Reform von Oben – Apathie in der Gesellschaft?
In den letzten 15 Jahren des Franco Regimes fanden bedeutende
ökonomische, gesellschaftliche und politische Änderungen statt.
Wirtschaftswunder in den sechziger Jahren,
Internationalisierung der Wirtschaft sowie Zunahme der
Touristenströme nach Spanien hatten die Abgeschiedenheit vom
Rest Europas aufgehoben. In der Bevölkerung wurden
Forderungen nach einer Anpassung des „offiziellen Spaniens“
an die „gesellschaftliche Realität“ laut (Kohler: 1981).
Die Transformation der Franco Diktatur in eine Demokratie,
war eine „Reform von Oben“. Das System wurde innerhalb der
Gesetze und Institutionen des alten Franco Regimes durch
Kräfte die durch eben dieses System eingesetzt und legitimiert
waren transformiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Abkürzungen
2. Einleitung
3. Militär
4. Kirche
5. Gewerkschaften
6. Linksdemokratische Parteiopposition
a. Ruptura negociada statt ruptura democrática
b. Die Wahlen von 1977 und die Konsolidierung der Demokratie
7. Schluss
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang Spaniens von der Franco-Diktatur zur Demokratie, die sogenannte Transición. Dabei wird analysiert, inwieweit die demokratische Opposition, insbesondere die linke Gewerkschaftsbewegung sowie die Parteien PSOE und PCE, Einfluss auf diesen primär von oben gesteuerten Reformprozess nehmen konnte, anstatt einer bloßen Passivität der Bevölkerung oder einer reinen Elitensteuerung zu unterliegen.
- Die Rolle der traditionellen Stützen des Franco-Regimes (Militär und Kirche) im Reformprozess.
- Die Entwicklung und Bedeutung der unabhängigen Arbeiterbewegung und der Arbeiterkommissionen (CC.OO.).
- Die politische Strategie und Entwicklung der linksdemokratischen Parteien PSOE und PCE.
- Der Einfluss von Streiks und zivilgesellschaftlichem Widerstand auf die Beschleunigung der politischen Reformen.
- Die Dynamik zwischen der "Reform von oben" und dem Veränderungsdruck "von unten".
Auszug aus dem Buch
Gewerkschaften
In den Jahren von 1940 bis 1970 fand in Spanien eine Veränderung in der sozioökonomischen Landschaft statt. War das Land nach dem Bürgerkrieg 1940 hauptsächlich agrarisch geprägt, so waren 30 Jahre später der sekundäre und tertiäre Sektor die Stützen der spanischen Wirtschaft. Vorraussetzung für diese Veränderung war das starke Wachstum der Industrie, vor Allem in den wichtigen Ballungszentren, in Madrid und Barcelona sowie im Baskenland. In diesen Regionen stiegen mit dem Grad der Industrialisierung auch die Löhne und Gehälter, was zu einem Gefälle zwischen den genannten Regionen und den weiterhin agrarisch geprägten Landesteilen führte. Zusammen mit dem an den Industriestandorten vorhandenen Bedarf an Arbeitskräften war diese Entwicklung die Grundlage der Land-Stadt-Migration die in den fünfziger und sechziger Jahren ein Ausmaß von vier Millionen Arbeitssuchenden annahm.
In diesem sozioökonomischen Wandel in Spanien liegt die Grundlage für die Herausbildung der Basis einer Arbeiterbewegung. Der Anteil der Arbeiterschaft an der Gesamtbevölkerung betrug 1970 69,5%, wobei kleine Landwirte, Agrararbeiter, Industriearbeiter und Arbeiter im Dienstleistungsgewerbe eingeschlossen sind. Die Anzahl der Industriearbeiter hatte sich nahezu verdoppelt (Bernecker: 1982).
Vorraussetzung für das starke Wirtschaftswachstum war eine Abkehr des Franco Regimes von der bis 1957 vertretenen Autarkie-Politik und damit eine Öffnung des spanischen Marktes sowie eine Verringerung der staatlichen Kontrolle über die Betriebe. Die theoretische Vollbeschäftigung wurde aufgehoben und der Kündigungsschutz gelockert, wodurch eine Stabilisierung der Wirtschaft erreicht werden konnte, die jedoch aufgrund zahlreicher Kündigungen und Lohnsenkungen auf Kosten der Arbeiterschaft erfolgte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abkürzungen: Auflistung der verwendeten Abkürzungen für Organisationen, Parteien und Gewerkschaften.
2. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur "Reform von oben" und zum Einfluss der gesellschaftlichen Opposition in der Transición.
3. Militär: Analyse der Rolle des Militärs und dessen allmählicher Entpolitisierung im Prozess der Demokratisierung.
4. Kirche: Untersuchung der distanzierenden Haltung der Kirche gegenüber dem Frankismus und ihrer Rolle während der Transición.
5. Gewerkschaften: Beschreibung der Entstehung und des Widerstands der Arbeiterbewegung sowie der Arbeiterkommissionen (CC.OO.) gegen das Zwangssyndikat.
6. Linksdemokratische Parteiopposition: Darstellung der Entwicklung und Strategien der Parteien PSOE und PCE im Kontext der Demokratisierung.
7. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Wechselwirkung zwischen Reformen von oben und dem Druck von unten auf den Konsolidierungsprozess der Demokratie.
8. Literatur: Verzeichnis der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Spanien, Transición, Franco-Regime, Demokratisierung, Opposition, Arbeiterbewegung, Comisiones Obreras, PSOE, PCE, UCD, Reform von oben, Zwangssyndikat, Wahlen 1977, Konsolidierung, politischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den politischen Übergang Spaniens vom autoritären Franco-Regime zur Demokratie, bekannt als Transición, mit einem Fokus auf die Rolle der Opposition.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die sozioökonomische Entwicklung, die Rolle der Gewerkschaften, das Verhalten der linksdemokratischen Parteien sowie die Einflüsse von Kirche und Militär.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Transición ein rein von der Elite gesteuerter Prozess war oder ob die demokratische Opposition durch zivilgesellschaftlichen Druck maßgeblichen Einfluss nehmen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse politikwissenschaftlicher und historischer Fachliteratur sowie die Auswertung von Umfragedaten und offiziellen Dokumenten der Zeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rolle der Gewerkschaften, der Parteien PSOE und PCE sowie die Strategien der Regierung Suárez gegenüber dem Reformdruck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transición, Arbeiterbewegung, Reform von oben, Demokratisierung und politische Konsolidierung.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "ruptura democrática" und "ruptura negociada" eine Rolle?
Sie markiert den strategischen Wandel der Opposition: weg von der Forderung nach einem radikalen Bruch mit dem Regime hin zum ausgehandelten, schrittweisen Übergang.
Welchen Einfluss hatte der Antikommunismus auf die Opposition?
Der Antikommunismus, insbesondere innerhalb der PSOE und gegenüber der PCE, führte lange Zeit zur Spaltung der oppositionellen Kräfte und behinderte eine gemeinsame Strategie gegenüber dem Regime.
Inwiefern trugen die Streiks zur Transformation bei?
Die Streikbewegungen erhöhten den ökonomischen und sozialen Druck, was das Regime zur Reform zwang und die Verhandlungsbasis der Opposition stützte.
Warum konnte sich die UCD trotz der starken Untergrundarbeit der Linken bei den ersten Wahlen durchsetzen?
Die Bevölkerung bevorzugte Stabilität nach der Diktatur; zudem fungierte Suárez als starke Identifikationsfigur, während das Parteienspektrum für viele Wähler noch neu war.
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- M.A. Philipp Müller (Author), 2008, Die demokratische Opposition in der spanischen Transición, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183424