autoren betonen, dass Partizipation zur Qualitätssicherung und NutzerInnen-Orientierung beiträgt; Jugendliche sollen ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten können, anstatt nur passive Konsumenten von Angeboten zu sein.
Wie gehen die Autoren mit der Problematik von "Rückfällen" in Veränderungsprozessen um?
Sie nutzen das Transtheoretische Modell, um aufzuzeigen, dass Rückfälle ein integraler Bestandteil von Veränderung sind und als Chance für die Weiterarbeit an Zielen begriffen werden sollten.
- Citation du texte
- Jakob Barton (Auteur), Franziska Schuster (Auteur), 2011, Einzelgespräche, Jugendberatung und Evaluation in der Offenen Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183065