Erziehung und Sozialisation in der Familie

Die deutsche Familie im Wandel der Zeit – Ihre Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart


Hausarbeit, 2011
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung mit Begriffsklärung

2. Die Grundtypen der Familie im 19. Jahrhundert
2.1 Die bürgerliche Familie
2.2 Die Arbeiterfamilie
2.3 Die ländliche Familie

3. Familie in der Weimarer Republik

4. Familie in der Zeit des Nationalsozialismus

5. Familie nach 1945

6. Die postmoderne Familie

7. Familie aus funktionalistischer und differenzierungstheoretischer Sicht
7.1 Die Reproduktionsfunktion
7.2 Die Sozialisationsfunktion
7.3 Die Platzierungsfunktion
7.4 Die Freizeitfunktion
7.5 Die Spannungsausgleichsfunktion

8. Erklärungsansätze für den sozialen Wandel
8.1 Die Individualisierungstheorie
8.2 Die Theorie der sozialen Differenzierung

9. Zusammenfassung/Fazit/Ausblick

10. Literaturverzeichnis

11. Links

12. Anhang

1. Einleitung mit Begriffsklärung

Die Gesellschaft - und damit auch die Familie - ist von je her starken Veränderungsprozessen unterworfen, in die wir von Geburt an eingebunden sind und die wir als selbstverständlich wahrnehmen. In der familiensoziologischen Forschung, welche sich erst Ende des 19. Jahrhunderts als Einzeldisziplin herausbildete, (vgl. Nave Herz 2004 S. 10) besteht ein allgemeiner Konsens darüber, dass wir uns seit Jahren im Wandel befinden. Während das klassische Familienmodell (Ehepaar männlich/weiblich mit Kind/ern) mehr und mehr an Bedeutung verliert, gehören alternative Lebensformen und Scheidungen1 mittlerweile zu unserem Alltag.2 Wurde die Familie früher als selbstverständliche, gesellschaftliche Konvention verstanden, ist sie heute zu etwas geworden, das - abhängig von den jeweiligen Lebensbedingungen - künstlich geschaffen werden muss. (vgl. Hans - Böckler - Stiftung 2001 S. 7ff)

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Familiensoziologie in Deutschland ab dem 19. Jahrhunderts bis heute. Welche Entwicklungsphasen hat die Institution Familie durchgemacht, um zu dem zu werden, was sie heute ist? Welche positiven und welche negativen Aspekte sind diesbezüglich zu beobachten? Um den Rahmen ein wenig einzugrenzen, wird speziell auf die unterschiedlichen Formen und Funktionen von Familie im Wandel der Zeit eingegangen. Nachdem einige Begrifflichkeiten definiert wurden, werden abschließend verschiedene Erklärungsansätze für diese sozialen Veränderungen vorgestellt. Ziel der Arbeit ist es, einen groben historischen Einblick ins Thema Familiensoziologie zu geben, die einzelnen Epochen zu charakterisieren und dadurch ein besseres Verständnis für aktuelle Entwicklungstendenzen zu erlangen. Schließlich soll eine kritische Auseinandersetzung mit den gewonnenen Erkenntnissen erfolgen.

Das Wort „Familie“ (von lat. Famulus: Haussklave) bezeichnete ursprünglich eine Gruppe von Sklaven, die einem Mann gehörten. Bin in die Renaissance hinein benutzte man den Ausdruck noch, um sowohl die Dienerschaft eines Adligen, als auch eine Gruppe Blutsverwandter zu bezeichnen. Erst seit dem frühen 19. Jahrhundert bezieht sich das Wort „Familie“ hauptsächlich auf eine enge Hausgemeinschaft von Eltern und Kindern. (vgl. Haeberle 2003) Für diese Hausarbeit wird folgende Definition von Familie angenommen:

Familien sind im Vergleich zu anderen Lebensformen gekennzeichnet durch ihre biologisch - soziale Doppelnatur, also durch Übernahme der Reproduktions - und Sozialisationsfunktion, neben anderen gesellschaftlichen Funktionen, die kulturell variabel sind und durch die Generationsdifferenzierung (Urgroßeltern/Großeltern/Eltern/Kinder) sowie dadurch, dass zwischen ihren Mitgliedern ein spezifisches Kooperations- und Solidaritätsverhältnis besteht, aus dem heraus die Rollendefinitionen festgelegt sind. (Nave - Herz 2004 S.30) Unter Sozialisation versteht man Persönlichkeitsentwicklung im sozialen und kulturellen Kontext, eine Form der stets spannungsreichen Konstruktion der Biografie und der Behauptung der Identität in der Umwelt, im teilweisen Widerspruch zur „ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft.“ (Hurrelmann 2006 S.14)

In der Soziologie versteht man unter Institutionen soziale Einrichtungen, die das Handeln der Menschen grundlegend bestimmen. Sie schränken Willkür und Beliebigkeit ein und geben den Menschen Verhaltenssicherheit (Handlungskompetenz). Institutionen in diesem Sinne sind z.B. die Familie, die Marktwirtschaft, das schulische Bildungswesen oder auch die Sprache. (Institut für Deutsche Gebärdensprache o.A.)

2. Die Grundtypen von Familie im 19. Jahrhundert

2.1 Die bürgerliche Familie

„ Die bürgerliche Familie bezeichnet einerseits die mit dem Bürgertum entstandene patriarchalische Familie, in der die Autorität des Vaters durch unternehmerische Leistung und vererbbaren Familienbesitz begründet ist (Lexikon zur Soziologie 1994) und andererseits die bürgerlich - urbane (auch: traditionelle) Familie als eine spezifische familiale Lebensform, nämlich die rechtlich gesicherte Lebensgemeinschaft eines Ehepaares mit seinen eigenen (unmündigen) Kindern im eigenen privaten Haushalt. Sie ist auch noch in unserer Gegenwartsgesellschaft die quantitativ und als Leitbild dominante familiale Lebensform. (Grundbegriffe der Soziologie 2000) “ (Prof. Dr. Albrecht Seminar Familiensoziologie 2006)

Im 19. Jahrhundert gewannen zwei neue Familientypen in Deutschland an Bedeutung, einerseits die wohlhabende, bürgerliche und andererseits die proletarische3 Familie. Erstere sollte zum Erfolgsmodell einer an die Erfordernisse der industriellen Gesellschaft besonders gut angepassten Familienform werden und war zunächst auf die wirtschaftlich privilegierten Bevölkerungsschichten beschränkt, bevor sie ab dem späten 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann und schließlich ab den 1950ern das dominierende Familienmodell im Deutschland darstellte. (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung o.A.) Während Familie bisher im sogenannten „Ganzen Haus4 “ stattfand, wurden nun der Arbeitsplatz des Mannes und das Heim räumlich voneinander getrennt; somit wurde die Familie ausschließlich ein Ort der privaten Beziehungen. Es entstand eine emotionale Qualität der Beziehungen, welche es in früheren Familienformen nicht gab. Daraus folgte nicht nur ein grundlegender Wandel innerhalb der Beziehungen zwischen Familienmitgliedern, der Umbruch traf auch familienfremde Mitbewohner. Erziehungsaufgaben gewannen an Bedeutung und wurden zunehmend von Müttern übernommen und weniger dem Hauspersonal überlassen. Die einst familiäre Bindung an Dienstboten wurde zunehmend geschäftlich; so dass sich diese eher in Fabriken orientierten und der Umfang in Privathaushalten entsprechend abnahm. Auch das soziale Denken veränderte sich: Während man - wirtschaftlich betrachtet - bisher in eine Familie hineingeboren wurde, dies als gottgegeben und unveränderlich hinnahm und dort verblieb, war nun der Gedanke der eigenen Leistung vorherrschend für die Bestimmung oder Veränderung der soziale Position. (vgl. Rerrich 1990 S. 35ff). Statistisch betrachtet lag das durchschnittliche Heiratsalter der Männer bei 30 Jahren; die Frauen waren fünf bis sechs Jahre jünger und es wurden zwei bis vier lebensfähige Kinder geboren. Die Partnerwahl erfolgte freiwillig und die Beziehungen waren geprägt von Liebe und Zuneigung. Kinder konnten behütet und frei aufwachsen und verließen das Haus in der Regel erst mit Gründung einer eigenen Familie. Familienintern wurde eine klare Rollenverteilung praktiziert, der Mann war als Berufstätiger außer Haus und die Frau versorgte Haushalt und Nachwuchs. (vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung o.A.) Funktional betrachtet war die traditionelle Familie eine sehr praktische Erfindung; ein wichtiger sozialer Ort, um Störfaktoren (z.B. die Begleiterscheinungen der entstehenden bürgerlich - kapitalistischen Industriegesellschaft) zu begrenzen, einzudämmen und zu kontrollieren. Je weniger Raum es in der außerfamilialen Welt für Spontanität und Emotionen gab, desto mehr wurde die Familie zum „Reservat der Gefühle“ stilisiert; ein Ort, wo jeder seiner selbst willen und „für nichts“ geliebt wurde. Dennoch blieb die Familie ihrer objektiven Struktur nach immer noch eine Herrschaftsbeziehung mit einer ausgeprägten geschlechts- und altersspezifischen Hierarchie. (vgl. Rerrich 1990 S. 75)

2.2 Die Arbeiterfamilie

Die Industrialisierung brachte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gravierende soziale Differenzen mit sich. Es gab wohlhabende, bürgerliche Familien und formal ähnlich organisierte Arbeiterfamilien (z.B. Trennung von Haushalt und Arbeitsbereich), die einen Großteil der Bevölkerung ausmachten. Der Alltag der Arbeiterfamilie war jedoch geprägt vom fehlenden, materiellen Hintergrund, der Stil patriarchalisch. Das Geld war knapp und häufig mussten beide Ehepartner einer Erwerbstätigkeit nachgehen. (vgl. Heinemann 2004 S.123) So charakterisiert Nipperdey (1994 S.145ff) die Arbeiterfamilie als eine zweckbezogene Erwerbs-, Not- und Konsumgemeinschaft, welche nicht auf den bürgerlichen Idealen von Partnerschaft, Familiengründung und Erziehung gegründet ist. Arbeiter heirateten früher und häufiger als Mitglieder bürgerlicher Familien, da ökonomische Gründe für die Verbindung im Vordergrund standen. Ebenso standen sie früher in Brot und Lohn und erreichten schnell ihr Maximaleinkommen. Für Arbeiterfrauen hatte der Verdienst oberste Priorität und statt sich der Kindererziehung zu widmen, mussten sie nebenbei verdienen, um über die Runden zu kommen. Oft war die Höhe des Haushaltsgeldes vom guten Willen des Mannes abhängig, von dem erwartet wurde, dass er einen großen Teil seines Einkommens der Familie zur Verfügung stellte. Häufig kam hierbei zu Interessenkonflikten, so dass viele Frauen am Zahltag vor den Fabriken auf die Lohntüten ihrer Männer warteten, um Geld zu erhalten. Arbeiterfamilien litten zudem unter zahlreichen Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfällen und Niedriglöhnen. Mangelnder Wohnraum in Arbeiterfamilien bezeichnet das Kernproblem, oft mussten sich ganze Familien zwei Wohnräume teilen. Dementsprechend war das Zusammenleben geprägt von fehlender Privatsphäre; das Individuum spielte innerhalb des Konstruktes Familie eine untergeordnete Rolle. Das Konfliktpotential war hoch, die hygienischen Zustände häufig schlecht. Das Familienklima war hochfunktional geprägt und wenig partnerschaftlich; emotionale Nähe und Fürsorge eher nebensächlich. Um Platz in der Familie zu schaffen, wurde der Nachwuchs so früh wie möglich einem eigenen Haushalt zugeführt; bis dahin erlebten die Kinder meist eine Zeit der fehlenden Liebe und Fürsorge. (Nipperdey 1994 S.66ff)

2.3 Die ländliche Familie

Innerhalb dieser Grundform von Familie (auch Produktionsfamilie genannt) stehen Arbeit, Sexualität, Partnerwahl und Heirat/ Familiengründung unter den strategischen Zielen der Erhaltung und Vererbung des Hofes. Insbesondere unter Beachtung des ländlichen Erbrechtes, welches besagt, dass nur ein (männlicher) Nachkomme den Besitz erbt. Hieraus ergibt sich eine hohe Quote von Hochzeiten innerhalb geschlossener, bäuerlicher Kreise, mit dem Ziel, Besitz und sozialen Status zu behaupten. Die Bedeutung des Individuums verliert hinsichtlich des familiären Gesamtinteresses an Bedeutung. (vgl. Kaschuba 1990 S.83ff) Die bäuerliche Großfamilie vereint Familienleben und Arbeitswelt als eine Einheit von Produktion, Konsumption und Familie. Wurden zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, um den Anforderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise gerecht zu werden, wurde das Gesinde in die Familie mit aufgenommen (Familientyp des „Ganzen Hauses“). Der Nachwuchs musste sich so früh wie möglich - oft schon ab dem vierten Lebensjahr - an der Hofarbeit beteiligen, dementsprechend war Erziehung geprägt von den Härten des bäuerlichen Lebens und meist auf den Versorgungsaspekt reduziert. Die Säuglingssterblichkeit war relativ hoch, starb ein Kleinkind, wurde zeitnah ein neues „produziert“, um den familiären Fortbestand zu sichern. Bis ins späte 19. Jahrhundert hinein wurden Bauernkinder nur dann in die Schule geschickt, wenn die Arbeit auf dem Hof es zuließ; das Lernen fand ausschließlich durch Mitarbeit an Ort und Stelle statt. Im Verhältnis Mann/Frau gab es eine klare Trennung, in dem die Zuständigkeiten geschlechtsspezifisch aufgeteilt wurden. Die Männer erledigten meist alle Arbeiten die kommerziellen Aspekte betreffend, während die Frauen die häusliche Machtstellung inne hatten. (vgl. Gomilschak 1995)

3. Familie in der Weimarer Republik

In der Weimarer Republik wird die Ehe als Grundlage des Familienlebens und zum Zweck der Vermehrung der Nation erstmals verfassungsrechtlich geschützt. Die Struktur der Bevölkerung verändert sich nach dem Krieg erheblich und das Land erlebte einen Wandel der Sitten und im Umgang miteinander. Viele Männer hatten ihr Leben im Krieg verloren und die verlassenen Frauen mussten wirtschaftlich und innerfamiliar neue Rollen einnehmen, in dem sie allein für Auskommen und Erziehung verantwortlich waren. (vgl. Marthaler S 67ff) Der 1. Weltkrieg hatte zusätzlich den Einfluss der Kirche verblassen lassen und gravierende Veränderungen mit sich gebracht, welche sich in Kleidung oder Einstellung zur Arbeit, bzw. Freizeit genauso zeigten wie im Miteinander von Familien oder im Umgang von Mann und Frau. Letztere legten die figurverhüllende Kleidung der Vorkriegsepoche zusammen mit veralteten Moralbegriffen und Angst vor sozialer Ächtung ab und etablierten Besuche in öffentlichen Lokalen ohne männliche Begleitung genauso wie voreheliche Geschlechtsbeziehungen und uneheliche Kinder. Frauen bekamen das Wahlrecht und bessere Bildungschancen, so dass in den zwanziger Jahren elf Millionen Frauen voll berufstätig waren. (vgl. Craig 1978 S.515 ff) Die klassische Kleinfamilie erlebt in der Weimarer Republik einen Funktionsverlust und wird ein eher zufälliges Gebilde. An die Stelle der Familie (basierend auf Mann und Frau) tritt als neue Gemeinschaft eine Gruppe schaffender, geistig und seelisch miteinander verbundener Menschen, in deren Händen die Wirtschaft, die kulturelle Lebensgestaltung und die Erziehung des Nachwuchses liegt; die Kommune. Während Erziehung bisher geprägt war von strengen, moralischen und gesellschaftlichen Regeln, herrscht nun ein liberales, freiheitliches Denken vor. (vgl. Marthaler 2009 S 73)

4. Familie in der Zeit des Nationalsozialismus

„ Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. Das ist gar nicht so roh und unmodern wie es sich anhört. Die Vogelfrau putzt sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus. Dafür sorgt der Mann für die Nahrung. Sonst steht er Wacht und wehrt den Feind ab. “ (vgl. Gathmann, P. 2009 S. 188)

Dieses Zitat von Joseph Goebbels verdeutlicht die nationalsozialistische Vorstellung von Familie. Demnach ist die Frau ausschließlich dafür zuständig, dem „im Lebenskampf stehenden Mann ein trautes Heim zu schaffen5 “ und soll der Berufstätigkeit fernbleiben. Die Ehe wird als von der Volksgemeinschaft anerkannte, dauerhafte Lebensgemeinschaft zweier „rassegleicher, erbgesunder Menschen“ verstanden, welche als sozio - ökonomische Basis der „rassischen Aufartung“ des Deutschen Volkes dient. Die Familienpolitik der Nationalsozialisten reduziert die Familie auf die „Zuchtfunktion“, mit dem wesentlichen Zweck, „erbgesunden, rassisch wertvollen Nachwuchs“ zu zeugen; sogenannter „unerwünschter Nachwuchs“ wurde gnadenlos, bis hin zur Unfruchtbarmachung der Eltern unterbunden. Die Partnerwahl sollte geprägt sein vom Gedanken an rassische Hochwertigkeit und Erbgesundheit und weniger von Gefühlen füreinander. Politisch wurde dieses Ansinnen durch diverse „Gesetze zum Schutz des deutschen Blutes“ gestützt, welches in „Ariernachweisen und Gesundheitszeugnissen“ als Voraussetzung für eine Verlobung gipfelte. (vgl. Fontaine 2003 S. 50) Kindererziehung war im Dritten Reich ausschließlich Angelegenheit der Frau und eines Staates, welcher „schwarze Pädagogik“ in Form von gewaltsamen Zwängen und Unterwerfungen im Sinne des „großen Ganzen“ lebte. Eine Kindheit im Nationalsozialismus war von Härte geprägt und den Anforderungen eines politischen Systems preisgegeben, das all jene aus der Gesellschaft ausschied, die aus politischen, und/oder rassischen Gründen nicht in die Normvorstellungen des Systems passen wollten oder konnten. (Berger 2007 S. 91) Fortschrittliche Lebensformen außerhalb der traditionellen Ehe, welche in der Weimarer Republik bereits auf dem Vormarsch waren, wurden im Nationalsozialismus jäh unterlaufen und als widernatürlich eingestuft.

5. Familie nach 1945

Nach Kriegsende war Deutschland großflächig zerstört und wirtschaftlich am Ende, wieder hatten zahlreiche Männer ihr Leben verloren, Familien waren durch Tod oder Flucht zerrüttet. Das Land befand sich unter der Herrschaft der Alliierten, welche die Aufgabe der „Entnazifizierung“ durch Demokratie und Erziehung erfüllen sollten. Erneut war ein hoher Frauenüberschuss zu verzeichnen; die vaterlose Familie stellte ein häufiges, gesellschaftliches Problem dar. Familien befanden sich in der Reorganisation und die Reintegration der den Krieg überlebenden Männer erwies sich als langwierig und problematisch. (vgl. Marthaler 2009 S. 113ff) Das Familienbild der Nachkriegszeit sah ein traditionelles, differenziertes Rollenbild vor; der berufstätige Mann als Versorger der Familie, die Frau als Mutter und Versorgerin des Haushaltes.

[...]


1 siehe Anlage 1 im Anhang: Grafik der Bundeszentrale für politische Bildung: Eheschließungen und Scheidungen seit 1950 bis 2006

2 siehe Anlage 2 im Anhang: Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahre 2008

3 Bezeichnet im Marxismus die Arbeiterklasse http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/14125/proletariat- v4.html

4 Als „Ganzes Haus“ wird die seit dem Mittelalter vor allem in Westeuropa entstandene Familienform der Bauern und Stadtbürger bezeichnet, die sich neben der Kernfamilie primär durch den Einbezug von Gesinde und unverheirateten Verwandten auszeichnet. (Definition nach W.H. Riehl, gelesen in Prof. Dr. Albrecht Seminar Familiensoziologie 2006)

5 Begriffe und Redewendungen, die der diskriminierenden und ausgrenzenden Sprache des Dritten Reiches entstammen oder in diesem Zusammenhang eine andere Bedeutung haben, werden übernommen und in Anführungszeichen gesetzt.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Erziehung und Sozialisation in der Familie
Untertitel
Die deutsche Familie im Wandel der Zeit – Ihre Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V183241
ISBN (eBook)
9783656074502
ISBN (Buch)
9783656074601
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehung, sozialisation, familie, wandel, zeit, ihre, entwicklung, jahrhundert, gegenwart
Arbeit zitieren
Nadine Schaper (Autor), 2011, Erziehung und Sozialisation in der Familie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183241

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