Gewalt in Medien


Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung
1.1. Motivation zum Thema
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Gewalt und Aggression
2.1. Gewalt
2.2. Aggression

3 Medienwirkungen
3.1. Vier Annahmen
3.2. Wirkungsmodelle
3.2.1. Stimulus-Response-Modell (Kanonentheorie)
3.2.1.1. Payne Fund Studies
3.2.1.2. Kritik
3.2.2. Trimodales transklassisches Wirkungsmodell
3.2.3. Lernen am Modell
3.3. Wirkung von Mediengewalt
3.3.1. Katharsisthese
3.3.2. Stimulationsthese
3.3.3. Kultivierungsthese
3.3.4. These der Wirkungslosigkeit
3.3.5. These der Ambivalenz
3.4. Persönlichkeitsmodell
3.4.1. Sehr stark gefährdete Persönlichkeit
3.4.2. Weniger stark gefährdete Persönlichkeit

4. Zusammenfassung wichtiger Punkte

1. Einleitung

1.1. Motivation zum Thema

Gegenwärtig wird eine Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft festgestellt, die im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit gestiegen sein soll. Aber so ist zu hinterfragen, ob die Qualität oder Quantität der Gewalt damit gemeint ist. Über aggressive Handlungen wurde bis 1950 eher nicht in den Medien bildhaft berichtet. Vor der Erfindung des Fernsehens wurden die Radio, Nachrichten durch Neuigkeiten per Zeitung oder mündlicher Mitteilung weitergeleitet. So wurden auch Berichte über kriminelle Handlungen gar nicht so stark verbreitet. Meistens blieben solche Nachrichten auf die nähere Region beschränkt. So nimmt die Berichterstattung mit Hilfe des Fernsehens einen ganz anderen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft als damals ein. Nun ist auch zu bemerken, wann situativ Gewalt angewendet wird. So kann Gewalt eingesetzt werden, um Konflikte auf schnelle und scheinbar unkomplizierte Art und Weise zu lösen. Aber es ist nun zu hinterfragen, wie die Voraussetzung ist, dass jemand zur vermeintlichen Konfliktlösung in zwischenmenschlichen Beziehungen eine aggressive Handlung wählt. Es gibt ja auch schließlich andere Wege, um eine schwierige Situation zu bewältigen oder bei einer Auseinandersetzung seine eigene Meinung durchzusetzen oder zumindest Kompromisse zu finden. Allerdings liefert das visuelle Angebot und der Medienkonsum in den letzten Jahren auch einen wesentlichen Beitrag zur Gewaltbereitschaft. So ist nun die Aufgabe dieser Hausarbeit Modelle und Thesen über den Zusammenhang von Medienwirkungen der Gewaltpräsentation auf eine durch Zuschauer real nachfolgende aggressive Handlung hin zu erörtern. Wie wirken Gewaltdarstellungen auf den Fernsehkonsumenten? Gibt es weitere Faktoren, die bei der steigenden Rate der aggressiven Handlungen im realen Umfeld eine wesentliche Rolle spielen, zu berücksichtigen? Welche psychologischen Modelle sowie aufgestellte Thesen über die Medienwirkung sind bei der Beantwortung dieser oben gestellten Fragen aussagekräftig?

1.2. Aufbau der Arbeit

Zunächst will ich im ersten Kapitel die Begriffe Gewalt und Aggression definieren und versuchen, diese voneinander zu unterscheiden. Als gedanklichen Ausgangspunkt stelle ich das klassische Wirkungsmodell vor. Dieses Stimulus-Response-Modell wird anschließend durch ein paar Ergänzungen verfeinert. Da das Modell des Lernens auch eine Grundlage für die Thesen der Medienwirkung ist, will ich dieses im ersten Abschnitt zusätzlich kurz beschreiben. Als Nächstes werde ich die Thesen vorstellen und deren Kritikpunkte erläutern. Diese werden erörtert und auf ihre Haltbarkeit in der Praxis überprüft. Da sich weitgehend einige Modelle sowie Thesen auf den persönlichen Hintergrund beziehen, stelle ich noch anschließend das Persönlichkeitsmodell im Zusammenhang mit Medienwirkung und Gewalthandlungen in der Realität vor. Im Schlussgedanken will ich die wichtigen Fakten der Modelle und Thesen zusammenfassen und gegenüberstellen.

2. Gewalt und Aggression

Zunächst werde ich den Begriff Gewalt eingrenzen und seine Ursprünge, wie Gewalt entstehen kann, erläutern.

2.1. Gewalt

Im heutigen Alltag wird Gewalt als eine “rohe, gegen Sitte und verstoßende Einwirkung auf Personen” (Merten, 1999, S. 13) betrachtet. Sowie unter Gewalt auch “das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen “ (Merten, 1999, S. 13) zur Unterdrückung verstanden wird. Nach Zimbardo (1999) wird Gewalt als eine Aggressionsform betrachtet, die extrem bedrohlich ausgeführt wird und gesellschaftlich nicht akzeptierbar ist. Gewalt kann gegen einzelne oder mehrere Menschen oder deren Eigentum ausgeübt werden. Sie drückt sich in diesem Zusammenhang in Feindschaft und Wut aus. Ihr Ziel ist es, den Feind tätlich zu schädigen oder gar zu vernichten.

In Bezug auf die Begriffsbestimmung, dass singuläre Gewalt eine rücksichtslose, gegen geltendes innerstaatliches, also bürgerliches Recht und Moral verstoßende Einwirkung auf Mitmenschen ist, wird demgegenüber auch eine ordnende Macht- und Herrschaftsausübung notwendig, die von der jeweiligen Gesellschaftsform des Staates machtpolitisch ausgeübt wird. Es kann in diesem Zusammenhang auch zwischen struktureller und kultureller Gewalt unterschieden werden: Bei der strukturellen Gewalt handelt es sich um die Gewaltausübung eines Gesellschaftssystems. Darunter wird verstanden, dass dem einzelnen Menschen seine Möglichkeiten seiner persönlichen Freiheit und Entwicklung gegebenenfalls eingeschränkt werden zugunsten der Mehrheit oder Autorität. Die kulturelle Gewalt beinhaltet diesen machtpolitischen Faktor, dass einige Teile der Kultur benutzt bzw. missbraucht werden, um die Gewaltausübung zu rechtfertigen und zu legitimieren. (Vgl. Schmalzl, 1996)

2.2. Aggression

Aggression bedeutet zunächst lokales Annähern aus einem persönlichen oder kollektiven Beweggrund und aktives Zugehen. Nach Zimbardo (1992) wird Aggression als beabsichtigtes Handeln definiert, bei der verbal oder körperlich jemand oder etwas beleidigt verletzt oder zerstört wird. Peters (1990) sieht in der Aggression einen Trieb, der durch Frustration entsteht. Das Ziel der Aggressors liegt in der Beseitigung eine ihn frustrierenden Behandlung, schlechten Zustands oder unbewältigten Erlebnisses. Allerdings ist sich der Betreffende seiner Aggression nicht immer bewusst, wenn er nicht kommunizieren kann oder mag und sich ständig beherrscht, staut sich Wut. Psychosomatische Erkrankungen wären dann die Folge dieser Verdrängung. Es gibt unterschiedliche Formen der Aggression, die statt Fremdschädigung als Selbstschädigung bis hin zum Suizid auftreten kann. Auch verbale Äußerungen können aggressiv sein und kränken.

3. Medienwirkungen

Zunächst ist hier bei Medienwirkungen festzuhalten, dass sich unterschiedliche Modelle sowie Thesen mit dem Zusammenhang zwischen fiktiven medialen Gewaltpräsentationen und gleich später erfolgten, real gewordenen aggressiven Handlungen befasst haben. So will ich zunächst die vier Annahmen unter diesen Gesichtspunkten vorstellen, um anschließend das klassische Wirkungsmodell vorzustellen.

3.1. Vier Annahmen

Der Zusammenhang zwischen Mediendarstellung und der Gewaltanwendung wird monokausal, unmittelbar, linear und symmetrisch beschrieben. Es gibt demnach vier Annahmen, dass Medienkonsum die Gewaltanwendung folgendermaßen beeinflusste: So gibt es anscheinend erstens einen monokausalen Zusammenhang zwischen Mediendarstellung und Gewaltausführung. Die Fernsehanstalten werden oft für die real aggressiven Handlungen in der Gesellschaft entsprechend gezeigter Gewalt verantwortlich gemacht. So wird eine Gewalthandlung weitgehend auf den heutigen Konsum von aggressiven und gewalttätigen Fernsehsendungen zurückgeführt. Eine zweite Annahme zeigt auf, dass unmittelbar nach der Gewaltdarstellung spezifischer Art in den Medien eine bestimmte dazu passende Gewalthandlung ohne Zeitverzug und ohne Zwischenschritt erfolge. Ein linearer Zusammenhang wird drittens zwischen Mediendarstellung und Gewalt so gesehen, dass die Stärke der nachahmend folgenden Gewalthandlung mit der Stärke der Rezeption der übertragenen Gewaltdarstellung steige. Die Symmetrie zwischen Ursache und Wirkung wird viertens vermutet, weil sich die realen Gewalthandlungen den medialen Gewaltdarstellungen stark ähneln. (Merten, 1999)

3.2. Wirkungsmodelle

Das klassische Wirkungsmodell wird hier zuerst erläutert. Anschließend wird dann die Verfeinerung dieser Kanonentheorie vorgestellt.

3.2.1. Stimulus-Response-Modell (Kanonentheorie)

Das Stimulus-Response-Modell (S-R-Modell) ist ein klassisches Wirkungsmodell, das als Prozess beschrieben wird, der Reiz und Reaktion durch Konditionierung verknüpft. Die Medien beschießen den Rezipienten mit Stimuli. Die Wirkung ist erfolgt, wenn der Rezipient sinnbildlich von den Geschossen der Stimuli wie erlegt wurde. Es steht fest, dass jeder, der sich den Medien ausgesetzt hat, von den Stimuli getroffen wird. Dieses Wirkungsmodell stammte ursprünglich aus der Physik - Gesetz des elastischen Stoßes - und aus der Psychologie - Reiz-Reaktions-Theorie. Dieses physikalische Gesetz und die psychologische Theorie wurde ungeprüft auf die Medienkommunikation übertragen. Es gibt vier Annahmen aus dem S-R-Modell: Die Kausale Struktur führt die Wirkung auf die Ursache der Kommunikation zurück. Die zweite Annahme bezieht sich auf die Proportionalität, die zeigt, dass die Stärke des Stimulus mit der Stärke der Wirkung steigt. Als Nächstes ist dann die Transitivität zu erwähnen, die den Transfer vom Kommunikator zum Rezipienten darstellt. Bei der letzten Annahme handelt es sich um die Nomologie, die sich darauf bezieht, dass diese Kanonentheorie unabhängig von Zeit und Raum sei. So kann im Kontext der vier Annahmen geschlossen werden, dass die Wirkung der Kommunikation durch den Stimulus alleine bestimmt wird. (Vlg. Merten, 1999)

3.2.1.1. Payne Fund Studies

Im Zusammenhang der Stimulus-Response-Theorie ist eine frühere Untersuchung über die Wirkungen zu erwähnen, die unter dem Namen “Payne Fund Studies” von Charter ( Vgl. Merten, 1999) in der Zeitspanne von 1929 bis 1932 in USA durchgeführt worden ist. Es sollte bei dieser Forschung der negative Einfluss der Kinofilme auf Kinder und Jugendliche untersucht werden. Zu diesem Zweck wurden 1500 Kinofilme auf ihren Inhalt hin analysiert. Die Inhalte wurden in 10 Gruppen aufgeteilt, bei denen es sich bei 27,4 % um Kriminalität, bei 15 % um Sex und bei 29,4 % um Liebe handelte. Zwei spektakuläre Ereignisse führten zu einer Furcht vor den Medienwirkungen. Die Sendung War of Two Worlds von Orson Welles (1938) sowie die Propaganda-Rede von Joseph Goebbels (1942) erweckten den Eindruck, dass Massenmedien starke und gefährliche Wirkungen entwickeln können, die die Bevölkerung in Panik oder in Ekstase versetzen kann. (Vgl. Merten, 1999)

3.2.1.2. Kritik

Die vier Annahmen wurden durch folgende Kriterien widerlegt: Der Rezipient kann sich seine Filme selbst auswählen. Dieses selektive Verhalten wurde im Stimulus-Response-Modell nicht berücksichtigt. Zusätzlich muss beim Stimulus zwischen Signal und Zeichen als Symbol unterschieden werden. Die Stimuli sind bei der Kommunikation nicht beteiligt, da der Rezipient den Sinn des Stimulus selber konstruiert. In der Kommunikationswissenschaft schließt sich im systemischen Denken Kausalität und Transfer aus. (Vgl. Mertens, 1999)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gewalt in Medien
Veranstaltung
Gewalt im Alter
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V183473
ISBN (eBook)
9783656077121
ISBN (Buch)
9783656077343
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, medien
Arbeit zitieren
M. A. ; Dipl. (postgrad.) Isolde A. Kretzschmar (Autor), 2006, Gewalt in Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183473

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