Der Brief des Claudius an die Alexandriner und die Verfasstheit der dortigen jüdischen Diaspora


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: verwendete Literatur, Quellen, ThematikS

2. Der Brief des Claudius an die Alexandriner
2.1 Inhaltliche Gliederung
2.2 Die im Brief bezeugten Maßnahmen

3. Die Vorgeschichte des Briefes

4. Der Brief des Claudius und die Judenedikte

5. Eine Chronologie der Ereignisse

6. Die Verwirrung - die „besonderen Gesandtschaften“ der Juden

7. Ein Beitrag zur Entwirrung - Mendels` und Edreis These von „zweierlei Diaspora“

8. Schluss: Fazit, weiterführende Fragen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Brief des Claudius stellt den Versuch des Kaisers dar, die gewaltvollen Auseinan- dersetzungen zwischen Teilen der jüdischen und griechischen Bevölkerung, die seit dem Jahr 38 n. Chr. in Alexandria stattfanden, zu beenden und die verfeindeten Lager zu befrieden. Der erste Teil dieser Arbeit bietet eine Gliederung des Briefes und be- schäftigt sich mit den darin angesprochenen Maßnahmen. Darauf folgend wird zweitens eine Zusammenfassung der Ereignisse gegeben, die dazu führten, dass Claudius diesen Brief an die Alexandriner richtete. Die Kapitel drei bis sieben beinhalten Themen, die in der Literatur kontrovers dargestellt werden. Hier wird versucht, zu einer eigenen Positi- on zu finden. Unter anderem geht es darum, in welchem Verhältnis der Brief des Clau- dius mit dessen Judenedikten steht. Außerdem wird eine Chronologie der verschiedenen Gesandtschaften von Alexandria nach Rom angeboten. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Frage, woher die Empörung über das Verhalten der Juden, die Claudius im Brief zum Ausdruck bringt, rührt. Interessant ist hierfür eine These zur Verfasstheit der antiken jüdischen Diaspora. Diese wird zur Erklärung des Gesinnungswandels des Claudius herangezogen.

Gearbeitet wurde mit der Übersetzung des Briefs an die Alexandriner, wie sie bei Bar- rett in dessen Quellensammlung zur Umwelt des Neuen Testaments zu finden ist. Als Grundlage für diese Arbeit diente unter anderem Helga Botermanns aufschlussreiche Schrift zum Judenedikt des Kaisers Claudius. Darüberhinaus beziehe ich mich für die Ausschreitungen in Alexandria auf die entsprechenden Kapitel bei Smallwood, Ferril, Bernett und Bringmann. Mittels des Aufsatzes zum Brief des Kaisers Claudius von Ri- chard Laqueur von 1926 konnte Einblick in die Diskussion direkt nach Veröffentli- chung des Pap. Lond. 1912 genommen werden. Zudem lieferten Mendels und Edrei in „Zweierlei Diaspora“ von 2010 eine These, die meines Wissens noch nicht mit den Spannungen zwischen Juden und Griechen in Zusammenhang gebracht wurde.

2. Der Brief des Claudius an die Alexandriner

2.1 Inhaltliche Gliederung

Inhaltlich besteht der Brief des Kaisers Claudius aus fünf Teilen.

1. In der vorliegenden Version des Briefes ist diesem ein Edikt von L. Aemilius Rectus vorangestellt (Z.1-8). In diesem wird erläutert, warum es notwendig war, den Brief nicht nur öffentlich zu verlesen, sondern auch zu publizieren. Hier findet sich auch eine Da- tierung: „2. (Jahr) unter Tiberius Claudius Cäsar Augustus Germanicus Imperator, am 14. Neos Sebastos.“ Nach Botermann ist das Datum dieses Edikts der 10. November 41.1
2. Mit dem Präskript beginnt der eigentliche Brief (Z. 9-24). An dieser Stelle werden die griechischen Gesandten namentlich erwähnt. Als Empfänger des Briefes ist die Stadt Alexandria genannt.
3. Im dritten Teil kommt Claudius auf die, von der griechischen Gesandtschaft vorgeschlagenen Ehrungen ihm gegenüber zu sprechen (Z. 25-51).
4. Darauf folgt seine Stellungnahme zu den „Bitten“2 der Griechen (Z.52-75). Diese betreffen den Erwerb des Bürgerrechts, staatliche Ämter und die der Neokoroi, sowie die (Wieder)einsetzung eines Rates.
5. Der letzte Teil (Z.75-110) ist für die folgende Arbeit von größtem Interesse. Denn in diesem bezieht der Kaiser Stellung zur Frage, wer für den Konflikt zwischen Juden und Griechen in Alexandria verantwortlich ist. Außerdem dringt er eindringlich auf dessen Beilegung, indem er die Griechen dazu anhält, den Juden ihre Sonderrechte vor allem im Hinblick auf die Ausübung ihrer Religion, wie sie seit Augustus bestehen, wieder zu gewähren. Die Juden sollen ihrerseits „nicht auf mehr Privilegien als sie früher besa- ßen“3 hinarbeiten, keine besonderen Gesandtschaften aussenden, die Spiele und Wett- kämpfe in den Gymnasien nicht behindern und aufhören, weitere Juden dazu zu veran- lassen, Alexandria aufzusuchen.

2.2 Die im Brief bezeugten Maßnahmen

Im Folgenden wird dargestellt, welche Bestimmungen des Kaisers in dessen Brief an die Alexandriner Erwähnung finden. Für die, den Kaiserkult betreffenden Erlasse ist zunächst ein grundlegendes Verständnis der gottähnlichen Verehrung der Kaiser seit Augustus wichtig. Bernett zu Folge hatte der Kaiserkult die zentrale Funktion, die Integration des hellenistischen Ostens in das römische Imperium zu gewährleisten.4 Die rituelle Verehrung des Kaisers stellt eine Kommunikationsform dar, vermittels der die Untertanen ihre Loyalität bezeugen konnten und sich im Gegenzug einer wohlwollenden Haltung ihnen gegenüber versichern konnten. Diese kam darin zum Ausdruck, dass der jeweilige Kaiser, die vorgeschlagenen Ehrungen annahm.

Die Griechen der Stadt Alexandria hatten schon den Bruder des Claudius, Germanicus, bei dessen Besuch im Jahr 18 mit großen Ehren empfangen5. Deshalb bezeichnet Clau- dius die Alexandriner als „von Natur aus fromm gegen die Augusti“6. Mehrmals spricht er auch von seinem Wohlwollen, das er ihnen für die Haltung im Gegenzug bezeigen wolle. Aus diesem Grund nimmt er den überwiegenden Teil der angedachten Ehrungen an.7 Die Meinung Laqueurs, Claudius gehe mit seiner Antwort sogar über den Vor- schlag der Alexandriner hinaus, kann nicht ohne Weiteres von der Hand gewiesen wer- den.8 Lediglich die Ernennung eines Oberpriesters und den Bau von Tempeln weist Claudius zurück. Darin sehe ich Claudius Rückkehr zu der Auslegung des Kaiserkultes, wie er vor Caligula bestand, bezeugt. Außer diesem betrieb nach Price kein Kaiser schon zu Lebzeiten seine eigene Vergöttlichung.9 Doch als eine solche Anmaßung wäre wohl der Bau von Tempeln und die Ernennung eines Oberpriesters von den „Zeitgenos- sen“10 verstanden worden.

Nachdem Claudius auf die Ehrungen eingegangen ist, folgt seine Entscheidung zu den Fragen, die die rechtliche Stellung der Einwohner Alexandrias betreffen. Noch einmal spricht Claudius dieses Problem an, indem er den Juden befiehlt, sich mit dem status quo zufriedenzugeben.11 Es gibt vielfältige Literatur zur Frage der rechtlichen Stellung der Juden unter römischer Herrschaft. An dieser Stelle sei hier auf die Arbeit Bernetts verwiesen, die einen guten Einstieg in die weiterführende Literatur vermittelt.12 Die folgende Passage ist für unsere Arbeit von größerer Bedeutung. Claudius macht keine der verfeindeten Gruppen allein für die Streitigkeiten verantwortlich. Er spricht sich außerdem dagegen aus, „eine strenge Untersuchung [zu dieser Frage] zu veranlas- sen“13. Ihm geht es weniger um eine Verfolgung der Aufrührer als vielmehr darum, da- für zu sorgen, dass der Konflikt in Alexandria beigelegt wird. Dies versucht er mit War- nungen an beide Lager zu erreichen. Zuerst kommt er auf die Griechen zu sprechen. Diesen droht er „zu zeigen, wie ein an sich wohlwollender Fürst sein kann, wenn man ihn zu gerechtem Zorn reizt“14. Danach mahnt er die Religionsfreiheit der Juden, wie sie seit Augustus bestand, weiter zu achten. Und auch an die Juden ergehen eindrückliche Weisungen, die dafür sorgen sollen, den Frieden wiederherzustellen. Im Wohlwollen gegenüber den Alexandrinern treten die Sympathien, die Claudius gegenüber dem grie- chischen Bevölkerungsteil hegte zu Tage. Diese veranlassen ihn dazu, letztendlich doch den Juden die größere Schuld zuzusprechen. In den, im Vergleich mit den Weisungen an die Griechen, umfangreicheren Befehlen an die Juden kommt dies zum Ausdruck. Zudem sieht Claudius die Juden als „Erreger einer allgemeinen Plage für die ganze Welt“15. Direkt im Anschluss kündigt Claudius für den Fall, dass die verfeindeten Par- teien ihren Streit beilegen, an, er wolle „die wohlwollendste Sorge für die Stadt bezei- gen“.16

[...]


1 Botermann, Helga: Das Judenedikt des Kaisers Claudius. Römischer Staat und Christiani im 1. Jahrhundert, Stuttgart 1996, S.111.

2 Ein Brief des Kaisers Claudius an die Einwohner von Alexandria: hrsg. und übersetzt von Barrett, Charles K. In: Die Umwelt des Neuen Testaments. Ausgewählte Quellen Wissenschaftliche Untersuchungen zum neuen Testament, Band 4, Tübingen 1959, Z.52.

3 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.93f.

4 Vgl. Bernett, Monika: Der Kaiserkult in Judäa unter den Herodiern und Römern. Untersuchun- gen zur politischen und religiösen Geschichte Judäas von 30 v. bis 66 n. Chr., Tübingen 1984, S.286.

5 Vgl. Barrett, Anthony: Caligula. The Corruption of Power, London 1993, S.184.

6 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.20

7 Vgl. Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.25-47

8 Vgl. Laqueur, Richard: Der Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner. In: Klio, 20 (1926), S.89f.

9 Vgl. Price, S.R.F.: Rituals and Power. The Roman imperial cult in Asia Minor, Cambridge 1984, S.184.

10 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.49 5

11 Vgl. Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.92-94.

12 Vgl. Bernett: Kaiserkult, S.272-274.

13 Ein Brief des Kaisers Claudius Z.78.

14 Ein Brief des Kaisers Claudius Z.84f.

15 Ein Brief des Kaisers Claudius Z.103.

16 Ein Brief des Kaisers Claudius Z.105f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Brief des Claudius an die Alexandriner und die Verfasstheit der dortigen jüdischen Diaspora
Hochschule
Technische Universität Dresden
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V183489
ISBN (eBook)
9783656077558
ISBN (Buch)
9783656077626
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexadnria, Diaspora, Judentum, Progrom, Claudius, Caligula, Gaius
Arbeit zitieren
Simon Köhler (Autor), 2011, Der Brief des Claudius an die Alexandriner und die Verfasstheit der dortigen jüdischen Diaspora, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183489

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