Die Rolle Claras in Isabel Allendes Familiensaga 'La casa de los espíritus'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Claras Leben
1.1. Kindheit und Jugend
1.2. Claras Weg des Erwachsenwerdens
1.3. Die Veränderung

2. Claras Charakter .

3. Die Symbolik in Claras Umfeld
3.1. Clara als Symbol des realismo mágico
3.2. Die weiblichen Figuren als Ausdruck des Lichtes
3.3. Die männlichen Figuren als Ausdruck der violencia

4. Konklusion: Die Rolle Claras in L a casa de los espíritus

Resumen del trabajo

Bibliographie

Einleitung

La casa de los espíritus wurde 1982 von der chilenischen Autorin Isabel Allende geschrieben. Es ist von großer Bedeutung, dass dieser Allendes erster Roman war und direkt international sehr erfolgreich wurde. In einer spannenden Familiensaga, die über drei Generationen reicht, vereint sie Aspekte des Magischen Realismus und der politischen Entwicklungen Chiles im 20. Jahrhundert. Allein aus den gerade genannten Gründen erscheint eine Analyse des Romans äußerst interessant. Diese Arbeit wird sich allerdings auf die Figur Clara beschränken, da diese für sich schon viele bedeutende Gesichtspunkte mit sich bringt. So stellen sich uns zwei grundlegende Fragen: Welche Rolle spielt Clara innerhalb ihrer Familie und welche Bedeutung hat sie für den gesamten Roman?

In einem ersten Teil dieser Arbeit soll Claras Leben dargestellt werden, um so eine Basis für die weitere Analyse bieten zu können. Clara ist neben Esteban Trueba, einem reichen chilenischen Großgrundbesitzer, den sie im Laufe der Geschichte heiratet, sowie neben deren Tochter Blanca und Enkeltochter Alba eine der Protagonisten im Roman. Die Geschichte Claras geht von ihrer frühesten Kindheit bis zu ihrem Tod. Da diese sehr umfangreich ist, sollen in diesem Kapitel nur die bedeutungsvollsten Ereignisse aus ihrem Leben und die wichtigsten Personen aus ihrem sozialen Umfeld dargestellt werden. Auch aus diesem Grund scheint eine weitere Unterteilung des Kapitels in 1. Kindheit und Jugend, 2. Der Weg des Erwachsendwerdens und in 3. Die Veränderung sehr sinnvoll.

In dem zweiten Teil soll versucht werden, ein möglichst umfangreiches Bild von Claras Charakter zu schaffen. Hierzu soll nahe an dem spanischen Originaltext gearbeitet werden und so die besonderen Eigenschaften, die Claras Persönlichkeit auszeichnen, anhand von Zitaten erarbeitet und belegt werden.

In dem darauf folgenden Kapitel soll die über den Text hinausgehende Symbolik analysiert werden. Im Mittelpunkt der Symbolik steht natürlich Clara, aber auch ihr soziales Umfeld soll in diese Analyse miteinbezogen werden. Hier werden wir uns als allererstes der Frage widmen, ob und inwieweit Clara in diesem Roman als Symbol des bereits erwähnten realismo mágico gesehen werden kann. Des Weiteren teilen wir das soziale Umfeld Claras in eine Gruppe der Frauen und der Männer ein und erfahren so, insbesondere durch eine Untersuchung der Namen, wie sich die Symbolik hier verhält.

Zum Abschluss werden in einer Konklusion die Ergebnisse dieser Arbeit aufgezeigt, um so schließlich entscheiden zu können, welche spezielle Rolle die Figur Clara in diesem Roman einnimmt.

1. Claras Leben

1.1. Kindheit und Jugend

Clara del Valle ist das jüngste der fünfzehn Kinder von Severo und Nívea del Valle. Zusammen mit ihren Eltern und ihren Geschwistern, von denen insgesamt 10 noch am Leben sind, wächst sie in der Hauptstadt Chiles, Santiago de Chile, auf.[1]

Viele der Kinder der del Valles besitzen irgendeine Besonderheit, so hat z.B. Luis ein kürzeres Bein und humpelt oder Rosa wird als wunderschön und engelsgleich beschrieben.[2] Sie hat grünes Haar, gelbe Augen, eine bläulich schimmernde Haut und einen sehr friedliebenden Charakter und wird von ihrer Mutter als ein Wesen nicht von dieser Welt bezeichnet: „[…]parecía fabricada de un material diferente al de la raza humana. Nívea supo que no era de este mundo […]“[3] Neben Rosa ist Clara das sonderbarste Kind der del Valles, was im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch genauer erläutert werden soll.

Claras Kindheit läuft in ihrem Elternhaus wohlbehütet und eher unbeschwert ab. Sie wird von ihren älteren Geschwistern, ihrer Mutter sowie der Nana aufgezogen und verwöhnt, ist das Lieblingskind ihres Vaters Severo und wird oft wie ein Einzelkind behandelt.[4]

Trotz des starken Rückhalts ihrer Familie kann man Claras Kindheit keineswegs als normal bezeichnen. Auffällig ist zuallererst, dass Clara keinerlei Freunde hat. Die wichtigsten Bezugspersonen in ihrer Kindheit sind quasi nur Erwachsene sowie ein Tier. Hierzu zählt an erster Stelle ihre Mutter Nívea, die sich Clara voll und ganz widmet. Während sie an den Nachmittagen Kleidung für die Armen näht, verbringt sie die Zeit mit ihrer Tochter. Sie erzählt ihr liebevoll spannende Geschichten, denen Clara voller Aufmerksamkeit lauscht. Für Clara sind diese Nachmittage von größter Bedeutung und lassen sie sich später ihrer Kindheit als eine sehr glückliche Zeit erinnern. Des Weiteren nimmt Nívea sie manchmal mit in die Armenviertel, wo sie die genähte Kleidung verteilt, oder mit in die Fabriken, wo sie versucht, den Arbeiterinnen ihre Rechte zu vermitteln.[5]

Eine weitere Person von sehr großer Bedeutung in Claras Kindheit stellt die Nana dar. Diese verwöhnt Clara und kümmert sich um sie rund um die Uhr.[6] Auch später, als Clara längst schon kein Kind mehr ist, bestimmt die Nana ihr Leben. Sie badet Clara, parfümiert sie, zieht sie an, bringt ihr das Frühstück, macht ihr das Bett und bestimmt sogar welchen Tee sie trinken soll.[7]

Auch ihr Onkel Marcos ist sehr wichtig für Clara. Dieser ist zwar die meiste Zeit auf Reisen, aber wenn er mal nach Hause kommt, ist Clara überglücklich. Dann verbringt sie all ihre Zeit damit, seinen Geschichten aus den fernen Ländern zuzuhören und die fremden Dinge, die er von seinen Reisen mitbringt, zu bestaunen.[8]

Als ihr Onkel stirbt, findet Clara zwischen all seinen Sachen einen jungen Hund, der aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes und kaum identifizierbarem Äußeren abschreckend und unheimlich wirkt. Clara stört sich darum nicht weiter und nimmt sich seiner sofort an. Sie nennt ihn „Barrabás“, kümmert sich um ihn und von nun an wird er ihr ständiger Begleiter. Als Claras Vater diesen bemerkt und wegschaffen möchte, kämpft Clara mit ihrem Leben um ihn: „Es mío, papá. Si me lo quita, le juro que dejo de respirar y me muero.“[9] Selbst als Barrabás das Furcht erregende Ausmaß eines Pferdes annimmt und seine tollpatschige Art zum Vorschein kommt, fürchtet sich Clara weder vor ihm noch würde sie sich jemals freiwillig von ihm trennen.[10]

Abgesehen von den gerade genannten Personen verbringt Clara ihre Zeit als Kind auch mit dem Gärtner.[11] Nur wie bereits erwähnt, hat sie keine gleichaltrigen Freunde und selbst ihre Cousins und Cousinen meiden sie.[12] Dies hat einen ganz besonderen Grund, der ihre Kindheit sehr von der anderer Kinder unterscheidet und zwar den ihrer außergewöhnlichen Geisteskräfte. Clara kann schon als Kind bestimmte Ereignisse voraussagen, die Absicht anderer erraten, Träume deuten und Gegenstände bewegen, ohne diese zu berühren. Sie verwendet ihre Energie und Zeit dafür, diese Fähigkeiten zu verbessern. So ist beispielsweise ihr größter Wunsch, das ganze Klavier durch ihre Kräfte bewegen zu können und nicht nur die Tasten anschlagen zu können.[13] Neben den gerade genannten Beschäftigungen hat Clara nur wenige ‚irdische’ Beschäftigungen, wie Klavier spielen, stricken, lesen und ihre Lebensnotizhefte anzufertigen, in denen sie alle wichtigen Ereignisse notiert.[14]

Das einschneidendste Ereignis während Claras Kindheit ist der Tod ihrer Schwester Rosa, die aufgrund eines für Severo bestimmten Schnapses stirbt. Das Besondere hieran ist, dass Clara den Tod voraussieht: „Clara anunció que habría otro muerte en la casa. – Pero será un muerto por equivocación – dijo.”[15] und sich deswegen später die Schuld für den Tod gibt: „Clara estaba en su cama con los ojos abiertos, temblando en la oscuridad. Tenía la terrible duda de que su hermana había muerto porque ella lo había dicho.”[16] Ihre Schuldgefühle treiben sie dazu, zu ihrer Schwester zu gehen und so wird sie Zeugin eines grausamen Erlebnisses. Clara sieht durch das Küchenfenster, wie Doktor Cuevas ihre Schwester auf dem Küchentusch seziert. Sie beobachtet alles bis zum Ende und durch ihre Kräfte glaubt Clara die Demütigung und das Flehen Rosas zu spüren. Für Clara ist dieses Erlebnis so schlimm, dass sie in ein neunjähriges Schweigen verfällt, das sie von nun an ab ihrer Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter begleitet.[17]

1.2. Claras Weg des Erwachsenwerdens

Claras Leben ändert sich grundlegend, als sie eines Tages aus heiterem Himmel verkündet, dass sie heiraten wird, womit sie ihr langes Schweigen bricht. Clara sieht dies aufgrund ihrer Geisteskräfte als ihr Schicksal voraus und entschließt sich, Esteban Trueba, den Exverlobten ihrer Schwester Rosa, zu heiraten, ohne dass sie diesen liebt, geschweige denn näher kennt. Während der Verlobungsfeier amüsiert sich Clara ausgelassen und fröhlich. Doch in dem Moment, als das Paar die Verlobungsringe austauscht, erscheint Barrabás mit einem Messer im Rücken und stirbt daraufhin in Claras Armen, was für sie wiederum ein furchtbares Erlebnis darstellt.[18]

Nach der Hochzeit bekommt Clara 3 Kinder, erst Blanca und später die Zwillinge Jaime und Nicolás. Sie lebt mit ihren Kindern, ihrem Mann und seiner Schwester Férula abwechselnd in einem großen Haus in der Stadt oder auf dem Landgut Las Tres Marías.[19]

Doch wie sich schon ihre Kindheit sehr von der anderer Kinder abhebt, nimmt sie auch jetzt nicht die normale Rolle einer Ehefrau, Mutter und Hausfrau ein. Sie lebt vielmehr in einer Welt der Geister, versucht ihre spiritistischen Fähigkeiten zu verbessern und verbindet sich mit den drei Schwestern Mora und anderen spirituell Gesinnten. Wegen ihrer Aura trägt sie weiße Kleidung, sie ist oft verträumt und verwirrt, vergisst die Namen ihrer Angestellten oder manchmal sogar die ihrer Kinder, wirkt aber wie ein fröhlicher guter Geist.[20] Selbst ihre Tochter Blanca beschreibt sie als „un ángel vestido de blanco, alegre y distraído“[21]. Des Weiteren bringt sie, genau wie in ihrer Kindheit, immer noch wenig Interesse für die ‚irdischen’ bzw. häuslichen Dinge auf. Sie hat sich weder für ihre Hochzeitsvorbereitungen noch die Einrichtung des neuen Hauses interessiert und überlässt den anderen alle wichtigen Entscheidungen.[22] Sogar um die Erziehung ihrer Kinder kümmert sie sich nicht selbst und weiß z.B. nicht einmal, wie man Blanca Zöpfe bindet. So kümmert sich Férula um die gesamten Haushaltsfragen, um die Erziehung der Kinder, und umsorgt selbst Clara auf die gleiche Weise, wie es einst die Nana übernommen hat. Während ihrer zwei Schwangerschaften verschlechtert sich ihr sogar Zustand so sehr, dass sie permanent geistesabwesend ist und in erneute Schweigeperioden verfällt.[23]

Als ‚normale’ Beschäftigungen könnte man aufzählen, erstens ihre regelmäßigen Tagebucheinträge, zweitens natürlich auch die viele Zeit, die sie mit ihrer Tochter verbringt und zuletzt ihre Versuche, die Welt zu verbessern. So bringt Clara, genau wie ihre Mutter einst, den Armen in der Stadt Kleidung und Lebensmittel und hilft den Landarbeitern auf Las Tres Marías in Themen wie Krankheiten und Schule und versucht den Frauen dort ihre Rechte zu vermitteln. Bei letztgenannten Aktivitäten scheint Clara kurzzeitig sehr verändert und nicht mehr so realitätsfremd zu sein.[24]

Durch Claras sonderbare Art kann man das Verhältnis zu ihrer Familie auch durchaus nicht als normal bezeichnen. Zu ihren Söhnen hat Clara, bis sie erwachsen sind, kaum Kontakt, was aber vielmehr den Grund hat, dass Esteban sie von ihrer Mutter fernhält, damit sie zu wahren Männern heranwachsen können, als dass sie sie nicht lieben würde.[25]

[...]


[1] Vgl. Allende (1995: 13).

[2] Vgl. Allende (1995: 17).

[3] Allende (1995: 14).

[4] Vgl. Allende (1995: 90).

[5] Vgl. Allende (1995: 91-93).

[6] Vgl. Allende (1995: 18).

[7] Vgl. Allende (1995: 93-94).

[8] Vgl. Allende (1995: 20-28).

[9] Allende (1995: 29).

[10] Vgl. Allende (1995: 28-31, 89-90).

[11] Vgl. Allende (1995: 88, 100).

[12] Vgl. Allende (1995: 91).

[13] Vgl. Allende (1995: 17-18, 87-89).

[14] Vgl. Allende (1995: 87, 90).

[15] Allende (1995: 36).

[16] Allende (1995:48).

[17] Vgl. Allende (1995: 36-42, 48-50).

[18] Vgl. Allende (1995: 94, 102-104).

[19] Vgl. Allende (1995: 113-115, 135).

[20] Vgl. Allende (1995: 137-141, 147).

[21] Allende (1995: 180).

[22] Vgl. Allende (1995: 104-106).

[23] Vgl. Allende (1995: 110-114, 124-125, 136-140).

[24] Vgl. Allende (1995: 117-119, 139, 147).

[25] Vgl. Allende (1995: 139, 225).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Claras in Isabel Allendes Familiensaga 'La casa de los espíritus'
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Der chilenische Roman
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V183486
ISBN (eBook)
9783656077572
ISBN (Buch)
9783656077640
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Das Geisterhaus, Clara, La casa de los espíritus, Charakterisierung Claras, Chile
Arbeit zitieren
Lisa Elsner (Autor), 2010, Die Rolle Claras in Isabel Allendes Familiensaga 'La casa de los espíritus', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183486

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