Verlieren deutsche Großstädte ihren Zentralitätsstatus?


Seminararbeit, 2010

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abgrenzungen von Großstadtregionen und gesplittet betrachtete demographi- sche und wirtschaftliche Tendenzen

3. Welche Faktoren gefährden den Zentralitätsstatus vieler deutscher Städte?

4. Die Rolle der Shoppingcenter
4.1 Eine Definition des Shoppingcenter-Begriffes
4.2 Ursprung, Entwicklungen und Lagen von Shoppingcentern
4.3 Eine empirische Wirkungsanalyse von großen innerstädtischen Shopping- centern und wichtige Eckpfeiler für deren erfolgreiche Integration

5. Indizien für kommende Reurbanisierungstendenzen in Deutschland

6. Eine mögliche Entwicklungsleitlinie für Innenstädte, die „ESSHAH“-Regel

7. Fazit

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Stadtregionale Pendlereinzugsbereiche

Abbildung 2 - Übersicht der Großstadtregionen 2008

Abbildung 3 - Großstadtregionen im Zeitvergleich 1997-2008

Abbildung 4 - Natürliche Bevölkerungsbewegungen in Deutschland

Abbildung 5 - Wanderungen in Deutschland 1991-2007

Abbildung 6 - Zentralitätsentwicklungen in Deutschland

Abbildung 7 - Verkaufsflächenentwicklung im Einzelhandel

Abbildung 8 - Entwicklung von Shopping Centern in Deutschland

Abbildung 9 - Die Lage von Shopping-Centern

Abbildung 10 - Die Phasen der Stadtentwicklung

II. Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In meiner Seminararbeit habe ich mich mit dem Kampf, den viele Städte zu bestreiten haben be- schäftigt, dem Kampf gegen eine Dezentralisierung der Zentralität. Dabei versuche ich im Hauptteil den Ursachen möglicher Zentralitätsverluste von Innenstädten einen Namen zu geben. In diesem Zusammenhang wird auch ein weiterer wichtiger Aspekt, die Rolle von Einkaufscentern bzw. den sog. Shoppingmalls, diskutiert. Woher kommt dieses Phänomen, in welchen Lagen treten diese riesigen Einkaufscenter hauptsächlich auf, welche Wirkungen lassen sich in ersten empirischen Analysen be- obachten und welche wichtigen Eckpunkte für eine erfolgreiche Integration von Einkaufscentern lassen sich zusammenfassen?

Integration ist in Deutschland seit Jahren in aller Munde, jedoch geht es dabei i.d.R. um die Integra- tion ethnischer Minderheiten oder sozial Benachteiligter, aber in gleichem Maße ist es erforderlich, dass sich den Menschen ein Umfeld bietet, das eine Grundlage für Kommunikation und Zusammen- leben in geeignetem Maße gewährleistet und fördert. Dazu gehört auch eine durchdachte Stadtent- wicklung, Politiker sollten dabei zumindest in fundamentalen Bereichen Richtlinien einführen, und wenn nötig auch nicht davor zurückschrecken den marktwirtschaftlichen Spielraum meist rein profit- orientierter Unternehmen bzw. Investoren einschränken. Zu häufig werden Investoren von Verant- wortlichen Entscheidern zu viel Freiraum gelassen, in der Hoffnung auf meist offensichtlich kurzfristi- ge Gewinne, welche auf Dauer zu Lasten einer erfolgreichen Stadtentwicklung gehen. Ein mögliches Motiv dafür ist oftmals auch, dass wie üblich in der Politik kurzfristige Gewinne während der Amtszeit von Politikern vorgezogen werden, auch wenn langfristig die Nachteile einer Entscheidung offensicht- lich überwiegen. Nach der ausführlichen Betrachtung der Rolle von Einkaufscentern wird weiterhin thematisiert, inwiefern sich bestimmte Tendenzen in der Stadtentwicklung deutscher Städte ab- zeichnen. Welche Indizien sprechen etwa für eine mögliche Reurbansierungstendenz in Deutschland? Bevor daraufhin meine Arbeit mit einem Fazit bzgl. zuvor analysierter Teilgebiete der Stadtentwicklung abschließt, werde ich einen möglichen Lösungsansatz bzw. vielmehr eine Entwicklungsleitlinie vorstellen, die sog. „ESSHAH-Regel“. Mir erscheint die Betrachtung im Konnex zu einer Leitlinie sinnvoller, anstatt auf individuelle Probleme einzelner deutscher Innenstädte einzugehen. Darin bestärkt mich vor allem das Faktum, dass die Problemfelder vieler Städte meist viel zu individuell und heterogen sind, meiner Ansicht nach sind deshalb Einzelbeispiele in diesem Kontext wenig aussagekräftig und kaum hilfreich zur Problemveranschaulichung.

2. Abgrenzungen von Großstadtregionen und gesplittet betrachtete demographische und wirtschaftliche Tendenzen

Zunächst einmal gilt es den Großstadt- vom Umlandbereich bzw. von der oft so betitelten „grünen Wiese“ abzugrenzen. Hierbei sei angemerkt, dass diesbzgl. mehrere, verschiedene Abgrenzungskriterien existieren.

Ich habe mich für einen Abgrenzungstyp entschieden, der auch Pendlereinzugsbereiche mit einbe- zieht. Dabei werden fünf Bereiche differenziert (Abb. 1): die Kernstadt, das Ergänzungsgebiet zur Kernstadt, der engere sowie der weitere Pendlerverflechtungsraum und die Gemeinden außerhalb der Pendlereinzugsbereiche. Auf deutsche Städte bezogen wurde diese Raumabgrenzung vom BBR mit Hilfe der Pendlerverflechtungsmatrix der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des IAB er- mittelt.1 Die sog. Großstadtregionen bilden nach diesem Abgrenzungsschema die Kernstadt, deren Ergänzungsgebiet, sowie die engeren und weiteren Pendlerverflechtungsräume.

Analysiert man, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland (Abb. 2) wie zuvor strukturiert, dann ist zu konstatieren, dass diese Großstadtregionen knapp die Hälfte der Gesamtfläche einnehmen, dort etwa 75% der Bevölkerung wohnhaft sind und etwa genauso viele in diesen Regionen arbeiten. Die dichtesten Großstadt-Ballungsräume sind vor allem in den meist wirtschaftlich besser gestellten südwestlichen Gefilden der BRD vorzufinden, wie z.B. Düsseldorf, Wiesbaden, Stuttgart und Mün- chen. Diese starke Korrelation zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Anziehungskraft einer Region lässt vermuten, dass eine starke Kausalität zwischen Arbeitsplatznachfrage und Wohnortwahl be- steht. Dies würde der Hypothese von Prof. Dr. Fritsch und Dipl.-Volksw. Stützer widersprechen, die in einem rtikel über die „kreative Klasse“2 behaupten, es würde sich ein Wandel abzeichnen und aus dem »People follow Jobs« früherer Zeiten werde zunehmend ein »Jobs follow People«.3 Oder bedeu- tet dies, dass im Osten Deutschlands kaum „Kreativität“ vorhanden ist? Zwar greifen die utoren auch diesen Aspekt auf und können tatsächlich nachweisen, dass der nteil der „kreativen Klasse“ im Osten um 1,0 Prozentpunkte geringer ist, jedoch kann dieser Unterschied kaum eine derartige geo- grafische Polarisierung der Bevölkerungskonzentration bzgl. ihrer Wohn- und Arbeitsortspräferenzen erklären.

Die Bevölkerungsballung wird in seinem Ausmaß besonders deutlich, wenn man die vier Zonen der Großstadtregionen detaillierter betrachtet: In der City, bestehend aus Kernstadt und dem Ergän- zungsgebiet leben etwa 44 % und arbeiten etwa 53% der Bevölkerung dabei nehmen diese Zonen nur ca. 7,6% der Gesamtfläche der BRD ein.4

Aber dies ist der jetzige Iststand bzw. der des Jahres 2008. Wie aber haben sich die Präferenzen für Wohn-und Arbeitsorte im Verlaufe der letzten Jahre entwickelt? Zeichnet sich möglicherweise eine Entwicklungstendenz in die eine oder andere Richtung ab? Auch darüber, zumindest über die erste Frage, gibt eine Analyse des BBR über die Entwicklung der Wohnortpräferenzen innerhalb Deutsch- lands für das letzte Jahrzehnt Aufschluss (Abb.3). In der Grafik wird die Entwicklung in allen fünf, o.g. Zonen von 1997 bis 2008 abgebildet. Sowohl Bevölkerungs-, Beschäftigtenentwicklung, Wanderungs- salden als auch Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner, werden in Relation zum Basisjahr 2008 dargestellt. Auffällig ist, dass die stadtregionalen Gebiete in allen vier Kategorien ein höheres Niveau aufweisen, als Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen. Bezüglich der Bevölkerungsentwick- lung haben die Kernstädte von 1997-2000 zunächst Einwohner, v.a. an Ergänzungsgebiete und enge- re Pendlerverflechtungsräume, verloren. Seit 2000 haben die Kernstädte wieder an Anziehungskraft gewonnen, dies geht zulasten aller anderen Zonen, wobei vor allem Gebiete außerhalb von Groß- stadtregionen die größten Verluste zu beklagen haben. Eine mögliche Ursache dafür, dass vor allem abgelegenere Regionen verlieren, könnte die seit 2000 sich zunehmende verschlechternde gesamt- wirtschaftliche Lage sein. Am offensichtlichsten wird diese Tendenz, wenn man sich die Wanderungs- salden vor Augen führt. Dort ist deutlich erkennbar, dass seit 2008 nur noch positive Salden in Kern- städten und Ergänzungsgebieten zu „verbuchen“ sind. Müsste es demnach bald eine Überbevölke- rung in den Kernstädten und ihren Ergänzungsgebieten geben? Nein, Zuwächse bei den Wanderun- gen werden durch die demografische Entwicklung egalisiert, denn es gibt konstant niedrige Gebur- tenzahlen, mehr Sterbefälle5 und dies bei zudem abnehmender Immigration.6 Auch bei der Beschäf- tigtenentwicklung zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab, wie in Abb. 3 ersichtlich ist. In Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen befinden sich die Beschäftigtenzahlen auf dem niedrigsten Niveau. Seit 2005 ist jedoch in allen Zonen eine Aufwärtstendenz erkennbar. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den durchschnittlichen Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner. Hier liegen die Einnahmen der Kernstädte mit durchschnittlich 650 € pro Einwohner weit vor den Ergänzungsgebieten mit 500 €, den Verflechtungsräumen und den Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen mit etwa 300 € im Durchschnitt pro Einwohner. Dies lässt sich durch die meist innerstädtischen Betriebsstandorte erklä- ren.

3. Welche Faktoren gefährden den Zentralitätsstatus vieler deutscher Städte?

Welche Ursachen könnte es dafür gegeben haben bzw. gibt es vielerorts noch immer, die bewirken, dass viele Städte an Zentralität verlieren? An vielen Orten kann man gar von einer Dezentralisierung der Zentralität sprechen. Hierbei ist nicht gemeint, dass die Einwohner deutscher Städte immer wei- ter verstreut leben. Vielmehr ist damit die Tatsache beschrieben, dass zuvor noch eindeutig definier- te Stadtkerne immer mehr aufgeweicht werden und es zu Verschiebungen, insbesondere im Einzel- handel, in die Ergänzungsgebiete kommt.7 Ehemals klar definierte Mittel- und Treffpunkte des urba- nen Lebens sind bereits oder aber drohen zumindest in vielen Städten zu verschwinden. Im Einzel- handel bezeichnet Zentralität die „Sogwirkung“ einer Stadt. ttraktive Städte sind in dieser wirt-

schaftlich gesehenen Perspektive zunächst einmal dadurch charakterisiert, dass sie einen positiven Saldo von realisiertem Umsatz und der vor Ort vorhandenen Kaufkraft bzw. Einzelhandelsnachfrage aufweisen. Eine besonders vitale Stadt zieht, neben der Einzelhandelsnachfrage ihrer eigenen Ein- wohner, auch die der Menschen aus anderen Regionen an. Bereits seit den 90er Jahren verschwindet die so definierte Attraktivität insbesondere in Großstädten, mit mehr als 500.000 Einwohnern. Diese verloren in diesem Zeitraum teilweise bis zu 15% ihrer Kaufkraftbindungsstärke, kleinere und mittlere Städte konnten ihre Anziehungskraft diesbzgl. halten oder sogar steigern (Abb. 6). Eine Ursache dafür könnte sein, dass es diesen Städten leichter fällt, ihre Schwächen aufzudecken, zu überdenken und neu zu strukturieren.8 Eine Ursache für diese Abwanderung ist auch der zunehmende Durchbruch von Discountern, welche sich zumeist ihren Standort außerhalb der Stadtkerne, am Stadtrand oder in Gewerbegebieten, suchen. Dies hat mehrere Gründe, zum einen sind und waren dort oft ausreichend große Flächen verfügbar und zum anderen ist die Mobilität Gesellschaft gestiegen. Heutzutage ist es für die meisten Menschen kein Problem mehr ein paar Meter weiter zu fahren, um alltägliche Einkäu- fe zu erledigen, bequemes Parken und gute Infrastrukturen fördern diese Entwicklung. Große Her- ausforderungen und bedenkliche Tendenzen gibt es auch oftmals beispielsweise bei der Konversion von Militärgeländen, Städte sollten diesbzgl. sehr genau überdenken, für welche Zwecke sie diese Gelände freigeben. Wer kennt das nicht: Militärgelände werden an Investoren vergeben, oftmals sogar zum symbolischen Preis von 1€ in der Hoffnung oder im Vertrauen darauf, dass dieser mit sei- nen Investitionen zur Verschönerung des Stadtbildes beiträgt. Doch meist geben Städte damit auch eine Kontrollmöglichkeit aus den Händen und fördern eine, dann nicht mehr steuerbare Entwicklung. Die Entscheidungsmacht bzgl. der Nutzung liegt dann i.d.R., nach Abtretung der Liegenschaft, nicht mehr bei der Stadt.

[...]


1 URL:http://www.bbr.bund.de/nn_103086/BBSR/DE/Raumbeobachtung/Werkzeuge/Raumabgrenzungen/StadtregionalePe ndlerEB/stadtregionen.html [Abruf 01.02.2010]

2 Def. „kreative Klasse“ nach Florida, R.: Menschen die nicht dafür bezahlt werden vorbestimmte Tätigkeiten routinemäßig auszuführen, sondern Menschen die innovativ tätig sind. Dazu zählen insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler, Lehrer sowie Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaftler.

3 “Die Kreative Klasse in Deutschland” von Michael F. und Michael S., Magazin „thinktank“ (Okt. 2008), S. 7-9 6

4 BBR Bonn; Daten für das Jahr 2008

5 Vgl. Statistisches Bundesamt (siehe Abb. 4)

6 URL:http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Wanderu ngen/Tabellen/Content75/WanderungenInsgesamt,templateId=renderPrint.psml [Abruf 20.01.2010]

7 Vgl. Greipl, E., Müller, S.(2007), Zukunft der Innenstadt: Herausforderungen für ein erfolgreiches Stadtmarketing, S. 24 f.

8 Vgl. Ebd. S. 25f.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Verlieren deutsche Großstädte ihren Zentralitätsstatus?
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Wirtschaftsgeographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V183397
ISBN (eBook)
9783656083375
ISBN (Buch)
9783656083696
Dateigröße
1222 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verlieren, großstädte, zentralitätsstatus
Arbeit zitieren
Julian Fink (Autor), 2010, Verlieren deutsche Großstädte ihren Zentralitätsstatus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183397

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