Der Markt für Management-Buy-Outs (MBOs) in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt.
1 Zwischen 1995 und 2000 wuchs das Volumen des Buy-Out-Marktes
exponentiell von 1,14 Milliarden auf 15,1 Milliarden Euro. Aufgrund der schwierigen
wirtschaftlichen Lage ging das Transaktionsvolumen bis 2002 wieder auf 5,8 Milliarden
Euro zurück, die Anzahl der Deals ist aber ungebrochen hoch und bewegt sich mit
86 Buy-Outs fast auf dem Niveau von 2001 (vgl. Abb. 1/Tab. 1).2 [...] Zwar reicht die Größe des deutschen MBO-Marktes weder in absoluten Zahlen noch
relativ zum Bruttoinlandsprodukt an die Größe des mit Abstand führenden britischen
Marktes heran,3 doch unter den kontinentaleuropäischen Ländern ist er mittlerweile
zusammen mit dem französischen sowohl nach Anzahl der Deals als auch nach
Volumen der größte Markt.4
Ein wichtiger Faktor für die steigende Bedeutung von MBOs in Deutschland war die
Privatisierung staatlicher Unternehmen in den neuen Bundesländern nach der deutschen
Wiedervereinigung. Während es bis 1991 jährlich nur ca. 50 MBOs in Deutschland gab,5 erhöhte sich die Anzahl drastisch durch die Aktivitäten der Treuhandanstalt.
Zwischen 1990 und 1993 wurden 13.836 Privatisierungen durchgeführt, darunter 2.607
Management-Buy-Outs bzw. Management-Buy-Ins.6 [...]
1 Vgl. BECKER (2000), S. 117; WRIGHT/ROBBIE (1999), S. 75.
2 Vgl. CMBOR (2000), S. 79; CMBOR (2003a).
3 Vgl. JACOBY (2000), S. 109-110.
4 Vgl. CMBOR (2003a).
5 Vgl. LAUB (1995), S. 1-2.
6 Vgl. TREUHANDANSTALT (1994), S. 1, zitiert nach: LAUB (1995), S. 2. Zur Unterscheidung zwischen
Management-Buy-Outs und Management-Buy-Ins vgl. Kapitel 1.3.1 und 1.3.2.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 DIE ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN MANAGEMENT-BUY-OUT-MARKTES
1.2 ZIEL DER ARBEIT
1.3 GANG DER UNTERSUCHUNG
1.4 BEGRIFFSDEFINITIONEN UND ABGRENZUNGEN
1.3.1 Management-Buy-Out (MBO)
1.3.2 Management-Buy-In (MBI)
1.3.3 Belegschafts-Buy-Outs (BBO)
1.3.3 Leveraged Buy-Out (LBO)
1.3.4 Abgrenzung der verschiedenen Buy-Out-Begriffe
2 MOTIVE UND VORAUSSETZUNGEN VON MANAGEMENT-BUY-OUTS
2.1 MOTIVE DER BETEILIGTEN INTERESSENSGRUPPEN
2.1.1 Motive des Verkäufers
2.1.1.1 Nachfolgeregelung
2.1.1.2 Restrukturierung
2.1.1.3 Sanierung
2.1.1.4 Privatisierung
2.1.1.5 Going Private
2.1.2 Motive des Managements
2.1.3 Motive sonstiger Interessensgruppen
2.2 VORAUSSETZUNGEN FÜR EINEN MANAGEMENT-BUY-OUT
2.2.1 Branchenbezogene Eignungskriterien
2.2.2 Unternehmens- und produktbezogene Eignungskriterien
2.2.3 Finanzielle Eignungskriterien
3 MITTELFRISTIGE ENTWICKLUNG VON MANAGEMENT-BUY-OUTS
3.1 BISHERIGE UNTERSUCHUNGEN ZUR MITTELFRISTIGEN ENTWICKLUNG
3.1.1 US-amerikanische Untersuchungen
3.1.2 Europäische Untersuchungen (ohne Fokus auf Deutschland)
3.1.3 Deutsche Untersuchungen
3.2 ERKLÄRUNGSMUSTER FÜR DIE UNTERNEHMENSENTWICKLUNG NACH MANAGEMENT-BUY-OUTS
3.2.1 Principal-Agent-Theorie/Free-Cashflow
3.2.2 Entrepreneurship
3.2.3 Steuerersparnisse und Umverteilungen
3.3 DER MANAGEMENT-BUY-OUT ALS DAUERHAFTE ORGANISATIONSFORM?
3.4 EINFLÜSSE AUF DIE DAUERHAFTIGKEIT VON MANAGEMENT-BUY-OUTS
3.5 EXIT-SZENARIEN
3.5.1 Börsengang (IPO)
3.5.2 Verkauf an ein anderes Unternehmen (Trade Sale)
3.5.3 Company Buy-Back/Secondary Buy-Out (2BO)
3.5.4 Liquidation
3.6 HÄUFIGKEIT DER VERSCHIEDENEN EXIT-SZENARIEN
4 LANGFRISTIGE FIRMENENTWICKLUNG VON MANAGEMENT-BUY-OUTS
4.1 BISHERIGE UNTERSUCHUNGEN ZUR LANGFRISTIGEN ENTWICKLUNG
4.2 EIGENE UNTERSUCHUNG ZUR LANGFRISTIGEN ENTWICKLUNG
4.2.1 Auswahl der Unternehmen und Datenbeschaffung
4.2.2 Methodik der Untersuchung
4.2.3 Merkmale der untersuchten Unternehmen
4.2.3.1 Jahr des Management-Buy-Outs
4.2.3.2 Branchenverteilung
4.2.3.3 Auslöser des Management-Buy-Outs
4.2.3.4 Transaktionsvolumen des Management-Buy-Outs
4.2.3.5 Höhe der Managementbeteiligung
4.2.3.6 Jahr des Börsengangs
4.2.3.7 Zeitspanne zwischen Management-Buy-Out und Börsengang
4.2.3.8 Größe der Unternehmen beim Management-Buy-Out und beim Börsengang
4.2.3.9 Heutiger Unternehmensstatus
4.2.4 Regressionsanalyse hinsichtlich möglicher Einflussfaktoren auf die Zeitspanne zwischen Management-Buy-Out und Börsengang
4.2.5 Zeitreihenuntersuchung
4.2.5.1 Umsatz
4.2.5.2 Gewinn
4.2.5.3 Umsatzrendite
4.2.5.4 Mitarbeiterzahl
4.2.5.5 Umsatz je Mitarbeiter
4.2.5.6 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
4.2.5.7 Kundenziel
4.2.5.8 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
4.2.5.9 Lieferantenziel
4.2.5.10 Gesamtverschuldung
4.2.5.11 Investitionsintensität
4.2.6 Vergleich der mittel- und langfristigen Performance
5 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die langfristige Performance-Entwicklung von Management-Buy-Out-Unternehmen (MBO) in Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung des Ausstiegsverhaltens von Private-Equity-Investoren. Es wird erforscht, ob von MBOs eine nachhaltige Performance-Steigerung ausgeht und welche Faktoren die Dauerhaftigkeit dieser Organisationsform beeinflussen.
- Entwicklung des deutschen MBO-Marktes
- Motive von Verkäufern, Management und Investoren
- Performance-Analyse auf Basis bilanzieller Kennzahlen
- Einfluss von Börsengängen (Exit-Szenarien) auf die Unternehmensentwicklung
- Erklärungsmuster für die mittel- und langfristige Performance
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Entwicklung des deutschen Management-Buy-Out-Marktes
Der Markt für Management-Buy-Outs (MBOs) in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt. Zwischen 1995 und 2000 wuchs das Volumen des Buy-Out-Marktes exponentiell von 1,14 Milliarden auf 15,1 Milliarden Euro. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage ging das Transaktionsvolumen bis 2002 wieder auf 5,8 Milliarden Euro zurück, die Anzahl der Deals ist aber ungebrochen hoch und bewegt sich mit 86 Buy-Outs fast auf dem Niveau von 2001 (vgl. Abb. 1/Tab. 1).
Zwar reicht die Größe des deutschen MBO-Marktes weder in absoluten Zahlen noch relativ zum Bruttoinlandsprodukt an die Größe des mit Abstand führenden britischen Marktes heran, doch unter den kontinentaleuropäischen Ländern ist er mittlerweile zusammen mit dem französischen sowohl nach Anzahl der Deals als auch nach Volumen der größte Markt.
Ein wichtiger Faktor für die steigende Bedeutung von MBOs in Deutschland war die Privatisierung staatlicher Unternehmen in den neuen Bundesländern nach der deutschen Wiedervereinigung. Während es bis 1991 jährlich nur ca. 50 MBOs in Deutschland gab, erhöhte sich die Anzahl drastisch durch die Aktivitäten der Treuhandanstalt. Zwischen 1990 und 1993 wurden 13.836 Privatisierungen durchgeführt, darunter 2.607 Management-Buy-Outs bzw. Management-Buy-Ins. Aufgrund der Erfahrungen, die durch diese Transaktionen gemacht wurden, verbesserte sich das Image von Buy-Outs in Deutschland, das von Unternehmenszerschlagungen durch Spekulanten (corporate raiders) in den 1980er Jahren in den USA geprägt war, und der MBO gewann zunehmend an Akzeptanz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definitorische Einordnung der MBO-Thematik, Darstellung des Ziels der Arbeit sowie Überblick über den Gang der Untersuchung.
2 MOTIVE UND VORAUSSETZUNGEN VON MANAGEMENT-BUY-OUTS: Analyse der Beweggründe der beteiligten Interessensgruppen sowie Identifikation branchen- und unternehmensspezifischer Eignungskriterien für MBOs.
3 MITTELFRISTIGE ENTWICKLUNG VON MANAGEMENT-BUY-OUTS: Darstellung wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse zur Effizienzsteigerung nach MBOs, Diskussion theoretischer Erklärungsmodelle und Analyse relevanter Exit-Szenarien.
4 LANGFRISTIGE FIRMENENTWICKLUNG VON MANAGEMENT-BUY-OUTS: Durchführung einer eigenen empirischen Langzeitstudie basierend auf bilanziellen Kennzahlen deutscher MBO-Unternehmen und Analyse der Performance-Entwicklung vor und nach einem Börsengang.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBEMERKUNGEN: Synthese der Ergebnisse zur langfristigen Entwicklung von MBOs unter Berücksichtigung des Ausstiegsverhaltens der Investoren.
Schlüsselwörter
Management-Buy-Out, MBO, Private Equity, Performance-Entwicklung, Börsengang, IPO, Exit-Szenarien, Principal-Agent-Theorie, Unternehmensnachfolge, Restrukturierung, Unternehmensfinanzierung, Eigenkapital, Fremdkapital, Leverage-Effekt, Langzeitstudie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der langfristigen Unternehmensentwicklung von Management-Buy-Outs (MBO) auf dem deutschen Markt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Motive der beteiligten Parteien, die Erfolgsfaktoren bei der Übernahme, die mittelfristige Performance und die langfristige Firmenentwicklung sowie Exit-Szenarien für Investoren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Langzeitperformance von MBO-Unternehmen in Deutschland zu untersuchen und zu erforschen, ob von diesen Transaktionen eine nachhaltige Performance-Steigerung ausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine empirische Langzeitstudie anhand von bilanziellen Kennzahlen von neun deutschen Aktiengesellschaften durch, ergänzt durch eine Regressionsanalyse zur Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Dauer bis zum Börsengang.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Principal-Agent-Theorie), bisherige Studien zur Performance sowie eine eigene empirische Analyse zu den Merkmalen und der Entwicklung der Unternehmen nach dem Buy-Out detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Management-Buy-Out (MBO), Performance-Entwicklung, Private Equity, Börsengang (IPO) und Langzeitstudie.
Warum spielt der Börsengang eine so große Rolle in der Untersuchung?
Der Börsengang markiert ein einschneidendes Ereignis und dient als wichtiges Exit-Szenario für Investoren, was die Organisationsform und die weitere Entwicklung des Unternehmens maßgeblich beeinflusst.
Welche Bedeutung haben die "JENSEN-Kriterien" in dieser Arbeit?
Der Autor prüft, inwieweit Unternehmen wie "reife Branche" und "hoher freier Cashflow" zwingende Voraussetzungen für einen erfolgreichen MBO sind und widerlegt dies teilweise durch die Einbeziehung junger High-Tech-Firmen.
- Quote paper
- Christian Mehrer (Author), 2003, Die Entwicklung von MBO-Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18311