Helden begegnen uns im Alltag zu jeder Zeit und an jedem Ort. Es gibt reale Heldenfiguren, stereotype Helden in unseren Köpfen und literarische Helden in Märchen, Liedern und Sagen. Steht man jedoch vor der Aufgabe, einen Helden zu charakterisieren, stößt man unweigerlich auf Fragen wie: ‚Was ist überhaupt ein Held?’, ‚Wodurch zeichnet er sich aus?’ und ‚Ist jeder Held gleich?’.
Diese und andere Fragen werden in der folgenden Arbeit untersucht. Dabei arbeite ich mit zwei Übersetzungen der Völundarkviða, in der die Geschichte von Wieland dem Schmied erzählt wird, der „zu den großen Figuren des west- und nordgermanischen Sagenkreises [gehört].“ Ich werde anhand dieser Textgrundlage aufzeigen, dass Wieland zu den Helden zu zählen ist und das, trotzdem zum einen die Völundarkviða rein formal nicht zu den Heldenliedern zu zählen ist und Wieland zum anderen einige negative Eigenschaften besitzt, die ein Held zu sein eigentlich widerlegen.
Die Verwendung eines größeren Textkorpus erscheint mir in diesem Fall nicht sinnvoll, weil sich die Wielandsaga zwar mit anderen Überlieferungen ergänzen lässt, es jedoch an der Tatsache, dass er ein (wenn auch atypi-scher-) Held ist, nichts ändert. Lediglich der Umfang dieser Arbeit würde man damit beeinflussen, nicht aber das Ergebnis.
1 Einleitung ...................................... 2
2 Die Geschichte von Wieland dem Schmied .......... 3
3 Wieland der Schmied. Ein Held?! ................. 5
3.1 Heldencharakteristik .................. 5
3.2 Wieland in der Völundarkviða .......... 7
4 Schlusswort ..................................... 11
5 Anhang .......................................... 12
5.1 Literaturverzeichnis ................... 12
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichte von Wieland dem Schmied
3 Wieland der Schmied. Ein Held?!
3.1 Heldencharakteristik
3.2 Wieland in der Völundarkviða
4 Schlusswort
5 Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Völundarkviða, inwiefern die Figur des Wieland den Schmied trotz seiner negativen Charaktereigenschaften und der formalen Einordnung des Werkes als Held klassifiziert werden kann.
- Definition und Identifikation von Heldenmerkmalen in der Literatur
- Die mythische Figur Wieland der Schmied und sein Schicksal
- Analyse der Völundarkviða im Kontext heroischer Strukturen
- Wielands Rachemechanismen und moralische Ambivalenz
- Vergleich von literarischen Heldenattributen mit der konkreten Figur
Auszug aus dem Buch
3.1 Heldencharakteristik
Im REALLEXIKON DER GERMANISCHEN ALTERTUMSKUNDE heißt es: „Der Begriff ‚Held’ steht für ein Bündel von Merkmalen, deren Umfang je nach Kontext unterschiedlich weit gefasst wird. Im weitesten Sinn kann man damit jede Person bezeichnen, die wegen irgendeiner Tat oder irgendeines Verhaltens bewundert wird oder Aufmerksamkeit erregt, positiv oder negativ. Im Bereich des Fiktionalen, insbesondere literarische Werke, trifft das auf jede Figur zu, der eine das Geschehen, die Struktur oder die Aussage des Textes beeinflussende Rolle zukommt. Meist ist ein engerer Begriff gemeint, der sich auf Kulturen bezieht, in denen als Mittel zur Durchsetzung des eigenen Willens physische Gewaltanwendung eine wesendliche Rolle spielt.“
Weiterhin sei ein Held geprägt durch Leistungen im Kampf, Abneigung gegen körperliche Arbeit, ausgenommen natürlich des Krieges, und dem Opfern seiner Lebenszeit für die Zukunft der Nachwelt. Die dem Helden zugeschriebenen Attribute beziehen sich in dieser weit gefassten Definition vorrangig auf Leistungen im Kampfe und lassen zudem eine Abspaltung des Begriffes ‚Antiheld’ nicht zu. Eine Ergänzung liefert die Erklärung in MEYERS ENZYKLOPÄDISCHES LEXIKON. Danach ist ein Held ein „durch große und kühne Taten besonders im Kampf und Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft, […] der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt [oder] eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die allgemeine Thematik der Heldencharakterisierung ein und umreißt die Untersuchung der Völundarkviða hinsichtlich der Heldenhaftigkeit Wielands.
2 Die Geschichte von Wieland dem Schmied: Dieses Kapitel fasst den Inhalt der Sage zusammen und beleuchtet die Herkunft sowie die zentralen Erzählstränge von der Vermählung bis zur Rache.
3 Wieland der Schmied. Ein Held?!: Hier werden theoretische Heldenmerkmale definiert und direkt auf die Figur des Wieland angewendet, um seine Rolle zu hinterfragen.
4 Schlusswort: Das Schlusswort reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und regt zu einer weiterführenden Diskussion über die zeitliche Beständigkeit des Heldenbegriffs an.
5 Anhang: Der Anhang beinhaltet das systematische Literaturverzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Nachschlagewerke.
Schlüsselwörter
Wieland der Schmied, Völundarkviða, Heldencharakteristik, Germanische Heldensage, Mythologie, Literaturwissenschaft, Rachemotiv, Albenfürst, Heldenideal, Edda, Heldenmerkmale, Schwanjungfrau, Protagonist, literarische Analyse, Sagenkreis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Phänomen des "Helden" anhand der speziellen Figur Wieland der Schmied in der altnordischen Völundarkviða.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Definition heroischer Eigenschaften, die erzählerische Struktur der Völundarkviða sowie die moralische Ambivalenz des Protagonisten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Wieland trotz negativer Eigenschaften und untypischer formaler Zuordnung basierend auf heroischen Merkmalen als Held klassifiziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Definitionen aus Nachschlagewerken auf den Textbestand der Völundarkviða anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Heldencharakteristik und deren praktische Anwendung auf Wielands Handlungen, Herkunft und Sonderstellung.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Wieland der Schmied, Völundarkviða, Heldencharakteristik, Heldentum, germanische Mythologie und Racheethos.
Ist Wieland nach Auffassung der Autorin ein typischer Held?
Nein, er wird als zwielichtige Gestalt eingeordnet, die zwar viele Heldenmerkmale aufweist, aber aufgrund seiner Handlungsweisen (wie Mord und Vergewaltigung) als untypischer Held gilt.
Wie beeinflusst die Rache Wielands die Heldenbewertung?
Obwohl Rache in der altnordischen Literatur ein legitimes Mittel der Konfliktlösung ist, wird durch die Grausamkeit gegen Unschuldige die Identifikation mit dem Helden erschwert, was ihn zur ambivalenten Figur macht.
Warum ist Wielands Flucht am Ende der Geschichte bemerkenswert?
Die Flucht stellt eine Besonderheit der Völundarkviða dar, da Wieland sein Schicksal aktiv abwendet und nicht wie in anderen Heldenepen den Untergang durch Tod erleidet.
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- Julia Steinborn (Autor), 2011, Wieland der Schmied - Eine Heldencharakteristik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183118