„Wie in vielen Wirtschaftszweigen wird auch im akademischen Bereich der Wettbewerb immer internationaler“ (Homburg 2000, S. 346, Herv. im Orig.).
Ausgehend von dieser Entwicklung wird im Folgenden der Stellenwert der deutschsprachigen Marketingwissenschaft innerhalb der internationalen „scientific community“ thematisiert. Als Vergleichsmaßstab dient dabei die US-amerikanische Marketingwissenschaft, da diese unumstritten die internationale Spitzenposition einnimmt (vgl. z.B. Franke 2003, S. 255).
Zur Vorgehensweise bei einer Bestandsaufnahme konstatieren Roth et. al. (2004, S. 141): „Der Stand der Marketingforschung kommt in Publikationen in den führenden Fachzeitschriften zum Ausdruck“. Um den Beitrag der deutschsprachigen Marketingforschung zum aktuellen Erkenntnisstand zu analysieren, erfolgt daher im ersten Teil dieser Arbeit eine Betrachtung führender Marketingzeitschriften hinsichtlich folgender Aspekte:
• Zunächst wird der Anteil der Artikel aus dem deutschsprachigen Raum, gemessen an der Gesamtzahl aller Publikationen, ermittelt und dem Anteil der Artikel aus den USA gegenübergestellt.
• Anschließend erfolgt eine Untersuchung der meistzitierten Quellen auf ihre Herkunft bzw. die Herkunft der Verfasser. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass sich der Einfluß einer Publikation auf die Marketingforschung in der Zitationshäufigkeit der Quelle dokumentiert (vgl. Roth et. al. 2004, S. 143 f.). „Eine Zitation liegt vor, wenn eine Quelle im Literaturverzeichnis einer anderen Veröffentlichung aufgeführt ist“ (ebd., S. 143).
Die Ergebnisse der Zitationsanalyse bilden zugleich auch die Basis für die Diskussion der Einflußfaktoren auf den Erkenntnisfortschritt in der Marketingwissenschaft im zweiten Teil. In Anlehnung an Meyer (1996, S. 136 f.) wird in diesem Abschnitt vor allem auf strukturelle Aspekte, Kommunikation und Integration in internationale Netzwerke sowie Anreizsysteme der Marketingwissenschaft eingegangen.
Die Lehre als Bestandteil der Wissenschaft wird dabei im Folgenden vernachlässigt, da der Stand der Wissenschaft durch den Stand der Forschung determiniert wird.
Schließlich erfolgt auf der Grundlage der ermittelten Daten sowie der diskutierten Einflußfaktoren eine abschließende Beantwortung der Frage nach einem Rückstand der deutschsprachigen gegenüber der US-amerikanischen Marketingwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zitationsanalyse führender Marketingzeitschriften
2.1 Analyseziel und -methode
2.2 Ergebnisse
2.3 Zwischenfazit
3. Einflußfaktoren auf den Erkenntnisfortschritt in der Marketingwissenschaft
3.1 Strukturelle Aspekte
3.2 Kommunikation und Integration in internationale Netzwerke
3.3 Anreizsysteme
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob ein Rückstand der deutschsprachigen gegenüber der US-amerikanischen Marketingwissenschaft besteht. Hierzu wird eine Zitationsanalyse führender internationaler Marketingzeitschriften durchgeführt, um den Informationsfluss sowie die internationale Präsenz und Wahrnehmung deutschsprachiger Forschung zu bewerten.
- Zitationsanalyse der A-Journals im Zeitraum 1999–2005
- Analyse des Informationsflusses im "Wasserfallmodell"
- Strukturelle und kommunikative Einflussfaktoren auf den Erkenntnisfortschritt
- Evaluation von Anreizsystemen für internationale Publikationsaktivitäten
Auszug aus dem Buch
2. Zitationsanalyse führender Marketingzeitschriften
Ziel dieser Analyse ist es, anhand eines Vergleichs der Zitationszahlen deutschsprachiger und US-amerikanischer Quellen, die aktuelle Richtung des Informationsflusses in der Marketingforschung nachzuvollziehen. Die Eignung der Methode für dieses Vorhaben ist, trotz einiger Kritikpunkte, allgemein anerkannt (vgl. dazu ausführlich Dyckhoff et. al. 2005, S. 351 ff.).
Untersucht wurden unter zur Hilfenahme des SSCI (Social Sciences Citation Index) alle zwischen Oktober 1999 und September 2005 im Journal of Marketing, dem Journal of Marketing Research, der Marketing Science sowie dem Journal of Consumer Research erschienenen Artikel. Die Klassifizierung dieser vier amerikanischen Marketingzeitschriften als A-Journals ist unumstritten (vgl. z.B. Roth et. al. 2004, S. 141). Letztere zeichnen sich vor allem durch ihren hohen qualitativen Anspruch aus, der sich direkt in den extrem hohen Ablehnungsquoten von über 90% widerspiegelt (vgl. Homburg 2000, S. 350 f.). Somit stellen die Veröffentlichungen in den A-Journals eine geeignete Datenbasis für die Durchführung der Zitationsanalyse dar.
Das Ergebnis der computergestützten Zitationsanalyse ist ein Output mit jeweils einer Rangfolge der Publikationen für jedes untersuchte Journal. Diese ergibt sich aus der Häufigkeit der Zitationen, wobei die meistzitierte Quelle den ersten Rang einnimmt. Bei Artikeln mit der gleichen Anzahl an Zitationen wird als zusätzliches Kriterium das Erscheinungsdatum herangezogen und die zuerst veröffentlichte Quelle aufgrund der höheren Zitationswahrscheinlichkeit der später erschienenen Quelle untergeordnet. Schließlich erfolgt eine Zusammenfassung der einzelnen Rangfolgen zu einer Gesamtrangfolge für alle Journals.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des Stellenwerts der deutschsprachigen Marketingwissenschaft im internationalen Kontext.
2. Zitationsanalyse führender Marketingzeitschriften: Durch die quantitative Untersuchung von Publikationen und Zitaten in A-Journals wird die Dominanz der USA und der einseitige Informationsfluss nach Deutschland belegt.
3. Einflußfaktoren auf den Erkenntnisfortschritt in der Marketingwissenschaft: Hier werden strukturelle Rahmenbedingungen, die Notwendigkeit internationaler Netzwerke und die mangelhaften Anreizsysteme als Ursachen für den Forschungsrückstand diskutiert.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine stärkere internationale Vernetzung und Publikationsaktivität essenziell für die Zukunft der deutschsprachigen Disziplin sind.
Schlüsselwörter
Marketingwissenschaft, Zitationsanalyse, A-Journals, Informationsfluss, Wasserfallmodell, Forschungsstand, Internationalisierung, Wissenschaftskommunikation, Anreizsysteme, Publikationsaktivität, Strukturdefizite, Fachzeitschriften, Deutschland, USA, Wissenschaftskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert, inwieweit die deutschsprachige Marketingwissenschaft im internationalen Vergleich – insbesondere gegenüber den USA – einen Rückstand in der Forschungsproduktion und -rezeption aufweist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die internationale Publikationsperformance, die Zitationsdichte, strukturelle Bedingungen an Universitäten sowie Kommunikationsbarrieren zwischen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage nach einem Rückstand durch eine empirische Bestandsaufnahme und eine anschließende theoretische Diskussion der Einflussfaktoren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine quantitative Zitationsanalyse unter Verwendung des Social Sciences Citation Index (SSCI), kombiniert mit einer Literaturstudie zu strukturellen und anreiztheoretischen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst die Publikationsdaten führender A-Journals und diskutiert danach Faktoren wie Spezialisierungsgrad, internationale Netzwerkintegration und existierende Belohnungssysteme für Forscher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Marketingwissenschaft, Zitationsanalyse, A-Journals, Informationsfluss und internationale Akzeptanz charakterisiert.
Was besagt das im Text erwähnte "Wasserfallmodell"?
Das Wasserfallmodell von Simon illustriert den Informationsfluss in der Betriebswirtschaftslehre: Informationen fließen primär von den USA als Spitzenstandort zu anderen Ländern, wobei eine gegenseitige Kommunikation zwischen den "empfangenden" Ländern kaum stattfindet.
Warum ist eine internationale Vernetzung für deutsche Forscher schwierig?
Neben Sprachbarrieren und unterschiedlichen Qualitätsanforderungen erschweren auch fehlende strukturelle Anreize und eine geringe Belohnung internationaler Publikationen bei Berufungsverfahren die notwendige Integration.
Welche Rolle spielt Prof. Dr. Christian Homburg in der Untersuchung?
Homburg wird als positive Ausnahme angeführt, da seine Publikationen maßgeblich dazu beitragen, die Präsenz deutscher Wissenschaftler in den A-Journals überhaupt statistisch sichtbar zu machen.
- Quote paper
- Karin Becker (Author), 2005, Gibt es einen Rückstand der deutschsprachigen gegenüber der US-amerikanischen Marketingwissenschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183336